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Raul

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1

Saturday, November 12th 2011, 12:43pm

Letzte Ölung

Gefällt mir, sagte der Waldbauer
und hob die Axt aus der Rinde,
als der Baum stürzte
und ihn unter sich vergrub.

Tamea

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2

Saturday, November 12th 2011, 3:44pm

lieber raul,

-ohne worte - :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup:

Alexa

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3

Monday, November 14th 2011, 2:58pm

Quoted

Gefällt mir, sagte der Waldbauer
und hob die Axt aus der Rinde,
als der Baum stürzte
und ihn unter sich vergrub.


vergrub? Klingt für mich seltsam. Ich hätte da jetzt begrub geschrieben, weil vergraben für mich eher etwas ist, was unter die Erde geschachert wird. Begraben werden dagegen kann man auch von z.B. Schneelawinen, also dann auch von einem Baum.


Gruß Alexa
Mit dem Geist ist es wie mit dem Magen: Man kann ihm nur Dinge zumuten, die er verdauen kann.
(Winston Churchill)

Ich hier

Raul

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4

Monday, November 14th 2011, 4:25pm

Hallo Alexa,

ich hatte vorher auch nachgeschaut und gesehen, dass beides geht. Ich habe mich dann für das Vergraben entschieden. Es ist für mich sogar eine Nuance besser, wenn man den kleinen Unterschied bedenkt. Du begräbst einen Menschen, ein Mensch jedoch wird im Tod in der Regel nicht vergraben. Genau darauf wollte ich hinaus, auf eine Bestattung wider Willen.

LG

Raul

Marot

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5

Monday, November 14th 2011, 5:19pm

Quoted

als der Baum stürzte
und ihn unter sich vergrub


So,als kleines dankeschön für die rechtschreibkorrektur, eine kleine Grammatikbesprechung:

Rein grammatikalisch ist der satz falsch, weil ein Baum; ( ein Objekt) keine Aktive handlung vollziehen kann. Das verb "vergraben" beschreibt eine aktive Tätigkeit. Jemand vergräbt etwas.Das Verb hat zwei Satzteile Subjekt und Akkusativobjekt.
Ein lebendiger Ausführer des Vorgangs ist also grammatikalisch notwendig.

Das Verb begraben, kann genau so funktionieren: Jemand begräbt etwas. ( wie du richtig sagt ist damit sematisch unter anderem die Bestattung eines Menschen gemeint, weshalb laut deiner eigenen Erklärung dieses Verb eh sinnvoller wäre.)
Im Gegensatz zu vergraben, ist es bei begraben möglich, ein lebloes Objekt das Subjekt bildet .
Der Steinschlag begräbt mich unter sich.
oder noch klarer in der Passivvariante.
Ich werde vom Steinschlag begraben.

Weder Baum noch steinschlag können aber jemanden vergraben, weil man dafür hände benötigt. ( alleine semantisch gesehen.)

Soooo, das heißt natürlich nicht, das du das verb " vergraben" nicht verwenden kannst, ich finde es hier eigentlich sogar besser, denn wir machen hier ja lyrik und da kann man die Grammtik gerne mal vernachlässigen. Du kannst einfach sagen. Der Baum wird hier personifiziert. Dann ist er ein Subjekt und kann sehr wohl etwas vergraben.

das löst das sematische Logikproblem, dass du in diesen beiden zeilen hast aber nicht. Denn ganz egal ob baum oder mensch: jemand der gerade stürzt kann ganz bestimmt nichts aktiv vergraben. Die Zeit dafür hat er während des Sturzes ja gar nicht. er kann etwas unter sich begraben, das geht natürlich, aber vergraben nicht.

ich hoffe ich konnte helfen
gruß Marot
Geld ist teuer!

