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georg999

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1

Thursday, November 13th 2008, 3:07am

Stillstand

Erde steh still.
Mond verharre, die Sphären ruhn.
Sonne vergehe.
Verschmilz mit dem Horizont.
Bleib auf immer dies Morgenrot,
das so unerbittlich
die Nacht vom Throne stieß.
Mein Auge bricht.
Nun hat meine Welt
Beständigkeit.
Mein Moment
wird zur Ewigkeit.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

ursprüngliche Version, die im Sinn Strohpuppes bearbeitet wurde:

Erde steh still.
Mond verharre, die Sphären ruhn.
Sonne vergehe.
Verschmilz mit dem Horizont.
Bleib auf immer dies Morgenrot,
das so unerbittlich
Die Nacht stieß vom Thron.
Mein Auge bricht.
Nun hat meine Welt
Beständigkeit.
Mein Moment
wird zur Ewigkeit.
~

falls jemand über diese Flaschenpost stolpern sollte... wäre es gescheiter, das Dings zentriert auftreten zu lassen?

Strohpuppe

Moderator

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2

Thursday, November 13th 2008, 3:29am

guten Morgen, georg

ich wäre dafür, es unzentriert stehen zu lassen. Meine Vermutung war, dass die Zentrierung den Zeilen die Kraft rauben könnte, die Geradlinigkeit, da die Form "zerstückt" wird, man beginnt nicht immer an der gleichen "Linie", an diesem senkrechten Horizont. Habs auch mal in word ausprobiert mit Zentrierung, aber mir gefällts ohne wirklich besser.

edit: um den Inhalt in diesem Sinn zu unterstützen, könnte man "Beständigkeit" ein Stück weit einrücken und "Ewigkeit" ebenso weit. Dafür könnte "wird zur" noch in die Zeile davor zurück genommen werden.

ansonsten...:D ist das das erste Gedicht von dir in diesem Forum (dein senryu notturno mal ausgenommen), was mir gefällt :P
du fällst schon sehr aus deinem üblichen Stil heraus - für mein Lesen auf positive Art :P, der Rest klang mir oft zu gestelzt oder zu geschwollen :O das hier ist schlicht und ergreifend direkt :)

trotz der Kategorie kann (oder will?) ich nicht nur negatives daraus ziehen. ein leichter hoffnungsvoller Anklang bleibt mir im Hinterkopf. denn Ruhe, Beständigkeit ist wohl das, wonach man sich insgeheim manchmal sehnt (auch wenn ich jetzt nicht behaupten möchte, dass man das "mit allen Sinnen" tut) - mir persönlich ist in ruhelosen Situationen, wo mir viel zu viel Zeug im Kopfe ist, so, als müsste es irgendwann einen Riesenknall geben, der alles explodieren oder auffliegen lässt und einebnet in Losgelöstheit

am allerbesten gefällt mir die Sonne, die mit dem Horizont verschmelzen soll. Einnert mich ein wenig an Nachtmomente, wo der Mond einen Hof hat ^^, dieses leuchtende, seifenblasenartige Etwas, und manchmal ein dumpfes Rauschen in der Luft hängt wie von Turbinen. die Atmosphäre stelle ich mir ähnlich vor.

gern gelesen :)

edit: Eben fällt mir noch was ein. Die Wortstellungsverdrehung (Inversion? :D) "das so unerbittlich stieß die Nacht vom Thron" finde ich seltsam und unnötig. Man könnte doch stattdessen "das so unerbittlich die Nacht vom Throne stieß" nehmen?

Grüße
Maria
Du kannst gehn, aber deine Kopfhaut bleibt hier.

georg999

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3

Thursday, November 13th 2008, 3:55am

hallo strohpuppe,
vielen Dank für diese nächtliche Antwort (Replica notturna...) ja ja, ich weiß selbst dass ich zu Gestelzt-und Geschwollenheiten neige und versuche so gut es geht diese üblen Gesellen zu bekämpfen ... hin und wieder scheint es mir doch zu gelingen ... über die Thron stieß Wortstellung habe ich relativ lang gegrübelt... aber du hast wohl recht ...
Ich bin ja bestimmt nicht der erste der an dem Gedanken herumdenkt, dass im Moment des Todes die Zeit einfriert. Aber was hat man schon von der eingefrorenen Zeit ... alle Denkprozesse und Bewusstseinsinhalte sind natürlich zeitlich .... also nur eine belanglose Spielerei ... jedenfalls freuts mich, dass dir das eine oder andere Bild zusagt.
lg georg

