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Chepre

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1

Thursday, March 31st 2011, 7:49pm

Kaninchen in Schule geschlachtet - anschaulicher Unterricht oder Schock fürs Leben?

hallo, liebe Leute

ich möchte hier gern einen Artikel von Spiegel Online zur Diskussion stellen, der mir schwer zu denken gibt und der an meiner facebook-Pinnwand zu einer äußerst angeregten Diskussion geführt hat. Daran beteiligten sich auch Leute, die normalerweise eher durch Mundhalten glänzen. Finde ich sehr interessant - es geht anscheinend um ein wirklich brisantes Thema.

Gegenstand des Artikels ist ein Projekt-Unterricht an einer schleswig-holsteinischen Schule. Im Rahmen von Unterricht über die Steinzeit sollte auch der Nahrungsbeschaffungsprozess nachvollzogen werden und in der Schule wurde vor den Augen der Kinder durch jemand Professionellen ein Kaninchen geschlachtet, nachdem sich alle Anwesenden einzeln von dem Tier verabschiedet hatten. Am folgenden Tag briet man das Kaninchen auf dem Schulhof und verzehrte es in einer gemeinsamen Mahlzeit.

http://www.spiegel.de/schulspiegel/0,1518,754257,00.html

Ist das martialisch und eine mittelalterliche Methode oder nützlich, um ein gesünderes Verhältnis zu dem zu bekommen, was man so jede Woche in sich reinstopft? Schockiert es uns mit Recht, dass Würstchen, Schinken und der Sonntagsbraten keine ganz unblutige Vergangenheit haben? Oder zeigt sich dadurch, wie verwöhnt vom heutigen Wohlstand wir sind?
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2

Thursday, March 31st 2011, 8:55pm

Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen. Dort lernt man früh, daß für jedes Stück Fleisch ein Tier sterben muß. Man lernt dabei auch achtsamer mit Essen umzugehen, es zu schätzen und dankbar zu sein.
Kinder und Erwachsene rebellieren, wenn die Wurst fehlt oder das Fleisch. Sie behandeln diese Sache so, als käme es aus dem Supermarkt und futtern ohne Hemmungen in sich hinein. Dann wird ihnen gezeigt, daß dafür Tiere oft qualvoll gemästet und getötet werden. Dann ist der Aufschrei groß. Mich kotzt diese Doppelmoral an. Wer Fleisch ißt, muß auch den Tod von Tieren akzeptieren. Auch wenn es die Kinder schockt, sie sollen erfahren, woher ihr Essen kommt. Vielleicht lernen sie daraus, daß man Essen wieder schätzt und nicht in Unmengen in sich hinein futtert. Denn was der Mensch den Tieren antut ist beispielos grausam. Was ist da ein Kaninchen? Eines von Milliarden Tieren, die für den Menschen sterben müssen und dann oft als Wurst im Mülleimer einer Schule landen.

Hoffentlich zeigt der Schock Wirkung!!!!

Ciproflox

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3

Thursday, March 31st 2011, 9:01pm

Ich hab eben den Artikel gelesen und finde es eigentlich in Ordnung, so etwas zu machen. Allerdings frage ich mich, ob man unbedingt ein Kaninchen hätte nehmen müssen, das ja schließlich unter die üblichen Haustiere fällt. Ein Huhn hätte seinen Dienst auch getan.
Überblick

Zitat von »King Lear«

Aus nichts kann nichts entstehen: sprich noch einmal

Hazel

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4

Thursday, March 31st 2011, 11:45pm

Ich hab mir den Artikel bereits bei deinem Facebook-Post durchgelesen und wollte mich in die Diskussion nicht mehr einmischen. Der sinnvollste Kommentar kam von dir selbst und ich will hier gerne noch ein paar Eckpunkte ansprechen:

Es ist zu allererst sehr schwach, diese viel weitreichendere Frage (wie im Artikel geschehen) durch eine Darstellung an der Schule, also vor Kindern, zur Sprache zu bringen. Genau wie Ciproflox bereits erwähnt hat, erscheint das Kaninchen (an einem Hasen wäre wirklich mehr Fleisch dran gewesen) gegenüber den Kindern wie ein liebenswertes Wesen, das nicht zur Schlachtung bestimmt sein sollte. Der Artikel wäre nie erschienen, wenn nicht die Frage im Raum stehen würde, ob wir Kindern diese Wahrheit zumuten können.

Das Thema geht aber letztendlich in eine ganz andere Richtung: Tiere zu schlachten ist halb so wild, wenn man begreift, wofür sie in der Nahrungskette dienen. Die Frage ist eher die, in welcher Art und in welchem Ausmaß das passiert. Das Problem ist eher darin begründet, dass wir Tiere gar nicht mehr als Nahrung, sondern als Lebewesen auffassen, die mit unserem Schinken auf dem Frühstückstisch gar nichts mehr zu tun haben. Schinken kaufen wir ja im Supermarkt, ein Schwein gibts nur im Tierpark. Eine mittelalterliche Züchtung und Schlachtung ist im Vergleich zu den heutigen Massenproduktionen von Schweine- und Hühnerfleisch eine Lächerlichkeit, die man gar nicht vergleichen sollte. (dazu sehr schön: Hagen Rether - Schweinefleisch )

In unserer heutigen Werbung wird alles, nicht nur "Fleisch", falsch verkauft. Alles ist schön, glänzend, glimmernd, und dahinter regieren nichts anderes als Zahlen und Provit. Die Marktgesellschaft ist auf nichts anderes ausgerichtet, als möglichst viel zu produzieren, sogar zu produzieren, wenn gar keine Produktion mehr nötig ist, solange nur gekauft wird. Es ist wunderbar, dass in Deutschland ca. 30% des qualitativen Essens weggeschmissen wird, während andere Leute Hunger leiden. Ich hab mal bei meinem Studentenjob nachgefragt (Wir treten täglich ca 50Kg Essen in die Tonne), warum wir der Tafel nichts spenden, und höre Argumente über Verwaltungsaufwand und Unansprechbarkeit vor dem Kunden, dem die Speisen ja gehören. Und wir züchten weiter, wir züchten so viel Schweine und Hühner, bis sie sich in den Hallen stapeln, und wenn unten die Leichen liegen, dann bauen wir die Hallen höher. In der Werbung singt wieder eine Kinderstimme: "Gut drauf mit Gutfried."

