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Lymielle

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1

Saturday, October 13th 2007, 9:47am

Herbsttraum

Und ich blicke in die Weiten,
durch ein Netz aus goldnen Kronen
müder Bäume, die sich neigen
auf das trauerbunte Land.

Kühle Ferne, die in braunen,
grob gekörnten Feldern schläft
und sich nur zum zarten Staunen
aus der Nestwärme erhebt,

wenn die Morgensonne glühend
Hoffnung an den Himmel schreibt
und die Wolkenkuppel blühend
Sternenbilder weitertreibt.

Nebel senkt sich auf die Erde
wenn der Schlaf ein Herz verlässt
und der Traum in seinem Werden
durch den Lidaufschlag zerbricht,

um als Tau auf frischen Wiesen
wieder eine Welt zu zeigen,
die nur jene, die noch schliefen,
sehen können, wenn sie schweigen.
"Ob Sie meine Sachen zu Kunst oder zu Scheiße erklären? - Who cares..."

Helmut Newton

This post has been edited 2 times, last edit by "Lymielle" (Dec 14th 2007, 12:05pm)


basse

Unregistered

2

Saturday, October 13th 2007, 4:19pm

hallo lymielle,

wunderschön, mehr kann man dazu nicht sagen :)

LG basse

lyrikel

Professional

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Location: Mecklenburg-Vorpommern

Occupation: Biologin

3

Saturday, October 13th 2007, 5:46pm

Toll, wirklich ergreifend Dein Gedicht.

Besonders gut gefallen mir die strophenübergreifenden Sätze, besonders von Strophe 4z u Strophe 5:

Quoted


Nebel senkt sich auf die Erde
...

um als Tau der frischen Wiesen

wieder eine Welt zu zeigen,
das ist großartig, während der Nebel eher negative Assoziationen mit sich bringt, sowie auch die Strophe eher das traurige Gefühl eines verpassten Traumes, Schwermütigkeit und Melancholie hinterlässt, wandelt sich die Stimmung mit dem "Tau frischer Wiesen" zu Hoffnung und Aufbruchstimmung.

Dein Gedicht ist so bildgewaltig, dass es einen fast erschlägt und doch so eindrücklich die widersprüchlichen Gefühle des Herbstes in sich harmonisch vereint. "das trauerbunte Land" und "grob gekörnte Felder" Ist einfach wundervoll. Trauerbunt ist ein Wort mit dem man für mich den Herbst nicht besser beschreiben kann, ich liebe es wenn die Wälder sich bunt färben, es ist einfach wunderschön, aber die Trauer, über den vergangenen Sommer und den nahenden Winter schwingt immer mit.

Wirklich sehr schön, danke dafür

Franzi


Lymielle

Moderator

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4

Saturday, October 13th 2007, 5:54pm

Hallo basse,

Danke fürs lesen und es freut mich, dass Dir mein Gedicht gefällt.

~*~

Hallo lyrikel-Franzi, :)

Quoted

das ist großartig, während der Nebel eher negative Assoziationen mit sich bringt, sowie auch die Strophe eher das traurige Gefühl eines verpassten Traumes, Schwermütigkeit und Melancholie hinterlässt, wandelt sich die Stimmung mit dem "Tau frischer Wiesen" zu Hoffnung und Aufbruchstimmung.
Es erstaunt mich, wie Du genau das herauslesen konntest, was ich als Autor hineingesteckt habe. Ich wollte den Kreislauf von Werden und Vergehen durch den Herbst darstellen, für mich ist er die ausdrucksstarkeste und intinsivste Jahreszeit. Es vergeht etwas, aber das ist die Grundlage für Neues.

Quoted

Dein Gedicht ist so bildgewaltig, dass es einen fast erschlägt
Uuuh - hoffentlich erschlägt es keinen, am Ende werde ich wegen Körperverletzung oder Mord angeklagt. :S
Aber es freut mich dass meine Zeilen so intensiv auf Dich als Leser wirken.

