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Alexa

Blickdicht(erin)

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Location: von draußen vom Walde...

1

Tuesday, May 5th 2009, 10:36am

geblättert

Linien
durch die einst Leben floss
mit jedem Schritt
erdrückt mich das Gefühl
ich hindere es zu fliegen
Mit dem Geist ist es wie mit dem Magen: Man kann ihm nur Dinge zumuten, die er verdauen kann.
(Winston Churchill)

Ich hier

erikroderickandara

Glasphasen-Moderator

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2

Tuesday, May 5th 2009, 10:45am

hallo, alexa


blätterst du (lyrich) durch erinnerungen an bessere tage, kreativere tage und findest im vergleich zu damals ist die quelle heute ausgetrocknet?
linien als blutbahnen oder gar linien auf dem papier? ich bin mir hier bei prägnanz der aussage nicht ganz sicher evtl. hast du es zu kurz abgehandelt?

meine erste eingebung wäre die darlegung einer schaffenskrise??
aber wie gesagt mir kommt es zu unvorhergesehen und bevor man es greifen kann ist es auch schon wieder zu ende


wobei:

Quoted

Mit jedem Schritt
erdrückt mich das Gefühl
ich hindere es am fliegen
...sehr schöner, impliziter vergleich evtl. eine kurze möglichkeitsform: ich hinderte es am fliegen?

mfg
erik
under the sea, is where I'll be
no talking 'bout the rain no more

Hazel

Moderator

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3

Tuesday, May 5th 2009, 5:29pm

Quoted

meine erste eingebung wäre die darlegung einer schaffenskrise??


Das war auch meine erste Idee. Insgesamt hat erik meinen Eindruck schon ausgesprochen,
nämlich das "Album-Blättern" in der Vergangenheit im Gegensatz zu einer jetztzeitigen Tief-
phase. Kurz und klar.

Es gibt aber noch einen Gedanken, den ich hatte, den du sicher nicht intentioniert hattest:
Ich dachte an einen Spaziergang über nasse Baumblätter auf einer kahlen Allee..
Du trittst über die Blätter, in denen kein Leben mehr steckt und zermatscht sie auf dem Boden.
Gleichzeitig macht dich der Anblick mit jedem Schritt trauriger..
Wie gesagt, sicher nicht geplant, aber ein Kopfbild eben..

LG, Hazel
Alles ist gut. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist. Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich sein, sofort im selben Augenblick.

Alexa

Blickdicht(erin)

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4

Wednesday, May 6th 2009, 9:35am

Hallo

da bin ich mal nicht so viel im Forum und schon denkt ihr, ich schreibe nur noch über Schaffenskrisen… ;( ne, ne.. ich hab einfach nur einen momentanen Mangel- an Zeit.

aber, ihr liegt mit eurer ersten Gedankenrichtung nicht falsch, denn sie ist eine (von dreien),die ich anstrebte. Aber, um es kurz zu machen; @Hazel, der Ursprungsgedanke für dieses Kurzdingens hier war tatsächlich ein Blatt (vom Baum), das ich in die Hand nahm und mal näher betrachtet habe. Diese vielen Linien, wie Lebenslinien einer Hand… ein Wunder der Natur, find ich, und ich zertrete es mit jedem meiner Schritte …(er)drücke sie- zu Boden, sodass sie kaum noch fliegen können, wobei ich die Schritte nicht nur als eine Bewegung der Füße verstehen wollte.

@Erik: Ob der obere Absatz mit seinen zwei Zeilen jetzt wirklich zu kurz ist, weiß ich nicht. Mir erscheint er rein vom Lesen her auch etwas abgehackt, ich wollte aber auch nicht zu weit ausschweifen und eigentlich habt ihr Beide ja meine Gedanken doch darin wiedergefunden.
In die Vergangenheit möchte ich mit deinem Vorschlag <hinderte> nicht gehen, das wirkt mir zu fern

Vielen lieben Dank für eure Rückmeldungen
Gruß von Alexa
Mit dem Geist ist es wie mit dem Magen: Man kann ihm nur Dinge zumuten, die er verdauen kann.
(Winston Churchill)

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Strohpuppe

Moderator

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5

Wednesday, May 6th 2009, 12:31pm

hallo, Alexa

schön, dich mal wieder hier zu lesen! =)
der Text gefällt mir gut. er ist kurz, prägnant und ziemlich gut gemacht. interpretatorisch gibt sich das alles rund - ich lese es so, dass da jemand auf alten, ausgetretenen Pfaden läuft, wo nicht mehr das ist, was noch dort war, als man die Wege noch nicht totgelaufen hatte. und mit jedem Schritt wird das ganze öder, leerer, und das Ich muss sich ernsthaft fragen, ob es nicht langsam an der Zeit wäre, mal neue Wege zu gehen. aber auch wird wieder totgetrampelt werden ?(

am allerbesten gefallen mir die letzten beiden Verse. hierfür nochmal extra Applaus! :)

ein kleines Problem habe ich aber doch:

