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Date of registration: Dec 23rd 2006

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1

Wednesday, August 19th 2009, 12:06am

Hülsonett

Mir hängt von einem kaum begonnenen Sonett
die zweite Zeile schonmal prächtig in der Luft,
dann ist zur dritten sicher kaum mehr eine Kluft:
ich weiß, nur vierzehn solche, und ich darf ins Bett:

So wächst aus Nichts ganz schnell ein weiteres Quartett
was arg geschmeidig und sogar zu lesen ist,
ganz ohne reißend böses Tier, das Wesen frisst -
oh nein, ich halt es lieber friedlich und adrett.

Der Abgesang kommt leider so in Not,
weil er nicht weiß, wovon er handeln soll.
Ich glaub, ich lass ihn über Liebe klagen,

zusammen mit ner kleinen Prise Tod
klingt es nach Lyrik, ach, was wird das toll:
So viele schöne Verse, die nichts sagen.

RPK 080809
Sammelsurium: Werkesammlung


Strohpuppe

Moderator

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2

Wednesday, August 19th 2009, 12:21am

cool, gefällt mir :thumbup:
beim Titel dachte ich ja zuerst, du hast so mirnichtsdirnichts noch schnell eine Hommage an die Suppe aus dem Boden gezogen 8o . es hätte auch von Windeln handeln können...
die einzige Zeile, die mir zu gezwungen wirkt, ist S2 Z3. Das kannste eigentlich besser. ^^
insgesamt allerdings nicht schlecht, wie gesagt, gern gelesen. =)
Du kannst gehn, aber deine Kopfhaut bleibt hier.

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3

Sunday, August 23rd 2009, 11:41pm

Hallo Suppenköchin,

ich dachte ja, Humortexte interessien Dich nicht die Bohne, vielleicht lag es am hülsig-früchtigen Tütel.
Windeln sind doch beschissen für ein Gedicht, nää.

Quoted

die einzige Zeile, die mir zu gezwungen wirkt, ist S2 Z3.

Das stimmt, an genau der Stelle hab ich auch am längsten gehagen. Wenn ich die umschreibe, müsste ich auch den nachfolgenden Vers ersetzen, da der inhaltich Bezug nimmt.
Eine andere Variante wäre, das Gezwungene, das ja eigentlich doch die Aussage des Textes im Kleinen wiederspiegelt, zu überspitzen und gerade absichtlich gezwungen erscheinen zu lassen.

Danke für Deinen Kommentar, ich gib Dir dann mal den Löffel wieder.

Dein Sonette anrührender Suppenkaspar
Sammelsurium: Werkesammlung


demon17

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4

Monday, August 24th 2009, 12:32am

Ein Sechsheber,

wie interessant. Bis auf die erste Zeile wird der Jambus durchgehalten. Ich finde es gut, das hier kein fauler Kompromiss gemacht wurde. Die Rezeptur könnte, bis auf die Liebe, aus meinem Kochbuch stammen. Es ist halt alles eine Frage der Emphase. Das Reimschema gefällt mir, keine Waise übriggelassen. Sind alle gut versorgt und die weiblichen Kadenzen beim letzten Reimpaar lassen das Gedicht sanft verklingen. Nur der Titel will sich mir nicht ganz erschließen. Gern gelesen.

Liebe Grüße

demon17

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5

Monday, August 24th 2009, 7:45pm

Hallo demon17,

Quoted

Ein Sechsheber,
Nur in den Quartetten, die Terzette dagegen sind fünfhebig angelegt ;)
Klassisch mögen 11 sein, Endecasillabi, aber auch Gryphius hat 13 geschrieben, 12 dann eben mit männlicher Kadenz (allerdings mit starker Mittelzäsur, so dass es eher 2mal 6 Silben waren.

Quoted

Bis auf die erste Zeile wird der Jambus durchgehalten.
HUH?

Quoted

Mir hängt von einem kaum begonnenen Sonett
xXxXxXxXxXxX wo ist da der Jambus nicht durchgehalten? Wenn Du auf "begonnenen Sonett" anspielst, es gibt keine drei Senkungen hintereinander, daher erntet die letzte Silbe des eigentlich xXxx betonten Wortes eine schwache Betonung auf der letzten Silbe. Es darf auch gerne bewusst leiernd gesprochen werden, da es ja das Sonett als Selbstzeck des Strebens nach einem althergebracht formvollendeten Gedichts auf die Schippe nimmt, indem es zeigt, dass alleine die Technik nur Handwerkszeug ist, die man mit etwas Mühe auch bar jeder Aussage hinrotzen kann. So besteht das berühmte "Klanggedicht" nur aus dem klang selbst, womit es dann als Gedich aber noch lange nicht besteht.

Das Reimschema ist nicht GANZ klassisch, denn es ist abba acca def def statt abba abba cdc dcd in den Quartetten. Auch die Antithese ist eher schwach ausgeprägt. Hier wird der Mist nur zwischen den Zeilen in Frage gestellt.

Quoted

Nur der Titel will sich mir nicht ganz erschließen.
Ist der so schwer zu erschließen? Ein Wortzwitter aus "Hülse" und "Sonett".

Danke für Deine Rückmeldung, mich hätte aber weniger eine technische Analyse gefreut, sondern viel eher eine Diskussion der Aussage.

