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sim

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1

Tuesday, August 25th 2009, 1:42pm

Michael

Peter Krieter setzt zum Endspurt an. Den hätte er gar nicht nötig, so überlegen, wie er das Feld anführt. Drei Kilometer vor dem ersten Verfolger. Für das Publikum, das ihm an der Straße zujubelt, gibt er noch einmal sein Bestes. Keine Siegerpose, kein schon vor der Ziellinie in die Luft gestreckter Arm. Er bleibt konzentriert im Rhythmus, den die Zuschauer anfeuernd klatschen, tritt in die Pedale, bis er die Zeitmessung erreicht hat. Ein großer Champion.
Ich bin zu Hause, stelle mein Fahrrad im Hof ab und gehe in den Laden.
»Guten Tag Frau Brunner, guten Tag Frau Melfsen, guten Tag Frau Seifert.«
»Wie schön, eine Hilfskraft«, begrüßt Mama mich. Papa höre ich im Keller Kartoffeln wiegen. Jacke und Schultasche schmeiße ich auf das Sofa im Aufenthaltszimmer, eile hinter den Tresen, schaue den beiden Damen ins Gesicht, die Mama gerade nicht bedient. »Wer will zuerst?«
»Ach Peterchen, was koche ich denn heute?«, fragt Frau Seifert. »Ich habe mir nebenan ein schönes Stück Kassler gekauft.«
Ein kurzer Blick auf den Bestand im Fenster. »Versuchen Sie die Teltower, Frau Seifert. Die sind so frisch, die brauchen sie nicht zu schälen. Ich suche Ihnen kleine raus, einfach mit Salz und Pfeffer in Öl dünsten, zum Schluss mit Zitronensaft und Honig ablöschen. Das passt prima zum Kassler.«
»Dann geben Sie mir bitte ein Pfund davon.«
Ich reiße eine Tüte vom Haken, fülle die Rübchen hinein.
»Ihr Sohn ist immer so freundlich«, höre ich Frau Melfsen zu Mama sagen, »Den haben Sie wirklich gut erzogen. Und er strahlt immer.«
»Nur ich merke nichts davon.«

*

Peter Krieter ist es gelungen, das Simple in der Haute-Cuisine zu etablieren. Es muss nicht immer Kaviar sein. Nicht immer Lachs, Entenbrust oder Wildfilet. Der deutsche Spitzenkoch hat gezeigt, welch Gaumengenuss Kartoffeln und Möhren sein können, wenn man sie auf den Punkt gart, mit saisonalen, frischen Kräutern würzt und weder Geschmack noch Vitamine mit dem Kochwasser in den Ausguss kippt. Großartige Küche, die jeder sich leisten kann.
»Willst du deinen Vater umbringen?« Mama schaut Papa an, nicht mich. Ihre Gabel in der Hand als wollte sie damit zustechen. »Du weißt doch, dass er nicht so viel Salz darf.«
Papa isst schweigend.
»Ich habe es doch nur zum Schluss mit einer halben Tasse Gemüsebrühe abgelöscht.«
»Das ist zu viel.«
»Schmeckt es nicht?«
»Doch, aber dein Vater darf kein Salz.«
Papa isst schweigend. Mama isst knirschend. Ich esse nichts, warte, bis mein Vater sich Nachschlag nimmt.
»Wir haben heute einen Neuen in die Klasse bekommen. Er heißt Michael.«
Papa isst schweigend, Mama isst stumm. Ich esse meinen Teller leer, räume ab, koche Kaffee, während meine Eltern sich für eine halbe Stunde hinlegen, bevor wir den Laden wieder öffnen.

*

Peter Krieter läuft aus dem Tor. Ganz allein steht er dem angreifenden Stürmer gegenüber, fixiert diesen, wartet, für eine Seite muss der Stürmer sich entscheiden, für eine Seite muss Peter Krieter sich entscheiden. Jetzt taucht er rechts nach unten, wirft sich auf den Ball, bleibt Sieger. Es ist einfach kein Vorbeikommen an diesem Klassetorwart.
Ich werfe den Ball zu Dennis, einem meiner Klassenkameraden, der schießt ihn weit nach vorn. Hauptsache weg. Uns ein bisschen Verschnaufpause gönnen, bevor der nächste Angriff kommt.
»Bist wohl mächtig stolz, Krieter«, schimpft Frank. »Den Nächsten schieß ich dir durch die Beine.«
»Ich bin gespannt.«
Wir sind die Loser, Timo, Matthias, Manuel, Andreas und ich. Wir gehören nicht zu denen, die sich gleich zusammenfinden, wenn der Sportlehrer Fußball anordnet. Gegen Frank, Thomas, Kevin, Kaan und Younes haben wir keine Chance. Aber noch haben sie kein Tor geschossen.
Der Ball kommt zurück. Kevin spielt zu Frank, Timo kann nicht hinterherlaufen. Ich muss wieder raus, mich wieder entscheiden, warten, bevor ich mich auf den Ball werfe, ihn unter mir begrabe. Frank setzt zum Schuss an, zieht durch, tritt mir aus vollem Lauf in die Rippen.
Der Lehrer pfeift. Ich bleibe liegen. Frank grinst. »Loser«, zischt er.