Heilige Johanna der Schlachthöfe / Bertholt Brecht

Raul

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6

Monday, November 14th 2011, 5:45pm

Lieber Marot,

hast du dir schon einmal einen Baum vorgestellt, der lebendig ist und kräftige Arme in Form von Ästen zeigt? Kannst du ihn dir hier vorstellen? Ist ein Baum nicht auch Leben? Er ist kein Mensch, aber dennoch kann man sich so eine ähnliche Form zum Menschen vorstellen. Ich weiß ehrlich nicht, wo das Problem ist. Zumal je nach Mundart und Region das "vergrub" ähnlich zum "begrub" gebraucht wird, wenngleich letzteres häufiger vorkommt. Das semantische Logikproblem ist nur ein solches, wenn ein Baum hier für dich einfach nur ein Baum ist. Ich wollte es auf einer anderen Ebene gelesen wissen.

Begraben ist für mich semantisch überfrachtet mit einem Begräbnis, das von Menschen inszeniert wird. Vergraben stellt für mich hier die rohe Gewalt der Natur dar, die zurückschlägt, wenn man ihr das Leben nimmt. Sie lässt auch häufig kein Begräbnis mehr zu, weil die Leichen von der Natur einfach vergraben werden (Tsunami etc.). Der Baum ist hier also sinnbildlich als Subjekt gemeint, das ebenfalls etwas vergraben kann. Entscheidend für diese Wortwahl war für mich, dass ein Vergraben keine Inszenzierung oder Trauerarbeit erlaubt. Also lass diesen Waldbauern mal getrost da liegen. :D

Marot

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7

Monday, November 14th 2011, 6:17pm

Wie gesagt ich finde vergraben ja auch besser, personifizierung habe ich ja anerkannt, aber ich zitiere mich selbst noch mal, weil das offensichtlich nicht ankam:

Quoted

das löst das sematische Logikproblem, dass du in diesen beiden Zeilen hast aber nicht. Denn ganz egal ob Baum oder Mensch: jemand der gerade stürzt kann ganz bestimmt nichts aktiv vergraben. Die Zeit dafür hat er während des Sturzes ja gar nicht.
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Alexa

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8

Monday, November 14th 2011, 6:20pm

Quoted

Du begräbst einen Menschen, ein Mensch jedoch wird im Tod in der Regel nicht vergraben. Genau darauf wollte ich hinaus, auf eine Bestattung wider Willen.

?(
Du schreibst, man wird im Tod in der Regel nicht vergraben.
wolltest aber auf eine Bestattung hinaus, egal ob wider Willen oder nicht, (eine Bestattung wird in der Regel vorgenommen, wenn jemand tot ist)
Raul, das irritiert jetzt aber gewaltig. :D

L.G. Alexa

Quoted

Sie lässt auch häufig kein Begräbnis mehr zu, weil die Leichen von der Natur einfach vergraben werden

begraben, Raul. Etwas wird von der Natur begraben. Auch ein Tsunami begräbt das Land unter sich.
Aber egal, wenn dir vergraben besser gefällt, dann lass es stehn. Für mich klingt es falsch, aber das macht ja nix. 8)
Mit dem Geist ist es wie mit dem Magen: Man kann ihm nur Dinge zumuten, die er verdauen kann.
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Raul

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9

Monday, November 14th 2011, 6:29pm

Hallo Alexa,

das sollte ja auch irritieren. Denn - wenn das semantisch falsch sein sollte, wie Marot oben ausführte, weil der Baum ein Objekt ist und nicht handeln kann, dann sind solche Sätze auch semantisch falsch:

"Die Trümmer haben ihn begraben."

Und weißt du, warum der Satz sich für uns alle gefühlt richtig anhört? Weil wir das Verb hier allein vom Menschen aus denken. Das ist das Problem. Trümmer können ja auch keinen Menschen im aktiven Sinn begraben. Sie haben auch keine Arme, haben keinen Willen.