Alexa

Blickdicht(erin)

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4

Thursday, November 13th 2008, 10:23am

Hallo georg,

ja, ich kann mich da weitestgehend meiner Vorposterin anschließen. Mal etwas anderes von dir, das auch mir gut gefällt. Durch Strohpuppes Vorschlag steht auch der Thron jetzt wirklich besser.
Was mir aber noch negativ in die Ohrmuschel dringt, ist folgendes: du schreibst
Erde steh still.
Mond verharre, die Sphären ruhn.
Sonne vergehe.
Verschmilz mit dem Horizont.
Bleib auf immer dies Morgenrot,

alles im Imperativ nur die Sphären dürfen machen was sie wollen? Vll. fällt dir da noch was ein.

Quoted


Aber was hat man schon von der eingefrorenen Zeit ... alle Denkprozesse und Bewusstseinsinhalte sind natürlich zeitlich

Denkst du unser Bewusstsein unser Denken hat etwas mit der Zeit hier auf der Erde zu tun? Könnten wir dann deiner Meinung nach nicht mehr denken, wenn die Zeit stehen bliebe?
Oder verstehe ich das jetzt falsch?

L.G
von Alexa
Mit dem Geist ist es wie mit dem Magen: Man kann ihm nur Dinge zumuten, die er verdauen kann.
(Winston Churchill)

Ich hier

Strohpuppe

Moderator

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5

Thursday, November 13th 2008, 11:06am

guten Tag ^^

Quoted

ja ja, ich weiß selbst dass ich zu Gestelzt-und Geschwollenheiten neige und versuche so gut es geht diese üblen Gesellen zu bekämpfen

:P ich drück dir die Daumen. Aber "nur", weil mir dein ansonsten üblicher Stil nicht zusagt, wollte ich damit nicht ausdrücken, dass er grundsätzlich schlecht sei oder so etwas. ?( Ist mir persönlich halt nur zu "klassisch". Wobei "klassisch" auch wieder ein relativ schwammiger Ausdruck ist. ;)

Quoted

Ich bin ja bestimmt nicht der erste der an dem Gedanken herumdenkt, dass im Moment des Todes die Zeit einfriert.

"Wer sieht? Wer spricht?"
ich glaube nicht, dass die Zeit einfriert. Wie soll sie das tun? ^^ Höchstens dann, wenn das Universum implodiert oder so. :) Ansonsten ist man halt ein menschlicher Körper weniger auf der Welt. Obwohl man das so auch nicht sagen kann - so viele Menschen, wie immer neu geboren werden... Jedenfalls kann doch die Zeit erst dann eingefroren sein, wenn eben nix mehr stattfindet (so wie Alexa es auf die Denkprozesse bezog), was Zeit verbraucht, also kein Denken, kein Wachsen, kein Freuen oder Trauern und nichtmal Verwesen. Alles eben. Dennoch finde ich dein Gedicht damit vereinbar - Da es Aufforderungen sind, wie Wünsche, und keine festgestellten Fakten.
Du kannst gehn, aber deine Kopfhaut bleibt hier.

georg999

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6

Thursday, November 13th 2008, 12:10pm

@alexa,
danke für deine zustimmenden Zeilen ... ich könnte jetzt obergscheit antworten ... die Sphären sind ja etwas grundlegend anderes als die im Text erwähnten lyrisch klingen sollenden Himmelskörper...
an den Sphären sind nach Vorstellung der Alten die Himmelskörper festgemacht ... der Einwurf "die Sphären ruhen" sollte in diesem Sinn eine Bekräftigung für Erde, Mond und dann auch die Sonne sein, dass ihnen gar nichts anderes übrig bleibt als stillzustehen. Soll auch der einfrierenden und damit sich um den Faktor unendlich (natürlich nur für das sterbende Lyrich) verlangsamenden Zeit entsprechen ...
aber ach, was plapper ich da deinem Kopf was vor, liebe alexa, wo doch die Ohrmuschel im Wege steht ... die Ohrmuschel verlangt wie du zu Recht sagst, etwas das sie ohne solche lehrerhaften Erläuterungen versteht, gewissermaßen wenn schon nicht aus dem Bauch, aber aus dem Ohrläppchen heraus. Deswegen sollte ich wahrscheinlich den Sphären einen Imperativ verpassen, etwa "Ihr Sphären, ruht"

