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Marco Moll

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1

Friday, January 14th 2011, 11:56am

Der Ur-Fall des Menschen: Selbst-ent-fremd-ung und die Diktatur der instrumentellen Vernunft

2. DIMENSION DER WEISHEIT: DER UR-FALL DES MENSCHEN
Hier soll der Ur-Fall des Menschen als Selbstentfremdung des Menschen von sich selbst reflektiert werden, der sich in der Entfremdung zwischen den Menschen in der Gesellschaft und zwischen Mensch und Natur ausdrückt. Aus dieser Selbstentfremdung wird die Diktatur der instrumentellen Vernunft geboren, die die ursprüngliche Bestimmung des Menschen zur Freiheit in Solidarität durch Herrschaft ersetzt.



PUNKT: ZERFALL DER GANZHEIT DES MENSCHEN UND DIE LEIDENSGESCHICHTE UNTER DER DIKTATUR DER INSTRUMENTELLEN VERNUNFT.

1. Der Ursprung des Leidens an der Endlichkeit liegt nicht im endlichen Sein des Menschseins an sich sondern an der Selbstentfremdung des Menschen von sich selbst.

2. Die ganzheitliche Ursprungsstruktur des Menschen ist relational strukturiert. Von seiner ontologischen Ursprungsstruktur kann der Mensch als Beziehungswesen verstanden werden, der sein Selbstseinkönnen nur in seinen konstitutiven Beziehungen zum Anderen, zu Mitmenschen, der Gesellschaft, zur Natur verwirklichen kann. Er ist anders gesagt dazu bestimmt, beim Anderen bei sich selbst zu sein.

3. Aus dieser ontologischen Ursprungsstruktur fiel er - MYTHISCH GESPROCHEN - heraus, da er von der Frucht der instrumentellen Vernunft aß, in deren Zwiespältigkeit die Verführung verborgen ist, seine ur-sprüngliche Bestimmung zu Freiheit in Solidarität, durch eine Logik der Selbstbehauptung zu korrumpieren, und sich selbst zu einem Götzen der Herrschaft zu vergöttern (Wie-Gott-sein-wollen).

4. So „as der Mensch von der Frucht der instrumentellen Vernunft“ und erkannte, „dass er nackt war“, d.h. ein radikal kontingentes Wesen, und fürchtete die Endlichkeit und den Tod. Diese Angst vor der eigenen Kontingenz ist die Ur-Angst des Menschen.

5. Diese Angst lässt sich nach Kierkegaard als „Schwindel der Freiheit“ deuten.
In der Angst, die im Gegensatz zur Furcht keinen äußeren Gegenstand kennt, geht es um den in ontologisch ursprünglich vollzogener Freiheit vollzogenen Selbst-Vollzug des Menschen als Einheit von Leib und Seele. Der Selbstvollzug des Menschen als Vollzug seiner Selbst-Verwirklichung muss vom Menschen als Auf-Gabe in Freiheit vollzogen werden. Herausgefallen aus seiner ontologischen Ursprungsstruktur erfährt der Mensch bei seinem Selbstvollzug die Freiheit als Ab-Grund seiner eigenen Möglichkeiten. Beim Blick in diesem Abgrund wird ihm schwindlig und in diesem Schwindel sinkt die Freiheit zusammen, indem sie sich in der Ver-zwei-flung von sich selbst ent-zwei-t und sich an die Endlichkeit zwanghaft fixiert.

6. Die Ur-Angst ist der Ursprung des Bruchs im Selbstvollzug der menschlichen Freiheit in sich. Der Mensch kann sein Sein nicht mehr als Ganzheit vollziehen und zerstreut sich in die Endlichkeit (Flucht aus dem Paradies). Einmal von der ganzheitlichen Ursprungsstruktur herausgefallen, kann er nicht mehr unmittelbar in sie zurück (Paradies ist verschlossen). Die unmittelbare Ganzheitlichkeit ist verloren gegangen. Er kann seine ganzheitliche Ursprungsstruktur - im-anderen-bei-sich-selbst-zu-sein - nur vermittelt im Sinne einer vermittelten Unmittelbarkeit wiedererlangen. Dies geschieht in der realsymbolischen Praxis der Befreiung, die die Diktatur der instrumentellen Vernunft in vielen kleinen Schritten von innen her aufbricht.

