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Alexa

Blickdicht(erin)

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1

Monday, October 26th 2009, 12:59pm

vergessen?

ich fand die kleinen Glaskugeln
dunkelblau mit grün
wieder unterm Moos
auf der Steinplatte
mit den eingravierten Namen

Im Licht zittern die Farben
weit über die Augen hinaus


erste Version:

ich fand kleine Glaskugeln
dunkelblau mit grün
unter dem Moos
auf der Steinplatte
mit den eingravierten Namen

Im Licht zittern die Farben
weit über die Augen hinaus
Mit dem Geist ist es wie mit dem Magen: Man kann ihm nur Dinge zumuten, die er verdauen kann.
(Winston Churchill)

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sim

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2

Tuesday, October 27th 2009, 1:41pm

Hallo Alexa,

vielleicht gehe ich zu nüchtern, zu sehr vom äußeren Geschehen an den Text.
Ich gehe gern über Friedhöfe, lasse mich von den Inschriften auf den Grabsteinen zu Geschichten im Kopf oder zu Fragen inspirieren. Ich kann mir also vorstellen, dass die Fantasie angeregt wird, findet man Murmeln bei der Reinigung einer Grabplatte. Wurden sie vergessen oder absichtlich hingelegt, aus Versehen fallen gelassen?
Was mir trotz des Fazits etwas fehlt, ist die lyrische Motivation, diesen privaten Gedanken zu teilen.
So bleiben für mich leider nur einige hübsch formulierte Zeilen in der Luft hängen, was eindeutig daran liegen kann, dass ich das Gedicht im Endeffekt nicht verstehe.
Texte einer multiplen Persönlichkeit

I've always considered writing the most hateful kind of work. I suspect it's a bit like fucking — which is fun only for amateurs. (Hunter S. Thompson)

Alexa

Blickdicht(erin)

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3

Tuesday, October 27th 2009, 3:41pm

Hallo Sim,

Quoted

was eindeutig daran liegen kann, dass ich das Gedicht im Endeffekt nicht verstehe.


hm, nun ja, verstanden hast du den Text anscheinend ja schon, zumindest die Sache mit den Murmeln auf der Steinplatte, die ich allerdings eher als eine Gedenk- statt eine Grabplatte sehen wollte. Ich dachte durch den Plural von Name und durch das Moos, als Symbol für lang vergangenes, käme man vll. dahinter.
War wohl nix, was. :S
Mist! Ich krieg das noch hin, irgendwann, hoffe ich zumindest

Danke für deine Rückmeldung, die mir echt weiterhilft.

L.G. Alexa
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Strohpuppe

Moderator

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4

Tuesday, October 27th 2009, 5:46pm

hallöchen, Alexa

ich hab bei diesem Text ein Problem damit, ihn bildlich zusammen zu kriegen.
die Glaskugeln etwas bekanntem zuzordnen fiel mir schwer. warum, möchte mir mal einer sagen :D , ich bin eigentlich Murmelfetischist (erster oder zweiter :D Güte? aber egal ^^ ). vielleicht hast du ein wenig sperrig eingesetzt? also ich meine, warum schreibst du nicht einfach Murmeln? ?(
für beide Varianten spräche nun das eine oder andere, denke ich: bei dem, wie es jetzt hier steht, finde ich schön, dass man wirklich hängen bleibt und sich richtig Gedanken macht über das Bild. ich bin irgendwohin gekommen zu Augen, in denen sich Wald und Himmel oder Meer und Wiesen, also Farben des Lebens auf kühle Art und Weise spiegeln...vielleicht sind die Glaskugeln auch einfach sowas wie Gedankenblasen? (was auch erklären würde, warum bis heute keiner auf den Dingelchen ausgerutscht ist..ich stelle mir deine Steinplatte nämlich ebenerdig vor.)
Murmeln: hätte natürlich die schöne Doppeldeutigkeit vom Murmeln im verbalen Sinn und vom eigentlichen Spielzeug.