Quoted

Trauerbunt ist ein Wort mit dem man für mich den Herbst nicht besser beschreiben kann, ich liebe es wenn die Wälder sich bunt färben, es ist einfach wunderschön, aber die Trauer, über den vergangenen Sommer und den nahenden Winter schwingt immer mit.
Genau - der Herbst ist wie ein Abschiedfest der Natur und ich meine damit wirklich ein Fest: bunt geschmückt, farbenfroh und voller Kraft. Aber es ist das ende und ich fand "trauerbunt" da auch ganz passend... :whistling:

Quoted

Wirklich sehr schön, danke dafür
Danke Dir für die Beschäftigung an und mti meinem Gedicht und für den wunderbaren Kommentar der mir ein unheimlich breites Lächeln ins Gesicht gezaubert hat ----> :D



Liebe Grüße,
Lymielle
"Ob Sie meine Sachen zu Kunst oder zu Scheiße erklären? - Who cares..."

Helmut Newton

Ralph

Intermediate

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Location: Mosbach (BaWü)

5

Saturday, November 10th 2007, 8:11pm

Hallo Lymielle,

im Gegensatz zu meinem Avantar ;) wurde hier auf wundersame Weise die Herbststimmung eingefangen.

Besonders schön finde ich den Neologismus "trauerbunt" (Oxymoron).
Auch die von lyrikel angesprochenen Enjambements sorgen für gemächlichen Fluss.

Ich will mich jetzt aber nicht auf Details festlegen, sondern das Gedicht in seiner Gesamtkonzeption genießen.

Hochachtung vor deinem Talent,
Ralph

Lymielle

Moderator

Date of registration: Jan 31st 2007

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6

Saturday, November 10th 2007, 8:22pm

Hallo Ralph,

vielen Dank für das Lob, dass Du wie ein herbstlicher Blätterregen auf mich rieseln lässt. :D

Es freut mich wirklich, dass Dich mein Gedicht ansprechen konnte.

Liebe Grüße,
Lymielle
"Ob Sie meine Sachen zu Kunst oder zu Scheiße erklären? - Who cares..."

Helmut Newton

Alexa

Blickdicht(erin)

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Location: von draußen vom Walde...

7

Sunday, November 11th 2007, 7:10pm

Hi Lym

schönes Stück hast du hier gebastelt. Wie ein großes Bilderbuch liest man sich hier durch deine Worte.
Allerdings habe ich ein paar klitzekleine Kleinigkeiten...

Erst einmal - wo wir hier schon von Oxymoron gehört haben...
Nahe Ferne- ist auch sowas, aber die Bedeutung geht da an mir vorbei. ?(

aus der Nestwärme erhebt, hier kriegt der Rhythmus einen Holperer.
Was hälst du von ;
aus dem warmen Nest erhebt.

Nebel senkt sich auf die Erde
wenn ein Schlaf das Herz verlässt


Hier fänd ich schöner- der Schlaf. Wenn du nur eine Person erwachen lassen möchtest- vll. besser wenn der Schlaf ein Herz verlässt.

um als Tau der frischen Wiesen
wieder eine Welt zu zeigen,


- um als Tau auf frischen Wiesen- dadurch schaffst du m.E. mehr Nähe.(Vll auch nur mein Empfinden..)

die nur jene, die noch schliefen,
sehen können, wenn sie schweigen.


hier stimmt der Tempus nicht.

die nur jene, die noch schliefen,
sehen konnten, wenn sie schwiegen.

vll. noch besser-

die nur jene, die da schliefen - (oder - die nur jene, als sie schliefen
sehen konnten wenn sie schwiegen.

das schweigen will mir da nicht wirklich gefallen- denn Schlaf u. schweigen . ?( ..nun ja, es gibt ja auch Menschen die im Schlaf die Klappe nicht halten können...

Ansonsten; Lym...Hut ab. Ich bin begeistert.

L.G.
Alexa
Mit dem Geist ist es wie mit dem Magen: Man kann ihm nur Dinge zumuten, die er verdauen kann.
(Winston Churchill)

Ich hier

Lymielle

Moderator

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8

Sunday, November 11th 2007, 9:54pm

Hallo Alexa,

Quoted


Erst einmal - wo wir hier schon von Oxymoron gehört haben...
Nahe Ferne- ist auch sowas, aber die Bedeutung geht da an mir vorbei.

