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rivus

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1

Saturday, May 8th 2010, 12:24pm

Mensch I

Endlich stand ich 15m weg von einer stark befahrenen Eisenbahnbrücke, ganz in der Nähe der unverwestlichten Südlichtspiele, in meiner neuen Zweizimmerwohnung. Alle Leitungen waren über Putz. Die Fenster rutschten fast in den von Trichtern und Wällen übersäten Fußboden. Die Wasseranschlüsse suchte ich vergebens. Das Klo fand ich eine halbe Treppe tiefer. Ich hatte gerade Nägel in die Wand geschlagen, als kalte Asche auf meine Bücher stürzte und die billige Tapete auf den Dauerbrandofen einschlug. Die Deckenlampe über mir schaukelte dazu in einem gefährlichen Rhythmus, der das anschwellende Rattern des heranrauschenden Zuges überdröhnte.

Er kam mit dem späten Zug, und wir stolperten die Lutherstraße entlang. Die Erlen standen noch, und sie schwärzten den ohnehin verschwindenden Asphalt, der die Feuerkäferkolonien und auch das grobe Kopfsteinpflaster mit sich riss. Wir bogen die Straße aus, hauten die Bäume ab, drängten die Düsternis der Mietshäuser in die verwahrlosten Vorgärten, in denen unsere menschelnden Eisenskulpturen gegen die plötzlichen Nähen und gegen die kinderlosen Gehwege aufbegehrten. Doch die Bewohner schliefen neben ihren schiefen Hauseingängen und aus den blauen Futterkübeln krochen ihre Hunde, die in fauligen Dunstnetzen hungrige Fliegen in unsere verborgensten Winkel mitschleppten.

„Hier ist es!“ Hier späht sie mit üppigen, süßholzraspelnden und doch traurigen Parterreblick, aus dem gardinelosen Fenster einer Brückenwohnung.



Hazel

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2

Saturday, May 8th 2010, 6:36pm

Hallo rivus,

ich habe mir die Texte mal alle vorgenommen und weiß nicht so recht, was ich damit anfangen soll. Sie sind zwar sehr wortgewaltig und strotzen nur so vor Pompösität, an manchen Ecken kann ich auch ein paar klare Gedankengänge erkennen, aber insgesamt würde ich die drei "Mensch"-Werke eher unter Surrealismus einordnen. Für meinen Geschmack zu viele Chiffren, die das Lesen an manchen Stellen wirklich unangenehm machen. Tolles Vokabular, tolle Atmopshärenerzeugung, aber die Texte wirken auf mich wie Bilder ohne Motive, auf denen nur der Hintergrund bemalt ist.

LG, Hazel
Alles ist gut. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist. Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich sein, sofort im selben Augenblick.

rivus

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3

Saturday, May 8th 2010, 10:11pm

ach hazel,
danke für deine aufrichtigen worte. ich glaube, du hast die achillesferse meiner texterei erkannt und präzise dargestellt als "surrealistische hintergrundmalereien", ja, das trifft wohl zu u. spiegelt vortrefflich die schwäche meiner texte. so sollte ich mehr zum vordergrund kommen u. die texte mit mehr handlungsinhalt und klarheit füllen. damit hast du mir eine schöne aufgabe erteilt und mal sehen, ob ich mich aus den surrealen fußstapfen lösen kann.


lg, rivus

Hazel

Moderator

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4

Saturday, May 8th 2010, 11:00pm

Wenn du den Versuch wagen willst, drück ich dir die Daumen, denn von der Sprache her würden mich die Texte unglaublich ansprechen ;)
Alles ist gut. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist. Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich sein, sofort im selben Augenblick.

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