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Alexa

Blickdicht(erin)

Date of registration: Dec 15th 2006

Posts: 1,534 wcf.user.activityPoints: 8,395

Location: von draußen vom Walde...

1

Thursday, November 22nd 2007, 8:45pm

gepresste Erinnerung

wenn du Kastanienblätter
am Boden suchst
um sie in ein Buch
zu legen
legst du dir Blatt für Blatt
ein verlorenes Gefühl

wenn du aber in der Leere
Weite suchst
gibst du dir Tag für Tag
die Möglichkeit wieder zu sehen
das Herbstzeitlose
blühen
Mit dem Geist ist es wie mit dem Magen: Man kann ihm nur Dinge zumuten, die er verdauen kann.
(Winston Churchill)

Ich hier

Lymielle

Moderator

Date of registration: Jan 31st 2007

Posts: 1,494 wcf.user.activityPoints: 8,225

2

Saturday, December 1st 2007, 5:40pm

Hallo Alexa,

seit tagen schleiche ich jetzt um Dein Gedicht und nun endlich traue ich mich mal und schreibe Kommentar dazu.
Dein Werk hat mich zwar von Anfang an begeistert, aber dennoch habe ich noch nicht so ganz den Durchblick...

Die erste Strophe ist gut und deutlich, auch durch den Titel sehr aufschlussreich.
Jedoch wollen mir die letzten zwei Zeilen nicht so ganz gefallen.

legst du dir Blatt für Blatt
ein verlorenes Gefühl


Ersteinmal ist die Wiederholung von "legen" auffällig, wenn auch nicht störend. Denn kommt hinzu dass mir der Ausdruck "sich etwas legen" doch sehr ungewöhnlich erscheint. ?( "Sich etwas zu legen" hätte ich ja verstanden, aber dass würde hier im Zusammenhang nicht passen und im Anschluss auf genauere Betrachtung eventuell auch eine negative Wirkung kriegen, wie ich finde. Dennoch habe ich beim Lesen das Gefühl, es würde etwas fehlen.

Die zwei ersten Zeilen der zweiten Strophe sind für mich eher negativ behaftet, was aber nicht zum Rest der Strophe passen will. Denn das Wort "Leere" ist für mich sowieso schon mit Assoziationen wie "Isolation", "Alleinsein" und "Kälte" behaftet und so wäre das "Weite suchen in der Leere" ja eine Flucht in diese. Noch deutlicher würden diese Assoziationen durch eine Wortwahl wie "das Weite suchen" hervorgerufen werden.
Und dann kommt der Punkt, an dem ich wirklich so -> ?( dastehe.
Die Zeilen
gibst du dir Tag für Tag
die Möglichkeit

leuchten mir ja noch nein, aber daraufhin komme ich mit diesen Wortwirrwarr/spiel nicht ganz klar.
"Wieder zu sehen" - "wieder sehen", "wieder erleben". Das ist mir auch noch einiger maßen deutlich, aber daraufhin nimmt der "Satz" (der eigentlich gar keiner ist) doch recht ungewöhnliche Gestalt an:
die Möglichkeit wieder zu sehen(,) das(s) Herbstzeitlose blühen - bei dieser möglichen Leseart stellt sich mir das Problem des Nomen "Herbstzeitlose" und auf andere Arten ergeben mir die Zeilen kaum Sinn.
die Möglichkeit wieder zu sehen
(.............................................)
das Herbstzeitlose
blühen

Diese Möglichkeit des Lesens würde das ganze in zwei einzelne Abschnitte teilen. Hier würde ich letzteren als "Das herbstzeitlose Blühen" lesen und somit als allein stehendes Bild.
Vielleicht hilft Du mir hier ja ein wenig auf die Sprünge.

Trotz der Unklarheiten, bzw der Tatsache dass ich die letzte Strophe nicht verstehe, gefällt mir dein Gedicht ausgesprochen gut. Besonders im Hinblick auf "mein Wunsch an dich". :)

Liebe Grüße,
Lymielle
"Ob Sie meine Sachen zu Kunst oder zu Scheiße erklären? - Who cares..."

Helmut Newton

Alexa

Blickdicht(erin)

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Location: von draußen vom Walde...

3

Monday, December 3rd 2007, 9:20am

Hallo Lymielle

ich freue mich dass du dich gewagt hast einen Kommentar zu schreiben.

Das es sich dir an einigen Stellen nicht erschließen will, gibt mir zu denken...da habe ich anscheinend etwas falsch gemacht.
Aber ich versuche mal es zu erklären...obwohl es das ja eigentlich alleine tun sollte. :(


Quoted


Denn kommt hinzu dass mir der Ausdruck "sich etwas legen" doch sehr ungewöhnlich erscheint.

Ja, stimmt....ungewöhnlich ist es. Ich dachte mir das so;
die Blätter stehen hier für etwas verlorenes. (Herbstblätter die vom Baum fallen.)
Durch das - in ein Buch legen werden sie gepresst- sowas wie -haltbar gemacht (also hier wird versucht,etwas zu halten)
Mein Lyrich flüchtet sozusagen in die Erinnerungen und ihm wird Blatt für Blatt schmerzlich bewusst was es verloren hat.
Es legt sich also durch das legen der Blätter, ein verlorenes Gefühl.
das wiederholte - legen- habe ich genutzt um die Wirkung dieses Wortes noch zu verstärken... Legst du Blätter in ein Buch- dann legst du nicht nur das, sondern noch viel mehr... ( so dachte ich mir das zumindest)

In der Leere- Weite suchen. Hmm...ja. Ich dachte da eher an- die Weite als an - das Weite suchen- ( obwohl das auch funktioniert)
Bleibt das Lyrich in diesem leeren ich habe etwas verloren Gefühl - bleibt es im Schmerz. Sucht es aber die Weite, das Schöne in den Erinnerungen -
öffnet also - weit- die Augen, das Herz....kann es - und jetzt kommt die Stelle wo ich lange lange nachgedacht habe, wie ich das hinbekomme..
das herbstzeitlose ( als adjektiv) Blühen - oder dass Herbstzeitlose (als Nomen) blühen. Gedacht war, beides unter einen Hut zu bekommen- was natürlich von der Rechtschreibung her nicht funktioniert....hier habe ich jetzt einfach auf den Leser gehofft der trotz der Unterschiede beides darin lesen kann.
Gedacht war...
(das kann man blöd erklären....am besten versteht man das vll. mit diesem Spruch.)
Nicht beweinen was wir verloren - sondern dankbar was wir hatten...

Hmm.. ?( .war das hier jetzt verständlich? Ist das blöde die eigenen Gedanken zu erklären.... ?(
Ich hoffe ich hab das Stück jetzt nicht um Kopf und Kragen beschrieben.. :D und du kannst damit etwas anfangen.

Danke das du hier warst.
L.G.
Alexa
Mit dem Geist ist es wie mit dem Magen: Man kann ihm nur Dinge zumuten, die er verdauen kann.
(Winston Churchill)

Ich hier

Lymielle

Moderator

Date of registration: Jan 31st 2007

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4

Monday, December 3rd 2007, 6:06pm

Hallo Alexa,

dein Gedicht wirkt sehr wohl auf mich, nur dass ich eben Anfangs keinen ganz klaren Durchblick hatte. Trotzdem hat es mich vom ersten Lesen an beeindruckt und nachdem Du mir alles so lieb und ausführlich erklärt hast, verstehe ich auch die zweite Strophe.
Danke Dir. :)

Liebe Grüße,
Lymielle
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Helmut Newton

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