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7. Aus der Spaltung des Menschen in sich selbst, folgt die Spaltung von seinem Mitmenschen (Kain und Abel) und von der Natur (Natur als Schöpfung und Sintflut). Mitmensch und Natur können nicht mehr unmittelbar dasjenige Gegenüber sein, in dem der Mensch im anderen bei sich selbst ist. Diesen Zustand der Abtrennung von Mitmensch und Natur erlebt der Mensch als bedrohliches Ausgeliefertsein an den Mitmenschen (Kain) und an die Natur (Sinflut). So ist es das Ziel des Menschen, diese Abtrennung, dieses Ausgeliefertsein an Natur und Mensch, die aus seiner Selbstentzweiung und Selbstentfremdung resultiert, zu überwinden.


9. Eine Möglichkeit die Angst vor der Freiheit und dem Ausgeliefertsein an Mensch und Natur zu verdrängen ist die Flucht in die Diktatur der instrumentellen Vernunft, also in Herrschaftssysteme, die Ordnung und Sicherheit verheißen, durch die totale Beherrschung Mensch und Natur. Dazu zählen nicht nur politische Herrschaftssysteme, sondern auch religiöse (Kirchen, Sekten, Fundamentalistische Gruppierungen) In ihnen gibt der Mensch seine angsterregende Freiheit auf und flüchtet in die vermeintliche Diktatur der instrumentellen Vernunft. Dafür muss aber der Mensch die Freiheit seiner Vernunft dem jeweiligen Herrschaftssystem des Staates, des Marktes, der Religion oder Ideologie unterwerfen.

Doch der Frieden, die Sicherheit und die Ordnung, die die Herrschaft der instrumentellen Vernunft verheißt, ist nur scheinbar. Tatsächlich verstärkt sie nur die Trennung und Entfremdung der Menschen von sich selbst und untereinander. Deshalb bedarf sie immer wieder einer entsprechenden Ideologie, die diese Entfremdung und Versachlichung der Seelen als Selbstverwirklichung verkauft und verschleiert. Der Preis dieses Verkaufes ist der Ausverkauf der von ihrem Ursprung her zur Solidarität bestimmten Freiheit des Menschen

Die Berufung des Mensch zur Freiheit und Solidarität wird ausgetauscht durch die Logik der Selbstbehauptung und Vereinahmung. Das hierarchische Herrschaftssystem der Logik der Vereinahmung schafft eine neue abstrakte Einheit in der das In-sich-selbst-gespaltet-sein des Menschen durch ein gleichsam mystisches Aufgehen in der verwalteten Welt aufgehoben wird. Dieser Logik der Selbstbehauptung und der Vereinnahmung dient auch die Logik des Marktes. Die abstrakte Einheit der verwalteten Welt findet ihr Pendant in dem Tauschwert der Waren. Mensch wie Natur werden an ihren Leistungen bemessen, ihr Wert verrechnet sich an dem Erfolg, sich selbst auf dem Markt und in den von ihm kontrollierten Herrschaftssystemen zu behaupten.


Die Logik der zur Solidarität bestimmten Freiheit wird durch eine Logik der Selbstbehauptung auf dem Markt der Möglichkeiten ersetzt, in der die Entgegensetzung des eigenen Ego gegen das andere und damit gegen seine exzentrische Bestimmung in Form von einer Logik der Selbstbehauptung zum organisierenden Prinzip seiner Selbstverwirklichung totalisiert wird. Zwar bleibt in der Diktatur der instrumentellen Vernunft das Ich exzentrisch konstituiert, aber sein Sein-beim-Anderen wird nur noch als Instrument seiner Selbstbehauptung verstanden. Die Selbstbehauptung des Egos bemächtigt sich des Seins beim Anderen als Mittel der eigenen Herrschaft. In der Diktatur der instrumentellen Vernunft wird diese Selbstbehauptung und Entgegensetzung totalisiert. Somit verkehrt sich der Mensch gegen seine eigene exzentrische Konstitution.

9. Ziel der Diktatur der instrumentellen Vernunft ist die totale Beherrschung von Mensch und Natur durch Abstraktion von ihrem ursprünglichen unbedingten Wert und deren Gleichsetzung mit dem Wert und Waren. Der Wert des Menschen bemisst sich an seinem Marktwert und seiner gesellschaftlichen Position, die durch Macht, Arbeit und Besitz konstituiert ist.

