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Chepre

Moderator

Date of registration: Aug 22nd 2008

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1

Sunday, July 17th 2011, 10:51pm

von Wegen

v3:
es regnet viel. neben sattgrünen trieben vergilben blätter. der wind drückt schilfinseln in den see. stockend fliehen kaninchen und rehe. trotz angespannten sehnens fehlt uns ein name für diese irrige zeit, die wir hungrig durchwandern.


v2:
es regnet viel. neben sattgrünen Trieben vergilben Blätter. der Wind drückt Schilfinseln in den See. stockend fliehen Kaninchen und Rehe. trotz angespannten Sehnens fehlt uns ein Name für diese irrige Zeit, die wir auf halbwelken Wiesen hungrig durchwandern.


v1:
es regnet viel.
neben sattgrünen Trieben vergilben die Blätter.
der Wind drückt die Schilfinseln zu Wasser.
stockend fliehen Kaninchen und Rehe.
trotz angespannten Sehnens
fehlt uns ein Name für diese irrige Zeit,
die wir auf halbverwelkten Wiesen
hungrig durchwandern.
Du kannst gehn, aber deine Kopfhaut bleibt hier.

Jule

Master

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2

Monday, July 18th 2011, 1:49pm

Also, ich bin ein Fan deines Schreibstils, Chepre.. einfach toll.
Auch das hier.
Wie du aus bloßen Beschreibungen, die in sich eigentlich keine Bilder enthalten, zu einem Bild an sich machst und das ganze dann noch mit so einer tollen Sprache, finde ich beeindruckend...
Der Erzähler, die Protagonisten dieses kleinen Textes bewegen sich durch eine angespannte, zwiespältige Lebensphase, so interpretiere ich das. Der Text lässt m.E. keinen Ausblick auf eine Veränderung und harrt so in dieser Stimmung.

Was hälst du denn davon, auch mal etwas längere Texte zu schreiben? Ich weiß, du bist nicht so der Prosatyp, aber dieser Text ist für mich echt gute Prosa. Ein bisschen länger und diese Sprache, das würde ich mit so viel Genuss lesen wie ich ein Stückchen Schokolade esse. Ich denke da vor allem an solch einfache Beschreibungen, die den Charakter von Sponteanität und Momentaufnahmen trotzdem nicht verlieren.
Das würde, finde ich, zu dir passen, und wäre gleichzeitig mal was Neues.

lg

Raul

Master

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3

Monday, July 18th 2011, 4:54pm

Hallo Chepre,

ich finde diesen Text auch sehr eindrucksvoll. Als zertifizierter "Haar-in-der-Suppe-Finder" würde mein Löffel an dieser Stelle allerdings stocken. Und jeder, der ein Haar in der Suppe sieht, lässt es als Problem größer werden statt die leckere Suppe zu loben. Sorry schon einmal dafür...

Quoted

neben sattgrünen Trieben vergilben Blätter


Ich habe versucht, mir diesen für mich naturgemäßen Widerspruch metaphorisch zu erklären. Aber ich finde da keinen Lösungsansatz. Schilf vergilbt ja im Herbst. Die Halme vertrocknen und bieten dann einen Schutz vor Kälte und Eis. Aber wieso daneben in dieser Zeit sattgrüne Triebe? Halbwelke Wiesen sprechen ja auch für eine bestimmte Zeit. Ich bin oft auf Karpfenfang, habe im Schilf noch nie andere Pflanzen gesehen oder sattgrüne Triebe im Herbst. Wahrscheinlich denkst du jetzt, der Raul hat sie nicht alle auf den Zaun. Erst hört er Opern, dann schreibt er Theaterstücke und jetzt gibt er sich noch als Botaniker aus. :) Vielleicht magst du es mir ja erklären.

Chepre

Moderator

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Occupation: Student

4

Monday, July 18th 2011, 5:07pm

Quoted

Aber wieso daneben in dieser Zeit sattgrüne Triebe?

das wüsste ich auch gern, Raul. bei dieser Zeile geht es um eine Reihe Buchen, die in der Nähe meines Lieblingsplatzes wachsen, und da sind zur Zeit tatsächlich quietschgrüne Blätter noch am Austreiben, während der Baum die andere Hälfte schon wieder herbstlich gelb zu Boden schmeißt. das ist also sehr real.

@Jule

jaaaa. hmm. danke erstmal für die Blumen. =) finde ich toll, dass du aus dieser eigentlich reinen Natur- eine Lebensbeschreibung lesen kannst!