*

Keine Kritik am Essen, obwohl es so ungesalzen bescheiden schmeckte. Keine Kritik am Abendbrot, trotz der Rühreier, die doch den Cholesterinspiegel viel zu stark erhöhen. Fast Harmonie vor dem Fernsehgerät am Samstagabend. Mama weint bei zwei Jungen, die ihre Klassenkameraden am Klang einer Plastikflasche erkennen, die auf deren Kopf geschlagen wird. So, wie bei ihren alten Platten von Heintje oder bei Filmen mit Kindern.
»Der Neue in der Schule ist richtig nett. Michael singt bei den Alsterspatzen und hat mich gefragt, ob ich nicht einmal mit ihm kommen möchte.«
»Und wer soll uns dann helfen?«, fragt Mama. »Du kannst doch gar nicht singen.«
Peter Krieter hat für sein zartes Alter von dreizehn Jahren einen erstaunlichen Stimmumfang. Wichtiger aber ist das Gefühl, mit dem er singt. Brüchig, verletzlich, pianissimo in tragischen Szenen, überschwänglich, fast übermütig, lebensfroh fortissimo in jubelnden Koloraturen rührt er im Duett mit seinem Freund Michael die meist mütterlichen Zuhörer zu Tränen.

*

»Hey Krieter, heute lernst du fliegen, ein Überflieger bist du ja schon.« Kaan und Thomas fangen mich schon bei der Tür zum Klassenraum ab. Beide sitzengeblieben, beide zwei Jahre älter als ich. Frank öffnet das Fenster. Die Pause ist bald vorbei.
Eine 2. Nur eine 2 habe ich in der Mathearbeit geschrieben.
»Wie fühlt man sich als Oberschlauer?«, fragt Timo. »Du hättest mich wenigstens abschreiben lassen können.«
»Du hast abgeschrieben. Offenbar falsch.«
Die Mädchen setzen sich gleich an ihre Tische. Kaan schubst mich voran. Timo und Frank schieben einen Tisch vor das Fenster, stellen sich darauf. Thomas drückt seine Hand in meinen Nacken und zwingt mich mit dem Kopf auf die Tischplatte.
»Du darfst meine Schuhe lecken«, höhnt Frank. »Egal wie schlau du bist.«
Ich sammle soviel Speichel, wie ich kann, und spucke ihm auf seine Sneakers.
»Das wirst du noch bereuen.« Frank setzt seinen Fuß auf meinen Rücken, Kaan und Thomas reißen meine Beine hoch. Ein schmerzhafter Stich.
»Die Wirbelsäule soll ja sehr biegsam sein«, sagt Thomas lachend.
»Das weiß er doch«, fügt Timo hinzu. »Schließlich passt unser Streber in Biologie immer auf.«
»So biegsam nun auch wieder nicht!«, brülle ich. »Ihr brecht mir das Kreuz!«
Die Jungen lachen, von den Mädchen höre und sehe ich nichts. Frank und Timo umklammern meine Fußgelenke, reißen mich an ihnen nach oben. Mein Kopf schwebt über der Tischplatte.
Peter Krieter lässt sich für einen waghalsigen Stunt kopfüber aus dem Fenster der dritten Etage seiner Schule hängen. »Es ist eine Frage der Vorbereitung und des Vertrauens«, gab er vorher in einem Interview an. »Auf meinen Partner Michael kann ich mich hundertprozentig verlassen. Ohne ihn wäre die Nummer nicht möglich.« Kein Netz ist unter dem Fenster gespannt. Lässt sein Partner los, stürzt Krieter kopfüber auf die Steinfliesen. Auch, wenn er natürlich in der Lage ist, sich mit einem Salto zu drehen, bleibt der Ausgang ungewiss.