Die Ideologien des Marktes und der Gesellschaft setzten an diesem Geltungsstreben an. Jeder Mensch strebt nach Anerkennung und Wertschätzung. Der Markt und die Gesellschaft produziert und vermarktet diese Sinnoptionen. Das Mittel dazu ist das Kapital. Unter Kapital wird nicht nur das Geld verstanden, sondern auch die Produktionsmittel, die Produktivkräfte und das Personalkapital. Das Kapital ist gleichsam der zentrale Katalysator des gesellschaftlichen Stoffwechsels der das gesellschaftliche System reguliert.

So sind die Moral, der Kulturbetrieb und die unkritischen Wissenschaften gleichermaßen von dem reinen Formalismus der instrumentellen Vernunft und ihres Mediums, des Kapitals, bestimmt. Sie dienen dem Verblendungszusammenhang als Träger der totalen Beherrschung von Mensch und Natur.

So wird z.B. Selbstbehauptung, Konsum und das Statusstreben als individuelle Selbstverwirklichung verkauft. Die Menschen werden in den westlichen Demokratien nicht mehr durch direkte äußere Gewalt beherrscht, sondern indirekt durch das Kapital, das die Werte produziert, nach denen das Geltungsstreben der Menschen strebt. Die Ideologie spricht somit die innersten Wünsche und Sehnsüchte des Menschen an. Und „wer die Gefühle des der Menschen beherrscht, der beherrscht den Menschen“. Somit ist die postkapitalistische Demokratur genauso totalitär wie die alten totalitären Systeme. Ihre Herrschaftsprinzipien sind nur viel dynamischer und flexibler, als die schweren in sich erstarrten bürokratischen Diktaturen. Das ist der Vorteil des Marktes. Und so muss auch der solidarische Befreiungskampf sich die Logik des Marktes zueigen machen um ein neues Zeitalter einzuläuten. Die postkapitalistische Demokratur muss von innen her in vielen kleinen Schritten aufgesprengt und verwandelt werden. Die postkapitalistische Demokratie ist mit ihren eigenen Waffen zu schlagen! Ziel sind dabei nicht Korrekturen am bestehenden System, sondern dessen Aufhebung! Der Markt soll nicht nur durch den Primat der Politik koordiniert werden, sondern Aufgabe ist es, den Verblendungszusammenhang des Kapitalismus zu nutzen, um für Freiheit, Solidarität und soziale Gerechtigkeit zu werben. Nur so können wir die Menschen in ihrem Innersten erreichen.

Raul

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2

Wednesday, January 19th 2011, 11:40pm

Entschuldigung, aber hier stimmen Text- und Bildebene nicht zusammen. Während ich im Bild Disco-Night-Fever sehe, erkenne ich im Text das leckere Gemüse allerlei Philosophen, die in der Hegelschen Dialektik jetzt quer durch den Garten als Eintopf serviert sind? Welches Schweinerl hätten's denn gern?

Ansonsten goldrichtige Philosophie, die ich gerade in meinem Schachroman verarbeite, der Ende des Jahres raus kommt. Wenn mir jetzt Marco Moll mehr mit Marco Dur daher kommt, wird das Leben in Bier gleich viel fröhlicher. :)

Raul

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3

Thursday, January 20th 2011, 2:07pm

Jetzt kann ich mich im Einzelnen dazu äußern, will ja nicht nur Dünnschiss hier verzapfen: Deswegen meine Antwort auf die Antwort, man verzeihe mir...

