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Date of registration: Feb 17th 2006

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Location: Nähe Wien, Austria

Occupation: Buchhändler

1

Wednesday, November 7th 2007, 8:12pm

Nachtfahrt im Zug

Trübe Lichter ziehen vorüber
vorbei an totgeblickten Augen
Frischluft wabert träge
durch vom Leben verlassene Räume

Fremde Herzen schlagen Kälte
im Takt der Gleismonotonie
Zur Grimasse verschwimmt das Lächeln
im Fensterscheibenkondenswasser

Ein Zug fährt am Nachbargleis
darinnen Wesen, sind es Menschen?
Oder nur verronnene Abziehbilder
einer Gesellschaft, die vorm Leben flieht?

Tote Blätter treiben im Fahrtwind des Zuges
Unfreiwillig, doch vom Luftstrom verführt
scheinen sie den Fakt zu verdecken
wirbelnde Materie bedeutet noch lange kein Leben
Gerne noch zu bekritteln:

Nachtfahrt im Zug

Ciproflox

Professional

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Posts: 440 wcf.user.activityPoints: 2,930

2

Wednesday, November 7th 2007, 9:38pm

Hallo Flechter

Highlight

Quoted


Frischluft wabert träge

wabern - sehr geil :D

Ich hätte mir ehrlich gesagt mehr Reim gewünscht, obwohl das eher ausnahmsweise so ist, hier aber würde es die Monotonie unterstreichen und dem ganzen noch mehr Leichtigkeit geben - oder zumindest eine etwas ordentlichere Metrik. Besonders bei

Quoted


im Fensterscheibenkondenswasser
würde Metrik dieses Wortmonster sehr hervorheben, denke ich.

Quoted


darinnen Wesen

darinnen gibts wohl nicht, ist aber, wenn denn gewollt, ein gelungener Neologismus von darin und da rinnen, wenn man sich das Kondenswasser vor Augen hält

Quoted


materie

find ich in einem Gedicht immer langweilig. Der Begriff wirkt abstrakt und höher als erfassbar und nimmt dem Gedicht an Stärke; überhaupt wirk der lehrhaft erscheinende Schlussvers "wirbelnde Materie bedeutet noch lange kein Leben" eher peinlich, weil er unbeholfen dasteht. Da würde ich mir mehr Zurückgenommenheit und scharfe Beobachtung wünschen, wie sie das Gedicht noch zu Beginn anfängt. Alles in allem ein schönes Thema und gut bearbeitet.

Grüße

CIp
Überblick

Zitat von »King Lear«

Aus nichts kann nichts entstehen: sprich noch einmal

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Occupation: Buchhändler

3

Wednesday, November 7th 2007, 11:20pm

Hi Ciproflox!

Danke für deine Kritik!

Das wabert find ich auch gut :D Hat lang gedauert, bis ich das richtige "Gegenwort" zur Frischluft gefunden habe.gg

Bei sich nicht reimenden Werken achte ich für gewöhnlich nicht auf die Metrik, da sich meine "nichtreimer" stets auf Gedanken beziehen und eigentlich immer einen fortgesetzten Gedankengang darstellen. Und Gedanken kommen ja meist nicht metrisch daher (was uns unser Hobby aber sehr vereinfachen würde :D ) Dennoch ein interessanter Gedanke, dass ein Versmass dem Gedicht noch mehr "Monotonie" geben könnte. Werd ich mal überarbeiten und gucken, was dabei herauskommt, interessiert mich wirklich!

Ich hätte schwören können, dass es "darinnen" gibt, hmmm..... Dann muss wohl der von mir nicht sehr geliebt ' wieder ran gg



Meine einzige "Kritik" an deine Kritik ist, dass dir das Ende nicht gefällt, denn darauf bin ich nämlich stolz. Es ist ja eigentlich auch die Kernaussage meines Werkes, dass nur weil sich jemand oder etwas bewegt, dass noch lange nicht heissen muss, dass derjenige auch LEBT! Es gibt leider viel zu viele Menschen, die zwar dahin vegetieren, aber niemals richtig leben...

Wüsstest du vielleicht ein anderes Ende, dass die gleiche Aussage hat, aber ein wenig "dichterischer" klingt, wenn du weisst, was ich meine?!



Nochmals Danke für deine sehr berechtigte Kritik und

Ganz liebe Grüße vom

Flechter
Gerne noch zu bekritteln:

Nachtfahrt im Zug

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