Der Artikel ist deshalb so lächerlich, weil es nicht die Kinder sind, die sich mit dem Thema beschäftigen sollten, sondern weil wir erst durch die Kinder wieder Augen dafür bekommen. Was wir vorleben, vertreten und mitleben ist in einer unglaublichen marktwirtschaftlichen Verblendung verankert, die sich in unserer Wirtschaft generell breit macht. Diese Verblendung zugunsten von Konzernen und Firmen wird tolleriert, weil unser Wirtschaftssystem ohne diesem nicht funktionieren würde.

"Schöne neue Welt" ist das Stichwort in der dieser Doppelmoral und ich bekomm einfach nur einen riesen Hals.
Alles ist gut. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist. Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich sein, sofort im selben Augenblick.

Chepre

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5

Friday, April 1st 2011, 12:38am

hallo, ihrs

schön zu sehen, dass euch das Thema ähnlich viel wie mir oder mehr zu denken zu geben scheint. das freut mich, weil bei vielen anderen, wirklich wichtigen gesellschaftlichen Themen gerne weggeschaut wird und man sich ganz biedermeierisch in seinen Tellerrand zurückzieht, ohne eine Meinung zu haben. bin da teils net anders - oft ganz danach, wie bequem oder wie unbequem einem ein Thema ist. :| naja, zurück zum Text.

Quoted

Wer Fleisch ißt, muß auch den Tod von Tieren akzeptieren.

ich denke, das mit einem der Kernpunkte von Hazels Post zusammengenommen...

Quoted

Der Artikel wäre nie erschienen, wenn nicht die Frage im Raum stehen würde, ob wir Kindern diese Wahrheit zumuten können.

...trifft so ziemlich einen der Kerne der Sache. Das Problem ist vielleicht nicht, dass wir um die geistige Unversehrtheit der ach so unverdorbenen Jugend fürchten, sondern eher, dass wir selbst uns nicht bewusst sind, dass Tiere nun mal dafür sterben müssen, dass wir lecker Melone mit Schinken essen im pikfeinen Restaurant, im Sommer Würstchen grillen oder nach der Arbeit schnell ein belegtes Brötchen beim Bäcker mit Putenbrust holen. mir geht es selbst nicht anders, habe ich heute so beim drüber Nachdenken gemerkt - vielleicht auch aus dem Grund, dass ich Großstadtkind bin und nicht so viel Gelegenheit hatte, mit Schweineschlachtungen in Berührung zu kommen. ?(

dieser Artikel führt, wenn man die Sache weiter denkt, zu ganz großen Fragen. Was ist uns wichtig, nach welchen Maßstäben wollen wir leben? Wollen wir immer billig-billig-billig kaufen und schön viel Geld zurücklegen oder schrauben wir den Anspruch an Masse und Überfluss unseres Lebensstils etwas zurück und versuchen dafür, überwiegend von fairtrade und Bio zu leben? Kaufen wir billige h&m-Sachen, die wir nach zwei Jahren wegschmeißen, und denken uns, das macht nichts, weil man so billig neu kaufen kann? Oder stürzen wir uns in Unsummen und kaufen Kleidung, die in Deutschland hergestellt wurde?

mir persönlich macht das Bestreben, bewusster zu leben und mehr Bio-Produkte zu kaufen, teils leider ziemliche Löcher in den Geldbeutel. ?( da beißt sich die Katze wirklich in den Schwanz. kauft man Bio, kann man sich vieles andere nicht oder in geringerem Maße leisten, kauft man billig, unterstützt man Massentierhaltung und Stresstransporte und sowas und hat am Ende auch noch schlechtere Qualität (den Unterschied zwischen Bio und Nicht-Bio schmeckt man oft ganz stark). tja - was will man für sich selbst? zum Glück werden Bio-Produkte langsam günstiger =) und man kann sich vieles echt schon gut leisten.

Stefan, was du sagst, dass man übrig gebliebene Nahrungsmittel, die noch völlig in Ordnung sind, nicht zur Tafel geben darf, ist mir leider auch schon begegnet, als ich beim Bäcker gejobbt hab. Warum, will mir nicht in den Kopf. Was ist denn besser? Dass es noch gegessen wird oder dass es einfach in die Mülltonne fliegt, obwohl der Bauer den Boden pflügen musste, das Getreide gesät und geerntet hat usw, bis das Brötchen erst in der Theke liegt...da steckt so viel Arbeit drin ?(

manchmal denke ich, dass es das beste wäre, sich irgendwo n Holzhäuschen mitten in die Pampa zu bauen und seine Karotten und Kartoffeln selbst anzubauen und sich ein paar Schafe zu halten. Mich befremdet und stört es massiv, dass wir Menschen so entfremdet sind von unseren Lebensgrundlagen. das gehört eigentlich sehr dringend geändert.

