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Date of registration: May 18th 2007

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1

Saturday, June 6th 2009, 10:40pm

Die alte Dame

.




Die alte Dame

Im Schopfe der Weide wohnte ewig ein Kind.
Es flocht sich aus Kräutern und Gräsern ein Nest
und ließ sich darinnen von Sommern bewegen,
umgeben von Federn und mondlichtem Schmuck.
Doch kaum, als eines nachts im Herbst die Sterne
am Ufersaum standen, saß auch Frau Tod im Geäst
und sprach recht ruhig: „Wofür, mein Kind,
träumst du noch hier? Ich nehme dich mit, wenn du willst
zu mir, wo ewige Sommer die Bäume belächeln und
Purpurglöckchen in Wolken säen, die immer ganz so
rosig sind, wie die, in deinen Träumen, mein Kind.“
Im alten Schopf der Weide wohnt jetzt nur mehr der Wind
und läßt, weil beide, Frau Tod und das Kind, Hand in Hand
gegangen sind, traurig die Sterne am Ufersaum zittern.





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Dämmerungskrallen
Versonnen
Im Schilf
die Kätzchen
Eines Nußbaumes

Jule

Master

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2

Sunday, June 7th 2009, 12:36am

Ich verbeuge mich.... was will man da noch sagen?
Irgendwie erinnert es mich an ein Märchen... sehr einfühlsamer, feiner, wohlklingender Schreibstil. Wirklich... ich fühle mich, wenn ich das lese, irgendwie sanft berührt... wie eine Brise. Herrlich, ja...
Das Kind ist ein Teil der Menschheit, der oben, vom Boden entfernt träumt und sich dann im Tod verliert, der ihn mitnimmt in seine Traumwelt. Dann lässt er die Welt zurück, wie sie nicht sein soll.
Danke für das Stück hier.

Binat

Trainee

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3

Sunday, June 7th 2009, 1:02am

Ich hab mir den Text mehrmals durchgelesen und musste zugeben, dass er mich erzählerisch fesselte. Doch verstand ich ihn nicht so recht. Mit dem Interpretationsansatz von Jule kann ich mich durchaus anfreunden, weil alle folgenden Assoziationen in meinem Kopf erst einmal einen Sinn ergeben.

Aber von Anfang fragte ich mich warum DER Tod weiblich ist? und Warum Tod überhaupt ein Geschlecht braucht?
[ein weiterer kleiner edit] Damit ist, falls du dich auf Dürrenmatt beziehst, die eine Frage geklärt und wohl unabänderlich. Zweitere interessiert mich dennoch.

Viel mehr frage mich aber, ob Jules Interpretation deiner Intention stand hält? Und folgenden Zuge dann, warum es diese kleine (epische) Märchen so düster endet? Ganz gleich ob dieser eine Traum nun auf ewig lebt, ist doch das Nest in dem er gesessen hat leer. Fände ich zu tiefst schade und eigentlich - auf Grund der Leere des Bilds, welche sich vielleicht beim morgigen wachen lesen ändert - ein wenig weltfremd.

[edit] Ich las es eben nochmal. Hab gerade gesehen, dass ich den Titel bisher ausgelassen habe. Meine einzige Assoziation dazu ist von Dürrenmatt. Und je mehr ich die Inhaltsangabe lese, desto mehr glaube ich ein wenig zu begreifen. Was allerdings meinen Wehmut über das Ende nicht besänftigt.
Binats Werkesammlung - Nicht alles im Leben braucht einen schlauen Spruch.

Im Delirium der Extremitäten
Nachtschwärmerei

Jule

Master

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4

Sunday, June 7th 2009, 1:13am

Warum muss eine Interpretation immer der Intention stand halten? :) Meine Interpretation kümmert es jedenfalls nicht, wenn sie der Intention nicht stand hält. :P Das einzige, was sie kümmern sollte, ist, wenn sie dem Text selbst die Worte im Mund herumdreht.

