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Date of registration: Dec 23rd 2006

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1

Sunday, July 15th 2007, 4:35am

Centesima

.

Centesima

Hundert kleine Inseln ohne Palmen,
pseudonyme Botschafter im Meer.
Wortgewandt wie aufgestellte Psalmen
ohne jede Wahrheit und Gewähr.

Heiße Feuer, strohblond nur am Qualmen,
kalte Welt aus bleierner Beschwer.
Sehnsuchtsrasen nur aus dünnen Halmen,
Wellenreiten auf dem glatten Meer.

So schwitze ich aus Blut und Wasser Land
mit uferlos von Wut umspültem Saum,
der schaumig weiß im Dunklen Wellen schlägt.

Worauf Ihr Eure Füße setzt ist Sand,
verdichtete Partikel ohne Raum:
An hundert Strände hab' ich Euch gelegt.


RPK 130707



.
Sammelsurium: Werkesammlung


Inspira

Unregistered

2

Monday, July 16th 2007, 6:36pm

RE: Centesima

Lieber AE,

was hast Du hier beschrieben? Ich kreise um diesen Text wie der Mond um die Erde und finde Ansatzpunkte, die ich wieder verwerfe und denke die Logik lasse ich mal aussen vor... und wage doch jetzt öffentlich zu rätseln:

Centesima: lat. der Hundertste

Dein 100.stes Gedicht?

Beschreibst Du dein Schreiben und nimmst dabei Bezug auf viele Flaschenpostgedichte die Du ins Lesermeer schickst?

Oder die Worte, die Du in den Welt(denk-)raum entlässt (Centesima ist ja auch ein Asteroid)?

Oder meinst Du ein Hundertstel und sprichst über die Kleinheit im Großen?

Gib Inspira mal einen Tipp!

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3

Monday, July 16th 2007, 7:01pm

Hallo Inspira,

Quoted

Centesima: lat. der Hundertste

Dein 100.stes Gedicht?

Beschreibst Du dein Schreiben und nimmst dabei Bezug auf viele Flaschenpostgedichte die Du ins Lesermeer schickst?
Das ist es ;).

LG Roland
Sammelsurium: Werkesammlung


autumncat

Professional

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4

Wednesday, July 18th 2007, 10:37pm

Hallo Roland,

ein Sonett im klassischen Reimschema stellst du uns hier vor.
Dein hundertstes Gedicht überhaupt oder hier im Forum eingestellt?

Die Reime Meer/Gewähr, Beschwer/ Gegenwehr und schlägt/gelegt
sind nicht sauber.
Ich kenne mich noch nicht so aus mit der Technik des Sonettschreibens.
Wahrscheinlich ist es möglich, unreine Reime zu verwenden.

Das Thema gefällt mir.
Hundert Entwürfe, die vielleicht zu einem einzigen Gedicht geworden sind, so sehe ich das.
Wenn das wahrscheinlich auch nicht oder nicht ganz deine Intention ist,
so habe ich immerhin eine Deutung versucht.

Am besten gefällt mir die letzte Zeile:

Quoted

An hundert Strände hab' ich Euch gelegt.


Ist schon wieder eine Idee fürs nächste Gedicht...


Lieben Gruß,
ac
Verzeichnis der Katzenspuren

Es gibt nicht viel, das ich bereue; das aber ungemein.

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5

Friday, July 20th 2007, 9:32pm

Hallo katzi,

Quoted

Dein hundertstes Gedicht überhaupt oder hier im Forum eingestellt?
Hier im Forum.

Quoted

Die Reime Meer/Gewähr, Beschwer/ Gegenwehr und schlägt/gelegt
sind nicht sauber.
Beschwer / Gegenwehr schon, die anderen nicht, ja.

Quoted

Ich kenne mich noch nicht so aus mit der Technik des Sonettschreibens.
Wahrscheinlich ist es möglich, unreine Reime zu verwenden.
Natürlich ist es "möglich", ist aber nichts Sonettspezifisches und sicherlich der Kritik ausgesetzt, ob dies gegenüber ausschließlich reinen Reimen ein Manko ist. Ich meine ja, aber sicher in diesen Fällen klanglich ein nicht nennenswert großes.

Quoted

Hundert Entwürfe, die vielleicht zu einem einzigen Gedicht geworden sind, so sehe ich das.
Ich meinte nicht Entwürfe, es sind ja schon 100 fertige, hier gepostete Gedichte.

Quoted

Am besten gefällt mir die letzte Zeile:
Zitat:
An hundert Strände hab' ich Euch gelegt.


