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Date of registration: Dec 23rd 2006

Posts: 1,181 wcf.user.activityPoints: 6,805

1

Friday, July 20th 2007, 1:45am

Blinde Farben

Blinde Farben

Nachtversteckte ferne Nähe,
wie vermiss' ich die im Schwarz!
Wünschte, dass ich Dich jetzt sähe,
schwingend, als Kristall aus Quarz:

Zeit ist ohne Dich vergänglich,
mit Dir ist sie ewig lang;
Du machst mich so überschwänglich,
dass ich abends niemals bang,

was am nächsten Tag geschieht.
Greif mich, nimm mich in die Fänge,
zeig mir, wie man Farben sieht!
Wenn mir doch ein Rot gelänge,

dann könnt ich die Liebe sehen,
die das Grauen bunt zerstört.
Gerne würd ich dorthin gehen,
wo Dein Augengrün betört.



Aus ferner Hoffnung ist der Mut,
der mich im Inneren beseelt,
wie flammensehnsüchtige Glut,
die täglich luftarm in mir schwelt.

Das Feuer, das Dich wärmen kann,
scheint fern, doch ist Dir längst schon nah.
Ich bin der einzig blinde Mann,
der jemals Deine Augen sah.


RPK 190707
Sammelsurium: Werkesammlung


autumncat

Professional

Date of registration: Oct 26th 2006

Posts: 255 wcf.user.activityPoints: 1,520

2

Friday, July 27th 2007, 7:09am

Lieber Roland,

so viele Klicks und nicht ein einziger Kommentar bisher?
Das wundert mich....

Dein Gedicht klingt schön und liest sich flüssig, wenn ich mir an manchen Stellen auch
das Metrum passendgelesen habe, z.B.
S6 Z3
flammensehnsüchtige Glut - ich lese
XxXxXxX
metrisch richtig wäre aber
XxXXxxX ?(

Du arbeitest mit Farben, die ein Blinder gerne sehen möchte und aus dem Gedächtnis beschreibt.
Wenn das Thema auch nicht gerade neu ist (welches ist das schon ;)),ist es doch lesefreundlich
umgesetzt und birgt eine gewisse Dramatik durch die Einbindung von
Liebe, Mut und Hoffnung.

Schön!

Sehr gern gelesen von
ac mit liebem Gruß =)
Verzeichnis der Katzenspuren

Es gibt nicht viel, das ich bereue; das aber ungemein.

Lymielle

Moderator

Date of registration: Jan 31st 2007

Posts: 1,494 wcf.user.activityPoints: 8,225

3

Friday, July 27th 2007, 2:10pm

Hmm, also Roland, jetzt wo mal jemand was dazu geschrieben hat, sag ich auch mal was. Ich habe zwar wirklich nicht viel zu sagen aber meine Lieblingsstellen muss ich doch loben. :D Aber auch die Stelle die mir gar nicht zusagt muss hervorgehoben werden:

Quoted

Du machst mich so überschwänglich,
dass ich abends niemals bang,
was am nächsten Tag geschieht.


Natürlich, hier verdeutlichst Du nocheinmal die Aussage der zwei Zeilen davor. Aber es sagt mir überhaupt nicht zu. Die erste Strophe ist einfach ein klasse Einstieg und Z5+6 sind auch noch toll, aber dann kommt sowas. 8o Das ist so schrech normal im Gegensatz zu dem restlichen Gedicht. Deine Ausdrucksweise ist hier schrecklich einfach!

Quoted

Wenn mir doch ein Rot gelänge,
dann könnt ich die Liebe sehen,
die das Grauen bunt zerstört.

Hier musste ich erstmal zweimal drüber lesen. Die letzte Zeile hat mich wirklich verwirrt, aber der Einsatz von "Grauen" und "bunt" ist hier genial - riesen Lob von mir! =)

Quoted

Ich bin der einzig blinde Mann,
der jemals Deine Augen sah.

Und in diese Stelle habe ich mich verliebt. :D Das ist mehr als genial und ein so tolles Ende für dein Gedicht. Vorallem wenn man die ersten zwei (die sind übrigens auch super gelungen!) und die letzten zwei Zeilen liest ist das gaaaaaanz toll. Ich weiß nicht einmal was mir an diesen letzten zwei Zeilen so gut gefällt. Aber ich musste einfach mal meine Liebe diesen Zeilen gegenüber gestehen. :P

Liebe Grüße,
Lymmel
"Ob Sie meine Sachen zu Kunst oder zu Scheiße erklären? - Who cares..."

Helmut Newton

Date of registration: Dec 23rd 2006

Posts: 1,181 wcf.user.activityPoints: 6,805

4

Tuesday, July 31st 2007, 12:57pm

Hallo Katzi...