Ich wollte damit ersehntes ausdrücken, bzw. eben den Anblick einer in der Ferne liegenden Landschaft darstellen; das vertraute, das sich aber mit dem Wissen mischt, dass es doch nicht so greifbar ist.

Quoted


aus der Nestwärme erhebt, hier kriegt der Rhythmus einen Holperer.
Was hälst du von ;
aus dem warmen Nest erhebt.

Meine Nestwärme möchte ich trotz Stolperstein im Metrum beibehalten.
Trotzdem danke für den Vorschlag.

Quoted


Hier fänd ich schöner- der Schlaf. Wenn du nur eine Person erwachen lassen möchtest- vll. besser wenn der Schlaf ein Herz verlässt.

Hmm... "der Schlaf" klingt tatsächlich besser. Werde ich sofort einsetzen, möchte aber bei meinem "das Herz" bleiben.

Quoted


- um als Tau auf frischen Wiesen- dadurch schaffst du m.E. mehr Nähe.(Vll auch nur mein Empfinden..)

Hier habe ich ein Problem und zwar: Ich finde dass der Tau nicht unbedingt auf den Wiesen liegt. Er ist eher eingewoben und daher finde ich ein "auf" nicht unbedingt passend.

Quoted


die nur jene, die noch schliefen,
sehen konnten, wenn sie schwiegen.

vll. noch besser-

die nur jene, die da schliefen - (oder - die nur jene, als sie schliefen
sehen konnten wenn sie schwiegen.

Hmm, haste Recht. werde deinen zweiten Vorschlag vorläufig annehmen, vielleicht findet sich ja noch etwas besseres.
Dankeschön.

Quoted


das schweigen will mir da nicht wirklich gefallen- denn Schlaf u. schweigen . ?( ..nun ja, es gibt ja auch Menschen die im Schlaf die Klappe nicht halten können...

Ja, Du hast auch meinen Kritikpunkt getroffen, der mich an diesem Gedichtlein stört.
Ich finde es schrecklich, weil man im Schlaf meistens sowieso still ist und diese Bedingung von wegen "wenn sie schweigen" für mich kaum einen Sinn ergibt. Aber ja, was man nicht alles für einen Reim tut.
Ich würde hier auch ein vollkommenes Bild aufnehmen, sollte sich eines finden lassen.

Quoted


Ansonsten; Lym...Hut ab. Ich bin begeistert.

Das von Dir zu hören, freut mich sehr.

Dankeschön für das Lob und die Beschäftigung mit meinem Text.

Liebe Grüße,
Lymielle
"Ob Sie meine Sachen zu Kunst oder zu Scheiße erklären? - Who cares..."

Helmut Newton

Hinrich

Intermediate

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Location: mit beiden Beinen auf der Erde

Occupation: Berufung

9

Tuesday, March 25th 2008, 1:32am

Herbsttraum



Liebe Larissa,

wäre ich ein Maler,
nähme ich Leinwand,
Farben und Pinsel
und malte eine Traumlandschaft -
ganz Deinen Worten folgend -
und schriebe darunter:

Entsprungen
aus dem Quell ewiger Jugend -
nachempfunden
von einem unermüdlchen Wanderer
auf der Suche
nach nach der Wirklichkeit.

Danke für dieses lebendige Zeugnis
Deines phantasievollen Innenlebens.

