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Alexa

Blickdicht(erin)

Date of registration: Dec 15th 2006

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Location: von draußen vom Walde...

1

Monday, December 10th 2007, 12:10pm

Feldpost

gebündelte Erinnerungen
in der Schublade
lagen noch ihre Tränen
in Papier
gefaltet
aus schwarzer Tinte
ein Schmetterling
Mit dem Geist ist es wie mit dem Magen: Man kann ihm nur Dinge zumuten, die er verdauen kann.
(Winston Churchill)

Ich hier

Ralph

Intermediate

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Location: Mosbach (BaWü)

2

Monday, December 10th 2007, 12:58pm

Hallo Alexa,

irgendwie entsteht bei mir beim Lesen der letzten Zeile die Vorstellung eines Klecksbildes (Link).
Während "sie" die "gebündelten Erinnerungen" niederschrieb, entrollten ihr im Moment emotionaler Gerührtheit Tränen, die das Blatt benetzten und beim Falten bzw. Umblättern der Seiten eben das Klecksbild eines Schmetterlings entstehen ließ.

Der Schmetterling ist als Sinnbild metaphorisch sehr bedeutungsschwanger.
Beschwingte Zartheit, Losgelöstheit von der Erde Grund und letztlich auch den metamorphosen Aspekt, Rückzug und Wandlung zum Schöneren.
Vielleicht könnte man aus diesem "Bilderpool" konkrete Formen noch zum Ausdruck bringen, da Schmetterling stückweit allgemeiner Schauplatz ist und oft schon Stereotypen in sich birgt.

"Blaue" Tinte fände ich vielleicht einen Tick besser, da es das Hoffnungsvolle suggeriert, was dem Schmetterling näher kommt.
"Schwarze" Tinte trägt in sich eher eine schwere Flügelschwinge.

Ansonsten gern gelesen!

Viele Grüße,
Ralph

Akineton

Intermediate

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Location: Gießen

Occupation: Engelflügelmechatroniker

3

Monday, December 10th 2007, 6:51pm

Kurz und prägnant. Schon der Titel öffnet das riesige Reservoir an Geschichten, Erzählungen und Filmen dich ich damit verbinde.
Was mir hier gefällt ist, dass nicht zuwenig, aber auch nicht zu viel gesagt wird. So werde ich als Leser durch ein stimmiges Bild in ein Gefühl gezogen, welches ich weiter bedenken kann.

Kontrovers zum vorigen Post finde ich den Gegensatz von schwarzer Tinte und dem Schmetterling sehr gut gewählt. Das eine ist die bittere Realität, das andere (der Schmetterling) ist der Wunsch, die Hoffnung und die Liebe, die aus den Worten sprechen, leider aber keine Zukunft hatten, flügellos blieben, ein zerbrochener Traum.


Die Annäherung an das Thema finde ich sehr gelungen.
Gefällt mir, von meiner Seite gibt's nichts auszusetzen.

lg tamiflu
Meine Ohren lassen die Flügel hängen, weil meine Augen lahmen. Vielleicht erkennt mein Mund einen Weg.

Odradek

Master

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Location: reine Fiktion

Occupation: (Un-)Sinnspule

4

Wednesday, December 12th 2007, 2:04am

Alexa! =)

Vielen Dank für diesen Text!!

Er ist sehr reduziert, effektiv, essentiell ... und ich kann viel mit ihm anfangen!!


Ehrlich gesagt:
Zuerst hielt ich es für eine aktuelle persönliche Auseinandersetzung mit einer Beziehung ... etwa verblasste Liebesbriefe?
Einfach die Situation einer Frau im wehmütig-schmerzlichen Blick auf vergangenes Glück via Briefpapier.
Doch dann fiel mein Blick noch einmal auf den Titel ... :rolleyes:
Die Beziehungslandschaft als Geschlechterkrieg? Die Liebe ein Schlachtfeld ...
... => deshalb "Feldpost"???

ABER NEIN!!
Es ist viel einfacher. Direkter. WÖRTLICHER: Es ist eine alte Dame, die alte, sehr alte Briefe "aus dem Felde" in Händen hält ... wahrscheinlich wohl ca. 60 Jahre alte aus dem 2. Weltkrieg? - In unseren Breiten hat es wohl seitdem kaum mehr FELDPOST gegeben.
Damit ist für mich die Situation ziemlich fraglos ... ganz konkret umrissen.

Und ebenso "fraglos" direkt ist für mich der "Schmetterling": Natürlich kein bedeutungsschwangeres schweres Symbol ...
[... OK, selbstverständlich kann man das immer "mitinterpretieren", klaro ...]


- Nein, Alexa, Du machst es eigentlich sehr deutlich in der Abfolge Deiner Zeilen:
ihre Tränen ... in Papier ... gefaltet ... schwarze Tinte ... ein Schmetterling ... :
Sie hat in den Brief von ihrem Lieben (im Felde verschollenen??) hineingeweint, hat den Brief gefaltet - und so im Zusammenklappen des Papieres einen "Schmetterling" erzeugt, eine "Klecksographie" [ Justinus Kerner - s. siebtes Bild in dem Artikel !!!!! ] ...

