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Alexa

Blickdicht(erin)

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Location: von draußen vom Walde...

1

Wednesday, January 30th 2008, 4:13pm

Es ist

Es ist wie ein Warten
sagt sie
Ein Warten
am Fenster
lange schon kittlos
die roten Steine
grau verputzt
nur vereinzelt
blinzelt noch
altes Eisen
zwischen Distel und Schachtelhalm
zerfällt schwarzes Eichenholz
Es ist wie ein Warten
sagt sie
Ein Warten
auf den Takt
der Räder
der den Rost
von den Schienen wischt
Es ist wie das Warten
auf ein Signal
aus der Ferne


Lymielles Vorschlag ohne das Eichenholz

Es ist wie ein Warten,
sagt sie.
Ein Warten
am Fenster.
Lange schon kittlos.
Die roten Steine
grau verputzt.
Nur vereinzelt
blinzelt noch
altes Eisen
zwischen Distel und Schachtelhalm.
Es ist wie ein Warten,
sagt sie.
Ein Warten
auf den Takt
der Räder,
der den Rost
von den Schienen wischt.
Es ist wie das Warten
auf ein Signal
aus der Ferne.
Mit dem Geist ist es wie mit dem Magen: Man kann ihm nur Dinge zumuten, die er verdauen kann.
(Winston Churchill)

Ich hier

Lymielle

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2

Monday, March 10th 2008, 1:58pm

Hallo Alexa,

jetzt habe ich das Dingens hier seit Wochen im Auge und niemand schreibt was dazu. Sowas darf auf keinem Fall in den Null-Reply-Tiefen des Forums versinken. ;)

Hier erzeugst Du eine graue, blasse Stimmung, in der das Zeitgefühl verloren scheint, hier ist ein ewiges warten auf etwas, das nie (zurück)kommen wird. Ich finde deinen Text unglaublich stark und er lässt mir als Leser keine Flucht, kein Entkommen von der ergreifende Trauer. Auch die Wiederholungen sind hier nicht störend, sondern verstärken nur diese Ewigkeit des Ausblicks.
Den Titel finde ich trotz seiner Schlichtheit sehr passend. "Es ist", die kleine Motivation weiter zu warten, eine Hoffnung die eigentlich gar nicht mehr lebt, sondern sich nur noch als Leiche im Gemüt breit macht, einen aber nicht loslässt.

Zwei kleine stellen habe ich aber zu kritisieren:

Quoted

altes Eisen
zwischen Distel und Schachtelhalm,
zerfällt schwarzes Eichenholz.

Die mittlere Zeile kann man sowohl auf die vorhergehende, als auch auf die nachfolgende beziehen. Das Komma sagt eigentlich, dass sie zur oberen Zeile gehört. Aber eben dieser Fluss, mit dem Du oft auch in anderen Texten arbeitest, erscheint mir hier unpassend. In deinem Text bringst Du sogar die Starre der wartenden Glieder rüber, und hier verliert es an Schwere. Ich würde nach Schachtelhalm einen Punkt setzen und die folgende Zeile umformulieren. Zu sowas zum Beispiel: Schwarzes Eichenholz zerfällt. :S Oder auch nicht. Eventuell empfinde ich diese Zeile sogar als entbehrlich. :rolleyes:

Quoted

Ein Warten
auf den Takt
der Räder,

Ich weiß zwar, was Du mit dem "Takt der Räber" meinst und es kommt auch rüber, aber es erscheint mir nicht vollkommen treffend. Stehen lassen, kann man es trotzdem.


Und zum Schluss noch meine Lieblingsstelle:

Quoted

Die roten Steine
grau verputzt.
Nur vereinzelt
blinzelt noch
altes Eisen
zwischen Distel und Schachtelhalm,

Die ersten zwei Zeilen habe ich sofort mit "Gesteinsschichten, Lagen der Zeit" assoziiert. Das ist einfach toll. Aber auch mit dem verblassen der Farbe.
Dass das Eisen blinzelt finde ich auch wunderbar - wie aus einem Traum, ermüdet, ungreifbar für die Wirklichkeit. Und Distel und Schachtelhalm stehen irgendwie im krassen Gegensatz: der Schachtelhalm hat auch das Zerbrechliche, aber auch das Freie, das Feine eines Traums und dazu ganz krass die Distel, eventuell als Bild für die Realität.

Du arbeitest das ganze Gedicht durch mit so wunderbaren Bildern, die den Leser mit einer Assoziationswelle überfluten, im positivsten Sinne. Denn alles bleibt einheitlich und fügt sich wunderbar in die Grundstimmung des Textes ein.

Das ist alles so wunderbar. :love:


PS: dein Dingens hier hat es in meine Perlentaucherliste geschafft. ;)



Danke hierfür!

Liebe Grüße,
Lymielle
"Ob Sie meine Sachen zu Kunst oder zu Scheiße erklären? - Who cares..."

Helmut Newton

Alexa

Blickdicht(erin)

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3

Sunday, April 13th 2008, 4:41pm

Hallo Lymielle

sorry für die späte Antwort, aber du weißt ja...
Du hast ein fast erschreckend gutes Gespür für fremde Texte, weißt du das eigentlich?
Auch mit dem Eichenholz hast du recht. Jetzt, wo ich selber etwas Abstand zu meinem Text gewonnen habe, fällt mir das auch auf. Ich werde mir den Text nochmals vornehmen und bearbeiten. Ob ich das Eichenholz jetzt rausnehme, weiß ich noch nicht. Es sollte hier ja etwas, das eigentlich ewig halten sollte und jetzt doch zerfällt, darstellen.

danke für die Aufnahme des Textes in deine Perlen. Das freut mich sehr.
L.G.
Alexa
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Lymielle

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4

Wednesday, September 3rd 2008, 2:48pm

Es ist - stimmig

Ich hoffe, es ist nicht zu leise und funktioniert. :)
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Helmut Newton

Alexa

Blickdicht(erin)

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5

Wednesday, September 3rd 2008, 11:00pm

Hallo Lym,
hey, Danke! Hast du es also doch noch vertont.
ja, es ist ein bisschen leise, aber ich kann ja lauter machen ;)
Schön, wenn man seinen eigenen Text vorgelesen bekommt. Und dann noch von so einer tollen Stimme. :thumbup: Danke!
Du hast ja das Eichenholz drin gelassen. y)

L.G.
Alexa
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Lymielle

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6

Thursday, September 4th 2008, 8:15am

Hallo Alexa,

freut mich, dass es Dir gefällt. Das war schließlich meine Absicht... :)
...und deshalb habe ich das Eichenholz auch drin gelassen.

Liebe Grüße,
Lymielle
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