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sim

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Date of registration: Oct 20th 2004

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1

Sunday, December 2nd 2007, 2:31pm

Konjunktiv (ein Drama in konzentrischen Kreisen)

...

Quoted

hätte ich gelernt,

Quoted

hätte ich mich nicht schützen müssen,

Quoted

hätte mein vater mich nicht verprügelt,

Quoted

wäre er glücklich und zufrieden gewesen,

Quoted

hätte er nicht getrunken,

Quoted

hätte er arbeit gehabt,
hätte er nicht getrunken,
wäre er glücklich und zufrieden gewesen,
hätte mein vater mich nicht verprügelt,
hätte ich mich nicht schützen müssen,
hätte ich gelernt
...

Quoted

gäbest du dir mühe,

Quoted

schriebest du mehr bewerbungen,

Quoted

engagiertest du dich,

Quoted

würde etwas aus dir,

Quoted

hättest du freunde,

Quoted

besäßest du selbstvertrauen,
hättest du freunde,
würde etwas aus dir,
engagiertest du dich,
schriebest du mehr bewerbungen,
gäbest du dir mühe
...

Quoted

habet ihr mut,

Quoted

gehet ihr auf andere zu,

Quoted

lasse man euch,

Quoted

schaffet ihr euch netzwerke,

Quoted

überzeuget ihr andere von euch,

Quoted

machet ihr karriere,
überzeuget ihr andere von euch,
schaffet ihr euch netzwerke,
lasse man euch,
gehet ihr auf andere zu,
habet ihr mut
...

Quoted

werden wir es wagen,

Quoted

werden wir widersprechen,

Quoted

werden wir kämpfen,

Quoted

werden wir uns treu bleiben,

Quoted

werden wir uns befreien,

Quoted

werden wir leben,
werden wir uns befreien,
werden wir uns treu bleiben,
werden wir kämpfen,
werden wir widersprechen,
werden wir es wagen
...

Quoted

würde ich arbeit gehabt haben,

Quoted

würde ich selbstvertrauen besessen haben,

Quoted

würde ich karriere gemacht haben,

Quoted

würde ich gelebt haben,
würde ich karriere gemacht haben,
würde ich selbstvertrauen besessen haben,
würde ich arbeit gehabt haben
...?

This post has been edited 2 times, last edit by "sim" (Dec 16th 2007, 8:29pm)


lila

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2

Wednesday, December 5th 2007, 10:09pm

hallo sim
also zuerst mal: ich werde nicht zittieren, sonst wird es völlig unübersichtlich... ;)
ich finde dieses experiment durchaus gelungen. auch wenn es seine zeit gebraucht hat bis ich bemerkt habe, dass die letzte "strophe" / der letzte block eine symbiose der restlichen ist. um genauer zu sein der Gipfel oder Täler, je nachdem wie man es betrachtet.
mich erinnert das alles stark an einwanderungsgesetze die besagen, dass man eine aufenthaltsgenehmigung bekommt, aber nur wenn man arbeit hat und die arbeit bekommt man nur mit aufenthaltsgenehmigung... das sich drehen im kreis, das eine bedingt das andere. man kann in die kreise nicht hinein und vorallem nicht hinaus.
sehr sehr gelungen, wie ich finde...
mehr kann ich dazu leider nicht sagen :( , weil ich mich noch drehe. seit mehreren tagen schon... 8|
lieben gruß
die lilaranerin

sim

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3

Wednesday, December 5th 2007, 11:29pm

Hallo lila,

die Zitateinblendungen in den Kreisen sind natürlich etwas störend für die Form. ;)
Und bei dieser Quoteorgie weiter zu zitieren wird ganz sicher unübersichtlich.
Ja, die Einwanderungsgesetze sind ein Bereich, in welchem Menschen zum Leben im Konjunktiv gezwungen sind. Ganz plastisch und ganz deutlich.
Wenn dir meinetwegen schwindelig wird, tut es mir natürlich leid, aber ich freue mich, dass du das Experiment als gelungen betrachtest. :)

Lieben Gruß und vielen Dank
sim

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4

Thursday, December 6th 2007, 7:35pm

RE: Konjunktiv (ein Drama in konzentrischen Kreisen)

hallo sim

konzentrische Kreise? wo denn?
bei dieser Zitat-im-Zitatformatierung sind es ja leider nur Rechtecke.
ich musste beim lesen an die Wachstumsringe abgesägter Baumstümpfe denken. würde sich auch wahrscheinlich optisch besser machen, wenn es auf solches Holz geschrieben wäre. ich hab mich grad letzte Woche mit dem Fällen zweier großen Scheinzypressen abgemüht, vielleicht hab ich auch deshalb noch diese Ringe so lebhaft vor Augen. ja, was ein sauberer Schnitt mit der Kettensäge nicht alles zu Tage bringt, nicht wahr?

auch inhaltlich wächst dein Text bei jedem "Stamm" schön von Innen nach Außen. er lässt sich aber auch jeweils in konventioneller Leserichtung wie bei einem Ritornell bewältigen.