Quoted

Was hälst du denn davon, auch mal etwas längere Texte zu schreiben?

:D ich weiß nicht. ich bin doch so ein Gewohnheitstier.
Du kannst gehn, aber deine Kopfhaut bleibt hier.

Raul

Master

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5

Monday, July 18th 2011, 5:40pm

Okay, alles klar. Danke für die Erklärung. Die Natur treibt wirklich manchmal seltsame Späße. Noch einmal, sehr schöner Text.

Chepre

Moderator

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6

Monday, July 18th 2011, 5:43pm

ich glaube, dieses Jahr überschneiden sich Sommer und Herbst auf ganz verrückte Weise. manchmal hat man das, dass es sich schon sehr nach einer anderen Jahreszeit anfühlt, obwohl nach Kalender noch zwei Monate was anderes angesagt sein sollte. und es gibt Tage, da spürt man das ganz besonders (am Verhalten der Tiere, am Wind, am Geruch der Erde, am Rascheln der Bäume...). find ich persönlich ziemlich faszinierend. =) und jedenfalls war gestern so ein Tag, an dem der Herbst hier in Gießen schon mal "hallo" gesagt hat.
Du kannst gehn, aber deine Kopfhaut bleibt hier.

GEO

Intermediate

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7

Monday, July 18th 2011, 6:05pm

Quoted

Was hälst du denn davon, auch mal etwas längere Texte zu schreiben?
genau das habe ich Chepre auch schon gesagt. Ich bin ebenfalls der Ansicht, dass der obige Text wie ein herausgepflückter Teil aus einer Geschichte wirkt. Eine gute Geschichte wie ich meine und auch eine, die ich sehr gerne lesen würde. :]

Erik R. Andara

Glasphasen-Moderator

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8

Monday, July 18th 2011, 6:37pm

ja, ich schließ mich an. wäre ein schöner auftakt. kann aber auch alleine stehen.
guter text, chepre

lg
under the sea, is where I'll be
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Alexa

Blickdicht(erin)

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9

Monday, July 18th 2011, 7:52pm

Ja, ja dieser verrückte Sommer. :)

Hallo Chepre

Schönen kleinen Text hast du hier geschreiben, der gefällt auch mir. Der Titel wirkt interessant und verspricht nicht zu viel. Sehr gelungen finde ich, wie du hier dieses – nicht wissen wohin- (Wetter) auch über die Tiere ausdrückst. Stocken- fliehen und dann noch gleich eine Doppeldeutigkeit mit „trotz angespannten Sehnen(s)“ einbaust.

Was mir nicht gefällt ist der letzte Teilsatz: die wir auf halbverwelkten Wiesen hungrig durchwandern. „Halbverwelkte Wiesen“ find ich für die bildliche Darstellung recht schwammig. Nicht, dass das nicht zu diesem Mischmaschsommer passen würde, das tut es schon, aber so richtig was vorstellen, kann ich mir darunter nicht. Mir sprang zudem auch noch bei dem Wort halbverwelkt der Gedanke sofort zurück zu den "sattgrünen Trieben neben vergilbten Blättern". Irgendwie empfinde ich das halbverwelkte fast wie eine Wiederholung, die mich beim Lesen tatsächlich störte.
Das Wort hungrig, auch wenn es sich auf die Zeit bezieht, in der Nähe von dem Reh- und Kaninchenbild geht mir irgendwie gegen den Bildlauf 8| . Aber gut,
ich bin wahrscheinlich die Einzige, die das stört, also leg nicht zu viel Gewicht in diesen meinen negativen Kritikpunkt.

L.G. Alexa
Mit dem Geist ist es wie mit dem Magen: Man kann ihm nur Dinge zumuten, die er verdauen kann.
(Winston Churchill)

Ich hier

Erik R. Andara

Glasphasen-Moderator

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10

Monday, July 18th 2011, 8:02pm

hm, den reh und kaninchen - hungrig - bogen hab ich so schon geschlagen, vor allem wegen den angespannten sehen und der jägeroptik, die sich daduch ergibt; mir hat in diesem zusammenhang auch die stockende flucht gefallen, die sich halb-opfern wollenden tiere; gerade das hungrige ende als bogen zum eigentlichen geschehen finde ich gut;
die halbverwelkten wiesen stoßen mir aber auch etwas auf, jetzt wo alexa darauf hinweist, weil sich hier die bilder tatsählich innerhalb kürzester zeit wiederholen;
vielleicht wirst du zum konkreteren ende auch mit einem "diesen wiesen" hinweisender; das ist aber nur eine möglichkeit von vielen;
wenn du das in prosa verwandeln willst fehlt jetzt dann der übergang zum konflikt, die darlegung; und den würde ich persönlich bildtechnisch etwas zurückschrauben; aber das käme dann natürlich auf den text und dich an;

lg
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Alexa

Blickdicht(erin)