entschuldigt, wenn ich hier sehr stark abgeschweift bin vom eigentlichen Thema...aber das sind so die Sachen, an die mich der Artikel noch heranführt
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Raul

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6

Friday, April 1st 2011, 8:26am

Hallo,

ich habe den Artikel auch gestern gelesen und mir so meine Gedanken gemacht. Alle Beiträger hier veranschaulichen wichtige Perspektiven. Ich möchte nur ergänzen, dass in einem der größten Schlachthöfe in Deutschland Rumänen als entsandte Leiharbeiter ganz legal drei Euro brutto verdienen, und wir auch immer alle Menschen betrachten müssen, die hinter dieser maffiösen Industrie stehen. Einziger Ausweg aus diesem Dilemma ist als Verbraucher, a) weniger essen, b) bewusster essen, c) regionaler essen. a) Weniger essen scheitert bereits an unserer immer mehr-Mentalität. b) Bewusster essen scheitert an der immer schlechter werdenden Information über Lebensmittel allgemein (das ist bewusst in Kauf genommen und Desinformation wird gezielt durch die Industrie gefördert). c) Regionaler essen scheitert unter anderem am Subventionswahnsinn der EU, der darin besteht, dass in Europa nur Großbauern mit mehr als 10ha Subventionen einstreichen können. Wir zahlen also alle mit unseren Steuermitteln für diese Struktur und sorgen dafür, dass immer mehr kleine Bauern ihre Höfe schließen mussten/müssen oder die nutzbaren Ackerflächen an bäuerliche Großindustrielle verkaufen mussten.

Wenn man sich verirrt, muss man den gegangenen Weg zurückgehen. Noch erkennen wir die Brotkrumen unseres Irrweges.

Alexa

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7

Friday, April 1st 2011, 9:12am

"Charlie" oder "nur eine Geschichte"

Ich weiß noch, ich war gerade acht Jahre alt, als Charlie in mein Leben trat. Charlie hatte dunkelbraune Augen und seine Haare hatten so einen unwiderstehlichen Kuschelfaktor. Man musste einfach mit den Händen da durchwuseln. Ich hätte Charlie am liebsten mit in mein Bett genommen, aber da er ein Kaninchen war, wurde mir das leider verboten.
Charlie musste, wie alle anderen Tiere auch, in den Stall. Da saß er dann mit drei seiner Artgenossen, die für mich aber in keinster Weise mit Charlie zu vergleichen waren. Alle drei hatten sich anscheinend mit dem Leben in einem Käfig abgefunden. Nur Charlie nicht. Er war es, der Löcher in den Maschendraht knabberte, er war es, der Wassernäpfe umwarf, und er war es auch, der morgens so oft einfach verschwunden war.

Aber ich habe Charlie immer gefunden, er saß meist unweit vom Haus auf der Wiese und mümmelte genüsslich an einem Grasbüschel. Er ließ sich dann auch ohne weiteres von mir auf den Arm nehmen und zurück in den Stall tragen, wo ich den durchgeknabberten Draht flickte und ihn, immer mit einer extra großen Portion Stroh, wieder in seinen Käfig setzte.

Ja, Charlie war schon einzigartig und auch das einzige Kaninchen, das jemals einen Namen von mir bekam. Er war zu uns gekommen, um ihn irgendwann zu essen, das wusste ich genau. Er musste nur noch wachsen und mehr Fleisch auf die Rippen bekommen. Alle unsere Tiere wurden irgendwann gegessen. Die Hühner, die Gänse …
Ich wusste sehr wohl, dass ich mich nicht zu sehr an Charlie gewöhnen durfte, denn irgendwann würde er gewürzt und gebraten vor mir auf dem Teller liegen.
Aber bei Charlie war alles anders. Während seine Artgenossen immer dicker und dann auch irgendwann geschlachtet wurden, weigerte sich Charlie anscheinend zuzunehmen. Als wusste er, dass das sein Todesurteil bedeuten würde.
So habe ich über ein Jahr lang Tag für Tag mit Charlie gespielt und er wuchs mir immer mehr ans Herz. Er drehte die Ohren, sobald er meine Stimme hörte und ich glaube noch heute, dass, wäre er als Hund geboren, mich jedes Mal mit einem freudigen Bellen begrüßt hätte.
Oft nahm ich ihn auf den Arm und setzte mich mit ihm auf meine Schaukel, die an einem alten Apfelbaum befestigt war, und vertraute ihm dort das ein oder andere Geheimnis an. Und Charlie hörte zu. Seine braunen Augen schienen mit mir zu sprechen, seine Stubsnase mich zu trösten.

Ja, und eines Tages, ich ging wie immer nach der Schule direkt in den Stall, war Charlie spurlos verschwunden. Der Käfigdraht war unbeschädigt, die Stalltüren geschlossen, doch Charlie war weg. Er saß weder auf der Wiese noch unter dem Apfelbaum.
Mein Vater hatte Charlie geholt. Und was das bedeutete, wusste ich nur zu gut.

Ich rannte zu meiner Mutter in die Küche und sah gerade noch, wie sie etwas in den Ofen schob. Charlie.

