Des Kaisers neue Kleider
Sonettübung frei nach Hans Christian Andersen
Es ist der Tag, dem Volke sich zu zeigen
in Pracht und Reichtum, wie es ihm gebührt.
Er will ein Fest mit Harfen, Zimbeln, Geigen,
in Sammetkleidern, Hosen fest geschnürt.
Die Kammerdiener legen fein gelassen
Gewänder, Blusen, Gürtel ihm zurecht.
Der Kaiser probt, erzürnt und muss erblassen,
sie werden seiner Würde nicht gerecht.
Er legt sie ab. Die Kunde trägt sich weiter,
das Volk voll Neugier rasch zu Hofe geht,
will seine neuen Kleider sehn, wird heiter,
und lobt ihn hoch, den trefflichen Geschmack.
Indes, ein Kind ruft, „lieber Himmel, seht,
ich glaub es nicht, der Kaiser ist doch nackt.“
Jeder spinnt auf seine Weise, der eine laut, der andere leise. Ringelnatz