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11

Monday, July 18th 2011, 8:25pm

die angespannten Sehnen hab ich eher den Tieren zugeordnet und als zweite Deutung ein angespanntes Sehnen (aus dem Wort Sehnsucht) des L.Uns.
Der Jägergedanke kam aber auch mir bei dem Wort -hungrig- und störte meinen Bildlauf. Für mich wäre das Bild des Jagens dort viel zu zielstrebig und nebenbei auch zu blutig in dieser nichts halbes nichts ganzes Situation.

Aber wie schon gesagt- das ist nur meine Meinung.

L.G.
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Raul

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12

Monday, July 18th 2011, 9:21pm

Hallo noch einmal,

ich finde, dass der Titel bereits beschreibt, wo der Hase herläuft. :) Eine Jagdsituation habe ich überhaupt nicht damit verbunden. Es sind Beobachtungen von Wegen, die das lyrische Uns in eigener Wanderschaft "auf halbverwelkten Wiesen" trifft. Alles wunderbar und schnörkellos. Mit dem "hungrig" verbinde ich die junge Neugierde des Paares, das selbst nicht genau weiß, wie es die Eindrücke versprachlichen soll. Wirklich für mich klasse.

Jule

Master

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13

Monday, July 18th 2011, 10:13pm

Ach komm, Chepre. :D Einen Versuch ists wert, oder? ^^ Ich kommentier deinen Text dann auch auf jeden Fall und ich bin mir absolut sicher, dass er gut wird. ;)

Perry

Lyrisches Licht

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14

Monday, July 18th 2011, 11:43pm

Hallo Chepre,

ich weiß, die Schreibweise ist oft Stilsache, aber hier würde ich eine durchgehende Kleinschreibung befürworten und sei es nur um die Doppelbedeutung des Titels zu unterstützen. ;)
Stilistisch mag ich prosaische Lyrik sehr gern, plädiere aber immer auch für Verdichtung bzw. wechselnde Blickwinkel.
Inhaltlich kommt die "irrige" Jahreszeitverwirrung gut zur Geltung, doch würde ich auch einer übertragenen Lesart etwas mehr Raum geben.
LG
Perry

Chepre

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15

Saturday, July 23rd 2011, 1:05pm

jaaa. wie ihr seht, kann ich mich mal wieder nicht entscheiden, was ich will. also muss alles stehen bleiben.
seid versichert, ich habe bei Kaninchen und Rehen nicht an Essen gedacht. zumindest das eine mal nicht. ?( mit dem stockenden Flüchten wollte ich darauf hinaus, dass dieses Erleben wie dicke Suppe ist, wie Schlamm, den man versucht zu durchwaten, und alles ist ganz langsam und bleibt hängen und so, wie bei schlechter Filmquali. das war der eigentliche Sinn dahinter.
dat Problem mit dem doppelten Verwelken kann ich nachvollziehen. aber ne produktive Idee fehlt mir mal wieder. wie oben zu sehen hab ich versucht, das zu lösen, indem ich einfach mal die entsprechende Präpositionalphrase rausgeschmissen habe. aber nu fehlt mir was am Bild.
und um daraus nen längeren Text zu machen fehlt mir im Moment der Antrieb. is einfach nich so meins, so längere Geräte. ich glaube, da könnte ich diesen Stil auch nicht halten und es würde ganz schnell lächerlich werden. vielleicht will ich mich auch nur rausreden. ?(
mir persönlich gefällt die allererste Fließtextvariante, hier v2, immer noch am besten.
danke für eure zahlreichen Kommentare! und, Alexa, Erik, geht euch vielleicht mal nen Hirschgulasch kochen. =)
Du kannst gehn, aber deine Kopfhaut bleibt hier.

Erik R. Andara

Glasphasen-Moderator

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16

Saturday, July 23rd 2011, 1:48pm

hirschragout gibts erst wieder im herbst; aber ich geh jetzt mal und schieb ´nen falschen hasen in die röhre
under the sea, is where I'll be
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Chepre

Moderator

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17

Saturday, July 23rd 2011, 1:57pm

is ja eklig
Du kannst gehn, aber deine Kopfhaut bleibt hier.

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