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Stigma

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1

Friday, August 22nd 2008, 3:22pm

Geisterstunde

Mein Haar ist verblasst, die Stirn
zerfurcht, auch das Lächeln
hat sich eingegraben.

Im Fenster spiegelt sich der schwache
Mond und weckt die alten Geister:
Sie lauern hinter den Lidern,

Sie leben im Duft
des Eau de toilettes und jagen
mich durch die Zeit meines Lebens.

Ich locke sie, lass’ mich von ihnen
necken, erschrecken. Dann duck’ ich mich
weg – wie im Spiel.

Es ist ein Spiel
geworden, denn mein Haar ist längst
grau. Doch die Augen leuchten

noch immer.
Ganz neu:
Geisterstunde


die besten "Ergüsse" erarbeitet man fast nie ...die überfluten einen einfach wie das Leben...es ist wie beim Sex ...wenn man nicht mal dran denkt, beamt es einen einfach weg.

DerWortspieler, 29-07-07

sanscryt

einfach nur franz

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2

Thursday, October 2nd 2008, 9:57am

Hallo Stigma,

schade das noch iemand auf deinen Text gepostet hat, denn den habe ich gerade durch Zufall via wersOnline gefunden.

Mein Haar ist verblasst, die Stirn
zerfurcht, auch das Lächeln
hat sich eingegraben.


na die Strophe ist wohl mein absolutes Liebling in deinem Gedicht. Das Eingraben um das Lächeln herum
kommt echt gut, und lässt die Bilder in viele Richungen schweifen, welche dann doch alle den
selben Nenner haben.

Im Fenster spiegelt sich der schwache
Mond und weckt die alten Geister:
Sie lauern hinter den Lidern,


Hier habe ich das Bild einer hinter dem Fenster stehenden Person, welche den Mond betrachtet.
Ein sehr ruhiges Bild, welches durch die Geister fein komplettiert wird.
Die Lust der Sache halber scheint dein lyrIch hier zu packen...

Sie leben im Duft
des Eau de toilettes und jagen
mich durch die Zeit meines Lebens.


denn das Eau de Toilette werte ich irgendwo in nostalgischem Sinne.
Zumindest kann ich mir sehr wohl mit einem bekannten Geruch eine Person oder ähnliches zu verbinden.

Ich locke sie, lass’ mich von ihnen
necken, erschrecken. Dann duck’ ich mich
weg – wie im Spiel.

Es ist ein Spiel
geworden, denn mein Haar ist längst
grau. Doch die Augen leuchten

noch immer.


Die letzten beiden Strophen haben etwas spielerisches an sich, dem man aber einen schweren Beigeschmack anmerkt,
denn du und deine Erinnerungen und Bilder, ihr jagt euch gegenseitig und habt Spaß. Das jedoch bis zu diesem einen Punkt,
an welchem du abrupt abrichst.
Dein Haar ist schon grau, und du scheinst ermüdet, doch die Augen leuchten noch immer,
nach dem was du so gernen möchtest.
Auf den ersten Metern hatte ich einen fröhlichen Text vor den Guckern,
doch jetzt finde ich das Ganze hat etwas sehr schweres an sich, das man natürlich auch in Richtung Hoffnung und Sehnsucht deuten kann!

Der Form halber finde ich die Kombination aus vers libre und Terzetten nicht so gut, denn dem Freien (was der frei Vers sein möchte) kann ich
mich in Zerhacktem (die Terzette) nur schwer hingeben.
Aber das ist sicherlich auch nur eine weitere Frage des persönlichen Gusto.

Ein sehr schönes Gedicht!

Alles Gute, sanscryt

zephyr - beeblebroxed

einfach nur franz


Schneeflocke

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Location: Märchenland

3

Thursday, October 2nd 2008, 11:56am

Hallo Stigma,
ich bin von deinem Gedicht sehr angetan. Es erinnert mich entfernt an ein Gedicht, das ich dieses Jahr geschrieben habe.
Du hast das Thema inhaltlich wirklich wunderbar verarbeitet.
Hier sieht man jemanden, der in seinen alten Tagen immer noch jung geblieben ist, mit einem jugendlichen Schalk in den Augen. Wunderschön!
Gerne gelesen und geschmunzelt. Hier stört mich sprachlich und inhaltlich gar nichts, deswegen kann ich nicht meckern... ^^

begeisterte und schmunzelnde Grüße
Schneeflocke

.
"Der Unterschied zwischen mir und einem Verrückten besteht darin, dass ich nicht verrückt bin."
Salvador Dalí

Stigma

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4

Friday, October 3rd 2008, 3:53pm

Hallo ihr zwei,

vielen Dank für eure Kommentare. Ich habe das Gedicht vor ein paar Tagen schon überarbeitet, bin nur noch nicht dazu gekommen, es auch hier zu posten. Also, was haltet ihr von der neuen Version?

2 ½ te Version

Mein Haar ist verstaubt,
die Stirn zersprungen,
auch das Lächeln hat sich eingegraben.

Im Fenster spiegelt sich der schwache
Mond und weckt die alten Geister:
Sie lauern hinter den Lidern,

sie wohnen im Duft
des Eau de toilettes und jagen mich
durch die Zeit meines Lebens.

Ich locke sie, lass’ mich necken,
erschrecken. Dann duck’ ich mich
weg – wie im Spiel.

Es ist ein Spiel
geworden, denn mein Haar ist
längst grau.
Doch meine Augen leuchten.
Ganz neu:
Geisterstunde


die besten "Ergüsse" erarbeitet man fast nie ...die überfluten einen einfach wie das Leben...es ist wie beim Sex ...wenn man nicht mal dran denkt, beamt es einen einfach weg.

DerWortspieler, 29-07-07

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