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Chepre

Moderator

Date of registration: Aug 22nd 2008

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1

Wednesday, November 2nd 2011, 11:36pm

Marburg #13

du liegst in Hügelketten.
lärmgeschwängert bist du, als müsstest du jeden Tag aus deinen Nähten platzen.
Bäume wachsen von irgendwo unter der Straße in einen bleigrauen Himmel.
dein Pflaster ist bei Regen glatt wie Eis.
man stolpert über deine glänzend aufpolierte Geschichte.
Du kannst gehn, aber deine Kopfhaut bleibt hier.

Erik R. Andara

Glasphasen-Moderator

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2

Saturday, November 12th 2011, 7:24pm

der erste vers ist richtig gut, wenn ich das mal bemerken darf; ein echt starkes, originales bild;
auch die formale weiterführung /lärmgeschwängert bis du" gemahnt an eine klassische länderhymnenform und dann hauts mich aber rgythmisch aus der kurve mit diesem überlangen zweiten vers;
auch das bild empfinde ich ein bißchen, hmmm, umstimmig, denke ich mal - ich vermute du meinst, weil die stadtd schwanger geht (mit lärm) kann sie sich jederzeit im umfang vergößern, oder müsste sie eigentlich, weil sie ja derart (lärm)schwanger ist; ich denke aus diesem gednken hätte man mehr machen können, denke ich; vor allem weil das starke eingepfercht-bild aus dem ersten vers noch nachwirkt;
bäume wachsen von irgendwo unter der straße - heißt das durch den beton durch, so wie man oft junge pflanzen sieht, die den beton sprengen, hinein ins nächste grau? find ich jetzt auch nicht so knackig im zusammenhang;
und die letzten beiden verse sind wieder aller-feinst;
also, wenn du was von meiner kritik am mittelteil mitnehmen willst, ist gut; wenn nicht, will ich nochmal die wirklich guten verse 1, 4 und 5 hervorheben und betonen, dass die bilder und deren einsatz wirklich gelungen ist;

mfg
erik
under the sea, is where I'll be
no talking 'bout the rain no more

Chepre

Moderator

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Occupation: Student

3

Thursday, December 22nd 2011, 12:14pm

Moin, Erik

der erste Vers war vorher anders und dem zweiten in der Länge ähnlicher. dafür war er inhaltlich so banane, dass ich ihn gestrichen und ganz neu geschrieben habe.
mit V2 meinte ich, dass die Stadt, obwohl sie so klein und dichtgepackt ist, vor lauter Lärm zu zerplatzen scheint, es aber nicht tut. ?( ich kann ja auch einfach mal versuchen, das genau so zu schreiben.
mit V3 ist der alte botanische Garten in Marburg gemeint, der auf viel tieferem Niveau liegt als die daneben verlaufende Straße, und dessen Bäume trotzdem irre viel höher wachsen. naja, vielleicht echt nicht so spannend. aber zum Wegstreichen zu schade, finde ich.
witzig, dass du V4 gut findest. :D den find ich jetzt mit am schwächsten. V5 mag ich auch, ja. =)
danke für das Lob, danke für die konstruktive Kritik.

Gruß
Du kannst gehn, aber deine Kopfhaut bleibt hier.

shuya

Trainee

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4

Friday, December 23rd 2011, 12:08pm

seltsam einen so abgebrühten blick über Marburg zu lesen.
Als gebürtiger Frankfurter habe ich immer ein wenig verzückt auf die Schönheit dieser Stadt gelunst
Die Parties, die Menschen, die Marburger Kunstszene,
was ich über die Jahre dort kennen gelernt habe, war beinahe immer voll von positiven Eindrücken.

Aber es ist, wie so oft, vermutlich
der Blick von außen geht selten kongruent mit einem Blick von innen.