die auf der Steinplatte eingravierten Namen finde ich unpassend, man rätselt ewig herum, ob Grabstein, ob "Grafitti" oder Abiturientenstreich? vielleicht bringt dich folgender Gedanke, den ich hatte, hier n Stückl weiter:

auf der Steinplatte
mit eingravierten Zeichen

oder

auf der Steinplatte
mit eingetieften Zeichen

eingetieft
: ich bin mir nicht sicher, was du dazu sagen wirst - mir gefiele das hier irgendwie vom Kontext her. in der Archäologie stolpere ich im Moment immer wieder über in den Boden eingetiefte Gruben zur Totenbestattung und sowas.
ob du sowas wie eingetieft oder eingraviert überhaupt brauchst? man kann sich doch eigentlich dazu denken, dass die Zeichen nicht unbedingt aufgemalt sind.

unter dem Moos / auf der Steinplatte. ein gedanklicher Dreisprung, der meiner Meinung nach deinem Text in seiner Schlankheit nicht guttut. ich würde eins von beidem rauswerfen.

die letzten zwei Zeilen gefallen mir sehr gut. =)

Gruß
Strohpuppe
Du kannst gehn, aber deine Kopfhaut bleibt hier.

Alexa

Blickdicht(erin)

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5

Wednesday, October 28th 2009, 12:07pm

Hallo Strohpuppe,

ja, warum hab ich nicht Murmeln geschrieben. Ich dachte da eher an die ganz alten Glasmurmeln, die heutigen sind ja etwas anders. Und das Wort Murmeln war mir durch die Assoziation mit murmelnden Stimmen unpassend, denn eigentlich herrscht dort, wo ich tatsächlich diese Murmeln fand, totenstille.

Quoted

ich bin irgendwohin gekommen zu Augen, in denen sich Wald und Himmel oder Meer und Wiesen, also Farben des Lebens auf kühle Art und Weise spiegeln

ja, so war das auch in etwa gedacht

Quoted

die auf der Steinplatte eingravierten Namen finde ich unpassend,

Hm…
aber gerade um die geht’s hier

Quoted

auf der Steinplatte
mit eingetieften Zeichen

das Wort eingetieft find‘ ich echt gut. Hab ich so noch nie gehört. Allerdings kann ich hier keine Zeichen statt der Namen einsetzen, das würde mein verkorkstes Ding hier ja noch undeutlicher machen.

Quoted

ob du sowas wie eingetieft oder eingraviert überhaupt brauchst?

Tja, das stimmt. Das könnte man durchaus rausnehmen.

Quoted

unter dem Moos / auf der Steinplatte. ein gedanklicher Dreisprung, der meiner Meinung nach deinem Text in seiner Schlankheit nicht guttut.

Das Moos fand ich wichtig als Hinweis auf Vergangenheit und die Steinplatte darf auch nicht raus. Menno! ;(

Quoted

die letzten zwei Zeilen gefallen mir sehr gut.

Puh. :huh: Wenigstens etwas.
Ich verrat mal, was mir hier vor Augen schwebte, denn ich merk schon, dass ich mal wieder zu schwammig geschrieben hab. Für mich ist das alles sonnenklar, aber durch Sim‘s und jetzt auch deine Rückmeldung seh‘ ich schon, dass da was nicht stimmt.
Mir ging es hier mal wieder um den Krieg, die vielen Gefallenen, vll. nie gefundenen Toten Soldaten, die auf solchen Platten mit Namen verewigt wurden. Die Murmeln sollten jetzt die Fantasie anregen, ja.

Quoted

Zitat von Sim:
Wurden sie vergessen oder absichtlich hingelegt, aus Versehen fallen gelassen?