Warum muss der Tod kein Geschlecht haben? ;) Ich erachte das für nebensächlich.
Ich sehe diese kleine Geschichte als eine Versinnbildlichung. Nur logisch, dass man das auch ausschmücken darf... da kann der Tod auch weiblich sein. :)

Ich finde es sehr passen, dass es so düster endet... wenn man in Träumen verharrt, dann lässt man die Welt irgendwann alleine... ich finde es gut gelungen so... die Welt ist traurig am Ende, dass sie alleine gelassen wurde.
Bin mal gespannt, ob unsere Welt auch mal so alleine gelassen wird.. :(

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5

Monday, June 8th 2009, 12:21am

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Hallo Jule,
hallo Binat.

Quoted

ich fühle mich, wenn ich das lese, irgendwie sanft berührt

Danke!

Quoted

dass er mich erzählerisch fesselte.

Danke dafür! Ich bin mit Z1 noch nicht ganz glücklich.
Irgendetwas stört hier den Rhythmus. Ich arbeite noch
daran.

Quoted

Fände ich zu tiefst schade und eigentlich - auf Grund der Leere des Bilds,
welche sich vielleicht beim morgigen wachen lesen ändert - ein wenig weltfremd.

Wäre die Aussicht auf Unsterblichkeit wirklich tröstlich?

Quoted

Was allerdings meinen Wehmut über das Ende nicht besänftigt.

Sehnsucht ist eben eine Sucht, beruhigend ist sie nie.

Liebe Grüße
Katerchen
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Jule

Master

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6

Monday, June 8th 2009, 3:56am

Was sagst du denn zu meinem Interpretationsansatz, Katerchen? Würde mich mal interessieren. :)

Binat

Trainee

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Location: Hessen

7

Monday, June 8th 2009, 8:36am

Die Frage ist doch, wo stünde die Menschheit heute ohne Sehnsucht? Was wäre der Mensch dann?

Geht es hier um ein einzel Schicksal? Wenn ja, nehme ich diese Kritik zurück. Wenn nein, bitte ich um Erklärung ^_^
Binats Werkesammlung - Nicht alles im Leben braucht einen schlauen Spruch.

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Alexa

Blickdicht(erin)

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8

Monday, June 8th 2009, 9:08pm

Hallo Katerchen,

wenn jemand ewig wohnte, sich von Sommern bewegen ließ, und dann der Herbst Einzug hält, dann ist für mich eigentlich klar, dass es ein (mittlerweile) in die Jahre gekommenes "Kind“ sein muss, das sich hier von Frau Tod an die Hand nehmen lässt. Sie kann es beruhigt tun, denn sie hatte anscheinend ein "warmes“, wenn auch ärmliches Leben.
Sterne sind es, die bleiben. Durch Tränen vermag man sie sogar traurig zittern sehen.

Sehr schön

Quoted

Ich bin mit Z1 noch nicht ganz glücklich.
Irgendetwas stört hier den Rhythmus.

wenn dich da etwas stört, liegt es vielleicht an Weide wohnte ewig? dadurch fällt auch der Rhythmus etwas aus der Gesamtmelodie, in der du überwiegend Daktylen anwendest. Ich überlege schon eine ganze Weile wie du Z.1 ändern könntest, überlasse das dann aber doch lieber deinem eigenen Sprachgefühl. :)

so oder so
Klasse.
L.G.
Alexa
Mit dem Geist ist es wie mit dem Magen: Man kann ihm nur Dinge zumuten, die er verdauen kann.
(Winston Churchill)

Ich hier

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9

Monday, June 8th 2009, 11:28pm

.

Hallo Jule.

Quoted

Dann lässt er die Welt zurück, wie sie nicht sein soll.
Du dachtest dabei an die Hoffnung auf Unwiderbringliches?
Ja, das ist u.a. Sehnsucht. Herzlichen Dank für Deinen Beitrag.




Hallo Binat.

Quoted

Die Frage ist doch, wo stünde die Menschheit heute ohne Sehnsucht?
Was wäre der Mensch dann?
Ich bedanke mich sehr für Dein Engagement.
Du könntest/kannst Deine Frage gerne im Gartencafé beherbergen, das wäre
sicherlich für alle interessant?



Hallo Alexa.

Freut mich sehr, daß Du hergefunden hast. :) Was soll ich zu Deinem feinsinngien Beitrag schreiben?
Gelebte Trauer befreit, ungelebte schürt auch Sehnsüchte.