Es war das erste und einzige Mal, dass ich meine Eltern als Mörder beschimpfte, obwohl ich genau wusste, dass es ungerecht war. Ich habe Charlie nicht gegessen. Doch mir war es lange danach auch nicht möglich, einem Kaninchen in die Augen zu sehen. Ich hatte Angst, es könnte dann wieder sein wie mit Charlie.
Ich fügte mich ab da dem unumgänglichen, und kaute von Braten zu Braten immer gleichgültiger auf dem, was tags zuvor noch aus meiner Hand gefüttert wurde und auf irgendeine Art und Weise Vertrauen in uns Menschen hatte.
Mit dem Geist ist es wie mit dem Magen: Man kann ihm nur Dinge zumuten, die er verdauen kann.
(Winston Churchill)

Ich hier

Jule

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8

Friday, April 1st 2011, 9:53am

Ich stimme dem Großteil derer, die hier schon kommentiert haben, zu, insofern, dass sich bei diesem Vorfall zu fragen ist, ob es wirklich um die Kinder geht oder nicht vielmehr um die Konsumgesellschaft im Allgemeinen.
Eigentlich ist es fast schon bedenklich, so einen Vorfall generell zur Diskussion zu stellen. Eine Frage, so in den Raum geworfen: sollte man sich nicht von vornherein über so etwas Anschauliches im Unterricht freuen? Warum sollten Kinder, die vermutlich alle Fleisch essen, nicht sehen dürfen, wie Tiere auf natürliche Art und Weise zu diesem essbaren Fleisch werden?
Ich gehe sogar noch weiter: Ein Kaninchen auf diese Weise zu schlachten, ist das nicht viel humaner, essenzieller und grundlegender als das, was momentan in unserer Fleischindustrie abgeht, wo Hühner kopfüber an ihren Füßen befestigt werden und fließbandartig alle Stationen einer Schlachtung ablaufen: Betäubung durch Elektroschocks, Köpfung, Rupfen usw.?

Meine Sicht auf die Dinge ist ziemlich eindeutig.
Ich sehe den Fleischkonsum nicht als unausweichlich an, wie der Ich-Erzähler in Alexas Geschichte, die so gut den Zwiespalt vieler Fleischkonsumenten ausdrückt: ein Schwein esse ich, wenn ich nicht sehen muss, wie es geschlachtet wird, aber ein Kaninchen/einen Hund/eine Katze/ein Meerschweinchen etc. nein, das sind doch Haustiere.
Noch dazu sind sich viele Menschen dessen bewusst, was in der Ernährungsindustrie heutzutage abläuft. Aber getan wird in den meisten Fällen rein gar nichts. Es wird weiterhin die in Plastikverpackungen abgepackte Billigsalami aus dem nächsten Supermarkt gekauft, weiterhin darauf geachtet, dass ja nichts zu teuer ist.
Ich persönlich bin der Meinung, dass man Fleisch auch umgehen kann, ich lebe vegetarisch (kaufe auch kein Leder) und muss mir schon mal zumindest bzgl. der Mastindustrie kein schlechtes Gewissen machen. (Obwohl ich auch prinzipiell kein Fleisch esse - selbst, wenn es von "glücklichen Schweinen" kommt.)
Aber das ist ja noch lange nicht alles: Milch, Käse usw., das ist alles nicht viel besser. Kühe werden da auch auf engstem Raum gehalten, auch für Milch stirbt ein Tier, nämlich das Kalb, auch Milch, die nicht gerade Bio ist, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Hintergrund, der nicht gerade von artgerechter Haltung geprägt sein muss.

Wenn man Fleisch isst, so meine Meinung, dann mit einem Bewusstsein dafür, wo es herkommt.
Man kann Abstriche machen. Für qualitatives Fleisch aus argerechter Haltung, für Freilandeier usw. bezahlt man mehr, aber dafür kann man in Kauf nehmen, auch mal länger auf einen neuen Fernseher, ein neues Auto oder eine neue High-Tech-Kaffeemaschine zu sparen. Außerdem liegt der Fleischkonsum ja sowieso bei den meisten über dem "gerechten Maß": oft hört man für eine ausgewogene Ernährung reicht zwei mal in der Woche Fleisch. Aber viele Menschen essen jeden Tag Fleisch und auch jeden Tag zum Abendbrot ihre Salami, ihren Schinken usw.
Trotzdem bin ich auch der Meinung, dass das Problem nicht am Kunden allein liegt. Es ist fast unmöglich, bewusst zu konsumieren, denn wenn man auf alles achten möchte, reicht selbst da das Geld nicht. Eine Gesellschaft, in der ethisch vertretbares Handeln unmöglich ist - meiner Meinung nach ziemlich traurig.

Dennoch, der Verbraucher macht hier den ersten Schritt: Umstellung zu mehr Bio, zu weniger Fleischkonsum, zu bewussterem Konsum würden die Nachfrage in diese Richtung erhöhen und vielleicht würde sich dann auch nach und nach ein Markt stabilisieren können. Aber dafür muss halt mal jemand den ersten Schritt machen und in dem Falle wäre jemand ein jeder.

lg

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9

Friday, April 1st 2011, 11:03am

Zum "Kaninchen" möchte ich nebenbei noch etwas sagen. Die schlimme Zeit nach dem Krieg haben viele Menschen nur mit Hilfe von Kaninchen und Tauben überlebt. Sie wurden in Schrebergärten, Hinterhöfen, auf Balkone und in Schuppen gehalten. Taubenschläge gab es auch viele. Kaninchen zu haben, bedeutete Überleben.

Es ist deshalb egal welches Tier dem Menschen zur Ernährung dient. Es hat in jedem Fall unsere Achtung, Fürsorge und Wertschätzung verdient, ob nun Huhn, Schwein, Fisch usw.
Das den Kindern zu vermitteln ist angesichts der Realität, wie mit unseren Mitlebewesen und ihrem Fleisch umgegangen wird sehr schwer. Hier gehört weit mehr Aufklärung in Schulen betrieben um wieder ein Bewußtsein für Essen allgemein zu schaffen, daß Essen eben nicht selbstverständlich ist, nicht in diesen Massen notwendig ist, weil dafür getötet werden muß.

