Katerchen, dies ist mir ein Wunder-Text ... und ein wunder Text - im Sinne von einem, der so viel emotionale Direktheit und Nähe transportiert, dass man ihn ganz behutsam und vorsichtig lesen möchte, um ihm durch ein interpretierendes Lesen nicht weh zu tun.
Ein nicht sehr oft bedichtetes Thema.
Das jeden, der denkend mitliest, anrühren muss (wie ja auch die Komments beweisen).
Du hast ein paar wunderbare Formulierungen gefunden, in denen sich Bildvorstellungen mit lyrischen Klängen in großer Wärme verbinden.
Doch bleibt mir im Gesamt-Fazit des Textes nicht nur ... nicht in erster Linie "Wärme" übrig.
Natürlich, von der Atmosphäre her. Was die Grundkostellation gegenüber der Mutter angeht.
Aber letzte Zeile
"hat sie mich losgelassen und sich abgewandt." - das klingt für mich auch unversehens irgendwie bitter. Unabsichtlich, unterschwellig ... aber dennoch.
Da sitzt irgendwo ein kloßiges Brennen im Hals.
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Dein Einstieg Z. 1/2 ist mE bestens gelungen!
Und dann geht es mit einer exquisit ziselierten Sprache weiter, wie wir sie an Dir schätzen gelernt haben. Und nur an Dir.
Nur in Str. 2, Z. 3/4 stehe ich etwas ratlos:
"das Hier und Dort als auch die ungezählten Fragen
mir dienlich waren, zu erkennen, wer ich bin. "
Ist ein substantiviertes "Hier und Dort" gemeint mit Artikel?
Oder sollte es eine Konjunktion "dass" sein? Die Wiederholung der Nebensatz-Konstruktion?
Das "als" ... es mag wohl nicht von einem gedachten "sowohl - als auch" kommen.
Oder ist gemeint: waren dienlich als was? - als ungezählte Fragen (nee, das klappt nicht ... ich muss es anders lesen).
Ich lese die beiden Zeilen - ganz problemlos so:
"das Hier und Dort wie auch die ungezählten Fragen
mir dienlich waren zu erkennen, wer ich bin."
(Bei einem nicht-erweiterten Infinitiv mit zu braucht's kein Komma.)
So lese ich diese Zeile als ebenfalls abhängig von dem "sie weiß auch, /
daß" (das "daß" muss ja nicht mehr wiederholt werden.)
Und die letzte Strophe läuft wieder ganz exquisit ihrem kraftvoll packenden Ende zu.
Katerchen, genau das ist so ein Gedicht, das ich im Sinn gehabt haben könnte, als ich mir meine "Scream of the Butterfly"-Gedanken gemacht habe.
Genaus diese Qualitäten sind hier exemplarisch zu finden.
Und das Ganze in Deiner ur-eigenen so
entspannten Rhythmisierung und Klanglichkeit.
Und das Loslassen am Ende ist auch eine Form der Lösung von Spannung.
Nun ganz entspannte Grüße,
Odra.