*

»Endlich Hilfe«, begrüßt Mama mich. »Wir brauchen dringend Kartoffeln vorgewogen. Dein Vater ist beim Zahnarzt.«
»Hallo Frau Seifert, haben Ihnen die Teltower geschmeckt?«
Sie rümpft die Nase, wie sie es immer tut. »Die waren großartig, Peterchen.«
Jacke und Schultasche schmeiße ich auf das Sofa im Aufenthaltszimmer und gehe in den Keller.
»Wenigstens ist er nicht bei den Linken und nimmt keine Drogen«, höre ich die Stimme meiner Mutter.
Peter Krieter hat gekämpft, hart für den Erfolg gearbeitet. Er hat in seiner politischen Laufbahn seine Wurzeln nicht vergessen. Ein Mann aus dem Volk, der die Sprache der kleinen Leute spricht. Einen besseren Außenminister hätte sein Freund und Kanzler Michael nicht finden können. Vielleicht ist es ein Vorteil, dass er in seinem Alter noch nicht so erfahren ist. Das bietet ihm die Chance, sich eingeschliffener Sprechblasen zu enthalten und unkonventionelle Entscheidungen jenseits von Diplomatie und Sachzwängen zu treffen. Sein freundlicher Charme wird ihn dabei unterstützen, auch kritische, den Linken wichtige Themen wie Menschenrechtsverletzungen anzusprechen.
Texte einer multiplen Persönlichkeit

I've always considered writing the most hateful kind of work. I suspect it's a bit like fucking — which is fun only for amateurs. (Hunter S. Thompson)

kleiner_goethe

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2

Thursday, August 27th 2009, 10:42am

hi Sim,

ich habe deine Geschichte gelesen, mit Spannung und Hoffen, bis dieser Schluss mit dieser "Linken" aufkommt. ich wäre als Leser zufriedener, wenns weiter ginge.. der Schluss ist einfach zu plump und auch die Charakter werden nur aus einer Perspektive beschienen, was denk Peter oder Michael usw.. warum wissen seine Eltern so wenig über P. usw.. naja ich hoffe du verstehst meine Einwände, als nicht zu negativ..

lg
kg

Strohpuppe

Moderator

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3

Thursday, August 27th 2009, 12:00pm

hallo, sim

den Einwänden meines Vorredners kann ich mich nicht anschließen. ich find deine Geschichte gelungen, zwar auch traurig und zwar auf eine Art und Weise, dass man daneben sitzt und denkt, man kann nichts helfen, obwohl man so gerne würde, aber sie ist gut gemacht. besonders gefällt mir das schrittweise Aufdecken der Situation, dieses Sich-immer-wieder-kreuzen von Tagträumen und Realität, bis man merkt, dass "Peterchen" sich selbst dort als Erwachsenen sieht mit dem, was er erreicht haben könnte. ich denke, dass er sich selbst in diesen Tagträumen als Erwachsenen sieht, hat noch einen weiteren Grund: hier könnte man ihm weniger leicht wehtun, er wäre einiges besser in der Lage, sich zu wehren, als er das heute ist.
was hier auch auffällt und was mich an eine Geschichte von Camus erinnert, die ich im Sommer gelesen habe, ist, dass die Formung des Charakters gänzlich ohne solchen direkten Sätze wie "ich fühle mich kaputt" oder "ich wünschte, ich könnte mich wehren" auskommt. und trotzdem denkt man, das ganze begriffen zu haben. "nur ich bekomme davon nichts mit" - dieser Satz der Mutter macht sehr nachdenklich. sie hat die Augen von ihrem Sohn abgewendet. es ist nicht, dass es sie stören würde, was er für Hobbys oder für Freunde hat, es interessiert sie einfach nicht im geringsten. selbst, als Peter sich überschlägt und im Chor singen will, also eine Art Musik anstrebt, die seine Mutter sehr mag, sagt sie nur "und wer soll uns dann helfen". hier jagt eine herbe Enttäuschung die nächste, und spätestens jetzt fange ich an mich zu fragen, ob Michael real ist, oder ob Michael das ist, was man "mein unsichtbarer Freund" nennt. Inwieweit lebt Peter in einer Scheinwelt? was ich nicht verstehe oder was sich mir nicht ganz eröffnet: hat er Angst in Situationen wie der am Tor oder im Fenster? oder geht das alles an ihm vorbei? wohl ein weiterer Aspekt dieser Art, einen Charakter zu formen, die Innensicht bleibt einfach verwehrt. man steht daneben und ist doch nicht dabei.
ganz am Ende der Geschichte scheint sich erstmals was zu tun, Peter träumt von einer Art Zukunftsmusik, die seinen Eltern wohl entgegenlaufen würde ("wenigstens ist er nicht bei den Linken"). er erkennt oder, verwirrender, er träumt davon, dass der Weg, der aus diesem Elend herausführt, harte Arbeit bedeutet, kämpfen, vor allem gegen - ja, gegen was oder wen eigentlich? und wofür? darüber werde ich noch ein wenig nachdenken müssen