Zum Text:
Ja, der erste Satz ist von malerischer Schönheit
und die nächsten beiden, quälen sich ein bisschen,
vielleicht weil du die Distanz verlierst.
Jeweils hätte es genügt, die erste Hälfte des Satzes stehen zu lassen

Dann ist da der Schlußsatz, der mich ein bisschen ratlos hinterlässt.
Es stimmt ja: gut erhaltene Städte, saubere, gut erhaltene Städte
hinterlassen dieses seltsame Gefühl
das man auch hat, wenn man durch eine Wunderkammer läuft.
Die Architektur einer anderen Zeit, mit penibler Genauigkeit erhalten
hat etwas Menschenfeindliches
stößt die Gegenwart ab.
Aber der Satz wirkt so unbeholfen am Ende,
und ratlos bin ich, weil ich ihn gut verstehe und seinen sinn
richtig platziert sehe
während mir die gestaltung dieses sinns zu final, zu abgeklärt und nüchtern
entgegenschlägt.

(: vielleicht findet sich ja noch jemand der das konkreter auslegen kann,
oder mich einfach widerlegt.

grüße
aus offenbach

Raul

Master

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5

Tuesday, January 3rd 2012, 8:24pm

Hallo,

also ich war einmal in Marburg, und die Stadt hat einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. Eins jedoch fand ich an der Stadt merkwürdig. Während der schöne Stadtkern sich wirklich in Hügeln windet, sind die Ausläufer aus der Stadt heraus wirklich merkwürdig hässlich. Ich habe noch nie eine Stadt mit so einem krassen Kontrast gesehen. Vielleicht war das auch der Grund, warum ich mich aus der Stadt heraus in alle Himmelsrichtungen verfahren habe. :D Ich habe nach einem schönen Ausgang aus der Stadt gesucht. Zum Text:

Ich habe ein Problem mit dem "du". Was mich daran stört, kann ich gar nicht genau sagen. Vielleicht ist es die ansonsten so distanzierte und genaue Sprache, die mich mit dieser nahen Anredeform stört. Da ich den Text jetzt erstmals genauer gelesen habe, lasse ich ihn mal eine Nacht auf mich wirken. Und wer weiß..., es kann sein, dass ich ihn morgen richtig gut finde. So finde ich ihn nur gut. Das reicht mir noch nicht. ?(

Chepre

Moderator

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6

Sunday, January 8th 2012, 2:20pm

hallo, shuya

naja, Blick von innen - ich studier da, sonst bin ich auch nicht so furchtbar "von innen". aber ich finde halt, wo die Stadt viele nette Seiten hat, hat sie auch viele hässliche. laute, lärmende, Zweckbauten, Unmengen Autos für viel zu wenig Stadt. und die Bundesstraße mittendurch - die macht besonders viel kaputt.

Quoted

Jeweils hätte es genügt, die erste Hälfte des Satzes stehen zu lassen

meinst du...

du liegst in Hügelketten.
du bist lärmgeschwängert.
Bäume wachsen von irgendwo unter der Straße.
dein Pflaster ist bei Regen glatt wie Eis.
man stolpert über deine glänzend aufpolierte Geschichte.

..so was in der Art?
zugegeben, sieht doch gar nicht so schlecht aus. =) was meinst du zu der Version?
edit: also spätestens in der Version wird die dritte Zeile irgendwie ziemlich unnötig. vielleicht hau ich die auch einfach raus.

Quoted

hat etwas Menschenfeindliches
stößt die Gegenwart ab.

hmm, wo ich es nur empfunden habe, hast du das Gefühl vielleicht ganz gut ergründet. die Bauten wirken, wenn sie "zu gut" gepflegt sind, halt oft etwas leblos und fast nur wie für Touristen hergerichtet. als würden sie nicht wirklich am Leben der Stadt, die sie ja ausmachen, teilhaben. und deswegen bin ich vielleicht auch drüber gestolpert.
zu nüchtern kann ich das Ende nicht finden, aber nüchtern vielleicht schon. :) so schön Marburg ist, und so sehr ich die Cafés dort mag und das Schloss und den alten botanischen Garten oder die Spiegelslust, so stößt es mich am Ende doch irgendwie ab. diese Stadt scheint im Konflikt mit sich selbst zu liegen. so schön und gleichzeitig so unausgeglichen.

danke für deinen Kommentar, der mir echt weitergeholfen hat!

hallo, Raul

Quoted

Ich habe noch nie eine Stadt mit so einem krassen Kontrast gesehen.

Oft kommt's ganz drauf an, wo man sucht und wie man kuckt. "Augen auf im Straßenverkehr!" oder so. =)

Dein Problem mit dem "du" leuchtet mir nicht ein. Ich denke, die Anrede ist in Ordnung und dem Text angemessen.