Es ist ein rührendes Gedicht ... nicht in einem kitschig-schmalzigen Sinne, sondern im BESTEN denkbaren Sinne:
ein anrührender Text, einer mit kehlezusammenschnürendem Gefühl, einer, dem man sich anvertraut ganz und gar ...

Nochmal: Danke. =)

Das ist auf den Punkt ohne ein Gramm Fett am Text!!!!!!

Gruß,
Odra.
Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt.
(Afrikanisches Sprichwort)

Alexa

Blickdicht(erin)

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Location: von draußen vom Walde...

5

Thursday, December 13th 2007, 12:59pm

Guten Tag die Herren =)

Ralph;
die schwarze Tinte und der Schmetterling sind schon überlegt eingesetzt.

Quoted


Der Schmetterling ist als Sinnbild metaphorisch sehr bedeutungsschwanger.

Ja, aber hier konnte ich einfach nicht auf ihn verzichten. ;)
Das du das Klecksbild erkannt hast ,freut mich besonders. Ich such da wie doof rum wie man so ein Bild noch nennt...und dann heißt es nur - Klecksbild.. :D
Danke =)

Akineton;
Das dir gerade die Kürze des Textes gefällt, beruhigt mich ungemein. Ich dachte schon es wäre viel zu kurz um überhaupt etwas rauszulesen.

Quoted


Gefällt mir, von meiner Seite gibt's nichts auszusetzen.

Man, da bin ich aber froh :D
Danke


Onkel Odra; =) zu so nächtlicher Stunde.... ;)
du triffst mal wieder auf den Punkt genau dass was ich beschreiben wollte.

Quoted


etwa verblasste Liebesbriefe?

Aber nicht doch....in meinem Alter y)

Quoted


Es ist eine alte Dame, die alte, sehr alte Briefe "aus dem Felde" in Händen hält ... wahrscheinlich wohl ca. 60 Jahre alte aus dem 2. Weltkrieg?

Ja!

Quoted


ihre Tränen ... in Papier ... gefaltet ... schwarze Tinte ... ein Schmetterling ... :
Sie hat in den Brief von ihrem Lieben (im Felde verschollenen??) hineingeweint, hat den Brief gefaltet - und so im Zusammenklappen des Papieres einen "Schmetterling" erzeugt, eine "Klecksographie"

Hundert Punkte für dich =)
genauso hatte ich mir das gedacht. Ich hatte noch überlegt eine Zeitangabe in den Text zu packen. Aber du hast es ja auch so gut rausgelesen.

Quoted


Es ist ein rührendes Gedicht ... nicht in einem kitschig-schmalzigen Sinne, sondern im BESTEN denkbaren Sinne:
ein anrührender Text, einer mit kehlezusammenschnürendem Gefühl, einer, dem man sich anvertraut ganz und gar ...

Man, jetzt machst du mich sprachlos.

Danke an euch drei =)
L.G.
Alexa
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(Winston Churchill)

Ich hier

sanscryt

einfach nur franz

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6

Tuesday, December 25th 2007, 11:02am

dein Gedicht:

gebündelte Erinnerungen
in der Schublade
lagen noch ihre Tränen
in Papier
gefaltet
aus schwarzer Tinte
ein Schmetterling


Hallo Du,

im Großen und Ganzen schließe ich mich den Vorpostern an. Ein wirklich schöner Text, der in seiner Idee recht gut umgesetzt ist.
Was mich dann doch stört ist die Aufteilung deiner Verse. Fällt das unter Rythmus? Wie nennt man das? Versbild?(
Naja,...ich für meinen Teil teile deinen Text in zwei Abschnitte, deren Trennlinie Vers 4 und 5, mit Akzent auf 5, darstellen.
Dadurch das besagte Verse je aus einem Wort bestehen, richte ich als Leser mein Hauptaugenmerk beim Lesen auf diese Beiden.
Lese ich jetzt aber weiter, fehlt mir dieses 'Auslaufen' des Texts. Der Bruch, bzw. das Textende, kommt mir hier zu
plötzlich. Ich erwarte hier einen Text der rein Rythmisch betrachtet

xxxxxxxxxxxx
xxxxxxxx
xxxx
xx
x
xxxxxxxxx
xxxxxx <- hier würde dein Text enden
xxx
xx
x...(als Beispiel)

darstellt, werde aber entäuscht.
Mag vielleicht auch nur Geschmackssache sein, aber es wollte mal zu Wort gebracht werden. :rolleyes:

Lieben Gruß, sanscryt

zephyr - beeblebroxed

einfach nur franz


Alexa

Blickdicht(erin)

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7

Friday, December 28th 2007, 3:58pm

Hallo du sanscryt :)

Quoted


Was mich dann doch stört ist die Aufteilung deiner Verse. Fällt das unter Rythmus? Wie nennt man das? Versbild

keine Ahnung wie man das bei dieser Art des Schreibens nennt. Für mich ist das so eine Art Rhythmus der Empfindungen, wenn du so willst.
Das es dir rein rhythmisch nicht gefällt ist schade, aber danke das du das hier angemerkt hast..
Vll. ist es Geschmacksache, vll. auch nicht...

Quoted


Ein wirklich schöner Text, der in seiner Idee recht gut umgesetzt ist.

Danke.
L.G.
Alexa
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(Winston Churchill)

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