Alexa

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10

Friday, April 1st 2011, 11:17am

Was sollen Kinder durch solch einen Anschauungsunterricht denn lernen?
Doppelmoral hin oder her
für mich ist das einfach nur pervers, vor den Augen von 11 -jährigen! Dötzen, die wahrscheinlich nicht aus einem Landwirtschaftlichen Betrieb stammen, ein Kaninchen, das heutzutage als Zwergvariation in vielen Familien als Kuscheltier gehalten wird, mit dem Hammer zu töten, ihm die Kehle durchzuschneiden und es dann zu zerlegen und zu essen.
Ich selbst bin auf einem Hof aufgewachsen, auf dem Tiere geschlachtet wurden, aber wir wurden als Kinder nie dazu gezwungen, uns das anzusehen. Und trotzdem weiß ich, wo Fleisch herkommt.

Ich finde es unverantwortlich und pädagogisch wenig sinnvoll, 11-jährigen sowas in die Schulen zu tragen. Die psychischen Auswirkungen können da bei manchem Kind schon enorm sein.
Dass hier in dem Thread diese Sache fast durchweg positiv gesehen wird, lässt mich echt etwas sprachlos werden. Und Fragen wie:

Quoted

sollte man sich nicht von vornherein über so etwas Anschauliches im Unterricht freuen?

lassen mir gerade das Frühstück wieder hochkommen.
Hallo? Hier geht es um Kinder! Wenn es Studenten gewesen wären, die erwachsen genug sind und die sicher auch den Mum gehabt hätten, den Klassenraum bei Bedarf zu verlassen …
Ich meine, Kindern kann man auch auf andere Art und Weise einen vernünftigen Umgang mit Fleisch und Fleischprodukten nahebringen.

Für mich hat sich da ein abartiger Erwachsener an der Furcht/dem Ekel der Kinder aufgegeilt. Anders kann ich auch diese weit an der Realität vorbeigehende Abschiedszeremonie nicht verstehen. Ich seh förmlich wie Sabber aus seinem Mundwinkeln trieft. Gleiches ist mir von so manchem Jäger bekannt.
Hier wird mal wieder allzu deutlich, was unsere Gesellschaft heutzutage alles auf dem Rücken der Kinder austrägt.
Pfui Teufel. Das geht für mich gar nicht!
Mit dem Geist ist es wie mit dem Magen: Man kann ihm nur Dinge zumuten, die er verdauen kann.
(Winston Churchill)

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Chepre

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11

Friday, April 1st 2011, 11:50am

ein wirklich kontroverses und auch emotionales Thema, wie man sieht. dabei solche Begriffe wie "abartig" und "pervers" zu verwenden, finde ich nicht gerade einem vernünftigen Ton zuträglich. der Mensch, der das da mit den Kindern durchgeführt hat, hat auch eine pädagogische Ausbildung und sicherlich gute Argumente für sein Vorgehen gehabt - jetzt fragt mich bloß nicht, welche das sind 8| , ich bin ja hier nicht der Metzger.

ich denke, im Grunde ist solcher Anschauungsunterricht nicht verkehrt, auch wenn er vielleicht ne Schneise in das ein oder andere Kuscheltier-Vorurteil schlägt. auf der anderen Seite würde ich nicht dafür bürgen wollen, dass ich, nachdem ich eine Kuh hätte sterben sehen, noch Rindfleisch würde essen wollen...wie gesagt, wirklich schwierig. die Grundidee halte ich nach wie vor aber für alles andere als verkehrt.

die Kinder wurden nicht gezwungen, sich das anzusehen, die Teilnahme war rein freiwillig. aber ich stimme Alexa zu, dass es etwas anderes ist, ob man einem 10jährigen Knirps sagt "wir töten ein Kaninchen und zerlegen es hinterher" oder ob man es jemandem erzählt, der schon mehr reflektieren kann. obwohl sich sowas anzusehen wahrscheinlich auch wirklich heilsam für den ein oder anderen von uns wäre - und sei's nur als Film-Aufnahme (man fühle sich an die Video-Aufnahmen erinnert, die im Rahmen dieser Sache mit der Hühnerquälerei veröffentlicht wurden...)

geht jetzt auch wieder ein wenig vom eigentlichen Thema ab =) , aber ist es nicht irgendwie auch bedenklich, dass die meisten von uns, wenn man sie ohne was zu futtern in die Wildnis stellen würde, sich nicht zu helfen wüssten? man weiß nicht mehr, wie man ein Tier fängt, wie man es tötet, wie man es zerlegt und essensfertig macht. gut, man mag argumentieren, dass man dieses Wissen heute wirklich nicht mehr braucht - aber ich finde, das ist eine Lücke, die wenigstens in Teilen wieder gefüllt werden sollte. und entsprechend hab ich den Artikel zum Anlass genommen, von meiner Mama am Samstag zu lernen, wie man einen noch ganzen Fisch zum Futtern vorbereitet. mich gruselts jetzt schon, wenn ich dran denke, aber ich freu mich auch drauf. wo kommen wir denn hin, wenn man solche meiner Meinung nach doch irgendwie elementaren Dinge gar nicht mehr weiß und lernt?

edit @Raul
ich möchte gegenhalten =) die von dir angesprochenen Punkte lassen sich zumindest zum Teil verwirklichen, wenn man sich an die richtigen Stellen wendet. es gibt Supermärkte, die eigene Hausmarken für regional erzeugte Produkte haben - wenigstens hier in Hessen. gibt es sicherlich auch schon anderswo. und es gibt einige Bauernhöfe, die Eier, Milch und Marmelade und sowas direkt verkaufen. wenn ich mal Besserverdiener bin ?( , werde ich sowas auf jeden Fall auch in Anspruch nehmen.
Du kannst gehn, aber deine Kopfhaut bleibt hier.

