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1

Sunday, October 23rd 2011, 10:49pm

Wie lange trägt man Trauer ?

Vor einiger Zeit ist ein Bekannter gestorebn. Ich bin sehr traurig und mitgenommen deswegen, weil ich in den letzten Jahren eng mit ihm zusammengearbeitet habe und er mir furchtbar fehlt, auch wenn wir lange ein schwieriges Verhältnis hatten. Für mich war sofort klar, daß ich Trauer trage, auch wenn das offenbar nicht mehr üblich ist, aus der Familie tut es sonst keiner. Im Moment ist natürlich noch nicht daran zu denken, daß ich damit wieder aufhöre, schließlich war noch nicht einmal die Trauerfeier, aber ich überlege momentan, wie lange man 'üblicherweise' Trauer trägt. Weiß das hier jemand? Alle, die ich bisher gefragt habe, haben irgendwelche schwammigen Antowrten gegeben, so in Richtung 'so lange, wie man sich eben danach fühlt', aber es muß ja auch übliche 'Richtwerte' geben. Kann mir jemand helfen?

MfG Peermann

Hazel

Moderator

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2

Monday, October 24th 2011, 12:40am

Hallo Peermann,

das hier ist natürlich in erster Linie eine Plattform für den künstlerischen Austausch. Da du mit deinem ersten Post nach Hilfe und Meinung in einer anderen Sache suchst, möchte ich dich nur darauf hinweisen, dass dein Anliegen in anderen Foren sicher besser aufgehoben wäre und du hier wahrscheinlich nicht viele Antworten erhalten wirst.

Es gibt zu deiner Frage übrigens eine ganz nette Seite, in der einige Informationen gesammelt sind: Klick

Meine eigene Meinung ist aber, dass die schwammige Antwort "so lange, wie man sich eben danach fühlt" die richtige ist. Du redest von der Trauer wie von einem Kleidungsstück, das man an- und ausziehen könnte. Die eigentliche Trauer trägt man aber doch im Kopf (andere würden hier eher "Herzen" schreiben). Genauso glaube ich, dass Trauer nie komplett verschwinden kann, nicht einfach irgendwann weg ist. Sie kann immer wieder durch Erinnerungen an den Tag kommen, kann dich dein ganzes Leben ein wenig begleiten, kann dir manchmal auch ein Lächeln auf das Gesicht zaubern.
Es gibt zwar "Richtwerte", aber das sind doch alles nur nichtssagende, relationsfremde Statistiken. Ich hab mal von einem Psychotherapeuten gehört, dass man pro ein Jahr Beziehung einen Monat nach der Trennung braucht, um über die erste, große Trauer hinweg zu kommen. Das ist ganz genauso ein riesiger Schwachsinn, es sagt überhaupt nichts aus, die Varianz ist so riesig, dass der Mittelwert bedeutungslos ist.

LG, Hazel
Alles ist gut. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist. Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich sein, sofort im selben Augenblick.

Babac

Master

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3

Monday, October 24th 2011, 7:22am

"Du redest von der Trauer wie von einem Kleidungsstück, das man an- und ausziehen könnte. Die eigentliche Trauer trägt man aber doch im Kopf (andere würden hier eher "Herzen" schreiben). Genauso glaube ich, dass Trauer nie komplett verschwinden kann, nicht einfach irgendwann weg ist. Sie kann immer wieder durch Erinnerungen an den Tag kommen, kann dich dein ganzes Leben ein wenig begleiten, kann dir manchmal auch ein Lächeln auf das Gesicht zaubern."


Hazel, das könnte man glatt drucken lassen.
Grüße
Babac

Alexa

Blickdicht(erin)

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4

Tuesday, October 25th 2011, 4:30pm

Hallo Peermann

also so ganz früher hat man meines Wissens nach, zumindest der Ehepartner, Trauerkleidung bis zum eigenen Lebensende getragen. Und so bis zu den achtzigern galt, glaube ich, immer mindestens ein Jahr nach dem Ableben eines sehr nahestehenden Verwandten.
Also so kenne ich das noch von meinen Vorfahren.

Ich würde da aber auch eher nach Gefühl gehen. Der Mensch ist in seinen Empfindungen so unterschiedlich, dass es da nie eine allgemein gültige Empfehlung geben kann. Die Trauerkleidung trägt man ja heute damit außenstehende wissen, dass du einen dir nahestehenden Menschen verloren hast und sie dir dann dementsprechend begegnen können. Und wenn du zwei oder noch mehr Jahre brauchst, um die Trauer zu bewältigen und das gerne in Form von Trauerkleidung nach außen zeigen möchtest, dann tu das doch einfach. :)

Gruß Alexa
Mit dem Geist ist es wie mit dem Magen: Man kann ihm nur Dinge zumuten, die er verdauen kann.
(Winston Churchill)

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Gemini

Registriert

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5

Wednesday, October 26th 2011, 7:51am

Blöde Frage.