- beim ersten Block liegt die Schuld des Vaters im Zentrum.

- im zweiten wohl das lyr.Ich, welches eigentümlicher weise mit du angesprochen wird. das schafft weiträumige Distanz, auch nach Innen. wie hat Rimbaud mal so schön gesagt: das Ich ist ein Anderer. ich interpretiere vorliegendes demnach als entsprechende Verschachtelung und finde dies reizvoll.

- beim dritten Block bin ich mir meiner vorherigen Interpretation aber nimmer sicher: hier fühle ich mich als Leser ziemlich direkt angesprochen und frage mich wieso ich das nicht schon vorher beim "du" so empfunden habe. aha. sieh an: hier fehlt ja der Konjunktiv. interessant. kein "hättet ihr Mut..." und kein "überzeugtet ihr andere...", stattdessen nüchterne Feststellung. betrachtet man die Gesamtheit wäre dieser dritte Block, demnach der Kern.

- im vierten kommt das Wörtchen "wenn" auf den Plan, ein arg geflügeltes. denn wenn besagtes nicht wär', wär'n wir längst schon Millionär. nun ja. will heißen: das gefällt mir am wenigsten. wolltest du damit nur das permanente "würden" auflockern? mir hätte ein durchgehendes "würden" besser gefallen: würden wir es wagen, würden wir leben.
inhaltlich deute ich eine intendierte Aufmunterung.

- im fünften und letzten Block: einen Zusammenfassung in der ich-Form, diesmal aber durchgehend im Konjunktiv.

gehört das finale Fragezeichen dazu? das kann ich nicht klar deuten. eventuell steht es da zur Unterstreichnung des Leitmotivs: Unsicherheit und Zweifel.

insgesamt spricht es mich an: eine Art In-sich-gehen mit verschachtelten Konjunktiven das vielleicht im Kern eine winzige Aufmunterung birgt.
auch hab ich mich gern damit beschäftigt.

Gruß
Alcedo

sim

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5

Friday, December 7th 2007, 2:45pm

Hallo Alcedo,

ja, die Grafik einer Forensoftware lässt da echt zu wünschen übrig. ;) Die Wachstumsringe würden sich auf alle Fälle besser machen.

Quoted

- im zweiten wohl das lyr.Ich, welches eigentümlicher weise mit du angesprochen wird. das schafft weiträumige Distanz, auch nach Innen.
diese Wirkung gefällt mir gut, denn Ziel war es, die unterstellenden Forderungen, die von außen oft an uns herangetragen werden auf sich selbst zu beziehen. Egal, wie sehr wir uns bemühen, wenn andere uns sagen, es sei nicht genug, ziehen wir uns den Schuh oft an. Die Kette bekommt bestimmt so manch Arbeitsloser als Vorwurf zu hören, und glaubt sie, selbst, wenn er 200 Bewerbungen im Monat schreibt.

Quoted

- beim dritten Block bin ich mir meiner vorherigen Interpretation aber nimmer sicher: hier fühle ich mich als Leser ziemlich direkt angesprochen und frage mich wieso ich das nicht schon vorher beim "du" so empfunden habe. aha. sieh an: hier fehlt ja der Konjunktiv. interessant. kein "hättet ihr Mut..." und kein "überzeugtet ihr andere...", stattdessen nüchterne Feststellung. betrachtet man die Gesamtheit wäre dieser dritte Block, demnach der Kern.
Es geht trotzdem um (noch) nicht erfüllte Bedingungen. Ich fürchte, ich bin da mit den Zeitformen des Konjunktivs noch nich sauber. Geplant war, diesen in jeder Strophe in voranschreitender zeitlicher Flexion zu verwenden. Das muss ich mir am WE noch mal anschauen.

Quoted

mir hätte ein durchgehendes "würden" besser gefallen: würden wir es wagen, würden wir leben.
das hatte ich zunächst so, die Umkehrung, "würden wir leben, würden wir es wagen" erschien mir allerdings nicht stimmig. Das "Wenn" sollte also nicht auflockern. ;)

Quoted

gehört das finale Fragezeichen dazu?
Ja. Denn ohne Fragezeichen würde ich eine Aussage wie "machte ich karriere, würde ich leben, machte ich karriere" niemals stehen lassen.

Quoted

auch hab ich mich gern damit beschäftigt.
Das ist schön. Und eine winzige Aufmunterung ist doch immer nett. :)

Lieben Gruß und vielen Dank
sim

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