Raul

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12

Friday, April 1st 2011, 12:18pm

@Alexa

Der didaktische und pädagogische Mehrwert einer solchen Aktion ist mir auch überhaupt nicht klar. Von daher stimme ich dir zu. Trotzdem und unabhängig davon bin ich überzeugt, dass auch du als Verbraucherin nicht ganz widerspruchsfrei leben geschweige denn als Mutter heute Kinder in einer reinen und moralisch unschuldigen Gesinnungslehre erziehen kannst. Empörung ist ein guter Antrieb, um die Dinge zu ändern, aber zunächst müssen die erwachsenen Menschen sich verändern, bevor sie überlegen, wie sie mit Kindern und Tieren umgehen. Für diese Veränderung reicht Empörung nicht allein aus, sondern eine nachhaltige Überzeugung, Politik nur noch aus der Perspektive der nächsten Generationen zu betreiben. Andernfalls sterben wir aus.

@Chepre

Das kann man im Kleinen leben, aber die Räder im Großen laufen leider noch anders. Es geht nur über die Macht der Verbraucher. Wenn wir uns, wie du richtig schreibst, aber in solchen Fragen nicht zu positionieren wissen, weil wir uns damit nicht auseinander setzen wollen, wird es schwierig.

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13

Friday, April 1st 2011, 12:50pm

@Alexa
Das Leiden und das Schlachten von unzähligen Tieren, die für unsere Ernährung sterben, darf man nicht beiseite schieben. Gerade auch Kinder nicht. Sie sind die Hoffnung, daß sich etwas ändert zum Wohle für das kurze Leben der Tiere.
Wahlfang, ein sinnloses Schlachten. Hier gibt es leichte Erfolge. Ein verbessertes Tierschutzgesetz für Nutztiere wird immer wieder von Lobbyisten verhindert.
Dem Grausamen kann man nur begegnen, wenn man es kennt. Ignoranz fördert. Mit zehn Jahren sind Kinder keineswegs zu jung um zu begreifen, daß ihr Essen mit Sterben verbunden ist. Der Schock darüber zeigt doch nur auf, daß über dieses Thema nicht gesprochen wurde. Die heile Welt für die Einen, geboren um zu sterben für die Anderen (aber das doch dann bitte unauffällig).

Alexa

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14

Friday, April 1st 2011, 2:58pm

Quoted

Für diese Veränderung reicht Empörung nicht allein aus, sondern eine nachhaltige Überzeugung, Politik nur noch aus der Perspektive der nächsten Generationen zu betreiben

Quoted

Das Leiden und das Schlachten von unzähligen Tieren, die für unsere Ernährung sterben, darf man nicht beiseite schieben. Gerade auch Kinder nicht. Sie sind die Hoffnung, daß sich etwas ändert zum Wohle für das kurze Leben der Tiere.

wozu wir nicht in der Lage sind, sollen dann unsere Kinder ausbügeln? und das soll dann durch solch anschaulichen Unterricht erreicht werden, bei dem wohlgemerkt! 10 und 11 – jährige Kinder, die m.E. überhaupt nicht wussten, auf was sie sich da überhaupt einlassen, stattfinden? Was kommt denn dann nach dem Kaninchen? Ich denke, hier wird es sich zu leicht gemacht. Wir müssen für den Scheiß einstehen, den wir verzapft haben und das nicht unseren Kindern aufbürden.

Kinder in dem Alter sind einfach noch zu ungefestigt, als dass sie, vor allem die Tötung, aber auch das Häuten und Ausnehmen des Kaninchens ohne weiteres verarbeiten können. Wer sowas noch nie gesehen hat, sollte sich mal damit beschäftigen und ich wette, jedem Erwachsenen wird da anders. (Und das ist etwas anderes als einen, womöglich schon toten, Fisch auszunehmen.)

Ich betone nochmal, wenn man sowas einem erwachsenen und innerlich gefestigten Menschen vorführt, dann entscheidet er, ob er dabei bleibt oder nicht. Aber die Kinder, die sich einmal für dieses Projekt gemeldet hatten, sahen wahrscheinlich gar keine Fluchtmöglichkeit mehr, außer vll. die umzufallen oder in Tränen auszubrechen.

Für mich steht an erster Stelle die Verantwortung für unsere Kinder. Und dazu gehört auch eine gewisse Vorbildfunktion.

Ich habe als Kind noch beigebracht bekommen, dass man keine Steine nach Enten wirft und das Butterbrot nicht in die Mülltonne. Und bevor jetzt sowas kommt wie: ja, aber im Krieg wurden auch Tiere getötet…es kann mir jetzt niemand sagen, dass die Kinder aus dem Unterricht an Hunger litten und deshalb das Kaninchen geschlachtet werden musste. Ich denke, das ist ein riesiger Unterschied.
Hier wird nur noch mal deutlich, dass der Mensch, wann und warum auch immer er will, Tiere töten darf!
Es hätte vollkommen ausgereicht, das Kaninchen in die Schule mitzubringen und den Kindern zu sagen, dass sie, wenn sie Kaninchenbraten essen, womöglich gerade dieses essen. Kinder haben eine sehr bildreiche Vorstellungskraft. Das hätte schon genug geschockt.