@strohpuppe, ich sehe die Zeit als etwas sehr subjektives .... auch wenn man sie messen kann, auch wenn man sogar die relativistische Zeit ausrechnen kann ...
aber klarerweise ist es nur eine Gedankenspielerei, im letzten Nanosekündlein des Prots seine Zeit stillstehen zu lassen, denn niemand kann es nachprüfen.

lg georg

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

postpost

das Denken, alle Bewusstseinsmechanismen sind in den Augen der trockenen Wissenschaft elektrochemische Vorgänge, nicht wesentlich unterschieden von dem elektrochemischen Vorgang, der den Stoffwechsel des Einzellers steuert








lg georg

Perry

Lyrisches Licht

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7

Thursday, November 13th 2008, 1:22pm

Hallo georg,
bis auf das, dass hier mehrere Momente beschrieben sind, gefällt mir dieses Wunsch-Abschied-Nehmen ganz gut.
Gern gelesen! LG
Perry

georg999

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8

Thursday, November 13th 2008, 4:01pm

hi, perry,
danke für deine freundlichen Zeilen...
offenbar klingt es leider nach mehreren Momenten. Gemeint habe ich eigentlich nur den einen Moment, in dem das Bewusstsein erlischt und mit der Existenz auch Raum und Zeit aufhören zu bestehen, hier textmäßig reduziert auf das subjektiven Zerstieben des Ichseins als Zeitstillstand. Die großen Weltenuhren Erde, Mond Sonne erstarren.
lg
georg

Alexa

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9

Thursday, November 13th 2008, 6:51pm

Quoted

. ich könnte jetzt obergscheit antworten

Hallo,
ja, das könntest du, bringt aber nichts. :P
- eine Sphäre ist doch eine Hülle. Da ich aber jetzt nicht an die Vorstellung der Alten, dass die Planeten angeheftet seien, dachte, ruht diese Hülle ja nicht zwangsläufig, wenn sich die Himmelskörper nicht mehr drehen.
Nun ja, egal. Es ist jetzt meinem Ohr nicht so zuwider, dass es abfällt, wenn du da nichts änderst. =)

Quoted

Aber was hat man schon von der eingefrorenen Zeit ... alle Denkprozesse und Bewusstseinsinhalte sind natürlich zeitlich

Diese Zeit-eingefroren-Sache ist interessant. Theoretisch kann man die Zeit doch einfrieren und zwar, wenn ich mit Lichtgeschwindigkeit die Erde umrunden könnte. Dann würde die Zeit, rein theoretisch natürlich, doch stehen bleiben. Findet dann deiner Meinung nach kein Denkprozess mehr statt? Verrückte Gedankenspiele sind das, denn wenn ich weiter darüber nachdenke- wenn ich sterbe, bleibt für mich, so sagt man zumindest, auch die Zeit stehen ...also sicher nicht die Zeit des Körperverfalls, aber die des Denkens, des Wahrnehmens... :)

L.G.
Alexa
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Ich hier

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10

Thursday, November 13th 2008, 9:30pm

hallo georg ^.^
da alles essentielle zu deinem text schon gesagt wurde, beschränke ich mich darauf dir mitzuteilen dass ich dieses gedicht für sehr gelungen halte =)
thema und umsetzung finde ich sehr interessant!
wie oft im leben wünscht man sich die zeit anhalten zu können...schon fast ironisch dass es sich dann erst im tod erfüllt xD
liebe grüße
nighty
als ob Gefangenes sich drinnen rege,
das ein Entfernter groß zusammengreift.
(Rilke)