1. Zerfall der Ganzheit des Menschen.

Es hat lange gedauert, bis der Mensch sich überhaupt prismengebrochen in unterschiedlichen Schattierungen sehen konnte. Mit coitus :D cogito ergo sum und mit "sapere aude" begann das ganze Dilemma, das uns die Diktatur der Vernunft und der Wissenschaft bescherte, die du "als Frucht der instrumentellen Vernunft bezeichnest" und bei der du damit auf den zweiten Sündenfall anspielst. Interessant, wenn man bedenkt, dass der erste Sündenfall uns die Religion bescherte und der zweite die Wissenschaft. Wenn wir jetzt dialektisch denken, könnten wir die Wissenschaft gar als Erklärungsaxiom des Lebens begreifen, während die Religion Deutungshoheit mit dem Tod erhielte. Mit anderen Worten: Die Wissenschaft für das Leben, der Glaube für den Tod. Das Problem ist, dass wir mit der Aufklärung auch eine andere Sichtweise auf das eigene Leben bekommen haben. Während der Glaube uns noch einen natürlichen Fortpflanzungsauftrag mitgegeben hatte, fördert die Wissenschaft die nutzengetriebene Einsamkeit des Egos zum unmittelbaren Lebensunterhalt. Weil sich beide epochalen Disziplinen mit Lebensfokus und Nachlebensfokus überhaupt nicht berühren, die Wissenschaft für den Einzelnen keine sinnstiftende Bedeutung über den Tod hinaus hat, ist dies der eigentliche Sündenfall. Das rein zum Selbstzweck geförderte Erkenntnisinteresse der Wissenschaft basiert einfach auf die historisch erklärbare Ablehnung des Abendlandes gegenüber den Religionen, deren Machtfülle in der einstigen Erklärungshoheit über das Leben und den Tod gebrochen werden musste, um die individuelle Freiheit zu erlangen. Natürlich haben nachfolgende Generationen etwas von den Entdeckungen der Wissenschaft, für die jeweilige Lebensgeneration ist das aber nicht primär wichtig, weil das Leben wichtiger geworden ist als der Tod. Das war früher umgekehrt, man denke beispielsweise an die hohen Feiertage Allerheiligen und Allerseelen.

2. Ablehnung der Schuld

Mit der individuellen Freiheit, die sich allmählich und nicht gleich durchzusetzen begann, löste sich der moderne Mensch auch vom kirchlich belasteten Begriff der Schuld. Schuld und Freiheit gehen ebensowenig zusammen wie Glaube und Wissneschaft. Mensch verkennt leider heute, dass der Begriff Schuld keinen religiösen sondern einen soziologischen Tatbestand beschreibt, der bereits mit der Geburt eines Lebens entsteht und nichts anderes ist als die totale Form einer Beziehung zwischen zwei Menschen. Weil der Mensch in seiner unwiderruflich losgetretenen Freiheitssehnsucht die Schuld ablehnt, kann er nicht mehr in der totalen Nähe eines Menschennetzwerkes leben, kratzt an Abhängigkeiten, kritisiert Hierarchien und pflegt in seinem passiven Widerstand heute schon die totale Freiheit der Anarchie. Diese Freiheit, die sich heute schon als totales Phänomen zeigt, ist in ihrer Chaosstrategie des einfachen Neinsagens zu allen Gemeinideen geeignet, jedes Machtregime und jede Diktatur zu zerstören. Das ist gut. Nur noch ganz verwegene Systeme auf kleinen Inseln überwintern in fünfzig Jahren in einer Diktatur. Aber die Entfesselung hat ihren Preis darin, dass anstelle der menschlichen Schuld (bin ich gut zu anderen, liebt Gott mich) schon heute eine Sachschuld gewachsen ist, die aus Schuld Schulden gemacht hat und Geld als diesseitige, konkrete Ersatzautorität geschaffen hat. That's the problem, und das ist wirklich Moll.

Kann mir da jetzt jemand mehr Freude bereiten? Diese ganze Philosophierei macht mich depressiv X(

Raul

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4

Thursday, March 24th 2011, 4:42pm

Mensch Moll, wo bist du? Der Monolog ist die Onanie der Intellektuellen... :D

rivus

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5

Friday, March 25th 2011, 10:33am

mensch moll ein trialog wäre auch nicht schlecht. ich danke dir jedenfalls für solcherlei einblicke und auch rauls antworten waren, sind für mich bereichernd.

lg an moll und raul

Raul

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6

Friday, March 25th 2011, 11:44am

Ich würde es noch besser finden, wenn sich noch mehr hier beteiligen. Ich habe letztens darüber nachgedacht, ob wir überhaupt eine wirkliche Zäsur in der Kulturentwicklung der Menschen beobachten können. Sind wir nicht längst auf dem Weg vom passiven, gottgläubigen Demutsmenschen des Mittelalters zum aktiven und übermütigen Menschen der Moderne? Warum nicht wieder die Anerkennung einer Schuld gegenüber der Natur des Lebens als Geschenk? Woher auch immer es kommt? Warum muss alles, was möglich ist, auch gemacht werden? Gibt es nicht die Hoffnung auf eine Neugier, die fortwährend eine akzeptierte Neugier bleibt, ethisch unantastbar bleibt, solange sie einen verletzenden Eingriff in die Würde der Menschheit darstellt? Was sagt ihr dazu? Wir denken doch derzeit alle wieder mehr über Sinnfragen nach, oder?