Marot

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10

Monday, November 14th 2011, 6:43pm

Hm, ich sehe schon, wir haben es hier mit einem verständisproblem und einem Denkfehler zu tun.
Also ich ziehe das mal außeinander:

Die Dudendefinition von begraben ist:

Quoted

1.(besonders einen Leichnam, eine Tierleiche) in eine Grube o. Ä. legen und durch Zuschütten der Grube unter der Erde verschwinden lassen (Abkürzung des 2. Partizips: begr.; Zeichen: ▭)
2.aufgeben, fahren lassen; als beendet, erledigt betrachten
3.unter größeren, herabstürzenden Massen verschwinden lassen, verschütten
4.(veraltet) vergraben

Wie du siehst hat begraben vier Bedeutungen. das ist wichtig zu verstehen: Ein Wort kan mehrere von einander unabhängioge bedeutungen haben, und wenn man es verwendet machtd er Kontext deutlich welche Bedeutung gemeint ist.

Hier die bedeutungen von vergraben:

Quoted

1.
a.durch Eingraben verstecken, vor anderen verbergen
b.sich einen unterirdischen Gang o. Ä. graben und sich dorthin verkriechen, dort verbergen

2.
a.in etwas verbergen
b.tief in etwas stecken
3.sich intensiv mit etwas beschäftigen, sodass man sich von der Umwelt [fast] völlig zurückzieht; sich in etwas versenken


So, für deinen Text ist es jetzt wichtig zu wissen welche Bedeutung du eigentlich meinst, weil die jeweilige Bedeutung eine völlig andere Handlung beschreibt.

meinst du erstens: den vorgang etwas durch eingraben in die erde zu tun? ( was eine bestattung ja auch wäre) In diesem fall könntest du begraben oder vergraben verwenden.
Diese Beedeutung ist aber wie ich mehrfach sagte eine komplexe zeitaufwenige Handlung. Es spielt keine Rolle ob der Personifizierte Baum das tut oder ein Mensch, in jedem Fall benötig die Handlung Zeit und am besten eine Schaufel, genau so den erklärten Willen etwas zu vergraben.

Oder meist du
2.
unter größeren, herabstürzenden Massen verschwinden lassen, verschütten. Also durch einen Sturz von Masse bedeckt werden, in deinem Fall von einem Baum.

Deine Komentare und der Titel weisen darauf hin, dass es dir um die erstgenannte Bedeutung geht, der Satzbau und das Verb stürzen, weisen aber auf die zweitgenannte Bedeutung hin. Beide gelichzeitig kannst du nicht verwenden, zumindest nicht ohne größere Verwirrung zu stiften.
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Heilige Johanna der Schlachthöfe / Bertholt Brecht

Raul

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11

Monday, November 14th 2011, 7:08pm

Hallo Marot,

genau da habe ich auch nachgeschaut. Vergraben ist veraltet und wird dennoch hier in meiner Region manchmal noch so wie Begraben gebraucht. Ich meinte es aber in dem aktiven Sinne, dass der gefällte Baum Leben nimmt, seine eigene letzte Ölung am Menschen vornimmt. Die Natur schlägt sinnbildlich zurück. So gesehen wird es für beide - für Mensch und Umwelt die letzte Ölung. Und da passte mir das Vergraben eben besser, weil es aktiver wirkt und weniger inszeniert, weil das Todesszenario ja auch so nicht vorgesehen war. Der Waldbauer liegt natürlich vergraben unter Ästen und dem übrigen Baumzeugs. Der Baum hat ihn mit seinem eigenen Tod vergraben. Ich sehe da keinen Denkfehler und dein Zeitargument ist mit diesem Bild auch nicht stichhaltig. Wenn du von der Schaufelvorstellung des Vergrabens wegkommst, dann rutscht es, denke ich. Es ist auch semantisch nicht falsch, sondern nur in der Perspektive mit der Bedeutung - vor anderen etwas verbergen - etwas irritierend. Genau das sollte ja die Pointe sein. Eine Bestattung wider Willen ist jedenfalls kein Begraben, und der Waldbauer liegt da vermutlich heute noch, wenn Hänsel und Gretel ihn nicht doch gefunden haben.