Optisch? 1 Jahr.

Im Herz? Immer

Alexa

Blickdicht(erin)

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6

Wednesday, October 26th 2011, 12:48pm

Quoted

Im Herz? Immer

Auf Trauer, die, wie schon das Wort sagt, Traurigkeit beinhaltet, kann durchaus auch etwas anderes als Traurigkeit folgen. Also das "immer" sollte hier vll. durch ein "womöglich eine lange Zeit" ersetzt werden.
Mit dem Geist ist es wie mit dem Magen: Man kann ihm nur Dinge zumuten, die er verdauen kann.
(Winston Churchill)

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franz

einfach nur franz

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7

Thursday, October 27th 2011, 8:14am

... wobei ich hier den Begriff des Nachtrauerns (Trauer) nicht unbedingt nur auf die negative Bühne heben würde. Kann sich hinter diesem nicht auch etwas beinahe positives verbergen? Eine (vielleicht schöne) Erinnerung, der ich dann sehr wohl ein Leben lang nachtrauern kann? ?(
Ach ist ja auch egal

zephyr - beeblebroxed

einfach nur franz


Alexa

Blickdicht(erin)

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8

Thursday, October 27th 2011, 6:14pm

Quoted

Kann sich hinter diesem nicht auch etwas beinahe positives verbergen? Eine (vielleicht schöne) Erinnerung

Ja, klar. Nur würde ich das dann nicht mehr wirklich Trauer nennen. Eher Wehmut oder so, die zwar auch mit zarter Traurigkeit beschrieben wird, aber für mich ganz anders ist als Trauer. Wehmut kann m.E. sogar wärmen, das kann Trauer bei mir nicht.

von außen betrachtet ist Trauern ja auch gar nicht negativ. Es ist sogar positiv, weil wichtig. Aber das sieht der gerade trauernde wahrscheinlich nicht so.
Aber etwas/jemandem sein leben lang nachzutrauern, das finde ich schon negativ.

Quoted

Ach ist ja auch egal

Genau :)
Mit dem Geist ist es wie mit dem Magen: Man kann ihm nur Dinge zumuten, die er verdauen kann.
(Winston Churchill)

Ich hier

Nevis

Trainee

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9

Saturday, November 26th 2011, 12:35pm


Blöde Frage.



Blöd würde ich eine solche Frage nicht nennen .....

Tsukuyomi

Trainee

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10

Sunday, November 27th 2011, 4:30pm

Erstmals mein herzliches Beileid, es ist immer schwer jemanden zu verlieren.
Bei der Trauer kommt es darauf an, es ist bei jeder Person anders. Es gibt Menschen die so etwas schneller verdauen und andere die dafür länger brauchen. Darum kann man eigentlich keinen Richtwert dafür angeben. Es kommt darauf an wie mann mit der Trauer umgeht, ob mann versucht sie zu überwinden oder ob man sich einfach überrollen lässt.
Es ist klar dass Trauer nie ganz verschwindet, aber wenn man sie zu überwinden versucht und nach vorne schaut, kann man gestärkt aus der Sache herausgehen.
Wenn ich du wäre, würde ich versuchen mit jemandem offen über deine Gefühle zu sprechen, danach geht es einem eigentlich immer besser.
Ich hoffe es geht dir bald wieder besser.


Gruss Tsukuyomi

shuya

Trainee

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11

Monday, January 9th 2012, 6:25pm

mh vielleicht geht es ja wirklich um Trauerkleidung?
Angehörige und Freunde tragen diese traditionell zwischen 3 und 6 Monaten, sofern ich richtig informiert bin
das variiert von Kultur zu Kultur.

Ehepartner meist 1 Jahr (was ursprünglich auch eventuelle Interessenten auf Abstand halten sollte, bis der Anstand neue Beziehungen erlaubt, soweit ich weiß)

Ich persönlich halte nicht viel davon, meine Umwelt konstant mit meiner Trauer zu konfrontieren - damit meine ich nicht, dass man die Trauer einschließen sollte, wie etwas störendes. Eben nur, definitiv aber, darüber sprechen sollte und nicht sie "tragen".
Das ist doch ein Statement des Egos, dass allen ein eisernes Leid, das unerschütterliche Band der Freundschaft
vorhalten soll
ein Ideal tragen, eine Idee tragen
man kann das schon machen,
aber es konserviert einen Zustand, der eigentlich eine Metamorphose ist.
Kein Tag voll von Trauer, kein Tag ohne Trauer.
"Sehnsucht ist die Einsicht" schrieb ich, in einem ähnlichen Anfall von Egomanie
groß an eine Hauswand
& widerlege mich jeden Tag und stimme mir jeden Tag neu zu

Ich empfehle dir, dem zärtlichen und schönen deiner Trauer
nachzuspüren, dort findest du die Schnittmenge zwischen eurer Freundschaft und seinem Tod.

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