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rude66

Master

Date of registration: Dec 2nd 2008

Posts: 654 wcf.user.activityPoints: 4,340

1

Saturday, August 29th 2009, 3:58pm

richtungweisend

nimm platz
komm setz dich einfach
hierher zu mir
wir habens doch nicht eilig
von nirgendwoher nach
nirgendwohin

es bleibt uns kaum die
zeit die momente
wie sie vorbeitreiben
ein wenig gegen den strich zu bürsten

unvernünftig nennst du das
etwa einen einwand

du hast doch augen
also sieh selbst was dir so
durch
die lappen geht

und was ganz gut auch
ohne uns funktioniert

so lange wir
auf nichts anderes kommen
können wir uns doch grenzen setzen
und sie gemeinsam überwinden
wenn du magst

bis wir uns schließlich
irgendwann über haben und
der wirklichkeit die schuld daran
in die schuhe schieben

kannst du dir
bei nächster gelegenheit
mal durch den kopf gehen lassen

doch bis dahin
nimms mir bitte nicht übel
schleich dich denn ich finde zur not
allein nirgendwohin
lG

versbrecher

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Perry

Lyrisches Licht

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Location: Bayern

2

Sunday, August 30th 2009, 2:33pm

Hallo rude,

was soll ich sagen, irgendwie ist selbst mir als Proslyriker der Text zu erzählerisch, was vermutlich an den eingestreuten Redensarten (gegen den strich bürsten; durch die lappen geht etc.) liegt.
Inhaltlich finde ich die lethargisch eigenwillige Lebenssicht des LI gut getroffen, die man aber sicher etwas mehr verdichtet noch besser herausarbeiten hätte können.
LG
Perry

rude66

Master

Date of registration: Dec 2nd 2008

Posts: 654 wcf.user.activityPoints: 4,340

3

Sunday, August 30th 2009, 3:44pm

Hallo Perry,

das von dir kritisierte Erzählerische ist durchaus bewußt gewählt. Ich bin zur Zeit nicht in der Stimmung, mich kurz zu fassen, möchte vielmehr mit der Sprache & ihren Möglichkeiten in anderer Form als der der Verdichtung spielen, möchte mich vorübergehend vom 'Zwang' zur unbedingten Verknappung lösen.

Vielen Dank für deine Anmerkungen, auch wenn du meines Erachtens außer acht läßt, daß der Gebrauch von alltäglichen Ausdrücken oder Redewendungen in einem entfremdenden/-deten Zusammenhang ("momente gegen den strich bürsten" ist solch ein Versuch) durchaus zu den lyrischen Stilmitteln gehört, ebenso übrigens wie das erzählerische Element.

Es freut mich, daß dir das Gesamtgefühl zusagt, wobei eine weitere Verdichtung oder gar Ausarbeitung des Textes eben den von dir hervorgehobenen lethargischen Eindruck eher ad absurdum führen würde.

Vielen Dank für deine Aufmerksamkeit &
lG

versbrecher

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mondkuss

Intermediate

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4

Sunday, August 30th 2009, 8:57pm

Hallo rude66,

ein bisschen "mondkussmäßig" würde ich sagen, wenn du verstehst was ich meine und ich meine es durchaus positiv. Dein Gedicht gefällt mir.
Ich schreibe auch sehr gerne frei, nicht zu kurze Texte und habe in letzter Zeit eine besondere Neigung zu Zeilenumbrüchen entdeckt. Man hakt viel öfters ein, denkt mehr darüber nach, das hat für mich einen großen lyrischen Stellenwert. Und das Erzählerische wird meiner Ansicht nach gerade durch die vielen Zeilenumbrüche verdrängt, insbesondere auch wenn Redewendungen ihren Platz in einem Gedicht haben und auch haben sollen. Durch die Zeilenumbrüche kann man auch einem vergleichsweise langen Gedicht gut folgen.

Ein Problem habe ich allerdings mit der folgenden Strophe:

Quoted

kannst du dir
bei nächster gelegenheit
mal durch den kopf gehen lassen


Wenn du diese Strophe im Zusammenhang liest, wirst du vielleicht auch feststellen, dass da etwas fehlt. Der Satz passt für mich vom Stil her nicht zu den vorhergehenden Strophen, die doch sehr "ausformuliert" sind, nur an dieser Stelle verknappst du und verfällst ins Umgangssprachliche. Der Lesefluss gerät für mich dadurch ins Stocken, während du in der letzten Strophe wieder zu deinem ursprünglichen Stil zurückfindest.

Gerne gelesen und LG
mondkuss
im mondschein zu zweit allein ...

©auf alle meine gedichte und sonstigen werke

Erik R. Andara

Glasphasen-Moderator

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Location: Wien

5

Sunday, August 30th 2009, 9:07pm

Quoted

doch bis dahin
nimms mir bitte nicht übel
schleich dich denn ich finde zur not
allein nirgendwohin


mal kurz einen unkonstruktiven beitrag meinerseits: der schlußvers ist das, was mir an diesem gedicht wirklich gefällt, in seiner offenheit und (selbst)destruktivität;

zum rest kann ich nicht viel sagen, außer, daß er mir etwas zu fragmentarisch und losgelöst von meiner eigenen momentanen befindlichkeit lesen und deswegen nicht viel damit anfange; (der form halber erwähnt, um diesen kommentar zu vervollständigen)

lg
erik
under the sea, is where I'll be
no talking 'bout the rain no more

rude66

Master

Date of registration: Dec 2nd 2008

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6

Sunday, August 30th 2009, 9:33pm

Hallo mondkuss,

ich verstehe :o) Ich habe zur Zeit tatsächlich wieder mehr Lust daran, die sich in meinem Kopf abspinnenden Phantasien zwar sprachlich zu gestalten, ansonsten aber in größerem Umfang als bislang zu ihrem Recht kommen zu lassen, was sich auch dadurch erklären mag, daß ich aktuell gerne längere Gedichte lese.

Mit dem von dir angeführten Teil des Gedichtes weist du auf etwas hin, das mich auch beschäftigt, worauf ich aber bisher noch keine zufriedenstellende "Lösung" gefunden haben. Dieser Abschnitt soll als Überleitung zum letzten dienen, soll das in gedankliche Selbstgespräche versunkene lyr.Ich aus seiner Abwersenheit reißen, um dann eben auf dieses "schleich dich" überzuleiten. Ist im Original noch mit nem großen ?!? versehen. Schön, daß es dir auch aufgefallen ist, und du mich darin bestätigst, diesem Teil weitere Aufmerksamkeit zu widmen. Vielen Dank für deine Ausführlichkeit.

Hallo Erik,

auch dir lieben Dank für deine Aufmerksamkeit. Ich stehe mit diesem Text mal wieder am Beginn eines weiteren Versuchs, und sei es nur, drohender Langeweile schon im Vorfeld keine Chance zu lassen. Gibt noch einiges zu Feilen (ist nicht der einzige Text dieser Art, den ich in letzter Zeit fabriziert habe), wobei mir gerade in diesem Text das Fragmentarische gut mit der darzustellenden Situation harmoniert. Ich muß sicherlich dennoch mehr darauf achten, nicht, wie in den sehr verdichteten Texten, zu viele Freiräume zu lassen. Und gerade weil dir der Text ja nicht so zusagt danke ich dir um so mehr für deine ausgewogene Einschätzung.

Euch Beiden viele
lG

versbrecher

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