hallo, Perry
dein Gedicht gefällt mir ausnehmend gut und berührt mich. vielleicht deshalb, weil ich von mir selbst den "Konflikt" zwischen dem Leben in hügeligen Landschaften und dem im Flachland gut kenne. Wobei mir das Flachland immer das liebere bleiben wird, ich fühle mich dort frei. Hügel oder Berge im Blickfeld geben mir das Gefühl von Einengung und Käfig.
Unsere Welt hat keine Berge mehr,
das Auge verliert sich im Ungewissen.
ich lese dies als einen realen oder einen gefühlten "Umzug", das Geschocktsein von etwas, von dem man nicht erwartet hätte, dass es einen in dieser Weise trifft. Das Komma nach Z1 empfinde ich als zu "tempoanziehend" (auch genannt "beschleunigend"), mir würde ein verlangsamender Punkt hier besser gefallen. Diese zwei Zeilen ziehen den Grundriss des Gedichtes hoch und sollten deshalb jede für sich in aller Ruhe wirken können.
Wie Wolke hänge ich am Ende von S2:
Es liegt Schnee auf deinen Wangen,
sagst du fröstelnd, würdest spüren,
dass der Winter nicht mehr fern ist.
die erste Zeile in diesem Block ist ok und gefällt mir sehr. die zweite hat zu viel ö/ü, das haut die halbe Atmosphäre weg, finde ich. außerdem hakt in Z2 und 3 dieses Blocks die Syntax irgendwie. zu viele s-Laute sind es außerdem, habe ich das Gefühl. mein Vorschlag hierzu:
Du spürst den Schnee auf deinen Wangen.
Der Winter ist nicht mehr fern. (Sagst du.)
hmm, ich bin nicht sicher, ob dir das in deine Intention passt. aber es ist ein Versuch.
ich mag deinen Text sehr, den Wind kann man beinah schon durch die Zeilen am Gesicht entlangschneiden fühlen. dies wieder ein Gefühl, was mich mehr mit Faszination und Staunen oder auch Ruhe denn mit Angst füllt.
gegen Ende erinnert mich dein Text an ein Lied von Karat,
auf den Meeren aus Glut und Zärtlichkeit will ich fahren, solang ich immer lebe...nur nicht leben in Sicherheit, nur nicht leben in Feinfrostliebe so stückchenweis getaut zum Mahl. sehr sehr schönes Stück.
gute Arbeit, ich nehms in meine Perlen.
edit: eins is mir noch eingefallen. bei
Ich halte dich fest im Arm und du
duckst dich in meinen Windschatten.
lese ich unwillkürlich
drückst statt
duckst. würde dir das gefallen?

würdest du's ändern?