Einsam brannte die Tischlampe. Eine unheimliche Stille verkehrte im Zimmer. Eine feuchte Winternacht war’s. Nebelschwaden geisterten im Garten. Ein Mann saß im Stuhl bedrückt, die Stirn in Falten, nachdenklich; in den Augenblicken, als er inwendig in sich hineinging, im Anschluss die Ruhe zu suchen, um allein zu sein, nach dem wiederholten Streit mit seiner Ehefrau, die ihm sagte, dass sie sich von ihm scheiden lassen möchte, zog sein Geist die ganze Summe seines Lebens und legte sie ihm in aller Deutlichkeit vor. Was für einen Wert haben die letzten zehn vergangenen Ehejahre, wenn die Gegenwart alles, in einem Augenblick nur zerstört kann! fragte er sich. Das Haus, das mühsam abbezahlt wurde wird – muss wieder verkauft werden. Der schöne Traum eines Tages ein eigenes Haus zu besitzen und eine Familie darin zu haben, wie süß leuchtete mir das damals in meinem Herzen – ach, und wie reichhaltig und geistvoll waren die Gespräche mit ihr über die Pläne und Schritte und Wünsche, darüber, wie wir unsere Zukunft erobern wollen! – und ich weiß noch, wie wir gegenseitig uns den Wunsch offenbarten, Kinder haben zu wollen. Ja, wir griffen nach den Sternen, wir waren romantisch, verliebt, vergnügt, und schworen auf immer zusammen zu sein. Solche und ähnliche Gedanken machte sich Robert über seine Ehe, als sein Gedankengang seine Arbeit plötzlich mit in die innere Diskussion hineinzog. All die Jahre des Studiums, wie schön waren sie, die besten Zeiten des Lebens. Mir stand die Welt offen nach dem Abschluss! – und doch habe ich mich eingeschränkt, – und doch eine Stelle des Dozenten angenommen, die mich nie ausgefüllt hat, die allein und einzig nur mein Lebensstandart sicherte: und meine Leidenschaft dem Fussballvergnügen nachzugehen, und intellektuell sein zu wollen, kitzelte nie, nie mein Herz tief genug. Wie viel Male habe ich mit ihr gereist durch die Welt und die tausend und aber tausend Bilder, die unsere Reise dokumentieren, unsere Vergangenheit in kleine Teile festhalten, (ein Gedankenblitz eröffnete ihm eine neue Erkenntnis), ach – er fing bei dem Gedanken an zu weinen – und nach jeder Reise, als wir nach Hause kamen, luden wir Freunde ein, und zeigten ihnen unsere Reisebilder, und tranken Wein, die Leichtigkeit und Unbekümmertheit schwebte uns in den Seelen, und wir erzählten ihnen bis tief in die Nacht von unseren erlebten Abenteuern. Und alle Bilder liegen jetzt im Keller in den Kartons verstaut, weil oben kein Platz mehr genügte, und nur wenige die Kommode schmücken. Von seinem Tisch nahm er ein glückliches Bild von sich und seiner Frau in die Hand und starrte es ungläubig an. Weit zurück in die Zeit konnte er gedanklich gehen, alles Revue passieren lassen, doch nicht einen Tag vorne in die Zukunft, sie erschien ihm leer und trostlos. Es zeichnete sich in dem Moment um seine Augen Furchen, als ob sein Scharfsinn ihm den aktuellen Endbetrag seines Lebens zwischen Vergangenheit und Gegenwart errechnen würde. Zu welchem Ergebnis und Schlussfolgerung er letzten Endes kam, weist der nächste Tag.
Er lag im im Blutbad, neben ihm ein Messer.