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Chepre

Unregistered

1

Sunday, August 26th 2007, 11:09pm

lassen

Version III
.

Ich strample mit
den Füßen im Universum
ich hänge mit
den Haaren fest an Baumwurzeln

das Blut
rauscht in meinem Kopf
die Hände
fallen meinen Augen entgegen

Es zieht mich
auseinander wie Kaugummi

Ich zerreiße
zu klebenden Klümpchen

zwischen Oben und
Unten

keines lässt mich
keines wird mich

los

*
27. August 2007

reneka

Trainee

Date of registration: Aug 2nd 2007

Posts: 45 wcf.user.activityPoints: 225

Location: Europa

Occupation: Mathematik

2

Monday, August 27th 2007, 12:55am

chepre,
2 faktoren haben mich mächtig angelockt:
1. die moderatorin-autorin - interessant, weil sie sich nicht nur per text, sondern auch per handeln im forum formuliert. das gebe ich gerne zu (und ich wünschte mir manchmal einen ordner „incognito“, wo man auch mal anonym postet, um völlig personenunabhängig ein werk beurteilen zu können)
2. überschrift „lassen“ : übt einen weit stärkeren reiz aus als etwa „machen“, sich gehen lassen, zulassen, sich einlassen, etwas zurücklassen, loslassen

mit s1 startet ein überaus lebendiges bild. das strampeln macht vermutlich spaß, die haare tun (mir beim zusehen jedenfalls) noch nicht so richtig weh.

s2/z1+2 merkt man: dilemma bedeutet bald schmerzhafte arbeit bzw erleiden einer äußeren kraft …

(einschub … s2/z3+4: : wie und warum fallen die glieder den augen entgegen? hieße es: „…den augen davon…“, hätte mir das eingeleuchtet.)

… was sich in z3 klar fortsetzt. jetzt dürften wohl die haare heftig und schmerzhaft an der kopfhaut ziehen.

s4 ist dramatisch: unter zeitlupe würde man sehen, wie recht du hast – ja nach kaugummimarke und zuggeschwindigkeit reißt du nicht in der mitte einmal, sondern überall und in tausend elastische stückchen, die anschließend das dringende bedürfnis haben, sich selbst möglichst wieder zusammenzuziehen – zu klümpchen eben. (physik leistungskurs? )

s5 halte ich für "gefährlich", da oben und unten leicht als wertung verstanden werden könnte, was ich hier nicht glauben möchte. steckst ja im dilemma. ich nehme es mal einfach als zwei gleichberechtigte kräfte, zwei „welten“ (universum – erde).

s6 - keines wird mich los … wirklich?
universum(=oben): ja. erde(=unten): nein, sie „lässt dich nicht los“.
m.e. kannst du „wird mich los“ nur sagen, wenn du dich aktiv nach etwas streckst oder an etwas festhältst. tust du aber nicht! du strampelst in s1 im universum – toll, da scheint es fast so schön zu sein wie in der badewanne, meine starke vermutung: da willst du zumindest aus neugier hin. und deshalb wird dich das nicht mehr los werden – weil du es (eher oder mehr) aktiv suchst.
dagegen die erde – die hält dich an den haaren fest, leider, da bist du passiv. nach s2, s3, s4 hast du – letztlich als fliegende klümpchen, ganz neuen kräften unterworfen, - auch nicht gerade die frei wahl … und außerdem – überschrift – du lässt ja auch zu! oder los!
also kompromiss: keines wird und lässt mich los?

krieg wohl das bild von klümpchen als material für ein neues sternensystem nicht so schnell aus dem kopf … glückwunsch und danke für ein lesenswertes gedicht!
reneka

Chepre

Unregistered

3

Monday, August 27th 2007, 8:16pm

hallo, reneka :)

Quoted

die moderatorin-autorin - interessant, weil sie sich nicht nur per text, sondern auch per handeln im forum formuliert.

:) ich denke verallgemeinern zu können, dass andere das genauso tun wie ich. Dennoch ist diese Aussage interessant. ;)

Quoted

und ich wünschte mir manchmal einen ordner „incognito“, wo man auch mal anonym postet, um völlig personenunabhängig ein werk beurteilen zu können

könnte man sich durchaus durch den Kopf gehen lassen, doch ...