formal sind mir zwei, drei Stellen aufgefallen, an denen ich die Syntax strange finde.
einmal wäre da

Quoted

Großartige Küche, die jeder sich leisten kann.

ich denke, die sich jeder leisten kann, ist üblicher.

zum zweiten:

Quoted

Keine Kritik am Essen, obwohl es so ungesalzen bescheiden schmeckte.

man weiß, was du meinst, aber wenigstens ich komme hier ordentlich ins Hadern und muss den Satz dreimal lesen. mein Vorschlag wäre: obwohl es ungesalzen so bescheiden schmeckte

Quoted

rührt er im Duett mit seinem Freund Michael die meist mütterlichen Zuhörer zu Tränen.

ich denke, hier wolltest du wohl darauf hinaus, dass die meisten der Zuhörer selbst Mütter sind. Das kommt so nicht ganz rum, so klingt es eher nach einer Charakterbeschreibung. man könnte das im Relativsatz oder als Apposition auflösen: rührt er im Duett mit seinem Freund Michael die Zuhörer, meistenteils Mütter, zu Tränen.

so weit, so gut. sehr gern gelesen!
Du kannst gehn, aber deine Kopfhaut bleibt hier.

laughing_lupa

nicht einzig

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4

Thursday, August 27th 2009, 1:30pm

sim,

was soll man da noch sagen? ich schließe mich dem püppchen an und möchte noch einmal betonen, dass ich deine erzählweise als sehr eindringlich empfinde. das ist keine schnöde mobbinggeschichte, die den leser polarisierend in alte phrasen gegen soziale gewalt verfallen lässt. deine geschichte hat mich einen monent stumm gemacht und ich fühlte mich fast ertappt beim lesen, scheint man doch so tief und vieldimensioniert in peters leben einzutauchen. ich danke dir.

gruß, gruß!
a
in uteri zur winterszeit


Alles prüfe der Mensch, sagen die Himmlischen, daß er, kräftig genährt, danken für Alles lern und verstehe die Freiheit aufzubrechen, wohin er will.

Friedrich Hölderlin

kleiner_goethe

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5

Thursday, August 27th 2009, 6:39pm

STROHPUPPE, du hast recht, hast nicht geschrieben das es unbedacht waren.. Peter stimmt, habe es an dem Tag gelesen, als es aufgemacht wurde.... kann passieren...


Quoted

Quoted

Einwänden meines Vorredners


Stroh, ich will wirklich nur noch anmerken, das mir diese Geschichte sehr gefallen hat und ich nicht unbedachte Einwände verfasste. Ich finde diese Geschichte, genau so wie du erklärst(breiter und tiefer in den Ausführung als meines(Was dennoch nicht den Wert des Inhaltes abwägt)) im einklang mit meiner Meinung als Leser, nähmlich gut.

Mich hat die Geschichte sehr angetan, die Beschreibung der Handlungen, sowie die vielschichtigkeit des Hauptcharakters "Paul". Michael und die anderen ABER, wirken fast in diese Welt konstruiert.... Ich würde wenigstens gegen Argumente von dir(Strohpuppe) erfahren wollen, klar klären du deine Äusserung, in dem du deine Pro/Kontra Kritik zur Geschichte schreibst, die Reaktion auf meine Einwände auf, klar, aber Stroh, findest du den Schluss etwa nicht unpassend(Poltitk) nicht lieber eine weiterführende Geschichte? Oder weshalb Muttter/Vater sich anormal verhalten gegenüber ihren Sohn?(Beispiel die Passive Haltung gegen Paul), deswegen die unreflektierenden Personen als Kritikpunkt weiterführend der kognitiven Umwelt in der Geschichte, mit ausnahme von Paul... Ich frage dich, weil ich diese Intentionen als Leser wahrgenommen habe, also können sie ja nicht aus der Luft gegriffen sein, ich hoffe du kannst mir helfen....


