Ich lese dies im Anschluss auf meinen "Hochsommerverrat" und sehe, was ich dabei herausbekomme. Jedenfalls ein sehr interessanter Text.
3 Strophen, 3 Verse
Reime gibt es direkt nicht, aber Assonanzen durchaus
Doch Schritt für Schritt:
Ich verschreibe mich in Grund und Boden,
falle säuselnd still durch sanfte Räume
und von halb zerzausten Zeitenzählern.
Sich in Grund und Boden schreiben - da schwingt schon Redewendung-satt viel mit - in Grund und Boden steht für ein definitives Vorgehen, zum Boden hin, also eine Verausgabung, so als wenn man elendig viel schreiben würde (was dieses Gedicht jetzt nicht unbedingt ist) als vielleicht mehr die Arbeit, die dahinter steckt, das Umdrehen von Münzen und Knochen (also Worten) auf ihre verschiedenen Facetten hin.
Wenn der Grund und Boden, der Tatsachen vielleicht, nicht schon tief genug wäre, gehts in Vers 2 durch "Räume", fast so, als wenn der Grund durchdrungen, jetzt in einem "grundlosen" Universum, traumartig das Ich "säuselnd still fällt". Säuseln hat ja was von Sprechen, jedenfalls klingt es mit.
"und von halb zerzausten Zeitenzählern". Mit dem finalen Alphabetsbuchstaben, dem Ende wird hier nicht mehr gegeizt. Die Zähler der Zeit, etwa die Zeiger hängen schlaff herunter vielleicht, sind verwüstet. Der Zeitbegriff ist verwildert, verkommen.
Du bemalst für mich das Gras im Grauen:
Schwarz auf dunkelweiß, so wächst es lauter.
Doch ich lerne es, zu übertönen.
Ein Du kommt auf, bemalt zweideutig Gras im Grauen, wo das Grauen eben für das Schreckliche, wie auch das Graue, das Unsichere, Farbneutrale (oder um es weniger schön zu reden, farblos) bezeichnet. Entweder, das Gras gewinnt jetzt an Farbe in der vom Ich gezeichneten, aber nicht gemalten Welt, oder es wird hier ein Gras in einem schrecklichen Szenario bemalt - sicherlich abwegig- aber wieso sollte es nicht eben das Gras sein, das über eine Sache, womöglich zwischen Ich und Du, gewachsen ist.
V2
Das Gras wächst weiter, aber schwarz auf dunkelweiß, also tiefgrau, doch eher eine negative Auslegung, von der das Ich behauptet, sie übertönen zu können. Ironischerweise ist übertönen natürlich kein Mittel, um etwas Sichtbares zu bekämpfen. Das ist wie Schere, Stein Papier.
Ich vertreibe Stunden in den Wahnsinn,
dir misslingt es, sie im Flug zu stürzen.
Waren wir nicht gestern noch die Größten?
Hier gewinnt das Ich wieder an Macht, vertreibt die Zeit, obwohl, die eigene?^Dem Du, das hier noch eingebunden ist, schlägt in seinem Vorhaben fehl, die Stunden im Flug (in den Wahnsinn?) zu stürzen, sie also davor zu bewahren, sie für das Ich zu retten. Ein Hilferuf ist das. Und zum Schluss eine Öffnung der Handlung mit Blick in die Vergangenheit, die der womöglich Liebenden, die in ihrer Liebe die größten Zeitverheizer ihrer Zunft waren.
Hat mir außerordentlich gefallen, auch wenn ich vielleicht mehr aufgeworfen habe, als erfordert, wie auch immer, trotz der Resignationskategorie bleibt der Traum zurück, der aller Hoffnung Anfang ist.
Liebe Grüße
Cip
PS:
Ich lese dies im Anschluss auf meinen "Hochsommerverrat" und sehe, was ich dabei herausbekomme.
Das hab ich jetzt doch nicht gemacht