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Hermine064

Registriert

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Posts: 5 wcf.user.activityPoints: 40

Location: Wien

1

Monday, February 22nd 2010, 12:21pm

Eine Nacht

Die Sehnsucht treibt langsam

- am Himmel - wie zerrissene Wolken,

im Park geht die Einsamkeit

spazieren

von den Bäumen baumelt die Zeit

höhnisch grinsend - Triumph feiernd.



Die Toten schlafen in ihren Gräbern

friedlich,

vielleicht nur durch ein paar Wühlmäuse

in ihrer Ruhe gestört.



Der Mond schleicht durch die Nacht,

und weint - dort oben - schwere,

blutige Tränen.



Auf der verlassenen, staubigen Strasse

ein einsamer, müder Spaziergänger

schreitet,

sich fest an seiner Sense klammernd, voran

- eine Krähe flattert laut kreischend

hinterher.



Die Toten tauchen auf,

aus dem Fluss aus Mondtränen.



Es ist vorbei - die Zeit ist vergangen

die Hoffnung gestorben,

der müde Spaziergänger feiert

den Sieg.

Strohpuppe

Moderatorin

Date of registration: Aug 22nd 2008

Posts: 897 wcf.user.activityPoints: 4,980

Location: Gießen

2

Wednesday, March 3rd 2010, 9:27pm

hallo, Hermine064

womit dein Text punkten kann, ist die schöne Tiefe, die du ausbreitest. die Nachtszenerie, die du schreibst, wird ausführlich ausgeleuchtet und rundet sich so ab.
was aber stört: gleichzeitig nimmst du dem Bild die Kraft, zu atmen und sich zu "blähen" wie der Nebel, den ich hier intuitiv dazu lese. ich finde, du hast es etwas übertrieben. halbe Länge hätte deinem Text gereicht. ich versuche mich mal an einer vorsichtigen Kürzung:

Die Sehnsucht treibt am Himmel
wie zerrissene Wolken.
von den Bäumen baumelt die Zeit
höhnisch grinsend - Triumph feiernd.

Auf der staubigen Strasse
spaziert müde die Einsamkeit
und klammert sich an eine Sense.
eine Krähe flattert kreischend hinterher.

(Aus einem Fluss aus Mondtränen
tauchen die Toten auf.)

Es ist vorbei. Die Zeit ist vergangen,
die Hoffnung gestorben.
Der müde Spaziergänger feiert
den Sieg.

wie gesagt, ist nur ein Vorschlag. gleichzeitig habe ich auch die Interpunktion nach meinem Gutdünken verändert. z.B. fand ich die Gedankenstriche, die du an verschiedenen Stellen drin hattest, äußerst unpraktisch. Sie bremsten nur den Leser aus, ohne inhaltlich signifikantes zu leisten.
ich bin nicht sicher, finde aber fast, dass man die Toten und den Mondfluss ganz weglassen könnte. deshalb klammere ich es mal ein.
für die Zukunft: weniger ist manchmal mehr. =) lieber auf nur zwei, drei Sachen konzentrieren und die sauber ausarbeiten. und die Leerzeilen würde ich rauseditieren, das stört doch sehr beim Lesen.
die von den Bäumen baumelnde Zeit finde ich übrigens sehr schön!

Gruß
Strohpuppe
vormals Strohpuppe.

Textverzeichnis

Tanzt: Schon spannt die Nachtgöttin die Pferde an,
und dem Wagen der Mutter folgen in fröhlichem Tanz die funkelnden Sterne,
und danach kommt der schweigsame Gott des Schlafes umschlossen von schwarzen Flügeln
und auf unsicherem Fuß die schwarzen Gottheiten des Traumes.

Albius Tibullus, zweites Buch, erste Elegie.


Perry

Sage

Date of registration: Jun 22nd 2007

Posts: 1,107 wcf.user.activityPoints: 7,100

Location: Bayern

3

Wednesday, March 10th 2010, 12:55am

Hallo Hermine,

eine bewegte Nacht, die hier beschreibst. Ich kann Strohpuppes Anregungen nur unterstützen, weniger wäre hier mit Sicherheit mehr.
Eine grundsätzliche Sache möchte ich gerne noch aus eigener Erfahrung ansprechen, je weniger aufgeladen Worte sind, umso größer ist die Interpretationsbandbreite für den Leser.
Also Begriffe wie Sehnsucht, Einsamkeit, Hoffnung etc. möglichst vermeiden, diese Gefühle soll man zwischen den Zeilen spüren, aber nicht aufs Auge gedrückt bekommen.
Weiter viel Spaß beim Schreiben und LG
Perry