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Hazel

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Date of registration: Sep 14th 2003

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Location: München

Occupation: Germanistik-Student

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Sunday, September 11th 2011, 5:19pm

Wirklichkeit und Wahrnehmung

Wirklichkeit

Das Thema ist durch den ersten Absatz bereits ausgesprochen.. Der Rest ist Veranschaulichung.

"Ob der Schneemann eine Nase oder eine Karotte im Gesicht hat, hängt sehr stark davon ab, wie sie ihre Welt sehen wollen." Das ist der Abschlusssatz in meiner Literaturvorlesung über Fiktion und Wirklichkeit. Daran hängen Fragen über Glück und Individualität.. und deswegen auch über Literatur.

Es ist wichtig zu erkennen, dass jeder Mensch die Welt anders sieht, dass jede Kommunikation nur Subtext ist, dass man nur indirekt reden kann.

Ich sitze neben dir, habe dich nie leiden können. Deine schönmalerische, naive und engstirnige Weltanschauung. Diese verlogene Welt voll Scharlatanen, Kopfverdrehern und falschen Päpsten. Plötzlich deine Worte: "Seht ihr die schöne Kapelle da oben zwischen den Bäumen. Wie idyllisch sie da in der Ruhe liegt." Mein Beweis dafür, dass du ein totaler Vollidiot bist!

Da Du, da ich. Wollen wir reden? Und wie? Wenn ich sage: "Bitte gehen wir aus diesem Cafe und setzen uns mit einem Bier an den Fluss.", denkst du an die Szene, wie deine Mutter die leere Zuckerverpackung, auf den Tellerrand legte und sich danach nie wieder gemeldet hat: "Ich brauche meine Ruhe. Ich glaube, ich fahre lieber nach Hause." Ich verstehe hauptsächlich, dass du mich langweilig findest und wir nie Sex haben werden. Der blöde Spruch: Es liegt nicht an Dir. Fick Dich!

Dann schreibt Voltaire einfach "Weil es sehr föderlich für die Gesundheit ist, habe ich mich entschlossen, glücklich zu sein." Entschlossen, die Welt ganz anders zu betrachten, einfach glücklich zu sein. Der Spruch ist deswegen so beliebt, weil man danach kurz glücklich ist, weil man für eine Millisekunde endlich wieder das Gefühl hat, frei zu sein. Nein, man spürt, dass man eigentlich frei ist, bis man wieder in seine Gedanken zurückkehrt.

Ich sitze neben Dir, bin so froh darüber, dass wir das Wochenende nur zu zweit verbringen können. Du hast mich endlich aus meinem Trott herausgerissen und mir wieder Lebensfreude eingehaucht. Plötzlich deine Worte: "Siehst Du die schöne Kapelle da oben zwischen den Bäumen. Wie idyllisch sie da in der Ruhe liegt." Ich lege meinen Kopf auf deine Schulter, schließe die Augen und erfahre ein neues Lebensgefühl.

Satre hat das mal gesagt, den man immer wieder als absoluten Nihilst abstempelt, dass wir "zur Freiheit verurteilt" sind. Man macht und denkt immer das Richtige für sich. Ich kann von mir sagen, dass ich zu viel vor dem Computer gesessen bin, obwohl ich lieber Sport hätte machen sollen, aber im Endeffekt war es mein Wille, dass ich am Computer blieb. Vielleicht verstehe ich die Gründe nicht, aber sie waren irgendwo in meinem Kopf, das muss ich eingestehen. Ich bin zur Freiheit verurteilt, die mein Verstand nicht komplett kontrollieren und wahrnehmen kann. Kant hat das schon in seinem katgeorischen Imperativ schon die Einschränkung eingebaut, dass man ihn eigentlich nie erfüllen kann. Und selbst wenn wir ihn erfüllen könnten, wäre es ein persönlicher, der für andere nicht wertvoll sein müsste.

Du hast dein Theologiestudium abgebrochen, weil du den Glauben verloren hattest. Du hast immer so tief gedacht und hattest für jeden ein Ohr. Irgendwann zerbrach dein Glaube wegen einer Frau, die dich aufschlagen ließ. Plötzlich deine Worte: "Seht ihr die schöne Kapelle da oben zwischen den Bäumen. Wie idyllisch sie da in der Ruhe liegt." Ich leide mit dir und wünsche dir Glück.

Nietzsche hat "Der Wille zur Macht" geschrieben, den "Übermenschen" definiert, den Mensch ermutigt, sich selbst als Zentrum und größtes Gut wertzuschätzen, Moral und Sünden aus dem Wortschatz zu streichen, sich individuell weiterzuentwickeln. Eine Erkenntnis, die dieser oft depressive Mensch nie geschafft hat auszuleben, weil er anscheinend an dem Willen und seiner eigenen Weltwahrnehmung gescheitert ist. Im Gegenteil: Für sich selbst hat er fernab die größten Moralgrenzen geschaffen, die es gab. An ihnen ist er mit seinem Denken zerschellt.

Wir wollten so oft in die Berge fahren. Jetzt bist du weg, weit weg, und wir haben uns nie ausgesprochen. Irgendetwas hast du von mir mitgenommen. Es war doch der Himmel auf Erden. Plötzlich die Worte: "Seht ihr die schöne Kapelle da oben zwischen den Bäumen. Wie idyllisch sie da in der Ruhe liegt." Ich verberge die Tränen.
Alles ist gut. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist. Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich sein, sofort im selben Augenblick.

Hazel

Moderator

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2

Sunday, September 11th 2011, 5:32pm

P.S.: Das ist als Diskussionsthema gedacht. Mich interessiert wie ihr über Wahrnehmung und Realität denkt. Das soll nur ein Diskussionsanstoß zu vielen verschiedenen Ansichten sein.
Alles ist gut. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist. Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich sein, sofort im selben Augenblick.

Daniel H.

Trainee

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3

Sunday, September 11th 2011, 5:56pm

Gute Idee. Bringt frischen Wind. Da schreibe ich doch gerne mit, doch erst einmal nehme ich ein paar Gefühle und Gedanken auf, die mir dabei kommen. :)
»Das Leben ist kein Argument; unter den Bedingungen des Lebens könnte der Irrtum sein.«
― Friedrich Nietzsche, Die fröhliche Wissenschaft

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