Tsukuyomi

Trainee

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12

Monday, November 14th 2011, 7:16pm

Gefällt mir. Kurz und bündig. Weiter so!

Marot

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13

Monday, November 14th 2011, 7:31pm

4. vergraben (veraltet)
Dieser Eintrag im Duden für das Verb begraben ist folgendermaßen zu verstehen:

das Verb begraben konnte früher auch wie die Bedeutung des verbs vergraben verwendet werden.
Nicht aber umgekehrt.
man kann begraben für die bedeutung:
a.durch Eingraben verstecken, vor anderen verbergen vom verb vergraben benutzen.
Man kann andersherum vergraben aber nicht für die bedeutung:

3.unter größeren, herabstürzenden Massen verschwinden lassen, verschütten
verwenden, das ist nicht möglich, diese Bedeutung hat vergraben schlicht und einfach nicht, und wenn du es verwendest wird es wie du ja siehst missverstanden.

Quoted

Wenn du von der Schaufelvorstellung des Vergrabens wegkommst

Dann eben mit den Händen oder mit den Füßen, das ändert doch nichts. etwas vergraben ist eine Handlung die man im Sturz , außer man hat superreflexe, nicht durchführen kann. Probiere es gerne aus.

ich vertsehe was du willst habe du verwechselst nachwievor die Bedeutungen. Dein Wort und Sinnspiel funktioniert so wie du es willst nur mit dem Verb begraben.
So und jetzt habe ich mir denke ich genug Mühe gegeben
gruß marot
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Heilige Johanna der Schlachthöfe / Bertholt Brecht

Alexa

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14

Monday, November 14th 2011, 7:45pm

:D

Quoted

Der Waldbauer liegt natürlich vergraben unter Ästen und dem übrigen Baumzeugs.

der Waldbauer liegt natürlich begraben unter Ästen und Baumzeugs. :D
Mit dem Geist ist es wie mit dem Magen: Man kann ihm nur Dinge zumuten, die er verdauen kann.
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Raul

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15

Monday, November 14th 2011, 8:01pm

Hallo Marot,

da muss ich dir einfach widersprechen. Hier in meiner Region haben die Leute früher bei Beerdigungen beinahe immer vom Vergraben gesprochen, Duden hin oder her. Und auch in der Lyrik finden sich synonyme Beispiele mit dem Wort "vergrub". Wenn es nämlich um ad-hoc-Kriegsbegräbnisse auf dem Schlachtfeld ging, ein inszeniertes Begräbnis nicht möglich war. Aber selbst, wenn wir einmal davon ausgehen, dass dies kontextuelle oder regionale Ausnahmen sind, erschließt sich mir nicht, warum ich hier Bedeutungen verwechsele. Ich meine zuvorderst das aktive Vergraben, habe am Anfang des Threads angedeutet, dass die beiden Begriffe früher auch alternativ verwendet werden konnten, was du mit Konrad im Rücken vehement bestreitest. Hier widerspreche ich eben, aber das ist letztlich auch piepe, weil ich das aktive Vergraben durch den Baum meine, der den Leichnam nun vergraben und vor anderen verborgen hält. (Siehe deinen Konrad-Auszug). Vergraben ist eine Handlung, die ein Baum auch im Sturz und dann im Ergebnis ausüben kann. Wenn wir hier schon im Lyrikforum sind, und ich die Personifikation vornehmen darf. Du kannst mir natürlich jetzt die mathematisch genau berechnete Fallgeschwindigkeit entgegen halten, die keine Handlung zulasse. Aber wo sind wir dann gelandet? In der Naturwissenschaft? Meinetwegen kann ein Baum in deinem Sinne nicht vergraben. Ich lasse ihn so. Er kann ja auch keine letzte Ölung geben.

@Alexa :D

Er liegt da vergraben. Zustandspassiv. :D

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