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Alexa

Blickdicht(erin)

Date of registration: Dec 15th 2006

Posts: 1,534 wcf.user.activityPoints: 8,395

Location: von draußen vom Walde...

1

Wednesday, November 28th 2007, 1:10pm

sinnverloren

Nadeln
auf dem Asphalt
betonierte Pfeiler
in den Häusern
die Leere
im künstlichen Licht
hinter den Fenstern
Plastikwärme
in Kinderaugen
nur matte Scheiben
rieseln
sinnverloren
und außen
zieht ungesehen
ein Stern seine Spur
Mit dem Geist ist es wie mit dem Magen: Man kann ihm nur Dinge zumuten, die er verdauen kann.
(Winston Churchill)

Ich hier

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Grey_Fox

Intermediate

Date of registration: Apr 28th 2005

Posts: 120 wcf.user.activityPoints: 760

Location: Aus dem schöpferischen innern der Welt..

2

Wednesday, November 28th 2007, 2:37pm

Ein flotter Reihungsstil wie man ihn so schön nur aus dem Expressionimus kennt. Auch ansonsten sehr gebrochene Semantik. Dies schlägt sich auch noch einmal in der Form wieder. Vielleicht gefällt es dir einfach, den text zu zentrieren, aber natürlich verleiht ihm das ein ganz anderes Auftreten. "Nadeln", "die Leere" und "rieseln" stechen dadurch noch mehr hervor. Sie bilden optische Flaschenhälse. Es wirkt etwa so, als riesele hier Sand durch eien Sanduhr mit 3 Kolben. Sicher ist diese Interpreatation vollkommen übertrieben. Aber ich fahre gut damit, da es wunderbar mit dem Inahlt korrospondiert. Bei drei Kolben gibt es 2 dünne Stellen, die den Fluss des Sandes verlangsamen (auch wird hier die Lesepause von Zeile zu Zeile deutlicher, da man viel weniger liest - nur ein Wort), diese drückt ein zähflüssiges Vorankommen (in) unserer Zeit aus, denn definitiv wird hier unsere Umgebung, unser Verhalten, unsere Werte, somit insgesamt unsere jetzige Zeit kritisiert.

Umgebung (besonders erster Teil des Gedichts, zieht sich aber durch):
In den Häusern herrscht hier Leere, kein Leben, keine Freude. Gemeint ist daher auch eine sinnliche Leere (leeres Haus -> Kein leben -> Kein Streben nach etwas -> Resignation). Der Titel "sinnverloren" unterstreicht dies.
Pfeiler im Beton sind wie Nadeln: etwas Negatives, Störendes, sogar Verletzendes. Man kann es sogar als "Verletzung" unserer Erde verstehen, wir rammen dicke Nadeln in den Boden, die kostbare Erde und betonieren sie fest. Quasi ungewollte Akupunktur bei Mutter Erde, nur nicht so heilsam. Zudem: Beton bewirkt sofort die Assoziation der "Farbe" Grau. Also eigentlich farblos, sprich trist, langweilig, eintönig.

Unser Licht ist künstlich.Und das ist es wirklich, es "kommt" aus unseren Glühbrinen, nur das Sonnenlicht ist einzig natürlich. Aber auch hier steckt mehr dahinter. Wir befinden uns in einem künstlichen Licht. Die Autorin wirft so die Fragen auf: Würden wir auf natürlichem Wege nicht etwa ein Schattendasein führen? Das Licht in dem wir Menschen erstrahlen - ist es nicht etwa ein falsches?
In Kinderaugen sieht man nur eine "Plastikwärme", wieder etwas Künstliches, keine echte Wärme. Als wäre die menschliche Barmherzigkeit nur eine Illusion, etwas das wir uns zusprechen, das aber gar nicht echt ist. Auch wird hier die kindliche Unschuld angekratzt, denn das Kind faked ja warme Augen, die es gar nicht hat.

Die Scheiben sind "matt", sind getrübt und farblos. Dies passt zum Grau des Betons und stärkt die triste Atmosphäre. Und diese Scheiben rieseln als würden sie langsam zerfallen - als würde usnere ganze Welt langsam zerfallen, weil sie künstlich und falsch und trocken udn farblos ist. Und als wäre dieser "Untergang" nur noch eine Frage der Zeit - Bis der Sand eben durchgerieselt ist und unsere Zeit somit abläuft.

Unsere Werte (Ende des Gedichts):
Außen - also außerhalb der trostlosen, künstlichen Beton-Plastikwelt in der wir leben - "zieht ein Stern seine Spur", es handelt sich also um eine Sternschnuppe. Doch sie ist ungesehen, es schaut also niemand mehr zum Himmel (christlich könnte man noch weitergehen und sagen: niemand schaut mehr zu Gott - die Schnuppe erinnert schließlich auch an den sog. Weihnachtsstern, der zu Jesus führte) und niemand würdigt dieses einzigartige Himmelsphänomen. In diesem gedicht ist es auch das einzige Element, das noch als "natürlich" angesehen wird. Es grenzt sich somit und durch seine Eigescnhaft "ungesehen" von der künstlichen Menschenwelt ab. Dabei wäre es ironischerweise das einzige, was uns hier noch Helfen könnte: Ein Wunsch beim Anblick der Sternschnuppe, dass die Welt sich doch ändern möge.
Alle wollen in den Himmel, alle wollen wie Könige agieren -
doch keiner will am Ende sterben und keiner will regieren.

