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Alexa

Blickdicht(erin)

Date of registration: Dec 15th 2006

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Location: von draußen vom Walde...

1

Monday, November 19th 2007, 4:48pm

Lebenszüge

Schwer war es, das Bein, das er ständig mit sich rumschleppen musste. Es hatte auch keine Gelenke wie die modernen Prothesen heutzutage. Es war von oben bis unten aus einem Stück.
Ein bisschen Oberschenkel war ja noch geblieben, aber viel wert war das auch nicht mehr. Ständig schmerzte er von den Bändern der Prothese. Aber was sollte er machen. Er konnte wohl kaum sein Bein zu Hause lassen.
Wie würde das aussehen, wenn er auf einem Bein dem Herrn Direktor das Tor aufschließen würde.
Das ginge nur mit Krücken. Aber dann hätte er keine Hand frei, um das schwere Tor zu öffnen.
Nein, nein - es war schon richtig so. Er musste sein Bein umschnallen und wenn er abends den Oberschenkel mit Wundcreme einrieb, würde die Entzündung bald wieder verschwinden. So lang er sich setzen konnte war der Schmerz ja auch erträglich.
Heute würde der Direktor mit wichtigen Leuten kommen. Er hatte ihn gebeten etwas früher anzufangen und alles auf Hochglanz zu bringen.
Ja, das wollte er tun.
Die vier Uhr Bahn war die Erste, die seine Strecke fuhr. Er hatte sogar einen Platz am Fenster bekommen. Er liebte es in den frühen Morgen zu sehen.Das war für ihn jedes Mal wie das Erwachen an diesem einen Tag, damals.
- Die Waggons kamen wieder runter. Voll beladen, mit Kohle. Der ganze Stollen bebte
Erwin, sein bester Kumpel hatte noch gerufen aber... er hat ihn nicht verstehen können.
Drei seiner besten Kumpel haben es nicht geschafft.
Erwin hat kaum was abbekommen.Trotzdem ist er schon tot. Letzte Woche stand die Todesanzeige in der Zeitung, die jemand im Zug liegen gelassen hatte.
73 ist er nur geworden, der Gute.Lungenkrebs.

Die schwangere Frau war so früh noch nicht im Zug.Hoffentlich würden die Fahrgäste der sechs Uhr Bahn ihr einen Platz anbieten. Sie sah immer so schrecklich blass aus, doch sie lächelte, wenn er für sie aufstand.
Müde lehnte er sich zurück und sah auf den Hut in seiner Hand. Das Etikett auf der Innenseite war durchgescheuert.
Noch fünf Stationen dann musste er aussteigen. Von da war es nicht mehr weit bis zu seiner Arbeitsstelle.
Er freute sich, dass er vor zwei Monaten, trotz seiner Behinderung so einen wichtigen Posten am Tor dieser Fabrik bekommen hatte. Ja, er wollte seinen Chef zufriedenstellen. Wo sonst würde er in seinem Alter noch eine Stelle finden. Das zusätzliche Geld konnte er gut gebrauchen. Gerade jetzt, wo er doch diese Sterbeversicherung abgeschlossen hat.Um alles würden sie sich kümmern, haben sie gesagt. Sogar den Sarg durfte er sich schon aussuchen. Nichts besonderes, aber auch nicht das Billigste.
Rente bekam er nicht viel, woher auch - und mit dem Wenigen, dass er für sein abgerissenes Bein bekam, konnte er noch nicht einmal die Stromrechnung bezahlen.
Hatte er das Licht im Flur gelöscht? Er war sich nicht sicher. Das machte ihn nervös. Aber selbst wenn er gewollt hätte, zurückfahren war nicht drin. Sein Monatsticket war nur noch für die Hinfahrt gültig. Er musste sich am Abend ein neues besorgen. Achtundzwanzig Euro fünfzig. Er hatte sich das Geld am Morgen noch aus der Dose vom Küchenschrank genommen. Er musste sparsam sein in diesem Monat, denn der Direktor hatte ihm im Letzten 15 Euro weniger gezahlt. Er müsse das Fahrgeld kürzen, hatte er gesagt. Der Firma ginge es nicht so gut.