Quoted

So finde ich ihn nur gut. Das reicht mir noch nicht.

na immerhin, was? =)

danke für deinen Kommentar.

Gruß
Chepre
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Babac

Master

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7

Sunday, January 8th 2012, 8:33pm

hallo maria,

ich nutze mal die gelegenheit und schreibe dir ein kommentar zu deinem gedicht. wie eigentlich ich alle deine marburg gedichte gerne gelesen habe, so lese ich dieses hier genauso gerne. es ist interessant, dass du marbrug nicht nur in einem gedicht festgehalten hast, sondern in mehreren gedichten, die alle zusammen, eine weit breitere sicht auf die stadt werfen.

grüße,
babac

Chepre

Moderator

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8

Monday, January 9th 2012, 12:18am

hallo, Babac

ja, Marburg beflügelt nach wie vor. im positiven wie im negativen. =) das ist ja das schöne - man hat dort so viele und oft ganz neue Eindrücke.
kennst du Marburg eigentlich? also warst du schon mal da?

Gruß
Maria
Du kannst gehn, aber deine Kopfhaut bleibt hier.

Babac

Master

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Location: Saarbrücken

9

Monday, January 9th 2012, 8:27am

hallo maria,

ich war noch nicht da. habe mir aber in kürze eben bilder von der stadt angesehen. so wie es aussieht kann man die stadt in mittelalterliche und moderne gebäude trennen. das schloss gefällt mir und dem grün umher, welches es einschließt. von dort also lässt du dich inspirieren :-)

grüße,
babac

shuya

Trainee

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10

Monday, January 9th 2012, 6:11pm

Ja, nach Marburg hats mich auch fast zum studieren verschlagen.
Meine Halb-Schwester ist dort mit Sack und Pack großgeworden & die Familie meiner Ex-Freundin lebt da größtenteils.
(erwähnte ich ja schon)

Am Freitag gehts wieder zu euch rüber.
Aber sag: du wohnst in Gießen und studierst in Marburg?
- Ich bin mal ein paar Wochen in Gießen untergekommen & fand die Stadt furchtbar karg und trist - hab ich einfach konsektuiv die falschen Orte besucht/bin in die falsche Richtung gelaufen?
Mir ist da so viel Instant-Architektur begegnet, über die selbst das Bauhaus den Kopf geschüttelt hätte.

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Es freut mich, dass ich dir weiterhelfen konnte.

Ich war kürzlich in Italien, Terraferma & Venedig, in einer Studienreise um diverse Städte auf ihre Architektur und Malerei zu untersuchen und die Biennale in Venedig mit zu nehmen.
Daher war eben jenes befremdliche Gefühl einer verstoßenden Architektur noch absolut frisch.
Es gibt da für mich einen seltsamen Umgang mit: Ich glaube ich habe Marburg nie so empfunden, weil ich immer Marburger neben mir hatte, deren Art und Habitus etwas ganz natürliches im Umgang mit dem Stadtbild hatten.
Treten jene, die neben mir laufen, so in Kontakt mit ihrer Umgebung, dann funktioniert die Umgebung für mich ebenfalls.
In Venedig und Veneto war das zum Beispiel nicht der Fall.

Das ist vermutlich dieser Blick von außen. Wenn dich eine Stadt, mit ihren Bewohnern, voll Freundlichkeit schluckt
und ein paar Tage später wieder irgendwo anders zurück in deinen Alltag spuckt,
dann funktioniert das System. Bleibt man länger an einem Ort, oder hat nicht sofort 20 Bezugspersonen und trifft ständig Leute auf der Straße, dann fängt man wohl an den eigenen Eindrücken mehr Ermessen beizumessen. Dennoch glaube ich, es hat sehr viel mit dem Umfeld zu tun, in dem man sich in einer Stadt bewegt.

Es gibt so viele Städte die wir auch nach Jahren noch urplötzlich in einem anderen Licht sehen,
da genügen manchmal zwei neue Bekanntschaften, die eine Brücke schlagen in die eigene Idee von Raum und Umwelt.

alles gute,
Pascal Davíd

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