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Date of registration: Dec 23rd 2006

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1

Sunday, November 2nd 2008, 9:33pm

Rote Briefe


Ein neuer Tag im alten Nebel,
der sein Licht vor mir verhüllt.
Der Wind schlägt um sich wie ein Säbel,
schneidet auch das letzte Blatt,

zerknüllt die hundert roten Briefe
vor mir auf dem Stadtasphalt.
Mir ist, als wenn ein jeder riefe:
lies mich! - und ist doch verhallt,

bevor ein Auge ihn erspäht,
bevor ein Ohr ihn hören kann.
Und doch ist alles übersät
von Liebe, die in ihnen stand.


Ach, würde nur ein Sturm es wagen,
eins der Blätter aufzulesen
und es zu Dir hin zu tragen:
grad vor Deinen Reisigbesen

auf den kalten Stadtasphalt.
Dir wär‘, als wenn Dir jenes riefe:
Lies mich! denn in Blattgestalt
bin ich wie hundert rote Briefe.

- - -

Ein alter Tag in neuem Licht,
an dem aus einem Ahornbaum
ein gelbes Blatt nach außen bricht:
Ein ahnungsloser Frühlingstraum….


RPK 021108
Sammelsurium: Werkesammlung


N.L.S.S.

Unregistered

2

Sunday, November 9th 2008, 11:43am

RE: Rote Briefe

hei aNFANGDe
es gefällt mir dieses Gedicht ,aber finde es hinaus gezogen in die länge was nicht nach meiner sicht es langweilig macht.

würd mal den 3. vers weg lassen
in dem 4. vers ist das wort Sturm sehr heftig (schüttel mich) dabei auch eine Windboehe dies genauso bringen kann.
dies würde ,hmm ja okay :thumbdown:, zarghafter harmonischer klingen
es ist meine Meinung und wenn ich es lesen kann ist es viel wert :thumbsup:

Ein neuer Tag im alten Nebel,
der sein Licht vor mir verhüllt.
Der Wind schlägt um sich wie ein Säbel,
schneidet auch das letzte Blatt,

zerknüllt die hundert roten Briefe
vor mir auf dem Stadtasphalt.
Mir ist, als wenn ein jeder riefe:
lies mich! - und ist doch verhallt,

bevor ein Auge ihn erspäht,
bevor ein Ohr ihn hören kann.
Und doch ist alles übersät
von Liebe, die in ihnen stand.


Ach, würde nur ein Sturm es wagen,
eins der Blätter aufzulesen
und es zu Dir hin zu tragen:
grad vor Deinen Reisigbesen

auf den kalten Stadtasphalt.
Dir wär‘, als wenn Dir jenes riefe:
Lies mich! denn in Blattgestalt
bin ich wie hundert rote Briefe.

- - -

Ein alter Tag in neuem Licht,
an dem aus einem Ahornbaum
ein gelbes Blatt nach außen bricht:
Ein ahnungsloser Frühlingstraum….


RPK 021108

Schneeflocke

Professional

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Posts: 372 wcf.user.activityPoints: 1,900

Location: Märchenland

3

Sunday, November 9th 2008, 1:29pm

Hallo AE,
ein melancholisches Herbstgedicht präsentierst du uns hier, das mich positiv anspricht.
Der Frühling (letzte Str.) in der Verbindung mit dem gelben Blatt passt aber meiner Meinung nach weniger gut in den Kontext.
Gelb verbinde ich eher mit dem Sommer und Sonne...Naja, auch die Blätter färben sich in Herbst gelb, aber wie bist du in dieser Zusammenhang auf Frühling gekommen... ?
In der 3. Str. und 5. Str. arbeitest du mit unechtem Reim... aus welchem Grund?
Sonnst gern gelesen.

Grüße
Schneeflocke
"Der Unterschied zwischen mir und einem Verrückten besteht darin, dass ich nicht verrückt bin."
Salvador Dalí

Alexa

Blickdicht(erin)

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Posts: 1,534 wcf.user.activityPoints: 8,395

Location: von draußen vom Walde...

4

Friday, December 19th 2008, 3:13pm

Hallo Roland,

jetzt steht dein Gedicht schon etwas länger hier und jedes Mal, wenn ich es las, stach mir der Titel erstmal unangenehm ins Auge. „Rote Briefe“ war für mich wie blaue Briefe aus der Schule, oder erinnerte mich an kitschige rote Herzchen. Aber ich habe mich jetzt genauer mit deinem Text auseinandergesetzt und nach meiner Analyse, passt sogar der Titel ganz gut.

die ersten beiden Strophen weisen hier eine gleichbleibende Form- Wechsel von Jambus/Trochäus und einen regelmäßigen Wechsel der Kadenzen, auf.
Ab Strophe drei Form-Abweichung -durchgehend Jambus/ männliche Kadenzen und ein stoppen des Strophenenjambements.
Strophe vier- Trochäus/ w. Kadenzen mit Enjambement in die
fünfte Strophe: anfängliches Versmaß wieder aufgenommen.

In der letzte Strophe nach der Zeitspanne, die hier durch Auslassungspunkte gekennzeichnet ist, durchweg Jambus u. männliche Kadenzen.
Der fehlende Reim in Strophe drei Z.2 u 4 (kann- stand), ist, zumindest für mich, ohne Bedeutung. In Strophe fünf kann ich allerdings keinen unsauberen Reim entdecken.

