Hallo Alexa,
jetzt habe ich das Dingens hier seit Wochen im Auge und niemand schreibt was dazu. Sowas darf auf keinem Fall in den Null-Reply-Tiefen des Forums versinken.
Hier erzeugst Du eine graue, blasse Stimmung, in der das Zeitgefühl verloren scheint, hier ist ein ewiges warten auf etwas, das nie (zurück)kommen wird. Ich finde deinen Text unglaublich stark und er lässt mir als Leser keine Flucht, kein Entkommen von der ergreifende Trauer. Auch die Wiederholungen sind hier nicht störend, sondern verstärken nur diese Ewigkeit des Ausblicks.
Den Titel finde ich trotz seiner Schlichtheit sehr passend. "Es ist", die kleine Motivation weiter zu warten, eine Hoffnung die eigentlich gar nicht mehr lebt, sondern sich nur noch als Leiche im Gemüt breit macht, einen aber nicht loslässt.
Zwei kleine stellen habe ich aber zu kritisieren:
altes Eisen
zwischen Distel und Schachtelhalm,
zerfällt schwarzes Eichenholz.
Die mittlere Zeile kann man sowohl auf die vorhergehende, als auch auf die nachfolgende beziehen. Das Komma sagt eigentlich, dass sie zur oberen Zeile gehört. Aber eben dieser Fluss, mit dem Du oft auch in anderen Texten arbeitest, erscheint mir hier unpassend. In deinem Text bringst Du sogar die Starre der wartenden Glieder rüber, und hier verliert es an Schwere. Ich würde nach Schachtelhalm einen Punkt setzen und die folgende Zeile umformulieren. Zu sowas zum Beispiel:
Schwarzes Eichenholz zerfällt. 
Oder auch nicht. Eventuell empfinde ich diese Zeile sogar als entbehrlich.
Ein Warten
auf den Takt
der Räder,
Ich weiß zwar, was Du mit dem "Takt der Räber" meinst und es kommt auch rüber, aber es erscheint mir nicht vollkommen treffend. Stehen lassen, kann man es trotzdem.
Und zum Schluss noch meine Lieblingsstelle:
Die roten Steine
grau verputzt.
Nur vereinzelt
blinzelt noch
altes Eisen
zwischen Distel und Schachtelhalm,
Die ersten zwei Zeilen habe ich sofort mit "Gesteinsschichten, Lagen der Zeit" assoziiert. Das ist einfach toll. Aber auch mit dem verblassen der Farbe.
Dass das Eisen blinzelt finde ich auch wunderbar - wie aus einem Traum, ermüdet, ungreifbar für die Wirklichkeit. Und Distel und Schachtelhalm stehen irgendwie im krassen Gegensatz: der Schachtelhalm hat auch das Zerbrechliche, aber auch das Freie, das Feine eines Traums und dazu ganz krass die Distel, eventuell als Bild für die Realität.
Du arbeitest das ganze Gedicht durch mit so wunderbaren Bildern, die den Leser mit einer Assoziationswelle überfluten, im positivsten Sinne. Denn alles bleibt einheitlich und fügt sich wunderbar in die Grundstimmung des Textes ein.
Das ist alles so wunderbar.
PS: dein Dingens hier hat es in meine Perlentaucherliste geschafft.
Danke hierfür!
Liebe Grüße,
Lymielle
"Ob Sie meine Sachen zu Kunst oder zu Scheiße erklären? - Who cares..."
Helmut Newton