Quoted

das strampeln macht vermutlich spaß, die haare tun (mir beim zusehen jedenfalls) noch nicht so richtig weh.

Es ist alles andere als Spaß. ?( Stell dir vor, der Himmel lässt deine Beine nicht los, wie ein Moor. Stell dir vor, deine Haare hängen an Baumwurzeln und du kommst nicht davon los. Beides liegt soweit aus einander ... man hängt verkehrt herum im Sein und hängt noch dazu an zwei Polen (Oben/Unten), die einen auseinander reißen.

Quoted

wie und warum fallen die glieder den augen entgegen?

... am Ende meines Beitrags noch eine überarbeitete Version. vielleicht gefällt die besser. ô.o Was ich mit dieser Textstelle sagen möchte: Das Ich hängt ja mit dem Kopf Richtung Erde in der Welt. Da die Erde Anziehungskraft ausübt, fallen die Arme (siehe zweite Version), den Augen entgegen. Richtungngsmäßig fallen sie eben herunter.

Quoted

(physik leistungskurs? )

ohoh, lieber nicht ;) (Englisch und Deutsch Leistung)

Quoted

s5 halte ich für "gefährlich", da oben und unten leicht als wertung verstanden werden könnte, was ich hier nicht glauben möchte.

:) glaubs ruhig. Sind Gut und Böse nicht auch irgendwo gleichberechtigt?

mit dem lassen und dem los und der letzten Zeile sowie dem Titel im Allgemeinen bin ich etwas ratlos ... Der Titel könnte als Ergänzung hinten dran gelesen werden, dann würde es heißen: keines wird mich los(lassen)
... aber wie das dem Leser verklickern ?(

vielleicht magst du noch was zur zweiten Version sagen :)

lassen
Version II

Ich strample mit
den Füßen im Universum
ich hänge mit
den Haaren an Baumwurzeln

das Blut
rauscht in meinem Kopf
die Hände
fallen meinen Augen entgegen

Es zieht mich
auseinander wie Kaugummi

Ich zerreiße
zu klebenden Klümpchen

zwischen Oben und
Unten

keines lässt mich
keines wird mich

los


derweil abwartende Grüße ^^ ;
Chepre

reneka

Trainee

Date of registration: Aug 2nd 2007

Posts: 45 wcf.user.activityPoints: 225

Location: Europa

Occupation: Mathematik

4

Monday, August 27th 2007, 8:51pm

chepre,
s1/alt fand ich - unverändert -fast besser - das festhalten an den langen haaren (öhhh - aus dem profil) tut bildlich gut - vielleicht grad weils wehtut..

strampeln doch eher verzweifelt im Himmelmoor ... dachte bei der ersten interpretation, das universum jenseits 18 ließe grüßen - hab mich getäuscht...

schluss/neu ist s u p e r gut ( los ganz am ende korrespondiert zur überschrift)

deine gut/böse-argumentation find ich absolut akzeptabel,

die starken bilder schwirren weiterhin durch meinen kopf... und die klümpchen-theorie deutet doch auf verborgene talente...
gruß - reneka
(konnt' gar nicht länger abwarten)

Chepre

Unregistered

5

Monday, August 27th 2007, 11:24pm

reneka 8o

Quoted

s1/alt fand ich - unverändert -fast besser

ok, dann nehm ich "fest" wieder dazu. War mir bei der Änderung auch nicht so ganz sicher. :)

Quoted

tut bildlich gut - vielleicht grad weils wehtut..

nanana :D

Quoted

schluss/neu ist s u p e r gut

:) prima, das freut mich, dass wir das Problem mit vereinten Kräften beheben konnten

Quoted

deine gut/böse-argumentation find ich absolut akzeptabel,

y) ich auch

zum guten Schluss hier noch die erste Version, bevor ich den Anfangspost hin zur neuen editiere:

lassen

Ich strample mit
den Füßen im Universum
und hänge mit
den Haaren fest an Baumwurzeln

das Blut
rauscht in meinem Kopf
die Glieder
fallen den Augen entgegen

Es zieht mich
auseinander wie Kaugummi

ich zerreiße
zu klebenden Klümpchen

zwischen Oben und
Unten

keines wird mich los

*
26. August 2007


Danke dir für deine sehr hilfreichen Kommentare, reneka! :)

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