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Date of registration: Dec 2nd 2008

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1

Wednesday, January 6th 2010, 4:23pm

waldspaziergang

der winter hat sein pulver verschossen
über nacht wurde aus dem frischen weißen
das zuvor noch so unwiderstehlich geflossen
ein luxusklosett in das die nachbarshunde scheißen

auch der wald trägt wieder grünbraunen loden
darin sich einer in der letzten nacht
(vielleicht nur aus langer weile) umgebracht
- jetzt stapelt sich sein blut am boden

frostig starren augen wimpern & brauen
keine wärme entströmt mehr dem handgelenk
und wirkt es auch anmaßend ungelenk
warum der eigenen unlust auf dauer mißtrauen

irgendwann ist vielleicht wirklich der punkt erreicht
da ist es genug mit dem ständigen treiben & hetzen
dann wird es zeit das messer zu wetzen
so hat sich der hier in konsequenz auch ausgebleicht

schluß vorbei ein gruß an alle & dann ist gut
diese nacht bot sich einfach dazu an in ihr zu sterben
rasch noch was mit auf den letzten weg (für den mut)
: eigentlich kann es nicht anders als besser werden
lG

versbrecher

bababadalgharaghtakamminarronnkonnbronntonnerronntuonnthuuntrovarrhounawnskawntoohoohoordenenthurnuk

Strohpuppe

Moderator

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2

Wednesday, January 6th 2010, 11:22pm

hallöchen, versbrecher

dieser Text sticht auf interessante Art aus deinem übrigen Werk heraus. man möchte fast staunen, dich mal ohne alle 2 m ein Enjambement arbeiten zu sehen. ^^ nicht böse gemeint.
ja, was sagt mir dieser Text - ich finde ihn irgendwie grotesk. das ganze fängt schon an, wo Schnee fließt anstatt zu rieseln oder zu fallen oder ja. woran ich noch ein bisschen hänge, ist das Luxusklosett - äh, weil es angefeuchtet ist?? für mich herrscht nämlich an diesem Morgen bereits Tauwetter.
die Loden (der? die? das?) des Waldes sind irre gut gewählt im Ausdruck. beide Daumen meterhoch für diese Stelle!
das sich stapelnde Blut am Boden - du scheinst hier die Umkehrung beabsichtigt zu haben. da, wo Schnee sich zu Haufen stapeln könnte, fließt er stattdessen, und wo Blut fließen oder wenigstens versickern sollte, stapelt es sich. ich weiß gar nicht, ob ich genau begriffen habe, was du damit willst, aber irgendwie passt es in seiner "Verzogenheit", wie eine wütende Zeichung.
warum es in S3 ausgerechnet das Handgelenk sein muss, leuchtet mir nicht ganz ein. ich kann hier nur Zugang finden, wenn ich daran denke, wie man jemanden packt, den man daran hindern will, mit den Fäusten auf jemand anders loszuprügeln. folglich stört mich der "Reim" handgelenk-ungelenk, auch wenn ich nicht glaube, dass das Schussligkeit war. vielleicht erklärst du's mir ja =)
auch ausgebleicht holpert ziemlich. könnte man aus weglassen?
die letzte Strophe liefert in ihrer Ritschratschbutteraufsbrot-Art einen würdigen Abschluss.
dein Text illustriert mit einer, ich möchte fast sagen "schamlosen Beiläufigkeit" den Tod eines Menschen, der sich anscheinend nicht der Konvention wegen weiter quälen wollte.
sehr gern gelesen.

Gruß
Strohpuppe
Du kannst gehn, aber deine Kopfhaut bleibt hier.

Erik R. Andara

Glasphasen-Moderator

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3

Thursday, January 7th 2010, 1:21pm

hallo;

ganz ohne partizipien diesesmal, ich bin begeistert :D

für mich waren deine texte in letzter zeit, wenn man zuviele davon konsumierte, einfach zu teilnahmslos gestrickt auch wenn man merkte, daß du dich sehr um die form bemühtest, vielleicht war es aber auch gerade das;

dieser text sticht (so ganz ohne nd´s) richtig frisch und neu aus deinen letzteren hervor;

ich würde nach dem weißen sogar noch darüber nachdenken den schnee nachzufügen, hast du den reime ben ein bißchen verschoben, was solls (da kennst du dch auch sonst nicht soviel geniertheit), dem rhytmus würde es m.m.n. auf jeden fall nicht allzusehr schaden;

und dann ähnliches bei: darin hat sich einer...

wimpern & brauen wäre schöner zu lesen...

keine wärme entströmt mehr dem handgelenk die zeile holpert ein bißchen im lesefluß (evtl.: keine wärme strömt mehr aus dem handgelenk ?, auch nicht das gelbe vom ei ich weiß...)