Ich sehe mit erschrecken, wie gleichgültig heutzutage der Umgang mit Medien und Co gehandhabt wird. Die Gesellschaft verroht zusehends. Und auch unsere Kinder sind dem tagtäglich ausgesetzt und werden dadurch in ihrer ganz natürlichen Entwicklung gehemmt. Sie lernen Sex als Liebe und Gewalt als Kommunikationsmittel verstehen .Und jetzt dann auch noch in der Schule und das sehr anschaulich, wie es ist, ein Tier zu töten.

Ich denke, wir müssen mit unseren Kindern erziehungsmäßig zurückgehen und ihnen nicht etwas beibringen wollen, was sie noch gar nicht verarbeiten, geschweige denn wissen wollen. Sie werden schon fragen, wenns soweit ist. Man schenkt ja auch keinem einjährigen Lego- Technik Sachen.
Ich denke, viele überschätzen die kindliche Seele in diesem Alter. Kinder brauchen Werte und keine Erwachsenen, die ihnen vormachen, wie man Tiere tötet. Dazu kommt noch, dass die kindlichen Proteste gegen die Tötung des Kaninchens ja völlig ignoriert wurden.
Wenn Kinder schon so früh lernen müssen, dass selbst aufbegehren nichts hilft, dann weiß ich nicht, was wir in zwanzig Jahren für leere, angepasste Tüten durch die Gegend laufen haben.

Prost Mahlzeit!

@Chepre

Quoted

der Mensch, der das da mit den Kindern durchgeführt hat, hat auch eine pädagogische Ausbildung und sicherlich gute Argumente für sein Vorgehen gehabt

Ja, er ist Sozialpädagoge, und? Heißt das automatisch, dass alles, was er macht und sagt, richtig ist? Es gibt auch kranke Sozialpädagogen.
Im Nachhinein haben die Verantwortlichen ja sogar selbst zugegeben, dass die ganze Aktion wohl doch nicht so das Richtige war.

ach noch was an Jule,

Quoted

auch für Milch stirbt ein Tier, nämlich das Kalb

wer hat dir denn eigentlich solch einen Blödsinn erzählt? :D
Mit dem Geist ist es wie mit dem Magen: Man kann ihm nur Dinge zumuten, die er verdauen kann.
(Winston Churchill)

Ich hier

Jule

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Friday, April 1st 2011, 5:05pm

Dann hast du wohl noch nie was von Kalbsfleisch gehört..

Trotzdem, ja, vielleicht war es falsch ausgedrückt. Es heißt ja nicht, dass die Kälber alle direkt geschlachtet werden.
Eine Milchkuh kalbt jedoch einmal pro Jahr, um durchgehend genügend Milch produzieren zu können.
Denkst du etwa, diese Masse von Kälbern werden alle hübsch weiter zu Milchkühen herangezüchtet, bis sie alt und glücklich sterben? Schon alleine die ganzen Bullenkälber kann man doch nie und nimmer alle aufziehen. Viele werden einfach bis zu einem gewissen Zeitpunkt großgezogen und dann geschlachtet. Einige Jahre wartet man darauf nun wirklich nicht.

Wenn man Milch trinkt, braucht man also nicht glauben, man lässt dadurch nicht indirekt auch Tiere töten. Man unterstützt damit die Fleischproduktion in gewisser Weise auch, nicht nur, in dem man direkt Fleisch kauft.

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16

Friday, April 1st 2011, 7:44pm

Mit den Kälbern hat Jule recht. Sie werden wegen der Milchproduktion geboren und nach kurzer Zeit geschlachtet, sozusagen als "Nebenprodukt".


@Alexa
Der erste Schritt ist die Pflicht unsere Kinder zu erziehen, daß sie unsere Mitkreaturen respektvoll zu behandeln haben. Ihnen zu erzählen, daß eben Tiere für ihr Fleisch auf dem Teller sterben müssen. Naturvölker bedanken sich beim toten Tier. Jäger tun es aus der Tradition heraus, der Supermarktmensch glaubt wohl eher sein Fleisch wächst auf Bäumen. Ich spüre dort bei niemanden Respekt oder Dankbarkeit für das Tier. Es wurde zur Ware und das ist das Entsetzliche.
Im Übrigem mußten früher junge Menschen bereits mit 14 Jahren ihre Metzgerlehre beginnen. Warum nur wird Kindern nichts mehr zugetraut. Sicher weinen sie, weil sie noch ehrlich ihr Mitgefühl ausdrücken, doch dann verstehen sie auch und sie werden entscheiden können wie sie damit umgehen wollen.

Tinus

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17

Friday, April 1st 2011, 8:30pm

Interessante Debatte. Sie beleutet die Entfremdung des Menschen von der Ehrfurcht bzw. Verantwortung für das Leben. Ohne "vernünftigen Grund" darf niemand Tieren Schmerzen und Leid zufügen, steht im Paragraf 1 des Tierschutzgesetzes. Wobei natürlich die Spannbreite geht vom Einzeller bis zum Schimpansen. Wenn aber jemand Milben mit dem Staubssauger vernichtet, gedankenlos eine Fliege erschlägt, wenn jemand eine Schnecke mit Bier ersäuft, all das ist normal. Und nicht zu vergessen Pflanzen. Es soll Experimente geben, bei denen nachgewiesen wird, dass Pflanzen leiden können. Wer gar keine Lebewesen essen will verhungert zwangsläufig.