Genau das hatte ich beabsichtigt. Natürlich ist das ein privater Gedanke, wenn ich an die vielen Opfer des Krieges denke und mir überlege, ob diese Murmeln vll. von einem Kind eines Gefallenen dort hingelegt wurden. Als Schatz sozusagen, denn Glasmurmeln waren damals etwas besonderes. Vll. wurden sie auch von einer Mutter eines Soldaten hingelegt. Vll. sind die Murmeln aber auch ganz einfach von dort spielenden Kindern vergessen worden. Kinder, die ungeachtet der Bedeutung dieser Platte, darauf mit ihren Murmeln spielten. Unbeschwert, glücklich
Über diese Überlegungen hinaus zieht sich dann der Gedanke an solche Kriege- über die Augen hinaus- unvorstellbar und vergessen? Der Titel sollte hier doppeldeutig greifen.

ich hoffe, ich krieg mal bald die Kurve mit meiner chiffrierten Schreiberei, denn meine Gedanken sollten ja nicht nur ansatzweise bei euch ankommen.

Vielen Dank, Strohpuppe

L.G. Alexa,
die anscheinend etwas durch den Wind ist
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Strohpuppe

Moderator

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6

Wednesday, October 28th 2009, 11:21pm

die auf der Steinplatte eingravierten Namen fand ich nicht vom Bild her unpassend, sondern einfach zu sperrig formuliert. vielleicht haust du ja doch einfach das Adjektiv raus - dann käme sowas rum wie die Namen auf der Steinplatte. oder evtl sogar die Steinplatte mit Namen?

Quoted

Ich dachte da eher an die ganz alten Glasmurmeln, die heutigen sind ja etwas anders.

würd ich so nicht unterschreiben wollen und deshalb weiter dafür plädieren, die Murmel-Variante doch anzudenken. :) es hindert dich ja niemand daran, blau und grün trotzdem, als Ergänzung und um das entstehende Bild zu stützen, stehen zu lassen.

deine Intention war mir schon klar geworden, was du mit dem Text beabsichtigt hast, habe ich auch so herausgelesen. ich finde ihn nur eben insgesamt etwas sperrig und unrund formuliert.
Du kannst gehn, aber deine Kopfhaut bleibt hier.

Alexa

Blickdicht(erin)

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7

Friday, October 30th 2009, 8:51am

Hallo Strohpuppe,

Ich hab es jetzt mal mit den Murmeln versucht und das dich störende Adjektiv und das Moos rausgenommen.
Jetzt sieht es dann so aus:

Murmeln
dunkelblau mit grün
auf der Steinplatte
Namen

Im Licht zittern die Farben
weit über die Augen hinaus

Was meinst du?

L.G. Alexa
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Marot

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8

Saturday, October 31st 2009, 3:04am

Lol, ich glaube viel weiter entfernt als von deinem Werk könnte mein Verständnis von einer reimlosen Lyrik, die in der modernen Zeit nötig wäre nicht sein, aber dass heißt hier in keinem Fall, dass ich deinen Text technisch und sprachlich misslungen finde.
im gegenteil ich finde ihn sogar sehr anregend und vor allem auf der ebene der Komposition der Worte sehr gut.
ich empfinde auch nicht wie Sim, dass es hier private Gedanken wären die ausgeschüttet werden.
Mein problem liegt in der durch deine Erklärung des Sinns offenbarte kryptische Verworrenheit im verhältnis zum Anspruch der Aussage.

bei einem solch gigantischen Statment wie der reflektion von Kriegopfern finde ich, sollte der Text die Erkennung des Selbigen zumindest an einer Stelle klar aufweisen.
Wenn es nach mir ginge würde man schreibe." Krieg ist schlecht, die armen toten Leute", aber ich bin auch ein lyrischer Rammbock und liebe den direckten Weg zum honig.
Dass also Verlange ich gar nicht, nur eine klare Metapher im Text die mir als Leser eindeutig zeigt: hier ist der krieg gemeint.
Die toten hast du ja drinn, die Funktionieren und das Moos zeigt die Vergangenheit gut an, aber den Kriegt den sehe ich nicht. Außer die Glasmurmeln sind eine typische Ofergabe speziel für Kriegstote und ich weiß davon einfach nichts.
Also nicht verzweifeln, der Text ist gut, braucht aber zumindest einen funken klarheit in all der Poesie
Geld ist teuer!