...auf den letzten wege...?

schön, der text, in seiner bestimmtheit und unüberredbaren absolut-formulierung, transportiert er (wie auch maria vor mir bereits gesagt hat), das thema wirklich würdig und respektvoll (gleichzeitig aber auch schön bissig);

deswegen wiederhole ich nochmal: ritsch-ratsch, gut gemacht, hab ich wirklich gerne geelsen
hoffentlich gibts in zukunft noch ähnliches (weniger inhaltlich als stilistisch) von dir zu lesen;

lg und schönes neues
erik
under the sea, is where I'll be
no talking 'bout the rain no more

J.Locke

Professional

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4

Thursday, January 7th 2010, 9:42pm

hi Versbrecher,

Was für ein tolles Gedicht! Ich bin kein Experte in der Lyrik,aber kann es sein, dass du hier in der Stilebene neue Wege einschlägst? Ich kann es nicht dem Impressionismus einreihen, obwohl ich zuerst dachte, dass es in dieser Richtung führen könnte..denn der Tod unter den Blätter, ganz nebenbei gesagt neben dem Luxuskloset usw.. das hat auch Strohpuppe in anderer Weise bemerkt.. frage an dich, gibt es einen Namen für deinen Stil?!

Ich muss mich meinen Vorredner anschliessen, an eben der gleichen Stelle musste ich holpern, nÄhmlich diese"

keine wärme entströmt mehr dem handgelenk

Irgendwie gefàllt mur das Handgelenk nicht, vielleicht Brust oder einfach Körper? naja..


Wie auch immer, mir gefällt es ,lange hab ich nicht mehr sowas frisch modernes gelesen.. es sticht wirklich herraus!

lg John

Date of registration: Dec 2nd 2008

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5

Thursday, January 7th 2010, 10:48pm

Grüzi Strohpuppe,

und ein frohes neues Jahr vorweg.

Es freut mich ganz besonders, daß dieses Gedicht auf deinen (allgemeinen) Zuspruch trifft; ist nämlich der erste (ernst gemeinte) Versuch am Reim seit Jahren. Hat viel Spaß gemacht & wird nicht der letzte dieser Art gewesen sein. Grotesk gefällt mir als Beschreibung sehr gut; entstanden ist das Gedicht in der Straba auf dem Weg zur Arbeit, der ein Stück weit durch ein Waldgebiet führt. Bei einsetzendem Tauwetter war noch genug Weiß vorhanden, um den Mitreisenden das eine oder andere "Ach wie schön" zu entlocken. Auf einmal hatte ich dieses Selbstmörderbild vor Augen. Erstaunlicherweise ist es gleich beim Skizzieren stellenweise (& durchgängig unbewußt) als Reim aus der Kulispitze aufs Papier gewandert (was ich allerdings erst bei der Nachbearbeitung festgestellt habe).

Ja, auf den Loden bin ich (bei einer Gesamtselbsteinschätzung in Richtung optimierungsbedürftig) ein klein wenig stolz (der übrigens, laut meinem Wörterbuch). Das sich stapelnde Blut stammt direkt aus dem (Phantasie)Bild, & steht im Zusammenhang mit dem Handgelenk: aufgeschnitten, daß Blut: während der frostigen Nacht zu einem Türmchen/Hügel gefroren (gestapelt), doch auch deine Lesart ist darin enthalten (& wahrscheinlicher als meine Vorstellung). Das Handgelenk muß sein, wie es ungelenk (verrenkt im Tode) am Arm hängt, & ausgebleicht als Bild für die weiße, steifgefrorerene, ausgeblutete Menschengestalt, die im Tode eingefroren an einen Baum gelehnt sitzt. Die "schamlose Beiläufigkeit" trifft es (& schmeichelt mir sehr).