Das Licht im Flur..., wenn das den ganzen Tag über brannte, wäre seine Rechnung an die Stromwerke noch höher. Er hätte nicht so oft den Nachtspeicherofen einschalten sollen. Aber ihm war so kalt in der letzten Zeit.
Die Nachbarn werden sich wundern, wenn sie sehen, dass in seiner Wohnung den ganzen Tag das Licht brennt.
Aber vielleicht würde Martha es ausschalten. Ja. Sie wollte ihm doch heute einen Kuchen vorbeibringen. Martha war die einzige die einen Schlüssel von seiner Wohnung hatte. Ja, die gute alte Martha. Sie war vom Kirchenkreis der Gemeinde, in die er manchmal zum Gottesdienst ging.
So richtig gläubig war er ja nicht, aber ein bisschen eben doch. So ganz ohne Gott... das wäre sicher auch nicht richtig. In die Hölle wollte er auf keinen Fall. Nein, das Leben von dem der Herr Pastor immer sprach, wäre ihm da doch lieber, wenn er mal stirbt...die Beerdigungsrede musste ja auch jemand halten. Für die Musik müsse man extra zahlen hatte der Pastor letzten Sonntag noch gesagt, sonst wird nur ohne Orgel gesungen.
Was Martha ihm wohl für einen Kuchen backen würde? So einen leckeren wie im letzten Jahr? Da hatte sie extra dick Puderzucker drüber gestreut, weil sie wusste wie gerne er das mochte. Und eine Kerze hatte sie noch rein gesteckt.
Ja, Martha war schon eine tolle Frau. Wäre seine Behinderung nicht, hätte er sicher auch eine nette Frau... und Kinder. Aber so. Wer wollte ihn denn haben mit einem Stumpen als Oberschenkel, der in der letzten Zeit so ekeleregend stank.
Martha meinte, er solle mal schleunigst zum Arzt gehen. Aber er musste doch arbeiten...
" Hauptbahnhof"
Noch drei Stationen dann musste er aussteigen. Die Zeit würde reichen, um ein kleines Nickerchen zu machen.
Er fühlte sich heute so müde. Das frühe Aufstehen... ja, das musste es sein...
.....................
Mit dem Geist ist es wie mit dem Magen: Man kann ihm nur Dinge zumuten, die er verdauen kann.
(Winston Churchill)

Ich hier

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Grey_Fox

Intermediate

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Location: Aus dem schöpferischen innern der Welt..

2

Wednesday, December 12th 2007, 3:40pm

Gefällt mir sehr gut. Du schreibst und beschreibst sehr schön. Ich mag es, wie einige Dinge fast unscheinbar eingeflochten sind, wie dies hier z.B.:

Quoted

Müde lehnte er sich zurück und sah auf den Hut in seiner Hand. Das Etikett auf der Innenseite war durchgescheuert.

Trägt unheimlich zur Atmosphäre bei.

Das Thema ist sicher ein reales Problem. Die Rente reicht für viele ältere Menschen nicht. Einige sind sicher selbst so arm, sich keine gute Prothese leisten zu können. Einige werden im Rentenalter ebenfalls kleine oder Nebenjobs annehmen. Und viele sind einsam. Aber nicht nur alte Menschen.
Daher finde ich die Geschichte umso trauriger. Du erreichst wirklich die Emotionen des Leseres - zumidnest meine. Ich hab's echt gern gelesen und werde auch gern mehr von dir lesen =)

liebe Grüße
Benny
Alle wollen in den Himmel, alle wollen wie Könige agieren -
doch keiner will am Ende sterben und keiner will regieren.

Alexa

Blickdicht(erin)

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3

Monday, December 17th 2007, 9:28am

Hallo Benny

Quoted


Du erreichst wirklich die Emotionen des Leseres - zumidnest meine. Ich hab's echt gern gelesen und werde auch gern mehr von dir lesen


vielen lieben Dank =)
es genügt mir schon wenn ich einen Leser erreicht habe.

L.G.
Alexa
Mit dem Geist ist es wie mit dem Magen: Man kann ihm nur Dinge zumuten, die er verdauen kann.
(Winston Churchill)

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