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Perry

Lyrisches Licht

Date of registration: Jun 22nd 2007

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Location: Bayern

1

Sunday, November 23rd 2008, 6:24pm

Für immer

Sie hat ihre ganze Liebe mitgenommen, als sie ging.

Leere im Zimmer, unserem Platz für Zweisamkeit.
Es sitzt keine Silhouette vorm Spiegel, löst die Spange
aus dem Haar, das im Dämmerlicht lockig lang
auf schmale Schultern fällt.

Es ist kein Atmen im Raum, unserem Ort für Nähe.
Seit Minuten halte ich die Luft an, erfriere in der Kälte
der Erinnerungsgruft, in der alle Gegenstände zu
marmoriertem Stein werden.

Auf dem Tisch, unserem Platz für Reden und Berühren,
liegt ein Brief. Schwarze Worte, schnelle Zeilen
wie auf einem Pinnzettel: Bin im Kino, es wird später,
warte nicht auf mich.

Tinus

Master

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Occupation: rausfinden, wer ich bin

2

Wednesday, November 26th 2008, 12:40am

Saugut (padon!), der text. Zwar fast ein Mix aus Prosa und Lyrik (einziger Wermutstropfen), aber es fängt eine Stimmung ein, die jeder, der schon mal verlassen wurde oder eine Trennung hinter sich hat, bestens nachempfinden kann. Auch schöne Bilder: Erinnerungsgruft, marmorierter Stein, schwarze Worte.
LG, Tinus

Perry

Lyrisches Licht

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Location: Bayern

3

Wednesday, November 26th 2008, 12:30pm

Hallo Tinus,
ja das ist nun mal bei Prosalyrik so, dass sie etwas nach Prosa klingt ;) .
Danke fürs "saugut" was in Bayern ja ein großer Kompliment ist und LG
Perry

Wolke

Master

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Location: Am Ende des Regenbogens, in einer Schüssel voll Gold

4

Wednesday, November 26th 2008, 9:22pm

Hallo Perry,

auch mir gefällt dein Gedicht, nur die letzte Strophe musst du mir einmal erklären, falls ich zu blöd dafür bin ;)

Ist nach/vor dem Kino was passiert, sodass das Warten überflüssig wird? Hach, da fällt mir spontan ein Gedicht ein, das ich sehr mag, 'Im Garten' von Theodor Fontane. Egal :P Ansonsten hätte ich das als Ironie verstanden, dass das Lyr.Ich alles vermisst, dabei ist die Person nur für zwei Stunden im Kino. Auch ne nette Idee für was anderes... Whatever. Aber die Bilder, die du vorher malst [die übrigens sehr sehr gut sind], passen nicht zu einem Überraschungs-Effekt dieser Art.

Besonders mag ich das Bild der zweiten Strophe. Irgendwo, bei irgendeinem Vulkan, keine Ahnung wo, war es vor Jahrhunderten glaube ich mal so, dass ein Vulkanausbruch die Menschen überrascht hat, sie von Lava umgeben wurden, mit der Zeit alles erkaltet ist und man noch die Umrisse von Menschen und Orten sehen kann, die unter der Gesteinsoberfläche nicht mehr existieren. ich schweife heute ab, ich weiß. Und verworren rede ich noch dazu. Aber ich hoffe, du weißt, was ich meine. Genau so stelle ich es mir bei deiner zweiten Strophe vor. Alles überzieht sich mit einer Schicht und erstarrt, alles sieht aus wie vorher und ist doch so vollkommen anders.

Durch die lockige Person hat es außerdem eine ganz eigene, persönliche Note, die mir sehr gefällt.

Ich muss gestehen: ich liebe es.

Grüßchen,

W
Nimm die Dinge und schmeiß sie an die Wand,
aus den Resten bauen wir ein Haus.

Perry

Lyrisches Licht

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5

Thursday, November 27th 2008, 1:06pm

Hallo Wolke,
danke für deine Einrücke zu diesem (durchaus persönlichen) Abschiedstext.
Das Schlussbild mit dem Pinnzettel ist nur ein Vergleich, so als wäre der Abschiedsbrief (schwarze Worte) nur ein ganz normaler Hinweiszettel, wie man ihn schreibt, wenn man kurz weg ist. Das LI klammert sich an diese Hoffnung, auch wenn es weiß, dass es ein Abschied für immer ist.
LG
Perry

Lymielle

Moderator

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6

Thursday, December 4th 2008, 6:48pm

Hallo Perry,

beim ersten lesen erschien mit dein Text wie ein trauriges Lächeln, das verbunden mit einer wunderbaren Erinnerung, noch immer hofft. Und deine Zeilen wirkten absolut rund auf mich. Jetzt umschleiche ich den Text aber schon eine ganze Weile und lese ihn immer und immer wieder. Ich möchte Dir also endlich meine Eindrücke vermitteln.

Die immer gleichen Zeilenanfänge spiegeln für mich die verlorenen Vertrautheit und auch ein Stück verlorenen Routine, die einem gut tat, wider. Die ersten Strophe kann mich vollkommen überzeugen, man sieht die Erinnerung des lyrIchs vor sich und gerade weil da keine Silhouette sitzt, spürt man, das etwas fehlt.
Die zweite Strophe wirkt auf mich zu starr und vor allem die Erinnerungsgruft zerstört meiner Meinung nach den ganzen Text. Die Verbindung der verschiedenen Metaphern ist Dir hier zwar gut gelungen, aber ich empfinde dieses schwere, starre und kalte als unpassend - es entsteht eine Distanz, die kein fühlen mehr erlaubt. Gefällt mir daher nicht so gut.
Die dritte Strophe gefällt mir eigentlich recht gut. Nur das Kino mag mir nicht ganz gefallen - weil ich da automatisch an eine zweite Person denke. Oder war das etwa deine Absicht?

Liebe Grüße,
Lymielle
"Ob Sie meine Sachen zu Kunst oder zu Scheiße erklären? - Who cares..."

Helmut Newton

Perry

Lyrisches Licht

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7

Friday, December 5th 2008, 2:48pm

Hallo Lymielle,
schön, dass dich der Text zum Nachdenken anregen konnte.
Wäre es nur ein "normaler" Abschied (LD geht ohne großen Abschied), dann gäbe ich dir mit der zweiten Strophe recht. Gerade in dieser wird aber die kalte Hand des Todes spürbar. Der letzte Vers ist deshalb eine Art verzeifeltes nicht Wahrhabenwollen, sie ist nicht tot, sondern nur kurz ins Kino gegangen.
Danke für deine intensive Auseinandersetzung mit meinen Zeilen und LG
Perry

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