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Date of registration: Dec 2nd 2008

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1

Monday, May 3rd 2010, 2:10pm

nistplatz

fernreisen scheitern häufig
an fehlenden möglichkeiten in
vergessenheit geratenen hinterhöfen

den rücken zu kehren

deren rostigbraune sträucher
schon seit geraumer zeit bunten vögeln
kein nistplatz mehr sind

gelegentlich ein blick
der sich freigang erschleicht
auf neuigkeiten des tages

vom wind durch die schatten getrieben

: ein ortsunansässiger wird
in diesem bild
kaum mehr als ein spiel sehn
lG

versbrecher

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Strohpuppe

Moderator

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Location: Gießen

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2

Monday, May 3rd 2010, 6:12pm

hallöchen, versbrecher

stimmungsmäßig mag ich deinen Text sehr. er führt mir einen großstädtischen Hinterhof vor Augen, an dem sich an allen vier Seiten die grauen, bröckelnden Fassaden erheben. auf einem bepflanzten Beet sind Sträucher und Bäume verdorrt und kleben an einer grauen Wand wie daran heruntergegossen. man kann sich fragen, wie viel Sonne hier pro Tag reinscheint - nicht viel, würde ich sagen. das ganze stirbt jeden Tag mehr.
bunte vögel - bei mir Fahrräder, bunt lackierte, alte, wie Studenten sie oft fahren. =) langsam schließt sie wohl niemand mehr dort an.
eigentlich ist der Hinterhof ein verhältnismäßig oft bemühtes Bild. du schaffst es jedenfalls, dem ganzen noch "kräftige" Grautöne und ein paar bunte Punkte zu entlocken. dein Text hat Kraft, finde ich, und trifft.

sprachlich finde ich ihn allerdings etwas überfrachtet und hakelig, was aber nicht massiv zum Tragen kommt. dennoch möchte ich dir zwei, drei Vorschläge machen:

fernreisen scheitern häufig
an fehlenden möglichkeiten in
vergessen geratenen hinterhöfen
den rücken zu kehren

wo rostigbraune sträucher
schon seit geraumer zeit bunten vögeln
keinen nistplatz mehr bieten

gelegentlich ein blick
der sich freigang erschleicht
auf neuigkeiten des tages

ein ortsunansässiger wird
in diesem bild
kaum mehr als ein spiel sehen

die 1 in deiner S4 statt ein und ebenso den Doppelpunkt vor der letzten fand ich echt strange, der Sinn davon leuchtete mir nicht ein.

Gruß
Du kannst gehn, aber deine Kopfhaut bleibt hier.

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3

Tuesday, May 4th 2010, 9:50am

Hallo Strohpuppe,

vielen Dank, daß du diesem Text deine Zeit gewidmet hast.

Deine Vorschläge finde ich sehr interessant, & ich würde gerne einiges davon übernehmen. Vorher aber möchte ich das Pferd mal von hinten aufzäumen, & fange daher mit dem Dopelpunkt an.

Die von dir angemerkte Überfrachtung (dabei hast du die ersten Entwürfe nicht gelesen :whistling: ) ist mir auch (unbewußt?) aufgefallen. Schon bevor ich an dem ursprünglichen Text herumgestrichen habe, wollte ich mit diesem Satzzeichen an dieser Stelle ein kurzes, wenn auch intensiveres Innehalten hervorrufen, als es der Leervers vorweg alleine bewerkstelligt: ein (resümierender) Blick auf das Gesamtbild, nachdem zuvor einigen Details die Aufmerksamkeit des Betrachters zuteil geworden ist.

Übernehmen möchte ich gerne folgendes:

* - den rücken zu kehren statt - den rücken kehren zu können; deine Version unterstreicht das abrupte eines (un)möglichen Abwendens von der Szene; ich werde diesen Vers aber als Solostrophe stehen lassen.

* das letzte vor neuigkeiten ist tatsächlich redundant; wobei ich auch nicht auf die zweite Solostrophe des Gedichts (vom wind durch...) verzichten möchte.

* die 1 macht sich an dieser Stelle (ausnahmsweise :D ) wirklich nicht gut.

Ich danke dir noch einmal für die Mühe, die du dir mit dieser Skizze gegeben hast. Sie hat durch deine Hilfe sehr hinzugewonnen.
lG

versbrecher

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Alexa

Blickdicht(erin)

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Location: von draußen vom Walde...

4

Tuesday, May 4th 2010, 1:33pm

Hallo

Ich weiß nicht, ob ich richtig liege, aber für mich ist dieser Hinterhof kein Greifbarer, für mich ist er vielmehr ein Symbol für etwas festgefahrenes, etwas, dass sich mit den Jahren einfach so eingeschlichen hat und gar nicht mehr bewusst wahrgenommen wird, trotzdem aber die eigenen oder auch fremden Handlungen beeinflusst. Ob es nun die eigenen Gedanken/(Lebens)gewohnheiten sind oder aber vielmehr das Betrachten eines fremden Schauplatzes, wird mir dabei nicht ganz deutlich.
aber
"fernreisen"
verstehe ich hier im Sinne von Ausbrechen. Ein ausbrechen aus Gewohntem. Dabei spielt es gar keine Rolle, ob nur in Gedanken oder tatsächlich,
was theoretisch ja schon möglich wäre, aber durch die
festgerosteten Gedanken/Gewohnheiten wird erst gar kein "einnisten“ von Neuem und demnach ja auch kein ausbrüten ermöglicht.

Gefällt mir sehr gut :)
Gruß
Alexa
Mit dem Geist ist es wie mit dem Magen: Man kann ihm nur Dinge zumuten, die er verdauen kann.
(Winston Churchill)

Ich hier

Date of registration: Dec 2nd 2008

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5

Tuesday, May 4th 2010, 3:43pm

Hallo Alexa,

Gefällt mir sehr gut

Dafür erst1mal mein Dankeschön.

Mit deiner Interpretation bist du unglaublich tief in das Un(ter)bewußte des Autors/lyr.Ichs eingetaucht; denn grundsätzlich sind es tatsächlich Eindrücke eines Hinterhofs, die in diesem Text ihre Bearbeitung gefunden haben. Untermischt mit sehr persönlichen Erinnerungen, zu denen es, in diesem Fall, eigentlich zu viele Bilder gibt - & jedes Einzelne weckt tiefe Gefühle. Nicht resigniert, nicht direkt traurig; vielleicht mit einer Spur Wehmut gewürzt.

Dadurch allerdings, & hier trifft deine Lesart ins Tiefschwarze, daß die Ereignisse, die hier die Gedanken eines Ortsunansässigen beschäftigen, bereits einige Jahre zurückliegen, verliert sich möglicherweise das direkt Greifbare; & Fernreisen waren zur damaligen Zeit tatsächlich ein Ausbrechen des lyr.Ich aus dem Gewohnten.

Es freut mich sehr, daß diese Skizze dir diese Interpretation gestattet, weckt sie doch in mir weitere Bilder (wie gut, daß der Text jetzt fertig ist ^^ ) & Emotionen.

Vielen Dank, daß du deine Eindrücke mit mir geteilt hast.
lG

versbrecher

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