Quoted

flammensehnsüchtige Glut - ich lese
XxXxXxX
metrisch richtig wäre aber
XxXXxxX
Nein. Wie kommst Du denn darauf? ?( "sehnsüchtig" ist ein daktylisches Wort Xxx. Bei "sehnsüchtige" ergäben sich drei Senkungen hintereinander Xxxx, was es nicht gibt, es tritt automatisch eine Nebenbetonung auf die dritte Silbe. Die alternierende Betonung stimmt also genau so, wie Du es gelesen hast.

Quoted

Du arbeitest mit Farben, die ein Blinder gerne sehen möchte und aus dem Gedächtnis beschreibt.
Ist so dirket verstanden nicht meine Intention gewesen, das "Blinde" ist metaphorisch und nicht wortwörtlich medizinisch-funktional gemeint. Aber man kann es natürlich auch so lesen, dass es ein organisch blindes lyrIch ist.

Quoted

birgt eine gewisse Dramatik durch die Einbindung von
Liebe, Mut und Hoffnung
Siehe oben: Ich hatte das nicht nur als eingebundene Aspekte, sondern als schon als Hauptaspekte gedacht.

Danke für Deinen Kommentar :]
___________________________________________________

Hallo Lymmel,

die von Dir markierte Stelle ist wohl tatsächlich etwas schwächer. Das schau ich mir nochmal an. ;)

Schön, dass Dir andere passagen besser gefallen, das bunt zerstörte Grauen und das Ende. Liebesgeständnis bezüglich des Schlusses? :D
Nun ja, es ist auch eine wichtige Stelle...

Liebe Grüße und Dank Euch beiden
Roland
Sammelsurium: Werkesammlung


Luna

Professional

Date of registration: Jul 15th 2007

Posts: 361 wcf.user.activityPoints: 2,140

Location: NRW

5

Tuesday, July 31st 2007, 1:27pm

RE: Blinde Farben

Hallo aNFANGENDe


Quoted

Original von aNFANGENDe
Blinde Farben

Nachtversteckte ferne Nähe,
wie vermiss' ich die im Schwarz!



eine schöne und treffsichere Wortwahl

was am nächsten Tag geschieht.
Greif mich, nimm mich in die Fänge,
zeig mir, wie man Farben sieht!
Wenn mir doch ein Rot gelänge,

dann könnt ich die Liebe sehen,
die das Grauen bunt zerstört.


Nicht zu dick aufgetragen, eher Sehnsuchtsvoll..
schön.


Ich bin der einzig blinde Mann,
der jemals Deine Augen sah.



Leicht zu lesen, und wirklich rund.

Gefällt mir gut

Luna
Ich glaube an Wunder

mellifica

Unregistered

6

Tuesday, July 31st 2007, 10:37pm

hallo aNFANGENDe,

ich dachte auch zunächst an jemanden der RotGrün blind ist, seltsamerweise tritt diese krankheit vorrangig bei der männlichen spezies auf und man könnte bald meinen Wenn mir doch ein Rot gelänge,aber du erklärtes dich ja schon :)

ich finde als sehr gelungen wie du mit der metrik brichst, die ersten vier strophen abwechselnde kadenzen und dann die letzten nur auf männlich endend, dass das Ich bin der einzig blinde Mann, der jemals deine augen sah erscheint, wie ja für dieses da brauch man doch keine augen, dies würde sogar ein blinder sehen

aber soll uns nicht die von dir gewählte farbenlehre :) die gemütsbewegung desjenigen wiederspiegeln, ja er scheint allein und seine farben, die des umfelds werden ihn erst wieder erreichen, wenn er in dieses Augengrün hinabsteigen darf

ich finde das werk sehr gut

LG melli

Date of registration: Dec 23rd 2006

Posts: 1,181 wcf.user.activityPoints: 6,805

7

Friday, August 3rd 2007, 6:07pm

Hallo Luna,

danke für Deinen Kommentar, freut mich, dass es Dir gefällt :]

Hallo mellifica,

ja, der metrische Wechsel geht zusammen mit dem inhaltlichen Wechsel zum "Abgesang". Diese Art der "Blindheit" ist eine eigene, sie besteht aus den Gegebenheiten, die Ferne mit sich bringt. Und die Unmöglichkeit, tatsächlich zu sehen, wird duch emotionale Vorstellungskraft und gefühlte Nähe überwunden.

"Sehr gut" hört sich sehr gut an, schön, dass es auch Dir gefällt. =)

Liebe Grüße
AE
Sammelsurium: Werkesammlung


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