.. .

Hi Erik,

auch dir ein frohes Neues & vielen Dank für deine Anmerkungen. Bin im Reim noch arg ungeübt nach der langen Abstinenz. Daher klingen die Verse auch nicht immer so ganz rund (keine Ausrede: fehlende Übung).

* Bei dem >darin hat sich einer< ginge natürlich auch >darin hat sich in der letzten nacht(vielleicht nur aus langer weile) einer umgebracht<

* das "&" ließe sich sicherlich einsparen; 

* keine wärme entströmt mehr dem handgelenk finde ich persönlich nicht sooo holprig; 

* das e am Ende von weg ist für mich ein persönliches "geht gar nicht" :o))) 

Ich habe Spaß daran gefunden, es mit Gereimten zu probieren; da bedarf es allerdings noch einiger Übung, zumal ich meine Sprache (also die aus meinen anderen Texten) nicht aufgeben möchte um des Reims willen. Das heißt, es wird noch mehr in dieser Art an Gedichten geben. Und sicherlich noch solche von völlig anderer Strickart ;o) 

.. .

Hallo J.Locke,

vielen Dank für deine lieben Worte, & natürlich ein Frohes. :o)

Einem Stil folge ich eigentlich nicht, vielmehr versuche ich genau das zu vermeiden.

Ich habe mal vor einiger Zeit an anderer Stelle geschrieben, ich sei mehr Leser als Autor, & das war nicht ironisch gemeint. Unkoordiniert, ziel- & planloser Leser, sodaß die Einflüsse, denen ich unterliege, in meinem Kopf ein buntes Durcheinander anstellen, & ich lasse mich gerne davon leiten. So läßt es sich wohl am besten umschreiben. Und ich denke, einigen meiner Texte merkt man dieses Chaos leider allzu deutlich an. *lol*

Es muß ja was hakeliges dran sein an diesen beiden Zeilen, die auch dir aufstoßen. Aber, ganz ehrlich, wenn ich sie lese, dann klingen sie prima. Liegt möglicherweise an meinem rheinischen Singsang :o)

@ all: Ich belasse den Text man so, wie er ist (um mir beizeiten selbst Fortschritte dokumentieren zu können), nehme eure Hinweise aber natürlich ernst, natürlich auch deinen, Erik, bzgl. des zu verschiebenden Reims & werde sie im Kopf haben, wenn ich mich (in Kürze) wieder an dieser Art von Text versuche. 

Was mich freut ist die Tatsache, daß ihr sowohl den Ernst als auch das Bissige aus dem Gedicht habt rauslesen können. 

Vielen lieben Dank für die Zeit & Aufmerksamkeit, die ihr meinem kleinen Waldspaziergang geschenkt habt. Macht mir Mut, es auch bei Gelegenheit weiterhin auf diese Art zu versuchen. Ansonsten hagelt es wieder die Enjambemens!!!

Bis bald mit
lG

versbrecher

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Strohpuppe

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6

Friday, January 8th 2010, 12:37am

da sieht man mal, wie stark einen eigene Erlebnisse und Erfahrungen beim Lesen und Verstehen oder Nichtverstehen determinieren...
Im engeren Freundeskreis hat sich vor wenigen Jahren auch jemand im Wald umgebracht, allerdings erhängt. Daran wurde ich wohl so stark erinnert, dass ich die ganze Zeit nicht eine Minute eine andere Methode beim hier auftretenden Selbstmörder in Betracht gezogen hätte. So erklärt und entknotet (was für ein Wort an dieser Stelle) sich auch meine Schwierigkeit mit dem Handgelenk von ganz alleine. danke für deine ausführliche Antwort!
Du kannst gehn, aber deine Kopfhaut bleibt hier.

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7

Friday, January 8th 2010, 2:39pm

Hallo Strohpuppe,

bei der von dir gemachten Erfahrung ist verständlich, daß deine Lesart des Gedichts eine ganz eigene ist (war).

Ich hoffe, der Text hat die von dir gemachte Erfahrung nicht zu sehr aufgewühlt? Das wäre mir sehr unangenehm.

Ich wünsche dir ein angenehms Wochenende, bis bald &
lG

versbrecher

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