Liebe Nina, endlich komme ich dazu, dein Stück zu Ende zu lesen und zu kritisieren.
Szene 9: falk richter assoiziation wegen des realistischen gesprächverlaufs und der banalen dinge, die viel unterschwelliges spüren lassen. Die mutter gefällt mir, sie scheint eine kluge, erwachsene Frau zu sein.
Szene 10: wer sind “die”? man hat Vermutungen, wird aber durch die kryptischen Andeutungen der beiden Männer nur verwirrt. Es bleibt spannend. Du schaffst es, die Charaktere sehr plastisch zu zeigen.
Szene 12
Es klingt, als redete der Mensch von einer Pflicht, die auch andere außer ihm erfüllen müssen: “Man tut seine Pflicht”, etc. das ist interessant, ich erwarte, dass diese Perspektive weiter ausgebaut wird: gibt es viele, deren Tod vorgetäuscht wird, und wieso?
Was der Freund vorher sagt, finde ich ein bisschen zu allgemein: Sie brauchen deine Kraft, etc.
Also sowohl inhaltlich, als auch was die Formulierung angeht. Dadurch ist es nicht besonders überzeugend.
Szene 15: offenbar gibt es eine viele Figuren betreffende Verschwörung, der Lehrer und die Mutter sind auch involviert.. Das ist einerseits als Grundidee sehr unterhaltsam, weil es die vielen Verschwörungstheorien aufgreift, die über alle möglichen Ereignisse kursieren. Gleichzeitig nimmst du diese Gruppe ernst, sodass es interessant bleibt.
Szene 16: schon in dieser Rede an die Anhänger_innen (?) kann ich mir vorstellen, wie schmerzhaft diese Lüge für einen sein muss, der eigentlich aufrichtig sein will. Heiligt der Zweck die Mittel, das würde der Mensch verneinen, seine Gang jedoch nicht. Das ist sehr tragisch.
Szene 17
Diese Szene ist natürlich wichtig, um die Frau besser kennen zu lernen, auch wenn man schon vorher gemerkt hat, dass sich der Mann/Mensch mit seiner neuen Aufgabe nicht besonders wohl fühlt. Es ist sehr schön, dass der Mensch in der Gegenwart der Frau nur noch Mann ist, also wie halbiert in seiner Funktion (weißt du wie ich das meine? Nicht feministisch sondern eher, dass er vom Überbegriff Mensch, der uns alle betrifft, auf die Hälfte von uns reduziert wurde.)
Szene 18
Wie schön, dass du den Soldaten so humorvoll antworten lässt J
Szene 19
Ich finde es okay, dass du dich jetzt wieder mehr an die typische Jesus-Geschichte annäherst, weil du dich vorher davon soweit entfernt hattest, dass man das Stück halbwegs unabhängig davon lesen kann.
Ich würde allerdings über die Formulierung “blutiger Fleischklumpen” nachdenken, sie kommt einem schnell über die Lippen, wenn man über Folter redet, aber vielleicht fällt dir ja noch eine weniger abgegriffene ein…?
Szene 19 (die zweite oO)
Ich bin sehr froh, dass der Mensch den Gedanken äußert, dass es vielleicht gar keine Revolution (ich nenne das jetzt mal so) geben kann. Der Freund als überzeugter, radikaler Umstürzler ist bereit, Opfer für das große Ziel einzugehen und würde die Schäfchen auch mit Tricksereien zum Aufstand bringen.
Warum es jedoch Schweiß zu dem Blut dazu gibt ist mir nicht ganz klar. Schweiß steht für mich für harte, körperliche Arbeit, was hat die denn mit der gewaltvollen Revolution zu tun?
Ein weiteres Mal freue ich mich über deinen Verzicht auf Regieanwerisungen, es ist viel eindringlicher wenn ich mir selbst ausmalen darf, wie aufgeregt die Frau zu den andern ins Zimmer stürzt und die Nachricht von der gefangenen Mutter überbringt, als wenn es dazu eine langatmige, autoreneitle Einleitung gäbe.
Übrigens musst du noch mal neu nummerieren, ich merke grade, dass da was nicht stimmt.
Szene 20
Das find ich nun ein bisschen kitschig, diesen Überzeugungsversuch mit dem Kind. Und ich hatte die Frau auch für weniger manipulativ gehalten. Schade.
Szene 21
Das klingt ein bisschen nach George Bush und Co. Und es ist herzzerreißend, zu sehen, dass der Mensch sich weiter instrumentalisieren lässt.
Szene 23
Sehr toll, alles. Sowohl die Bezeichnung als Eiferer als auch das Heilsgeschrei am schluss.
Szene 24
So weit haben ihn die eigenen Leute, dass der Mensch bereit ist, mit dem größten Feind zu verhandeln…
Szene 25
´der Herrscher betont nebenbei subtil, dass er seine Hände in Unschuld wäscht, das ist ein kleiner Jesus-Hinweis, den ich gelungen finde, weil er eben nicht nur auf die Bibelgeschichte zutrifft sondern auf so ziemlich jede_n Herrscher_in, der/die mir einfällt.
Letzte Szene
Und wieder siegt die Obrigkeit, es ist einfach und wahr. Und traurig.
Dein Ende erinnert mich irgendwie an ein anderes Stück, das ich mal gelesen hab. Es handelte auch vom Tod, da ging es um so ein Dorf in Aufruhr. Habe leider vergessen, wie es heißt, vielleicht komm ich ja noch mal drauf.
Also, das waren meine ersten Eindrücke zu deinem Stück liebe Nina. Noch immer hätte ich große Lust, mir eine Inszenierung dafür auszudenken und es zu proben.
Alles Liebe,
Süße Maus