Quoted

trockene Linien
durch die einst Leben floss

ich finde, dass man sich das mit den Linien nur relativ schwer vorstellen kann. vielleicht denke ich da ein bisschen zu sehr an mathematische Linien - oder vielleicht passt dir das auch grad wieder super in die Intention. denn Linien sind für mich etwas, was in der Breite wenig bis null Ausdehnung hat. und wie soll denn da jemals was durchgeflossen sein? man könnte natürlich sagen, dass das Adern sind, die eben durch das Austrocknen vollkommen "zusammengeschnurrt" sind, bis sie eben nur noch so schmal waren wie Linien...

brauchst du die Leerzeile zwingend?

deinen Text werde ich jedenfalls zu meinen Perlen setzen.

nachdenklich grüßt
Strohpuppe
Du kannst gehn, aber deine Kopfhaut bleibt hier.

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6

Wednesday, May 6th 2009, 2:59pm

.

Quoted

geblättert

trockene Linien
durch die einst Leben floss

Mit jedem Schritt
erdrückt mich das Gefühl
ich hindere es am fliegen



Hallo Alexa,

bereits der Titel läßt darauf schließen (ge-), daß ein gewisser und notwendiger
Passivzustand vorherrscht, was (für mich) keinesfalls mit einer negativen Absicht
verbunden ist. Kleine Anmerkung: Die Plätze "Mit" und "am" sind mir zu allgemein
gehalten - viel lieber hätte ich beispielsweise "beim Fliegen" gelesen, bin mir
aber nicht sicher, ob das noch Deinen Vorstellungen entspricht.

Ansonsten ein gutes Gedicht - wie immer.

Mit liebem Gruß
Katerchen

.
Dämmerungskrallen
Versonnen
Im Schilf
die Kätzchen
Eines Nußbaumes

Sonja

Professional

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7

Wednesday, May 6th 2009, 5:05pm

Kurz aber schön. ^^
Es scheint um den Herbst zu gehen. Ist das richtig?
Es ist wirklich sehr gut formuliert! :thumbup:
Ganz liebe Grüße,
Sonja. :)

Schreiben bedeutet für mich fühlen, und verstehn.

Alexa

Blickdicht(erin)

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8

Wednesday, May 6th 2009, 8:16pm

Hallo ihr =)

@Strohpuppe, ich freue mich auch, hier von dir zu lesen und besonders über die Verewigung dieses Textes in deinen Perlen
Ich denke, dass ich die Leerzeile löschen kann. Zwingend notwendig ist sie nicht, nein. Ich wollte dadurch einfach nur einen Moment zum Nachdenken lassen. Ich nehm sie mal raus- wenn’s doch nicht passt, meldet sich vll. noch jemand. So stehen zumindest die beiden oberen Zeilen nicht mehr so allein da. Ist womöglich echt besser

Quoted

denn Linien sind für mich etwas, was in der Breite wenig bis null Ausdehnung hat.

stimmt, ja- ich dachte da eher an Lebenslinien, eine Linie (Richtung) haben, einen Faden und auch eine blutleere Ader, nur um einige Dinge zu nennen. Da ging mir noch so einiges durch den Kopf, aber nicht der Gedanke: Ausdehnung oder nicht. Ich hoffe du kannst dich mit meinen Linien noch anfreunden, denn der Begriff passt hier so schön, als dass ich da einen Ersatz finden könnte. (Echt blöd, wenn du jedesmal beim lesen meines Textes an Mathe denken musst- womöglich noch an lineare Gleichungen/Funktionen. ;( und das in deiner Freizeit 8o )

@katerchen, ja das Passive, schön, dass du es rausgelesen hast. Der Titel war hier mein größtes Problem. Da stand vorher mal: blättern- zerblättert bis hin zur stillen Allee.
Nicht wirklich handeln können, war mir hier wichtig.

Quoted

Mit" und "am" sind mir zu allgemein
gehalten - viel lieber hätte ich beispielsweise "beim Fliegen" gelesen, bin mir
aber nicht sicher, ob das noch Deinen Vorstellungen entspricht.

Ja, das sehe ich jetzt auch so. "Beim Fliegen" wäre aber doch eher ein Zustand, der bereits eingetreten ist; das passt nicht.
Aber ich hab mal was geändert- ich hoffe es ist besser so.

