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rude66

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1

Saturday, October 17th 2009, 11:14am

belastungsgrenze

das angegraute rot
eines weiteren rasch in
vergessenheit geratenden tages

vielleicht ließe sich .
seinem anblick .
ohne das wesentliche .
aus den augen zu verlieren .
ein herzschlag abgewinnen

.

machte es sich nicht mit dem/ furchteinflößenden charme eines/ unangefragten versprechens über der/ scharfgeschnittenen teilnahmslosigkeit/
der stadt breit

im verwaschen einer
realität bis an die grenzen zur
belastbarkeit von unentbehrlichkeiten
in anspruch genommen

und viel zu selten nicht
für voll

ein ungeratenes stückwerk
zusammengehalten von variationen
über eine barmherzige lüge

und immer wieder neu vertuscht
vom schweigen einer finsternis die
nicht zur reife gelangen kann
lG

versbrecher

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rivus

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Occupation: Nachtschwärmer

2

Sunday, October 18th 2009, 1:19am

hi rude66,
also gleich vornweg, mir gefällt der atem, der durch diese zeilen trägt und der titel "belastungsgrenze" hat mich sofort angelockt und angedockt.

vorgedanken:

wer kennt diesen begriff nicht u. wer hat das nicht schon viele male erlebt, an belastungsgrenzen gehen zu müssen oder vielleicht sogar darüber hinaus oder auch die eine oder andere anforderung nicht zu schaffen oder andere an belastungen heranführen zu müssen, die grenznah waren oder für die betroffenen zuviel durchhaltevermögen forderten, dass sie nur daran scheitern konnten? belastungen an der grenze des aushaltbaren können ein individuum beschädigen. ein vielfaches an unvorstellbaren belastungen mit totalen grenzüberschreitungen können es zerstören.

die belastungsgrenze ist für jedefrau/jedermann ein sehr persönliches maß.


zum text:
beschleunigt das angegraute (abend?)rot das vergessen, die schnelligkeit der tage? aber ein vielleicht verheißt in der zweiten strophe den blick zurück, den möglichen anblick mit einem eventuellen herzschlag. doch kämpfen die zeit/der menschliche verstand selbst für das vergessen, indem sie "furchteinflößend" das angegraute einschmiegen wie ein versprechen u. symbiotisch überziehen in die teilnahmlosigkeit einer ganzen menschenstadt, dass der blick zurück nicht an grenzen führt, die belasten könnten? ja, noch mehr, sie verwäscht ohne herzschläge, aufgeregtheiten die bedrohlichkeiten von realitäten u. verführt sie bis an die grenzen des belastbaren, so dass sie unentbehrlich werden u. sogar viel zu oft so in anspruch genommen werden, dass auch ein unverstellter blick nach vorn nicht mehr voll glücken kann und uns leser nur noch der so real-surreale blick für das fragmentarische u. gelogene urbane netzwerk der menschen belastet. doch sollten wir, die urbanen, postmodernen menschen mitspieler im tarnen, täuschen, verschweigen verbleiben, dann kann eigentlich ein wirkliches menschliches netzwerk mit rückblendmöglichkeiten, korrekturen u. miteinanderstrukturen nicht funktionieren u. somit verharren wir städter in einer belastungsgrenze, die wir nicht mehr wahrnehmen, aber auch größtenteils nicht wahrhaben wollen. noch scheinen wir belastbar zu sein! aber wohin führen uns abgestumpftheit, sinnenverlust u. die zwänge des nicht rückblickensollens?

gerne gelesen

lg, rivus

rude66

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3

Monday, October 19th 2009, 3:40pm

Hallo rivus,

vielen Dank für deine Rückmeldung. Ich bewundere (nicht nur in deinen Anmerkungen zu diesem Gedicht) deine Fähigkeit, dich nicht nur in einen Text zu versetzen, sondern das dort Erlebte/Gesehene/Aufgeschnappte darüber hinaus in Interpretationen zu fassen; das ist durchaus eine Kunst für sich.

Auch hier hast du dich dadurch zum (gerngesehenen) Mitautor gemacht & mir neue, interessante Sichtweisen des Gedichts eröffnet. Dafür einen Extradank.

Die Unterteilung des Textes nach dem einzeln stehenden . (= möglicher Herzschlag) mittels / hat übrigens damit zu tun, daß ich bei dessen Eingabe über die Tastatur meines Telefons einen Fehler gemacht habe, der sich nur noch so korrigieren ließ, ist also in diesem Falle kein Ausprobieren. Wenn ich wieder vollen Netzzugang habe, werde ich das noch korrigieren.

lG

rude66
lG

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