Aber vielleicht kommt ja noch jemand auf dieses Thema :)

Liebe Grüße
AE
Sammelsurium: Werkesammlung


erikroderickandara

Glasphasen-Moderator

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6

Monday, August 24th 2009, 8:01pm

Quoted

Aber vielleicht kommt ja noch jemand auf dieses Thema


hallo hallo
na, da laß ich mich mal nicht lange bitten :)

weil das bei den drei mal die ich es gelesen hatte auch mein hauptaugenmerk war; nun das "hülsonett" das zufriedenstellend wohl technisch gemacht/besprochen werden kann aber im endeffekt wahrscheinlich keinen aktuellen sozio- oder sonstirgendwie-diskutablen wert beinhaltet; das ist, was ich hier herauslese;
man hängt sich an eine klassische form und hangelt sich am strikten schema voran; es ist so gesehen ein leichtes weil man ja genau weiß, was man machen muß um es am schluß sonett nennen zu dürfen (ist aber noch lange nicht gesagt daß man das dann auch zustande bringt, aber die fehlerfreiheit deines werkes wurde hier ja schon besprochen); gepaart mit einem netten inhältchen, ist so ein sonett dann nichts weiter als ein hüls-onett ohne sinn und aussage aber im annehmbaren kleidchen, wie sie wohl auch hier im forum zu dutzenden herumschweben;

eine ausnahme wie man das umgehen könnte hat der liebe kirmesbollo hier einmal gebracht (im volksmund) das ich leider hier nicht anführen kann weil es schon vom board ist, aber evtl. kannst du dich noch erinnern (war das teil mit dem kellner der die kundschaft nicht mehr ganz erträgt); bei wunsch kann ich es noch zitieren;
also, ist die moral, die ich für mich daraus ziehe wenn man schon im klassischen kleidchen daherkommt dann solte man am inhalt nicht sparen (mut zu experimenten), sonst ist das teil leider hohl (was du hier inhaltlich ja sehr gelungen wiedergegeben hast);

zumindest mein verständnis soweit
lg
erik
under the sea, is where I'll be
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demon17

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7

Tuesday, August 25th 2009, 7:23pm

Hallo aNFANGENDe ,

Quoted

Nur in den Quartetten, die Terzette dagegen sind fünfhebig angelegt
Klassisch mögen 11 sein, Endecasillabi, aber auch Gryphius hat 13 geschrieben, 12 dann eben mit männlicher Kadenz (allerdings mit starker Mittelzäsur, so dass es eher 2mal 6 Silben waren.
Da habe ich ja wieder was dazu gelernt, mir waren sechshebige Sonette nur aus der französischen Lyrik bekannt.

Quoted

Wenn Du auf "begonnenen Sonett" anspielst, es gibt keine drei Senkungen hintereinander, daher erntet die letzte Silbe des eigentlich xXxx betonten Wortes eine schwache Betonung auf der letzten Silbe
Ja gut im Zusammenhang mit Sonett hast Du recht. Diese Frage stellte sich mir bisher noch nicht, weil ich dann einfach auf Daktylus umstelle. Kannst Du mir eventuell ein gutes Werk über Metrik empfehlen?

Quoted

Das Reimschema ist nicht GANZ klassisch, denn es ist abba acca def def statt abba abba cdc dcd in den Quartetten.
Gut, in Europa gab es ja alle möglichen Versionen.

Quoted

da es ja das Sonett als Selbstzeck des Strebens nach einem althergebracht formvollendeten Gedichts auf die Schippe nimmt, indem es zeigt, dass alleine die Technik nur Handwerkszeug ist, die man mit etwas Mühe auch bar jeder Aussage hinrotzen kann. So besteht das berühmte "Klanggedicht" nur aus dem klang selbst, womit es dann als Gedich aber noch lange nicht besteht.
Da gebe ich Dir ja vollkommen recht, aber aus soziologisch-gesellschaftstheoretischer Ebene hat es fatale Konsequenzen auf das Handwerkszeug zu verzichten. Ein Funktionssystem, das die eigene Struktur negiert, gibt seine Außengrenzen auf. Ich sehe die Folgen diese Entwicklung gerade auf Gedichte.com. Sie sind erschütternd. Es gibt keine Objektives mehr. Ich glaube es war Anfang des 20. Jahrhunderts als jemand ein Pissoir auf der Pariser Weltausstellung zum Kunstwerk deklarierte...

Zur Diskussion der Aussage: Also du hast natürlich recht, eine Form in der der Inhalt gebrochen wird ist ebensowenig Kunste, wie ein Inhalt ohne Form. Für mich besteht die Kunst in der nahezu vollkommenen Synthese. Natürlich, wenn ich an Else Lasker-Schüler denke, dann kann ich auch ihrer formlosen Lyrik nicht absprechen Kunst zu sein und zwar vom Feinsten. Allerdings brachen damals Dämme, die meines Erachtens wesentlich für das nahezu vollständige Verschwinden der Lyrik vom Buchmarkt verantwortlich sind. Wer nur noch rein subjektive Kriterien hat, die wenn überhaupt in kleinen, qualifizierten Mileus intersubjektiv vermittelbar sind, der wirft die Lyrik auf das zurück, was ich mal Nabelschautexte nennen möchte. Vielfach interpretierbare Metaphernkonstrukte, welche die Sinngebung weitgehend den Lesern überlassen und die sich ausschließlich mit subjektiven Sichtweisen und Gefühlslagen des Autors beschäftigen. Vielleicht hilft Dir das ja bei der Antithese. ;)

Liebe Grüße

demon17

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