Quoted

Sie kann es beruhigt tun, denn sie hatte anscheinend ein
"warmes“, wenn auch ärmliches Leben.

:)

Quoted

Ich überlege schon eine ganze Weile

Ich wünsche mir noch 1 bis 2 unbetonte Silben, will das andererseits aber auch nicht erzwingen.
Ganz so einheitlich leichtsinnig sollte der Rhythmus dann auch nicht sein.

Quoted

wohnte ewig

Ein Paradebeispiel für einen Fehler. Das versuche ich selbstverständlich zu ändern.
Vielen Dank für den Hinweis.


Liebe Grüße
Katerchen


.
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Alexa

Blickdicht(erin)

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10

Tuesday, June 9th 2009, 11:31am

Hallo Katerchen

Dass du hier einem bestimmten Versmaß folgen möchtest war mir schon klar. Ich bin aber, was das betrifft völlig außer Übung und habe dir deshalb auch keinen Vorschlag für die erste Zeile unterbreiten können. Deine Absicht würde mich aber dennoch sehr interessieren, wenn es dir nichts ausmacht. Ich vermutete gestern zuerst ein elegisches Versmaß, weil ich stellenweise Hexameter, jeweils über zwei Zeilen gezogen, zu erkennen glaubte, bin aber, wie schon gesagt, völlig aus dieser Thematik ausgestiegen.
Distichen scheinen es aber nicht zu sein. Zumindest nicht so, wie ich sie noch meine zu kennen.
Sei bitte nachsichtig :S

Ich sehe gerade, dass ich in meiner gestrigen Antwort, dem "Kind“ aus deinem Text ein -sie- aufgedrückt habe, woran sicher der Titel nicht unschuldig ist- das sollte nicht so sein, denn ich möchte dieses "Kind“ in seiner recht vielfachen Auslegungsmöglichkeit nicht beschneiden

L.G.
Alexa
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(Winston Churchill)

Ich hier

Jule

Master

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11

Tuesday, June 9th 2009, 1:22pm

"Du dachtest dabei an die Hoffnung auf Unwiderbringliches?
Ja, das ist u.a. Sehnsucht."

Ich weiß nicht, ob meine Interpretation deiner Intention nahe kommt. Ich glaube eher weniger, aber ich finde nicht, dass das was aus macht. :)
Ich verband mit dem Text eher ein sich in den Tod Hineinträumen.... dieser Tod kann auch einfach ein sich in dem Traum voll und ganz Verlieren bedeuten, den dieses Kind hat. Denn die alte Dame sagt ja, da wo sie das Kind hinführt, da ist alles so, wie in dessen Träumen.
Ich verband damit möglicherweise einen unerreichten Traum der Menschheit, die aber gleichzeitig nichts tut. Das Kind sitzt im Baum und träumt vor sich hin, ohne etwas zu tun. Mir scheint es fast, als bastele es sich seine eigene euphemistische kleine Welt in seinem Nestchen. Das ist nur die Stimmung, die der Text für mich vermittelt.

lg!

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12

Wednesday, June 10th 2009, 10:58pm

.

Hallo Alexa,

Lieben Dank für Deine Hilfsbereitschaft. Ich hoffe, meinen Text noch verbessern
zu können, das funktioniert aber nicht sogleich und betrifft 'auch nur' die Z1.
Notfalls lasse ich die Zeile bestehen, obwohl sie mein Gehör immer wieder ausmustert,
ich kann das im Moment nicht erzwingen. Um die Struktur solltest du dir keine übermäßigen
Sorgen machen - das wird schon.



Hallo Jule,

Quoted

euphemistische kleine Welt in seinem Nestchen ... Stimmung

Das erkenne bzw. verstehe ich hier nicht wirklich. Was ist schon Euphemismus?
Ein halbvolles Glas - z.B.. Danke für deinen weiteren Kommentar inkl. Deutung.


Liebe Grüße
Katerchen

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Dämmerungskrallen
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Eines Nußbaumes

Babac

Master

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13

Thursday, June 25th 2009, 11:44pm

ja, ein sehr schönes stück lyrik. heraus aus der sehnsucht her wehmutsvoll niedergeschrieben... nun, der deutsche himmel ist wieder einmal an einem hellen stern reicher geworden.

lg, babac

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