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Erik R. Andara

Glasphasen-Moderator

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1

Thursday, December 17th 2009, 10:38pm

thögal

schweigende dielen
welten unter dem estrich
ein rauschendes meer
under the sea, is where I'll be
no talking 'bout the rain no more

Strohpuppe

Moderator

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Occupation: Student

2

Friday, December 18th 2009, 1:16pm

hallöchen

ich finde, du öffnest mir als Leser hier eine Tür zu irre vielen Assoziationen. ich möchte dir meine Gedanken hierzu schildern, die wahrscheinlich aber an deine Intention wenig heranreichen...was mir aber mal wurscht sein soll. ist ja meine Lesart, nich wahr? 8)

schweigende Dielen unter dem Estrich - zuerst denke ich an ein Haus, bei dem über alten Holzfußboden oder über Fachwerk-Wände einfach drüber geputzt und gespachtelt wurde, ohne "das alte" darunter vorher abzutragen. so befinden sich in vielen älteren Häusern noch Schalen des Vorhergegangenen, ohne, dass man es als gegenwärtiger Bewohner immer wüsste. solche "Vorwelten" kommen dann vielleicht erst bei Sanierungsarbeiten hervor.
weiterhin denke ich aber nun auch, Archäologie machts möglich, an eine spezielle Begräbnisform im alten Griechenland, wenn ich mich richtig erinnere ^^, so in geometrische Zeit einzordnen. Epochendaten? Moment, man holt sein Lehrbuch. :D ok: 900-700 vor.
bezeichnend für die Begräbniskultur dieser Zeit (wenn ich denn nun richtig einordne - was auch immer) ist jedenfalls, dass der Tote auf einem sehr säuberlich geschichteten Holzstapel bereits in der Grube verbrannt wird. der Boden um solche Grabstätten herum wurde nun oft mit einem Estrich bestrichen aufgefunden. man sagt, dass das darauf hinweisen könnte, dass der Boden für Trauernde, die bei der Zeremonie zugegen sein wollten, befestigt würde. deine Dielen hab ich hier freilich bisschen entfremdet, zu dem Holz im Scheiterhaufen. "unter" ist weniger wörtlich interpretiert als einfach in den Höhenverhältnissen begründet. ?(
welten, ein rauschendes Meer - Hades und Styx. wer weiß, wie breit dieser Fluss ist. hier lese ich einen Hinweis auf das Leben im Jenseits, mit Freiheit, die den niedergedrückten Körper wieder aufsteigen lässt sozusagen.
ein schönes Stück, ich mag es sehr. die Worte treten stark hinter den evozierten Bildern zurück.
edit: den Titel habe ich völlig außer Acht gelassen, das stimmt.
edit Nr2: das rauschende Meer kann, was mir gerade einfällt, auch auf die ganz eigene Welt der Dielen deuten: Bäume. viele Bäume. =)

Gruß
Du kannst gehn, aber deine Kopfhaut bleibt hier.

Erik R. Andara

Glasphasen-Moderator

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3

Friday, December 18th 2009, 1:26pm

hallo hallo,

schön, wie mir das hier aufgegangen ist;
thögal ist eine meditationspraxis, die den betreibenden an die grenze des todes heranführen kann - soweit ich weiß bezweckt es das erreichen der "urpsrünglichen sichtweise" (kommt vor allem dadurch, daß diese meditation 40 tage dauert und völlige abgeschiedenheit bedeutet) es heiß soviel wie hinüber wecheln;
wenn man meint, diese meditation habe innerlich etwas mit ruhe zu tun täuscht man sich, ruhe ist ein mittel zum zweck, aber der geist beginnt sich bei dieser tour de force natürlich über kurz oder lang aufzulehnen; für jeden bedeutet diese einkehr, dieser Auf-BRUCH etwas anderes; aber der körperliche tod spielt dabei sicher immer eine große rolle (wie in unserem leben eben auch - allgegenwärtig)
betrieben wird diese meditationskunst übrigens, soweit ich das jetzt verstanden habe, nur von den meistern unter den meister tibetaischer mönche;
ich habe es mir hier dieses bild im titel entlehnt, um den freien zugang zu versinnbildlichen und die strenge, traditionelle form eines senryus (bei dem ich nicht auf moren sondern nur auf silben geachtet habe so nebenbei) umd die selbstdisziplin trotz allem chaoses festzuhalten;

danke für deine sehr gelungene interpretation und für die darstellung deiner sichtweise dieser kurzen zeilen;

lg
erik

p.s: auch das blut in der eigenen ohrmuschel rauscht...
under the sea, is where I'll be
no talking 'bout the rain no more

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