LIebe Grüsse euch allen

Strohpuppe

Moderator

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6

Thursday, August 27th 2009, 7:02pm

ich habe lediglich geschrieben, dass ich mich deinen Einwänden nicht anschließen kann, kleiner_goethe. ich habe nicht geschrieben, dass sie völlig unberechtigt gewesen wären. ich habe meine Meinung dargelegt, du deine, so weit ist alles ok. Warum versuchst du ständig, deine Meinung so kämpferisch verteidigen, sobald jemand nicht exakt die gleiche vertritt?
kleine Sache am Rande: die Figur heißt Peter, nicht Paul.
Außerdem möchte ich dich bitten, davon Abstand zu nehmen, mich Stroh zu nennen.
weitere Diskussionen in der Richtung haben in diesem Faden nicht viel verloren.
Du kannst gehn, aber deine Kopfhaut bleibt hier.

sim

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7

Thursday, August 27th 2009, 8:46pm

Hi kleiner_goethe,

das Schlimme an solchen Geschichten ist, sie hören nicht einfach auf, den dramaturgischen Bogen musste ich also bei einem Punkt kappen, bei dem sich in Peter etwas entscheidenes verändert, wenigstens in der Fantasie eine zaghafte Auflehnung.
Was Michael denkt, kann dir die Geschichte leider nicht bieten, er ist ja aus der Fantasie Peters geboren. Was Peter denkt, bietet sie dir meiner Meinung nach, auch, wenn ich darüber natürlich noch einmal nachdenken muss, wenn dies nicht deutlich wird.
Warum die Eltern so wenig über ihren Sohn wissen, bietet die Geschichte mAn auch, weniger vielleicht, warum sie sich so wenig interessieren.
Ich verstehe deine Einwände, ich verstehe sie auch nicht als zu negativ (Na okay, das mit Ausnahme des Wörtchens plump ;)).
Dank auch noch mal für deine späteren Ausführungen an Strohpuppe.

Hallo Strohpuppe,

ich beginne mal mit dem, was sich dir nicht ganz eröffnet. Hätte Peter real erlebte Angst in den Situationen, in denen sie nicht nur legitim, sondern angebracht wäre, könnte er die Abfuhren als Abfuhren empfinden und benennen, bräuchte er die Tagträume und vor allem Michael nicht. Menschen wie Peter können andere irgendwann nur noch daneben stehen lassen ohne sie dabei zu haben. Insofern war die Charakterzeichnung so geplant. Ich hoffe, die sich daraus ergebenen Uneingängigkeiten sind zu verschmerzen.

Quoted

er erkennt oder, verwirrender, er träumt davon, dass der Weg, der aus diesem Elend herausführt, harte Arbeit bedeutet, kämpfen, vor allem gegen - ja, gegen was oder wen eigentlich? und wofür?
und wäre es nicht besser, erstmal für sich selbst zu kämpfen, als im sozialen/politischen Engagement die bisher verweigerte Anerkennung zu erstreben?

Quoted

ich denke, die sich jeder leisten kann, ist üblicher.
Ja, und normalerweise stimmte ich dir sofort zu, habe aber den Satz mehrere Mal laut vor mir her oder auf mp3 gesprochen und abgehört und die Betonung auf "jeder" empfand ich in dieser Konstellation deutlicher.

Quoted

man weiß, was du meinst, aber wenigstens ich komme hier ordentlich ins Hadern und muss den Satz dreimal lesen
Das ist natürlich nicht schön, stelle ich das "so" aber um, fehlt der Bezug zur ersten Szene (so ungesalzen, wie es von mir erwartet wurde).

Quoted

ich denke, hier wolltest du wohl darauf hinaus, dass die meisten der Zuhörer selbst Mütter sind
In erster Linie wollte ich über den Begriff einen Bezug zur latenten Sehnsucht an die eigene Mutter herstellen, insofern war der Begriff wichtig, nicht, ob es sich dabei um eine Charaktereigenschaft oder um reale Mutterschaft handelt. Ich denke aber gern noch mal über die Formulierung nach.

