Reiche mir den
Salzstreuer
und streue Licht
auf das freigelegte, nackte Herz,
es schüttelt sich,
aber sträubt sich nicht,
es freut sich,
erhellt es; erhält es
so doch mal Geschmack.
xxXxxXxxXxx xX
XxXx
Xxx
xXxX
xxXxXxXxX
xXxX
xxXxX
xXx
xXx xXx
xXxxX
hallo Cipro
da sah ich mich sofort beim Kaninchenschlachten, obwohl ich das jetzt schon über zwanzig Jahre nicht mehr gemacht habe. ein aktives freigelegtes Herz lässt immer innehalten. zwar glaube ich nicht, dass Streusalz eine Reaktion auslösen würde, aber selbstverständlich lief mir, beim lesen, gleichzeitig auch die metaphorische Ebene mit, und gerade diese Verquickung zwischen Metaphorik und nackter Anatomie manövriert mir deine Schreibe über das gefährliche Riff des Trivialen in die ruhige Bucht des Gefallens. schön gemacht. insbesondere die Aufforderung "streue Licht" gefällt mir sehr, leitet sie doch gelungener Weise die angesprochene Verquickung ein.
wunderbar auch die klangliche Wiederholung "erhellt es" / "erhält es" mit der Zäsur dazwischen: schöner lässt bumpernder Herzschlag wohl kaum onomatopoetisch aufhorchen. bravo!
zwei, drei Kleinigkeiten hätte ich vielleicht anders gemacht:
- das "und" aus der Lichtstreuzeile würde sich gleich nach dem "Salzstreuer" vielleicht besser machen. dann dürfte die überaus gelungene Aufforderung "streue Licht" ohne Bindewort und mit Hebung zu Beginn, alleine prangen. ausserdem wäre es eine grammatikalische Konkordanz zur ersten Zeile, wo du auch nicht nach "Reiche mir" herunterbrichst auf "den Salzstreuer". mein Vorschlag also:
Reiche mir den
Salzstreuer und
streue Licht
- nach "Herz" würde ich einen Punkt setzen oder einen Gedankenstrich. das Komma erscheint mir zu wenig pausierend und orthographisch zweifelhaft.
- in der letzten Zeile würde ich das "doch" streichen. es würde zur Verdichtung gereichen und ausserdem würde es die anfängliche, auffordernde Betonung aus den Zeilen 1, 2, 3(?) auf der ersten Silbe wieder aufnehmen.
ansonsten bleibt mir nur, mich für die Präsentation zu bedanken.
Gruß
Alcedo