Heilige Johanna der Schlachthöfe / Bertholt Brecht

jonny

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Location: Ratingen

9

Sunday, November 1st 2009, 1:31pm


Murmeln
dunkelblau mit grün
auf der Steinplatte
Namen

Im Licht zittern die Farben
weit über die Augen hinaus

Bin fürs alte. Das hier ist mir zu minimalistisch...

Alexa

Blickdicht(erin)

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10

Monday, November 2nd 2009, 12:17am

Quoted

Lol, ich glaube viel weiter entfernt als von deinem Werk könnte mein Verständnis von einer reimlosen Lyrik, die in der modernen Zeit nötig wäre nicht sein,

Na dann. :D

Hi Marot,

ja, ich weiß um meine kryptische Schreibweise und arbeite bereits daran. Danke für deine diesbezügliche Anmerkung.
Ich denke aber nach wie vor, dass man als Leser nicht den Fehler machen darf, die Intention des Autors finden zu wollen, sondern seine ganz eigene Sache da hineininterpretieren sollte. Also ist es nicht wichtig, ob man nun die gefallenen Soldaten erkennt oder eben anderes. Ich weiß, in diesem Text ist es sehr schwierig, wenn nicht gar unmöglich, überhaupt etwas zu finden, aber die bisherigen Rückmeldungen zeigen mir schon, dass da einiges durchaus erkannt wurde. Dass da kein Gesamtbild entsteht ist natürlich schade und liegt eindeutig an der verkorksten Schreibweise. Und da gebe ich dir Recht- ich brauche einen deutlichen Hinweis, etwas woran man sich halten und durch den Text hangeln kann. Die Murmeln sind da sicher nicht geeignet, aber ich dachte, dass durch die Steinplatte mit den Namen schon ein Schlüssel gefunden würde, denn mir sind Steinplatten mit Namen nur als Gedenkstätten oder Massengräber bekannt. Natürlich, und das wurde mir erst nach Sims Rückmeldung bewusst, kann es auch eine ganz private Sache, nämlich die Steinplatte auf einem Grab der Angehörigen sein. Mit Namen ist ja nicht gesagt, dass es mehr als zwei sein müssen. Mein Fehler.

Quoted

Also nicht verzweifeln,

Ne, werd ich nicht :)
Danke, Marot

Hi Jonny,
ja, mir ist nach wie vor die erste Version auch lieber. Aber ich versuch mal hier und da zu ändern, um zu sehen wie der Text klarer wirkt. Wenn jetzt die geänderte Version zig positive Rückmeldungen hervorgebracht hätte, wüsste ich, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Da sie es nicht getan hat, weiß ich, dass ich es nicht bin. :wacko:
Danke für deine Rückmeldung.
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Perry

Lyrisches Licht

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11

Thursday, November 5th 2009, 11:21pm

Hallo Alexa,

ich bleibe bei meinen Texten und Interpretationen lieber im "Kleinen", weil im Großen meist das Pathos droht. ;)
Mit einem kleinen Kunstgriff, könntest du hier den Glaskugeln einen Sinn verleihen, wenn sie z.B. das LI als Kind dahin gelegt hätte.
Vorschlag:
Vergessen?

Ich fand die kleinen Glaskugeln
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LG
Perry

Alexa

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12

Thursday, November 5th 2009, 11:30pm

Hallo Perry,

deinen Vorschlag übernehme ich sehr gern. Danke dafür. So bekommt der Text vll. doch noch seinen Feinschliff, den er so dringend braucht, ich aber bisher nicht wusste wo ich ansetzen sollte

L.G. Alexa
Mit dem Geist ist es wie mit dem Magen: Man kann ihm nur Dinge zumuten, die er verdauen kann.
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