rivus

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7

Friday, March 25th 2011, 5:39pm

ach raul, ich hab da einen andre ahnung, die ich mal hypothetisch skizziere:


ich denke, dass der postmoderne mensch, konfrontiert mit den antinomien des lebens in verschiedenen kulturkreisen, durch riskanten überaktionismus seine welt um den preis des untergangs anderer und des bewahrens von feindbildern in seinen fanatischen kreisen retten will, damit die glaubensfundamente des eigenen kulturkreises erhalten bleiben. dadurch gibt es aber kollosionen, die in allen noch vorhandenen kulturkreisen zäsuren in eine richtung ziehen, welche sehr viel mehr menschliche schuld in allen kulturen abladen und progressiv kumulieren werden, als wir normalverbraucher uns das je vorstellen könnten. ich denke daher, dass uns nicht nur die sachschuld (vielmehr ressourcenschulden) auf die füße fallen werden, sondern die egozentrischenn verletzungen und grenzüberschreitungen des menschlichen uns eines tages, sei es durch einen verheerenden glaubenskrieg oder durch einen technischen supergau oder einen sich abzeichnenden globalen ressourcencrash, uns wieder zur schuld und zur sühne bringen wird, zu überlebensfähigen und vermenschlichten beziehungen.

[es gibt doch auch diese tendenzen: dass immer schneller werdende zerstören von infrastrukturen in chile, pakistan, australien, haiti, mittelamerika, zentralafrika, die nunmehr eine sozioökologische ausrichtungs verlangen, um katastrophen zu entgehen, erfordern ein umdenken, ein komplexeres agieren, einen aufbau von sozioökologischen netzwerken, die wieder einen ganzheit der menschen zum ziel haben sollte ....]

Raul

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8

Friday, March 25th 2011, 5:49pm

Hallo rivus,

das hat Huntington im Kampf der Kulturen auch schon geschrieben. Da ist sicher was dran, dass sich bestimmte Leitkulturen exportieren und auf äußerst resistente Kulturkerne stoßen (Front Westen/Islam). Und in dieser westlichen Lebensweise geht es ganz sicher um Ressourcen und die damit verbundene Schuld, den eigenen Klan versorgen zu können. Ich glaube auch, die Welt geht zurück. Sie merkt es inmitten von iPad nur noch nicht. Das magische Stichwort ist Seltene Erden. Die Energiekrise ist längst da.

Mit dem zwangläufigen Tod der Ideologie nach dem Zweiten Weltkrieg war der Vereinzelungsprozess der Menschheit logisch und nachvollziehbar. Leider führt er uns womöglich in die nächste Katastrophe. Ich wünsche mir wieder einen Dostojewski, der die Zeichen der Zeit schonungslos benennt und die Abgründe der menschlichen Seele aufzeigt. Ich weiß, ich bin ein armer Irrer, der noch an die Wirkmacht der Literatur glaubt. :wacko:

rivus

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9

Friday, March 25th 2011, 6:01pm

mensch roul,

ich werde wieder mal dostojewskis totenhaus lesen .... die brüder karamasow fand ich auch stark

ach ich erinnere mich an denis iwanowitsch fonwisin

briefe an die schwester "ich komme aus den staunen nicht heraus, wie die aufgeklärteste und, ...., empfindsamste nation derartige grausamkeiten mitten in der ihrer hauptstadt dulden kann. das mitgefühl scheint ausgestorben zu sein. ein angesehener geistlicher, der abbé maury, hat kürzlich in einer predigt vor dem könig in versailles gelegenheit genommen, der majestät das elend in bicétre und im invalidenhaus vor augen zu führen. der könig stampfte mit den füßen auf und rief aus, dass er all das zum ersten mal höre ; zu dem abbé gewandt, sprach er die hoffnung aus, in zukunft nie wieder eine predigt wie diese, die ihm das herz zerrissen habe, zu verdienen. ..."

ja , ich glaube ebenso an die macht der literatur, die die gemüter bewegen kann, die uns menschen gleich welcher herkunft und welchen glaubens zueinander führen sollte, damit die welt besser wird ...

