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Odradek

Master

Date of registration: Mar 9th 2007

Posts: 727 wcf.user.activityPoints: 4,605

Location: reine Fiktion

Occupation: (Un-)Sinnspule

1

Friday, December 14th 2007, 12:46pm

Melodie in Dunkelblau

.

An dunklen Tagen schweigt das Land.
Die Stille stört das Leben nicht.
Wem reiche ich da meine Hand?

Wer hat den Ton in mir erkannt?
Der Klang verdichtet sich zu Licht;
an dunklen Tagen schweigt das Land.

Nur langsam dämmert auch der Rand.
Die Mitte formt sich zum Gesicht:
Wem reiche ich da meine Hand?

Das Rot, das tief im Westen stand,
glüht einmal noch, bevor es bricht
... an dunklen Tagen schweigt das Land.

Was hat dich nur als "Mensch" benannt?
Das ruft zu einer tiefen Pflicht:
Wem reichst du, sag mir, deine Hand?

Und alles, was ich nicht verstand,
ich schloss es ein in ein Gedicht.
An dunklen Tagen schweigt das Land.
Wem reiche ich dann meine Hand?


.
Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt.
(Afrikanisches Sprichwort)

ruelfig

Master

Date of registration: Nov 6th 2006

Posts: 632 wcf.user.activityPoints: 3,395

Location: Von

Occupation: Ökologische Ausgleichsfläche

2

Saturday, December 15th 2007, 11:14pm

Aaahh, endlich wieder eine Villanelle. Und dann noch Feinkost. Vom "ich" zum "du" und wieder zurück, Treue lese ich in dunklen Zeilen, ein langsames Annähern.
Sehr schön gelungene Variationen. Einziger Fragepunkt: das "Was" und das "Das" aus S5, Z1 und Z2. Erschließt sich mir nicht, da bitte ich um ein Schubsen in die "richtige" Richtung. Und das "Ich" in der letzten Zeile lese ich grossgeschrieben, wg der Betonung.
Fein, fein,
Liebe Grüße,
R
Gegenismen

Date of registration: Jan 8th 2006

Posts: 589 wcf.user.activityPoints: 3,185

Location: Faithland- Niedersachsen

3

Sunday, December 16th 2007, 10:45am

Morgen Odradek,
ich muss sagen, dein gedicht erinnert mich ein wenig an Hell und Dunkel :-)
Ich fass mich mal kurz, ich finde schön, wie du die betrübte Stimmung eingefangen hast, da man nicht weiß wie es weitergeht, aber das Leben so oder so weiter geht, egal wie dunkel es ist.

Quoted


Was hat dich nur als "Mensch" benannt?


Am besten finde ich diese Zeile, auch wenn ich sie selbst nicht in passende Worte fassen kann.

Liebe Grüße
Faithlight
~Glaubenslicht~

Date of registration: Dec 16th 2006

Posts: 525 wcf.user.activityPoints: 3,040

Location: Neuseeland

Occupation: Schwarzbuntes verstreuen

4

Sunday, December 16th 2007, 7:52pm

Hallo Odra.

Ich lese hier die Melancholie der viel zu kurzen WIntertage, der ewig langen und dunklen Nachmittage bzw. Abende. Das Gefühl, dass der Tag schon wieder zu Ende ist, bevor er richtig angefangen hat und die Sehnsucht nach einem "Du" im Leben, an das man sich kuscheln kann, wenn es draußen kalt und grau ist. Ich finde die Villanellenform sehr passend, sie hat irgendwo etwas Spielerisches, das "Hey, es wird auch wieder Frühling!" sagt und trotzdem diese Wintertraurigkeit zulässt.
Ich schließe mich Rolfs Fragerei an, was das "Was" und das "Das" angeht.
(Ein Tipp meinerseits wäre das Gefühl, was uns als Herdentier "Mensch" auszeichnet. Meinst du die Liebe?)

Gern gelesen und liebe Grüße,
raba
Wir müssen nur wollen.

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