Ist schon wieder eine Idee fürs nächste Gedicht...
Oi, hat Dich Dich mit der Zeile inspiriert? Na dann :]

Liebe Grüße
Roland
Sammelsurium: Werkesammlung


Odradek

Master

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Location: reine Fiktion

Occupation: (Un-)Sinnspule

6

Wednesday, July 25th 2007, 7:44pm

Hi Roland - endlich krieg ich auch die Kurve, Dein HUNDERSTES zu kommentieren! ;)

Zuerst wollte ich schon schreiben, dass man "Centesima" mit "Poema" ergänzt denken könnte ... aber das geht grammatisch nicht. :rolleyes:
Was auch immer Du hier gezählt wissen magst - - der Zusammenhang ist eh klar! :)


Vorweg:
Als Sonett-Fan bin ich natürlich angetan! :D
Und dann gefällt mir besonders, dass Du mit bewährt locker-souveräner Hand und Befähigung ein sattelfestes Gedicht zimmerst, ohne zu eng an der [vorgeblichen] "Orthodoxie" zu kleben: Dein Sonett liest sich für mich sehr wohltuend! :]

Als besonders hübsche Ecken möchte ich das adjektivisch verwendete "pseudonym" in 1/2 erwähnen (daaaaas gefällt mir!); 2/2 "bleierne Beschwer" ist sehr "poetisiert" - aber klangvoll und bildstark!; ebenso Dein "Sehnsuchtsrasen nur aus dünnen Halmen" (2/3); und ganz besonders gelungen ist das Bild in 3/3: "schaumig weiß im Dunklen Wellen schlägt".

"Strohblond nur am Qualmen"??? :D :D
Du alter Nikotinsüchtling! :P
Was nun "aufgestellte Psalmen" sind (1/3) ... und wie "wortgewandt" die wohl potentiell sein könnten, das weiß ich zwar nicht mal ansatzweise, das verschließt sich mir konsequent ... aber mir gefällt's!! :)

Zwei Mini-Anmerkungen:
3/3 "im Dunklen" : Mir würde "sprecherisch" im Dunkeln besser gefallen ...

4/1 "Worauf Ihr Eure Füße setzt ist Sand" - - Ich denke, da müsste eigentlich nach "setzt" ein Komma kommen ... ?!! :rolleyes:


Ansonsten sehe ich mich gegen Ende nun genötigt, mit einem kleinen Widerhaken gegen den Strom zu schwimmen - gegen die hier geäußerte Meinung und entgegen meiner eigenen Tendenz :P gefällt mir dieses Mal gerade der SCHLUSS nicht. Im Gegenteil, da sehe ich den einzigen mich störenden Schwachpunkt.
Natürlich nicht handwerklich-poetisch.
Aber vom Ton her, von der Haltung der letzten Zeile:
LyrIch mag uns 100 Strände angeboten haben ... hundert Inseln vorgelegt haben ... aber die nun umgedrehte Akzentsetzung in
"An hundert Strände hab' ich Euch gelegt."
klingt für mich ... nun ... wie soll ich sagen ... : ein bißchen nach Anmaßung.
Der Dichter postuliert hier einen Zugriff auf die Leser ... dabei dreht es sich doch hier um den Zugriff auf seine Gedichte.
Das verstimmt ein wenig.
Leider.
Sonst bin ich nämlich absolut glücklich mit der Aussage-Haltung des Textes.


Gruß an den kapitalen Hundertender
von
Odra. ;)
Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt.
(Afrikanisches Sprichwort)

ninniach

Trainee

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7

Thursday, July 26th 2007, 5:24pm

RE: Centesima

Hallo aNFANGENDe

ein Gedicht übers Dichten, gefällt mir gut.
ich finde dein Sonett sehr erfrischend, gerade weil es sich nicht genau an den Schlegel hällt.
wobei die betonten Anfänge der Quartette schon ein wenig den Sonett-Typischen fließenden Klang herausnehmen.
was mich ein klein wenig stört ist die Vormulierung "nur am Qualmen" die klingt in meinen Ohren recht umgangssprachlich.
ich finde es insgesamt sehr gelungen, wobei sich die Terzette noch einmal positiv von den Quartetten abheben.

LG

autumncat

Professional

Date of registration: Oct 26th 2006

Posts: 255 wcf.user.activityPoints: 1,520

8

Thursday, July 26th 2007, 8:59pm

Quoted

Ich meinte nicht Entwürfe, es sind ja schon 100 fertige, hier gepostete Gedichte.


Ja, ich weiß...
Gratulation zum Hundertsten.

Aber meine Intention wäre auch möglich gewesen, oder :]
Hundert kleine Inseln.....
Sind auch einige ganz große dabei.

LG
ac ;)
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