@Sonja, erst Selbstmord, dann Herbst :D
aber trotzdem schön, dass du deine ganz eigenen Gedanken zu diesem kurzen Text gefunden hast. Ich freue mich, wenn er für dich etwas aussagt und gefällt. =) Herbst passt schon ;)

Danke an euch
Gruß von Alexa
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(Winston Churchill)

Ich hier

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9

Wednesday, May 6th 2009, 9:14pm

Hallo Alexa,

das überzeugt mich durch das Viele, das aus wenig Text kommt und mitnimmt. Die doppelte Verwendung von "durch" stört mich als einziges, dadurch wird aber auch der mittlere Vers eine Art Achse.
Bin mir nicht ganz schlüssig, ob das so gewollt ist?
Die trockenen Linien empfinde ich als metaphorische Lebensadern, die blutleer brach liegen.
Das Fliegen fällt etwas aus dem bildlichen Gesmatkontext, aber inhaltlich und für den Ausdruck dieses zweiten Teils passt es natürlich schon gut.

Jedenfalls kann ich auch gerade stilistisch dem viel abgewinnen, ich mag solche kurzen Dinger, die alles sagen, ohne viel auszumalen, dann male ich selber, ohne Festlegungen. Das ist einfach Lyrik.

LG
Roland
Sammelsurium: Werkesammlung


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Posts: 655 wcf.user.activityPoints: 3,955

10

Thursday, May 7th 2009, 12:01am

.

trockene Linien
durch die einst Leben floss

Mit jedem Schritt
erdrückt mich das Gefühl
ich hindere es am fliegen

----

trockene Linien
durch die einst Leben floss
durch jeden Schritt
erdrückt mich das Gefühl
ich hindere es zu fliegen

---

Linien
durch die einst Leben floss
bei jedem Schritt
erdrückt mich das Gefühl
.....

bzw. durch die einst Leben floss

----

Alexa,

ein 3. Vorschlag, was denkst Du? Entweder wollte ich auf "trockene"
verzichten oder "durch die einst Leben floss".


Lieben Gruß
Katerchen

.
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Im Schilf
die Kätzchen
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Alexa

Blickdicht(erin)

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11

Thursday, May 7th 2009, 11:01am

Hallo

Roland, schön mal wieder von dir zu hören. =)

Ja, ja, diese Kurzverse und das von mir, die ich eigentlich formschöne Gedichte, so richtig mit Strophen u. Reim und perfektem Metrum mag. :D Vor einiger Zeit war für mich diese Art des Schreibens noch undenkbar.
Zweifel hab ich übrigens immer noch. Ich bin mir nie wirklich sicher, ob mit diesen kurzversen überhaupt eine Aussage gelingen wird und wieweit sie dann auch im Gedächtnis bleibt.
Hier sind ja nun einige Interpretationen entstanden, die sich mehr oder weniger ähneln. Das, was ich erreichen wollte, hat also funktioniert. Darüber freue ich mich.

Quoted

Die doppelte Verwendung von "durch" stört mich als einziges

Ja, das zweimal durch. Mir gefällt es heute auch schon nicht mehr. Ich wollte damit diese (auf Strohpuppes Anmerkung hin gelöscht) fehlende Leerzeile rausholen und gleichzeitig dieses von Katerchen angesprochene nichtssagende – mit (jedem Schritt) ausbügeln. Es funktioniert auch irgendwie. Man hat das Gefühl, es bleibt ganz kurz etwas stehen, vor allem aber ist das –durch- wesentlich kräftiger in seiner Aussage.
Aber im Nachhinein empfinde auch ich die Wiederholung, vor allem weil der Text so kurz ist, fast als Platzverschwendung.
Ich werd‘ es wieder ändern und danke dir für die Darlegung deiner Gedanken und das Lob.

Katerchen:

„trocken“ “ einst“ und auch die Vergangenheitsform von fließen, ja und sogar der Titel „geblättert“, eine inhaltliche Wiederholung, das war mir schon bewusst. Ich war mir jetzt nur nicht sicher, ob allein die zweite Zeile meine Absicht erkennen lässt.
Aber da ich deine lyrischen Kenntnisse sehr schätze, werde ich dir mal vertrauen und das trockene rausnehmen. So gefällt es mir übrigens auch besser, auch wenn der Text dadurch ja noch kürzer wird. Dafür nehme ich das - mit- wieder rein; "bei" jedem Schritt, will mir nicht gefallen. Da fehlt mir die Nähe. Bei oder mit- ist für mich ein Unterschied, versteh das mal einer :D

Recht herzlichen Dank für die Hilfe

Gruß von Alexa
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Ich hier

Sonja

Professional

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Location: Asendorf

Occupation: Schülerin, und Tochter ;)

12

Thursday, May 7th 2009, 4:33pm



@Sonja, erst Selbstmord, dann Herbst :D
aber trotzdem schön, dass du deine ganz eigenen Gedanken zu diesem kurzen Text gefunden hast. Ich freue mich, wenn er für dich etwas aussagt und gefällt. =) Herbst passt schon ;)

Gruß von Alexa


Oh na gut, dann eben erst Herbst, und dann Selbstmord. :D 8)
Ganz liebe Grüße,
Sonja. :)

Schreiben bedeutet für mich fühlen, und verstehn.

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