herzliche Grüße
Hinrich
© whp

sanscryt

einfach nur franz

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10

Sunday, September 28th 2008, 1:21pm

Hey Lymielle,

also deinem trauerbunten Land in der ersten Strophe kann ich nicht viel abgewinnen. Das Wort trauerbunt finde ich dann doch viel zu gegensätzlich als das es mir hier gefallen würde.
Was du hier als Intention hast, bzw. hattest, sollte klar sein, aber trotzdem würde ich hier das bunt wegstreichen, und das Ganze durch Einsetzen eines anderen Attributes melancholischer gestallten. Der Reim von weiten auf neigen ist mir auch eine Spur zu unrein.
In der zweiten Strophe komme ich mit dem Wort Nestwärme ganz und gar nicht zurecht. Ich habe wirklich lange gebraucht, bis ich besagtes Wort in den Rest des Metrums
>>pressen<< konnte. Ich betone das Wort viel zu sehr dactyllisch ( X' x x), als das ich hier alternieren, und mich so dem Rest des Metrums anpassen könnte.
Die dritte Strophe finde ich des Bildes halber, das sie vermittelt grandios: die Sternenbilder im vierten Vers geben mir etwas träumerisches. Etwas träumerisches,
das sich mit verklingen der Nacht nicht aufhebt, sondern im aufkommenden Herbstmorgen weiterlebt.
In der dritten Strophe finde ich das zerbricht im vierten Vers problematisch. Es klingt viel zu hart, und sticht auch aus dem Rest der Strophe viel zu sehr heraus,
als das ich mich als Leser dem (Halb-) Reim von Vers eins auf drei hingeben könnte. Das zerbricht lenkt hier viel zu sehr ab, und ich würde es auf jeden Fall ändern oder den Reim verdeutlichen!

Der Text gefällt mir sehr, und ich habe ihn eben durch Zufall gefunden. Ich finde ihn etwas zu bunt-fröhlich, denn persönlich mag ich den Herbst dann eher melancholisch,
aber das ist sicherlich Geschmackssache!

Ein sehr, sehr schönes Herbstgedicht!

Alles Gute, sans

zephyr - beeblebroxed

einfach nur franz


Lymielle

Moderator

Date of registration: Jan 31st 2007

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11

Sunday, September 28th 2008, 1:41pm

Hallo sans,

vielen Dank, dass Du den Text nochmal rausgegraben hast. Er liegt mir wirklich am Herzen. :)

Von dem trauerbunt kannst Du mich leider nicht abbringen. Denn dieses Gedicht ist in keinster Weise melancholisch. In fast jeder Strophe sind zwei Reime unrein und das hat auch seine Absicht. Reine Reime machen ein Gedicht oft zu starr oder es liest sich geleiert, bzw. einfach zu schnell. Durch die teilweise unreinen Reime wollte ich eine gewisse Weichheit bewahren. Und daher wird auch daran nichts mehr geändert.
Die Nestwärme lass ich als knallharten Kritik-Punkt durchgehen. Aber mir fällt einfach keine Alternative ein, die gleichbedeutend und metrisch korrekt ist. Für mich lässt sich dieser Stolperstein im Metrum auch sehr schwer "überlesen".
Die Sternenbilder hingegen finde ich fast zu unpassen - weil diese ja nur nachts und nicht einmal mehr am frühen Morgen zu sehen sind. Das Bild fügt sich also nicht ganz, aber ich denke, man kann es akzeptieren.
Das "zerbricht" als Bruch finde ich persönlich passen. Es darf hart sein, es ist das Aufwachen. Der Zusammenstoß mit der Realität und die darauf folgende Reaktion.

Vielen Dank für deine Beschäftigung mit dem Text und deine Kritik.
Und entschuldige, dass ich nicht allzu sehr darauf eingehe. Aber Du weißt sicher: was ich nachvollziehen kann, versuche ich umzusetzen. ;) Daher bereichert mich jeder geäußerte Leseeindruck.

Liebe Grüße,
Lymielle
"Ob Sie meine Sachen zu Kunst oder zu Scheiße erklären? - Who cares..."

Helmut Newton

sanscryt

einfach nur franz

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12

Sunday, September 28th 2008, 2:13pm

Und entschuldige, dass ich nicht allzu sehr darauf eingehe


Es ist dein Gedicht, und letztlich kannst du selber entscheiden was du zur Idee hattest, und in wie fern du dich von äußeren Meinungen zur Änderung bewegen lassen möchtest.
Als Trostpflaster habe ich ja das Quäntchen, dass ich mit zwei Meinungen nicht ganz alleine dastehe. ^^
Was deine Meinung zu den unreinen Reimen angeht kann ich dir nur zustimmen - das hatte ich mir auch schon öfter überlegt. Leider finden sich unreine Reime nicht so schnell wie Reine.
Zumindest geht es mir so. Dann hätte ich aber - um auf deinen Post zurückzukommen - komplett unreim gereimt, und nicht 'querbeet' verfasst.

Trotzdem: ein echt schöner Text :]

zephyr - beeblebroxed

einfach nur franz


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