Hallo laughing_lupa,

kurz und schmerzlos: vielen Dank


Hallo kleiner_goethe noch mal,

in den Begründungen wären Wertungen, die über die reine Abbildung hinausgingen. Politik am Ende, weil es dadurch die erste Fantasie ist, die den Wünschen der Eltern entgegensteht, aber dennoch durch sie ausgelöst wird. Und Politik auch deshalb, weil es kaum einen Bereich gibt, in dem man sich idealerweise hauptsächlich um andere kümmert, ohne Dank dafür erwarten zu können, sie spiegelt also Peters aktuelle Haltung selbst im ersten zarten Widerstand.
Das sind natürlich sehr abstrakte Gedanken von mir, deren Umsetzung ich eindeutig noch mal überprüfen muss, wenn dadurch Verständnisprobleme auftauchen.

Euch allen noch einmal herzlichen Dank fürs Lesen und für eure Gedanken.

Liebe Grüße
sim
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kleiner_goethe

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8

Thursday, August 27th 2009, 8:58pm

*auf den Kopf hau*

aua, natürlich, Michael ist irreal, auch Peters politischer Zwist symbolisiert nur... als ich es las, wollte ich garnicht Abstrakt lesen, ich war in der Anmahme eine Geschichte mit einfachen Botschaften und literarischem einfachen Konstrukten zu lesen(ein fataler Fehler), die mehr auf Peters Jugend zielen.. Ich sah hier vielmehr einem geschriebenen modernen Film, der von Jugend-Heute erzählt...


Will mich bei dir entschuldigen, das ich deine schöne Geschichte plakativ verunreint habe..,


lieben gruss kg

sim

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9

Thursday, August 27th 2009, 10:26pm

Hallo kleiner_goethe,

kein Grund, dich zu entschuldigen. Missverständnisse weisen immer auch darauf hin, dass eventuell noch Änderungsbedarf besteht.
Und "verunreinigt" oder "plakativ verunreinigt" hast du schon mal gar nichts. :)

Lieben Gruß
sim
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10

Saturday, August 29th 2009, 3:41pm

.

Nach meinem Verständnis ist Deine Story richtig gut gemacht, sim. Für die Eltern sind andere
Dinge wichtig; sollte ich schreiben, typisches Gemüsehändler-Milieu? Die pünktliche Bezahlung
der Miete und wesentlich wichtigen Steuern sind wahrscheinlich für die Eltern vorrangig wichtig.
Die Veranlagungen des Sohnes werden nicht berücksichtigt oder gefördert, die geistige
Strukturierung durch die Eltern fehlt bzw. kann nicht geboten werden. Dem Inhalt Deiner Geschichte
fehlt demnach eigentlich nur noch die obligatorisch machohafte Ohrfeige vom Vater, weil ihn das Geräusch
stört, welches beispielsweise beim Essen einer Gewürzgurke entsteht, die der Sohn während des
Samstagabendprogrammes ißt. Ich könnte mir im weiteren Verlauf vorstellen, daß der Vater eines
Tages stutzig schaut, wenn ihm der Sohn die Brille von der Nase nimmt, bevor er sich erstmals wehrt.
Oder aber, der Sohn schafft sich einen düster ausgestatteten Hobbykeller an und wird sich ob dieser
Beschäftigung voraussichtlich auch nicht fortpflanzen. Beim Vertiefen in Deine Geschichte könnte ich
mir auch vorstellen, daß der Sohn an dem Tag, an dem er seinen selbstverständlich erstklassigen Abschluß
präsentiert, unerwartet von der ihm gegenüber Rührung zeigenden Mutter, die ihm mit einem Blumenstrauß
gratuliert, in Empfang genommen wird; dieses Erlebnis, so könnte ich mir vorstellen, wird den Sohn zeitlebens
begleiten.

Ich hoffe, meine Überlegungen kommen Dir nicht allzu wirr entgegen.

Lieben Gruß
Katerchen

.
Dämmerungskrallen
Versonnen
Im Schilf
die Kätzchen
Eines Nußbaumes

sim

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11

Sunday, August 30th 2009, 3:38pm

Hallo Katerchen,

zunächst einmal vielen Dank.
Ob typisches "Gemüsehändlermilieu" weiß ich nicht, einige der Sachzwänge zählst du aber treffend auf, dazu kommen Arbeitstage von 3 Uhr morgens bis mindestens 8 Uhr abends. Die Ohrfeige wäre in meiner Charakterisierung allerdings eher von der Mutter denkbar, Geräuschempfindlichkeit findet sich ja meist eher bei Personen, die sich in ihrer Konzentration gestört fühlen.
Auf alle Fälle ist es spannend, wie du dir die Entwicklungen der Figuren voranschreitend vorstellst.

Liebe Grüße
sim
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