basse

Unregistered

3

Wednesday, November 28th 2007, 7:00pm

hallo alexa,

schwer zu sagen, es ist ein schönes Werk das kann man nicht abstreiten..und es dient dazu sich darüber Gedanken zu machen, weiß nicht ob es dafür einen Ausdruck gibt sich um etwas Gedanken machen in einem Werk

hier steht als Überschrift nun Sinnverloren, doch welcher Sinn ist eigentlich gemeint..denn eine ausgeprägtere Verteilung von Sinnen gibt es kaum..so ist doch unser Homunculus recht gleich verteilt und nicht sagen wir wie bei Maulwürfen nur auf den Geruchssinn spezialisiert..wie auch immer dieser rein physiologische Sinn scheint somit nicht gemeint.. :)

ich habe mir den Kommentar von Grey Fox durchgelesen und daraufhin mich entschlossen, inspiriert diesem Beispiel zu folgen und auch einen Kommentar abzugeben, ob dies allgemein einen Sinn ergibt sei dahingestellt. :D

wie auch immer, der Mensch ist als hochentwickeltes Wesen sehr gut in der Lage Baupläne und Skizzen der Natur zu übernehmen und sie in sein Weltpanorama zu integrieren, ist dies sinnlos fragt man sich da natürlich...schwer zu sagen ich bin immer der Meinung als teil einer Umwelt ist alles was man in dieser umwelt tut auch mit dieser Umwelt automatisch verbunden und kann somit natürlicher nicht sein..nimmt man jedoch eine Trennung vor von unbelebt zu belebt und sagt ok der baum hat gelebt du fälltest ihn und nun ist er tot ist dort der unterschied, möglicherweise...

jedoch bleibt die Frage, ob nicht auch sogenannte tote materie, falls es die überhaupt gibt mit lebender nicht in kontakt tritt...vllt nicht auf ebene unserer sagen wir räumlichen auflösung...doch nehem wir einen kristall mit seiner gitterstruktur so ist doch dieser geladen und tritt somit auch mit uns in Wechselwirkung?? schwer zu sagen, ob dies alles falsch oder richtig ist..auf jeden fall habe ich mir meine zeit vor dem computer vertrieben und so sinnlos kann es dann doch nicht sein ;)

LG basse

arsen

Trainee

Date of registration: Sep 29th 2007

Posts: 11 wcf.user.activityPoints: 60

4

Wednesday, November 28th 2007, 7:43pm

hi, alexa,

mir gefällt dein text.

die sinnverlorenheit,die der titel anspricht, finde ich im gedicht wieder.

alles, was du ansprichst assoziiere ich mit weihnachten, wenn es denn sinnentleert daherkommt.

für viele menschen sicher.. und die kritik, die du übst, ist herb, verbittert und berechtigt.

unter den umständen, dass das ganze fest, alles, die freude, das licht, der berühmte glanz der kinderaugen, unecht

geworden, zur farce mutiert ist,, da man den stern, die botschaft, die idee, vor lauter stumpfem abfeiern nicht mehr sieht,

kann man es doch gleich bleiben lassen.

übrigens, die form erinnert mich an einen stilisierten christbaum, dem die spitze genommen wurde...sie steckt im text. :D

ein gut gemachtes textchen, kritik nett verpackt.

gefällt mir.

lg a

ruelfig

Master

Date of registration: Nov 6th 2006

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Location: Von

Occupation: Ökologische Ausgleichsfläche

5

Wednesday, November 28th 2007, 8:58pm

Hallo Alexa,
zufällig heute habe ich mit ein paar Kindern "How the Grinch stole Christmas" gesehen, die Zeichentrickversion. Da geht es genau um dieses Thema, "the true spirit of Christmas" und dass man diesen nicht im Geschäft kaufen, sondern nur im eigenen Herzen finden kann. Wenn man den Stern sieht.
Mir gefällt dein Telegrammstil, er passt gut zum Thema.
Tippfehler: Pfleiler=Pfeiler, vermute ich. Für mich auch der einzige Rätselpunkt in diesem ansonsten kühl formulierten Gedicht.
Hat mich echt erwischt und verstärkt meinen Weihnachtsblues.
LG,
R
Gegenismen

Alexa

Blickdicht(erin)

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Location: von draußen vom Walde...

6

Thursday, November 29th 2007, 9:30am

Hallo

Grey Fox. Du hast dir eine Menge Mühe gegeben in meinen Text hinein zu finden. Dafür ein riesen Dankeschön. Ich habe versucht mehrere Interpretationsmöglichkeiten zu lassen und du hast eine davon fast auf den Punkt getroffen. Ich möchte jetzt ungern jede Zeile erklären, denn ich denke es soll jeder das lesen was er darin sieht.

Quoted


Vielleicht gefällt es dir einfach, den text zu zentrieren,


Texte zentriere ich meistens nur wenn es für mich einen inhaltlichen Sinn macht... =)

Basse, auch dir ein Danke fürs Lesen und gedanken machen.. . Gut das es für dich nicht "sinnverloren "war dich mit dem Text zu beschäftigten ;)

arsen;
ich freue mich dich unter einem meiner Texte zu lesen

Quoted


alles, was du ansprichst assoziiere ich mit weihnachten,


Weihnachten war auch einer meiner Gedanken beim schreiben. Der stilisierte Weihnachtbaum passt da doch perfekt ;)

Rolf
das ich dich mal " erwischen" kann, freut mich natürlich besonders.
das L beim Pfeiler ist mir doch tatäschlich so durchgerutscht. Danke für den Hinweis.

Quoted


Für mich auch der einzige Rätselpunkt in diesem ansonsten kühl formulierten Gedicht.

Pfeiler sollen etwas stützen. Was das hier sein soll ,darfst du dir aussuchen. Nur eins, es ist nicht nur als etwas bauliches zu betrachten.


Danke an euch alle
L.G.
Alexa
Mit dem Geist ist es wie mit dem Magen: Man kann ihm nur Dinge zumuten, die er verdauen kann.
(Winston Churchill)

Ich hier

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