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cora

Intermediate

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1

Friday, November 28th 2008, 6:15pm

Russischer Abschied

Wie der Staub
in der Wohnung
sammeln sich die
Fäden
meiner Worte
dort
wo es am dunkelsten ist.

Lächle nicht,
sonst fühle ich mich elend.

Bei der Laterne weht
der letzte Bus
mir Abgas ins Gesicht.

Meine
Stadt
wird kleiner
während du
die Welt eroberst.

Wie kann meine Liebe ver-
rinnen in einem Atemzug und
in meine Seele
webt
still
die Spinne ihr Netz.

sim

Professional

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2

Friday, November 28th 2008, 7:36pm

Hallo cora,

ich würde deinen Text ja eher als lyrische Prosa sehen, denn als Gedicht, zwar gibt es ein lyrisches Ich und Zeilenumbrüche hast du auch gemacht, aber vor allem sind es ganze Sätze, die lediglich grafisch wie ein Gedicht gestaltet sind.
Als Text gefällt mir dein Abschied, auch wenn ich nicht weiß, was russisch daran sein soll. Mir gefallen auch Rhythmus und Melodie der Sprache, das aber leider nur bis zum letzten Satz, der mit einer Frage beginnt und dann auf einmal ein anderes Bild bemüht, während sich alle vorangehende mit einem bescheiden.
Die Spinne könnte sich zwar auch im ersten Satz finden, aber die Fäden dort stammen vom Staub.
Auch finde ich den letzten Satz inhaltlich im Abschied nicht wieder, denn würde die Liebe tatäsächlich in einem Atemzug verinnen, wäre ja das Gedicht unnötig, das das lyrische Ich der Abschied gar nicht berühren würde.
Oder steht die Frage für die Sehnsucht danach, sich nicht berühren zu lassen? Dann erscheint mir die "und"-Verbindung nicht passend, da sich das Netz der Spinne ja im Widerspruch zum Wunsch befindet.
Also kurz: Der letzte Satz erscheint mir noch nicht stimmig, alles andere ist sehr schön.

Lieben Gruß
sim
Texte einer multiplen Persönlichkeit

I've always considered writing the most hateful kind of work. I suspect it's a bit like fucking — which is fun only for amateurs. (Hunter S. Thompson)

cora

Intermediate

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3

Sunday, November 30th 2008, 1:44pm

Hallo sim,

vielen Dank für deinen einfühlsamen Kommentar. Solch rührseliger Liebeskram hat ja meist auch einen persönlichen Hintergrund. Deine (auch implizite) Kritik ist sicherlich berechtigt.

1. Die Form: Das Gedicht hatte ursprünglich eine eher „geometrische“ Form (gleichlange Vierzeiler-Strophen-Quadrate), die von russischen Gedichten inspiriert war, hier jedoch völlig unmotiviert wirkte und ich ad hoc – ja, du hast es gemerkt – durch eine mindestens ebenso unmotivierte freie Form ersetzt habe.

2. Meine Beschäftigung mit russischer Lyrik ist im Text (der ursprünglich in kyrillischen Lettern geschrieben war) nicht erkenntlich und der Titel also nachgeschoben und ebenso unmotiviert. Ich hätte es bei keinem Titel lassen oder es „Wie Staub“ nennen sollen.

3. Zur Kritik am letzten Satz etwas zu sagen fällt mir etwas schwerer, aber es ist sehr aufschlussreich zu erfahren, du meine Worte verstanden hast, denn ich tue mich selbst auch schwer mit dem Verstehen.
Was hältst du von folgender Variante des letzten Satzes:

Wie kann meine Liebe ver-
rinnen in dem Augenblick,
da der Staub sich
zu Boden
senkt?

Und vielen Dank für die aufmunternden Worte!

Lieber Gruß
cora

Perry

Lyrisches Licht

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4

Sunday, November 30th 2008, 7:47pm

Hallo Cora,
mich haben deine Bilder und die Wehmutsstimmung sofort eingefangen.
Ich konnte gar nicht anders, als eine eigene Lesart anzufertigen.
Vielleicht ist ja eine Anregung bezüglich der Form und einiger Wortwendungen für dich dabei.
Um das Russische einzufangen, würde ein entsprechender Name oder eine Ortsangabe (vielleicht beim letzten Bus nach ...) genügen.
Wünsche dir noch viel Spaß mit deinen Zeilen.
LG
Perry
PS: Der Staub sammelt sich dort, wo es am windstillsten ist (in Ecken etc.)

cora

Intermediate

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5

Tuesday, December 2nd 2008, 11:52am

Danke für deinen netten Kommentar, Perry. Dass ich dich inspirieren konnte, macht mich wirklich stolz und freut mich sehr.
Aber wo ist das Ergebnis deiner Inspiration zu finden? Gerne würde ich es lesen. Ich wette ist es wesentlich eloquenter, aber ich halte meine Worte gerne schlicht und simpel.

Liebe Grüße
cora

PS: Inzwischen hab ich gelüftet und der Wind hat mal ordentlich Staub aufgewirbelt, aber ich hab schließlich kräftig geputzt in den Ecken, sicher aber die ein oder andere Stelle, wo man schlecht hinkommt, noch übersehen.

Perry

Lyrisches Licht

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6

Tuesday, December 2nd 2008, 12:51pm

Hallo Cora,
entschuldige, erst Sprüche klopfen und dann Nichts beifügen.
Hier meine Lesart:

Russischer Abschied

Wie Staub in der Wohnung
sammeln sich die Fäden
meiner Worte dort,
wo es am stillsten ist.

Bei der Laterne weht der letzte Bus
nach Moskau mir Abgas ins Gesicht.
Mein Dorf wird kleiner,
während du die Welt eroberst.

Wie kann meine Liebe ver-
rinnen in einem Atemzug
und zugleich wie eine Spinne
meine Seele einweben.

Lächle nicht,
sonst fühle ich mich elend.

LG
Perry

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