Seit der Steinzeit jagt der Mensch Tiere und isst Beeren, seit 8000 Jahren baut er Pfanzen an, und hält "Nutztiere". Aber hier wie bei jedem Bauernhof ist immer ein direkter Bezug zwischen Mensch und Lebewesen da, der heute verlorengegangen ist. Die "Rohheit" eines Bauern, der seine Kuh schlachtet, ist tausendmal lebensnäher, autentischer, verantwortungsvoller, ethischer und ehrfurchtsvoller als der gedankenlose Griff zur Würstchendose im Supermarktregal. Der Mensch mit seiner industriellen Nahrungsmittelproduktion hat eine harten Schnitt zwischen Mensch und Lebewesen gelegt, ihn entfremdet. Und beim kleinen Prinz lesen wir: das, was mir vertraut ist, dafür habe ich Verantwortung. Und im Umkehrschluss: was mir nicht vertraut ist, dafür übernehme ich keine Verantwortung.

Dass vor Kindern geschlachtet wurde ist ein Versuch Kindern mit der doch recht brutalen aber auch natürlichen Wirklichkeit vertraut zu machen, dass Tiere sterben müssen wenn ich Fleisch esse. Damit Kinder später als Erwachsene auch die Verantwortung übernehmen können für ihren Fleischkonsum. Das Ziel ist also richtig, die Methode etwas fragwürdig. Die Frage, die sich ein Pädagoge schon stellen sollte, ob das traumatisieren sein könnte, oder ob er dieses Ziel auch mit anderen Methoden erreichen kann.

Chepre

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18

Friday, April 1st 2011, 8:33pm

ich bin bloß kein Fan davon, Positionen im Vorhinein zu verurteilen, deren Argumente man nicht kennt. das wollte ich mit meiner Aussage über die pädagogische Ausbildung des "Metzgers" ausdrücken. und seine Argumente werden leider im Artikel so gut wie gar nicht erwähnt.

ansonsten - man verabschiedet sich von dem Tier, zeigt ihm seine Wertschätzung, tötet es, isst es. ich kann die Schlechtigkeit in diesem Ablauf nicht erkennen. vielleicht bin ich ja zu blind - aber ich halte es immer noch für eine natürliche und wichtige Sache, was da gemacht wurde. das Tier wurde ja auch nicht gequält, bevor es getötet wurde. deshalb kann ich das auch nicht als Spiegel von menschlicher Willkür und Macht gegenüber dem Tier einstufen.

man hätte es vielleicht dennoch besser mit den Eltern abstimmen müssen und breiter anlegen...vielleicht vorher ein Besuch auf dem Hof, wo das Kaninchen gelebt hat usw. und vielleicht wäre das ganze nicht so ausgeufert, wenn die Eltern mit ihren Kindern mitgegangen wären zur Projektdurchführung. dann wären die Knirpse mit ihrem Kummer auch nicht so allein und eher in einem geschützten Raum trotz der tiefgreifenden Erfahrung.

=) viel mehr hab ich dazu glaube ich nicht beizusteuern.
Du kannst gehn, aber deine Kopfhaut bleibt hier.

rivus

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19

Friday, April 1st 2011, 10:18pm

hi alle beisammen,
(vornweg, ich habe den diskussionsfaden u. die argumentationen nur überflogen)

pädagogisch wäre es wohl sinnvoll gewesen, den kindern das prozedere zu erklären u. die gefühlslagen, befindlichkeiten, einstellungen zum thema schlachten abzuchecken u. jedem kind dann die freie wahl zu lassen, ob es sich vorstellen könnte, bei einer schlachtung zuzusehen. trotzdem, wegen dem gruppendruck, kann im nachhinein eine traumatisierung nicht ausgeschlossen werden. dazu kommt der kulturschock, weil unsre kinder u. wir erwachsene im normalen alltag so gut wie alles aus den augen verloren u. seelisch verdrängt haben, was wir da alle, mehr oder weniger (mitunter aus prinzip auch gar nicht), verspeisen.

aber, es gibt doch wirklich schockierendere bilder, die schon in fernsehsendungen zu jeder tageszeit gezeigt wurden. meine kinder erzählten es mir eine nachmittages, so gegen 16.00), damals 10 u. 12jährig! da wurde zum beispiel die verarbeitung von lebenden küken gezeigt. die küken werden, ich wollte es wahrhaftig nicht glauben, lebendigen leibes durch eine häckselmaschine gezogen und fleisch, knochen, wollknäuel säuberlich getrennt (descartes der mensch ist eine maschine schreit da aus seinem grab). genauso brutales haben tierschützer schon aufgedeckt. zum beispiel ist es mancherorts gang und gebe, lebendige rinder, ohne vorherige betäubung, einfach durch eine trennmaschine zu jagen (theodor dreisser ruft! schon um 19oo in america beschrieben).

ich persönlich bin einer ländlichen gegend im sächsischen aufgewachsen, habe kühe, schafe gefüttert, zur weide begleitet, schafe mitgehütet. das war bestandteil von utp (unterricht in der praxis) in der 4.klasse. doch an einer schlachtung musste ich, mussten wir kinder nicht teilnehmen.

rivus

Chepre

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20

Friday, April 1st 2011, 10:46pm

Quoted

zum beispiel ist es mancherorts gang und gebe, lebendige rinder, ohne vorherige betäubung, einfach durch eine trennmaschine zu jagen

das ist ja grässlich...kann man das irgendwie an Verpackungen erkennen oder in Erfahrungen bringen, wenn man Fleisch kauft? weißt du da zufällig was?
Du kannst gehn, aber deine Kopfhaut bleibt hier.

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