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Marco Moll

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Friday, January 14th 2011, 11:33am

Der Mensch als körperlich-seelisch-geistige Einheit und als Kulturwesen Zsf

ANTHROPOLOGISCHE REFLEXION 1:
DER MENSCH ALS KÖRPERLICH-SEELISCH-GEISTIGE GANZHEIT UND ALS KULTURWESEN

Die Organisationsform des Lebens des Menschen zeichnet sich durch ihre exzentrische Positionalität aus, da er sich aufgrund seines reflexiven Selbstbewusstseins im Unterschied zum Tier, reflexiv auf sich selbst verhalten kann. Während das Tier in seinen Bewusstseins- und Handlungsakten aufgeht, kann sich der Mensch durch seine Fähigkeit zum Selbstbewusstsein über seine Bewusstseins- und Handlungsakte transzendieren, indem er im geistigen Selbstüberstieg sich kritisch von ihnen distanziert und von der transzendentalen Position seines Selbstüberstieg wieder reflexiv auf sie zurückkommt.



Der Mensch erfährt sich selbst in mehreren Dimensionent:

1. als KÖRPER, also als Konstrukt seiner äußerlichen, sinnlichen Anschauung

2.. als PSYCHE, also als Konstrukt seiner inneren Selbsterfahrung

3. als SUBJEKTIVER GEIST; also als reflexives Selbstbewusstsein, das sich verdichtet im
...
3.1. EGO, dem Konstrukt, von dem aus der subjektive Geist die exzentrische Position zu sich einnimmt
...
und 3.2. des SELBST, dem Konstrukt, auf das hin sich das Ego sich selbst hin verwirklicht und entwirft.

In diesem Akt des reflexiven Selbstbewusstseins als dem Akt des subjektiven Geistes gründet seine Fähigkeit zur Selbstbestimmung im Denken und Handeln. Der Mensch kann sich zu den vorgegebenen Bestimmtheiten seines Daseins reflexiv in ein selbstbestimmtes Verhältnis setzten, eben in ein Selbstverhältnis. So ist ihm sein Selbst nicht vor- sondern auf-gegeben als Prozess seiner Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung.
So wird sein Leben zu einer von ihm selbst zu vollziehenden Auf-Gabe. Er muss sich erst zu dem machen, was er ist. Sein Selbstsein ist kein Zustand oder in sich geschlossener Akt, sondern eine offene Aufgabe.

Denn: Anders als das Tier, das an seine Umwelt genau angepasst ist und von seiner durchgängigen Instinktsteuerung geleitet wird, ist der Mensch ein biologisches Mängelwesen.
Aufgrund seiner Unangepasstheit und Instinktreduktion ist er in seiner Ex-sistenz bedroht. Dem entspricht andererseits die WELTOFFENHEIT und reflexive Lernfähigkeit des Menschen, denn der Mensch ist auf keinen Erfahrungshorizont und keine Handlungsmuster endgültig festgelegt. Daher kann er dank seines reflexiven Selbstbewusstseins (= subjektiver Geist) die Bedingungen seines (Über-)Lebens neu gestalten, indem er aus der Sphäre seiner Subjektivität heraustritt in die ihm umgebende Naturwelt zur Kulturwelt umgestaltet.

Der Mensch ist von seiner Natur aus ein Kulturwesen. Er kann sein Leben nur in einer Kulturwelt verwirklichen. Denn aufgrund seiner Weltoffenheit und Instinktreduktion steht der Mensch einer ständigen Überfülle an Eindrücken und damit an Handlungs- und Weltauslegungsmöglichkeiten gegenüber, die er außerhalb der objektivierten Sinnreduktion der Sinndeutungssysteme der jeweiligen Kulturen nicht bewältigen könnte. Erst indem der Mensch die durch die Kultur schier unendlichen Sinnmöglichkeiten strukturell reduziert, kann er Sinnmöglichkeiten für sein Denken, Fühlen und Handeln entdecken und sich so selbst verwirklichen. Die kulturellen Sinnstrukturen erfüllen damit eine Entlastungsfunktion indem sie Ordnung und Identität ermöglichen.

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