Babac

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10

Friday, March 25th 2011, 8:31pm

ich sehe die entwicklung der menscheit sehr dramatisch. ist zwar nur eine theorie, die absurd klingt, aber je absurder desto lieber. ich sehe die menschen, wie sie über die welt herfallen, wie eine unheilbare krankheit: so etwa wie krebs, der einen körper befällt. ich will ja nicht abstreiten, dass es gutartige krebsgeschwöre gibt, haben ja die körper auch: aber da der mensch sich immer mehr und mehr vermehrt, sich immer weiter und schneller entwickelt; da zeigt sich die fortgeschrittene gefährliche stufe der menscheit mit ihren atomkraftwerken und atom-und wasserstoff und biochemischen waffen; wie ein wuchender kiloschwerer krebs, der nun alle teile des körpers befallen hat. das schwache immunsystem des körpers macht vergebliche angriffe gegen den feind; wie die natur gegen den menschen. die paar guten tumore, erzählen sich gegenseitig von ethik, moral und stillstand und sehen zu, wie der körper wegstribt, und wissen nicht, dass mit dem körper alles stirbt: der krebs kennt nur ein ziel, den körper, zu zerstören, den menschen umbringen; der mensch, wie er in der geschichte war, und heute ist: will sich wie die natur zerstören. ist der krebs am rollen, so kann man ihn durch chemoterapie am wahrscheinlichsten und erflogreichsten behandelt. wir kennen ja, wie natur da vorgeht: sintflut. aber das klingt ja alles zu märchenhaft. aber solche tsunamis wie sie dieses jahrhundert aufkamen, sah man auch nur in filmen; und hielt sie, kopfschüttelnd, für übertrieben.



babac

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11

Sunday, March 27th 2011, 8:04pm

mensch babac,
du zeichnest ein düsteres bild. der mensch als fußnoterich der geschichte. hackethal hat es beschrieben. die mayas haben es in ihren kalendern kund getan, ja selbst das testament muss wissenschaftlich nun herhalten für the end. dies jahr 2012 lässt auch den tiqwah alt aussehen. ... führt uns also die diktatur der instrumentellen vernunft nicht nur rasant und unweigerlich in die menschliche selbstentfremdung, sondern etwas später nur, in einen implodierenden und explodierenden exitus, der den selbstheilungssprozeß der lebenden gäa katalysiert? so könnte sich dann "der ursprung des leidens an der endlichkeit" vollenden.

ja, die sinnfragen nehmen aktuell zu. in unsren zeiten wird auch die überwärtigkeit unsrer grundängste (angst vor selbsthingabe, angst vor selbstwerdung, angst vor wandlung, angst vor der notwendigkeit) forciert. kein wunder angesichts der vielen katastrophen in der gegenwärtigen zeitgenossenschaftswelt! die politischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, sozialen, religiösen konflikte nehmen dimensionen an, die eigentlich immer komplexere problemlösungsstrategien erfordern und das ist ja allerdings aus meiner sicht der gegenlauf zur iv-diktatur und zu den selbstentfremdungsprozessen. so habe ich immer noch hoffnung, dass sich netzwerke herausbilden, die alles selbstinteressenimmanente zugunsten der lösung von globalproblemen aufgeben.

rivus

Raul

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12

Monday, March 28th 2011, 7:27am

Hallo rivus,

besser kann man das Problem und eine Hoffnung dahinter nicht ausdrücken. Ich möchte nur ergänzen, dass die Selbstentfremdung mit der größer werdenden Umweltlast (Globalisierung) einher geht. Nimm einfach einmal geografisch die Fläche des Selbsterlebens (Umkreis) und die Fläche der Weltereignisse, die wir durch die Medien täglich im Quadrat des Fernsehers "erleben". Es liegt auf der Hand, dass diese Ausstrahlung das Fassungsvermögen des Menschen übersteigt. Der Angstmensch ist die logische Folge einer zu groß gewordenen Umwelt, die der Mensch sozial als auch intellektuell nicht mehr bewältigen kann.

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