Ich lese hier in den ersten Strophen von Sehnsucht nach Vergangenem. Es kann die Sehnsucht nach Liebe und/oder auch nach dem vergangenen Sommer sein- was sich ja sowieso sehr schön vereinbaren lässt. Sommer/Wärme und Liebe - Herbst/Kälte und Abschied
Sehr beeindruckend finde ich die dritte Strophe, in der du durch Abweichung des vorangehenden Versmaßes echt klasse diese Sehnsucht im LI hervorhebst. Die wird hier ganz deutlich und ich lese Hilflosigkeit/ ein nicht festhalten können der Vergangenheit, ein mit leeren Händen zurückbleiben. Schön wie das hier funktioniert. Die Anapher( Z9u.10)unterstreicht das noch zusätzlich. Das noch in den vorigen Strophen angewandte Strophenenjambement fehlt hier, was ein Umlenken der Gedanken andeuten kann. Bis hierher meine absolute Lieblingsstrophe.

In Strophe vier- durch die w Kadenzen- unterstreichst du gut, wohin die Gedanken hier schweifen. Allerdings tendiere ich zu einem um statt und zu Anfang der vorletzten Zeile (Z15)
Mit dem „Reisigbesen“ (z.16) hatte ich allerdings erstmal etwas Probleme. Er wollte mir anfangs einfach nicht in diese tiefe Sehnsucht des LI passen, da ich den Reisigbesen zuallererst mal mit Hexen in Bezug bringe. Aber, ich denke mittlerweile, da auch der Sprung zur nächsten Strophe Kälte aussendet, dass es sogar von dir intendiert war, hier das Verflossene als “ Hexe“ zu betiteln, da sie, die verflossene Liebe oder auch der Sommer (auch da passt der Reisigbesen zum Laubfegen) LI ja auf eine ganz eigene Weise verzaubert hat. Ich verstehe es also hier eher als ein nicht negativ besetztes Wort, was natürlich nicht zwingend so sein muss. Das Gegenteil wäre auch durchaus denkbar.

In Strophe fünf deutet das Metrum wieder auf ein “ so ist das Lebens“ hin- du greifst hier die anfängliche Form wieder auf. LI scheint sich zu wünschen, dass auch LyrDu doch diese Sehnsucht spüren möge. Das Wort „Stadtasphalt“ mit dem vorangestellten Attribut (kalt) sehe ich als eine nicht unbedingt förderliche Redundanz. Hätte es eigentlich nicht gebraucht, da der Asphalt im Allgemeinen doch als kalt empfunden wird. Aber gut, womöglich war dir das hier zur Hervorhebung schon wichtig, aber die Wiederholung (Stadtasphalt Z6 u17) will mir hier nicht wirklich gefallen, denn m.E wird diesem Wort damit Ausdruckskraft genommen.

Nach der Zeitspanne, die du hier ja ganz offensichtlich kennzeichnest, kehrt dann, sowohl im Inhalt, wie auch in der Form, Ruhe ein. Hoffnung auf Neues keimt, gut zu erkennen an dem Durchbruch des Blattes. Die Farbe Gelb wird ja allgemein mit Neid in Verbindung gebracht, impliziert aber genauso etwas Frisches, Neues. Schön auch, dass du gerade den Ahornbaum dessen Zweigen man ja nachsagt, sie vertreiben böse Geister, gewählt hast. Ich meine auch, der Ahorn ist der Baum des Jahres 08.
Der "ahnungslose Frühlingstraum" bildet hier einen runden Abschluss, der zudem noch sehr zerbrechlich wirkt, was wiederum die Auslassungszeichen berechtigt.

Alles in allem ein schönes Gedicht. Einzig die Wiederholung des Wortes Stadtasphalt und die dritte Zeile aus Strophe eins, die sprachlich doch etwas ungelenk bei mir ankommt, gefallen mir hier weniger. Was ich aber absolut gelungen finde ist, wie du Inhalt und Form in Einklang bringst. Die Strophenenjambements, das wechselnde Versmaß, doch das hast du klasse hinbekommen.
Mein absolutes Lieblingsbild: die zerknüllten roten Briefe auf dem Asphalt, den ich ja, wie schon oben angedeutet, mit etwas kaltem assoziiere. Dieser Gegensatz birgt eine wunderschöne Traurigkeit in sich.

sehr gern gelesen und drüber nachgedacht hat
Alexa =)

Nachtrag zu dem fehlenden Reim in der dritten Strophe: im Zusammenhang lässt sich der fehlende Reim hier noch mit - leeren Händen zurückbleiben/ Gefühl etwas verloren zu haben- erklären
Mit dem Geist ist es wie mit dem Magen: Man kann ihm nur Dinge zumuten, die er verdauen kann.
(Winston Churchill)

Ich hier

Lymielle

Moderator

Date of registration: Jan 31st 2007

Posts: 1,494 wcf.user.activityPoints: 8,225

5

Friday, December 19th 2008, 7:17pm

Hallo AE,

ich möchte hierzu gar nicht sonderlich viel sagen. Die Bilder sind dir wunderbar gelungen und ich habe nur an einer kleinen Stelle zu meckern:

Quoted

auf den kalten Stadtasphalt.
Dir wär‘, als wenn Dir jenes riefe:
Lies mich! denn in Blattgestalt
bin ich wie hundert rote Briefe.

Den wiederholten Stadtasphalt hast Du da gut gesetzt, das ist perfekt.
Das doppelte "Dir" in der zweiten Zeile gefällt mir nicht. Vor allem wenn man es laut liest, stört es. Man wundert sich erstmal und ich hatte das Gefühl, etwas an dem Satz wäre falsch. Aber eigentlicht es es richtig - man stolpert einfach nur darüber.

Ansonsten hat mich dieser Text unheimlich berührt. Wie ein farbiger Herbstwind. Danke.

PS: mir ist gerade noch aufgefallen, dass das "und ist doch" und "und doch" so aufeinanderfolgend in S1 + 2 auch etwas holprig ist.
"Ob Sie meine Sachen zu Kunst oder zu Scheiße erklären? - Who cares..."

Helmut Newton

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