Tinus

Master

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11

Thursday, November 13th 2008, 10:52pm

Hi georg,

schließe mich nightmaredoll an. Mal ein Gedicht zu einem ernsten Thema, dass Dir (aus meiner bescheidenen Sicht) sehr gut gelungen ist. Ich finde, es ist völlig wurscht, ob die Zeit de facto nach dem Tod weitergeht, was sie natürlich munter tut. Entscheidend ist das rein subjektive einfrieren der Zeit, kurz vor dem endgültigen Ableben eines (wie ich annehme) attheistischen lyrich, wenn nochmal "bewusst" wird, dass es nun gleich aus ist mit dem Bewusstsein, für immer und alle Ewigkeit, aus ist mit der subjektiven Zeit. Dann friert die Zeit ein, der Moment wird zur Ewigkeit, gleichwie ein verzweifelter Versuch, die Ewigkeit zu überlisten, zu übertölpeln, sie auszutricksen, kurz vor dem endgültigen Aus.

Weiter so!

Tinus

georg999

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12

Friday, November 14th 2008, 7:01pm

Hi, liebe commentler,
@alexa ... ich dozier nicht gern durch die Gegend ... aber jetzt muss ich doch ein bisschen spezielle Relativitätstheorie rausdrucken ... ein Objekt auf Lichtgeschw. zu beschleunigen, ist grundsätzlich unmöglich ... also sagen wir fast-Lichtgeschw. (irgendwas, 99,99%) ... von der Erde aus gesehen würden sich alle Prozesse in diesem Objekt (Raumschiff) extrem verlangsamen, zB der Herzschlag des Astronauten. Für den Astronauten selbst verstreicht indes die Zeit völlig normal, wie gewohnt ... und .... er stirbt wie gewohnt, wenn ihm die Klingonen eine Thermitladung verpassen. Ein subjektives Erstarren der Zeit im Todesmoment ist hingegen freie Spekulation, spießt sich schon einmal damit, dass "man" üblicherweise nicht so momentan stirbt, sondern dass es wohl ein paar Hundertstelsekunden dauert, bis das Bewusstsein erlischt.
@nighty, lieben Dank für deine freundliche Beurteilung und erläuternden Hinweise
@tinus, lieben Dank für freundliche Beurteilung und erläuternde Hinweise (mir fallen keine gescheiteren Worte ein, du vergibst die Stereotypie bestimmt)

Quoted

Entscheidend ist das rein subjektive einfrieren der Zeit, kurz vor dem endgültigen Ableben eines (wie ich annehme) attheistischen lyrich, wenn nochmal "bewusst" wird, dass es nun gleich aus ist mit dem Bewusstsein, für immer und alle Ewigkeit, aus ist mit der subjektiven Zeit. Dann friert die Zeit ein, der Moment wird zur Ewigkeit, gleichwie ein verzweifelter Versuch, die Ewigkeit zu überlisten, zu übertölpeln, sie auszutricksen, kurz vor dem endgültigen Aus
. Allerdings konstruiere ich, lieber Tinus, diese Situation anders. Wenn die Zeit subjektiv im Sterbenden steckenbleibt, gibt es kein "Nachher" und damit kein "endgültiges Aus" mehr. Der Moment freilich wird, wie du mich völlig richtig interpretierst ... zur "Ewigkeit" ... allerdings zu einer Ewigkeit, die nichts mit dem naiven "Fortleben" zu tun hat, denn ein Leben, sei es auch das Fortleben, bedarf der zeitlichen Dimension.

lg g

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13

Friday, November 14th 2008, 11:56pm

.

Hallo georg999,

ich möchte zu Deinem Text, der mir sehr gefällt,
keinen weitschweifigen Kommentar schreiben.
Ein Bild soll genügen.

Katerchen






.
Dämmerungskrallen
Versonnen
Im Schilf
die Kätzchen
Eines Nußbaumes

georg999

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14

Saturday, November 15th 2008, 12:50am

Liebes Katerchen,
ich versuche sonst, so gut es mir halt gelingt, pathetische Worte zu meiden ... aber jetzt kann ich nur sagen ... ich bin tief bewegt.
Dieses großartige Foto für mein kleines Gedicht zu widmen, das ist schon etwas ... für mich Umwerfendes. Danke.

Angesichts dieses Bildes und der hinter ihm stehenden geistigen Potenz ... ja da glaubt sogar ein so notorischer Materialist wie ich etwas von einem übergeordneten geistigen Prinzip zu spüren, dessen wir teilhaftig sind.

lg g

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