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Date of registration: Feb 3rd 2005

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Location: Europa

Occupation: Werkzeugmacher

1

Sunday, July 1st 2007, 12:19am

Soldat im Ostwind

Soldat im Ostwind


Ich hatte den Schornstein vom Kraftwerk bestiegen,
von Außen, die Stahlsprossenleiter hinauf -
die hundertzehn Meter, die konnt ich besiegen,
doch über die Plattform kam ich nicht hinaus.

Ich wollte die Hand in den Rauch hinein halten,
ihn fühlen, den Ruß, der nach Westen zieht;
ich wollte er sollte mir schneller erkalten
in kleineren Wirbeln, die keiner sieht.

Doch all meine Sprünge, die waren vergebens,
die Mauer war glatt und die Grenze nah.
Ich hatte noch nicht mal ein Viertel des Lebens
als ich mit dem Abstieg begann und sah,

ein Loslassen ginge: hinunter wärs leichter,
hinunter mit einem erlösenden Flug!
Mein Blick schweifte abwärts und müde erreicht' er
den Baustellengrund, den ich täglich ertrug.


Mein Leben, ich kam dir beim Abstieg entgegen,
ich schwor mir, ich arbeite weiter mit
und Uniformärmel verschluckten den Segen
der Tränen, die trockneten, Tritt für Tritt.

This post has been edited 2 times, last edit by "Alcedo" (Jul 31st 2007, 2:26pm)


Alexa

Blickdicht(erin)

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Location: von draußen vom Walde...

2

Tuesday, July 3rd 2007, 12:53pm

RE: Soldat im Ostwind

Soldat im Ostwind


Ich hatte den Schornstein vom Kraftwerk bestiegen, xXxxXxxXxxXx
von Außen, die Stahlsprossenleiter hinauf - xXxxXxxXxxX
die 110m, die konnt ich besiegen, xXxxXxxXxxXx
doch über die Plattform kam ich nicht hinaus. xXxxXxxXxxX

Ich wollte die Hand in den Rauch hinein halten, xXxxXxxXxxXx
ihn fühlen, den Ruß, der nach Westen zieht; xXxxXxxXxX
ich wollte er sollte mir schneller erkalten xXxxXxxXxxXx
in kleineren Wirbeln, die keiner sieht. xXxxXxxXxX

Doch all meine Sprünge, die waren vergebens, xXxxXxxXxxXx
die Mauer war glatt und die Grenze zu nah. xXxxXxxXxxX
Ich hatte noch nicht mal ein Viertel des Lebens xXxxXxxXxxXx
als ich mit dem Abstieg begann und sah, xXxxXxxXxX

ein Loslassen ginge: hinunter wärs leichter, xXxxXxxXxxXx
hinunter mit einem erlösenden Flug! xXxxXxxXxxX
Mein Blick schweifte abwärts und müde erreicht' er xXxxXxxXxxXx
den Baustellengrund, den ich täglich ertrug. xXxxXxxXxxX


Mein Leben, ich kam dir beim Abstieg entgegen, xXxxXxxXxxXx
ich schwor mir, ich arbeite weiter mit xXxxXxxXxX
und Uniformärmel verschluckten den Segen xXxxXxxXxxXx
der Tränen, die trockneten, Tritt für Tritt. xXxxXxxXxX



Hallo Alcedo

Soldat im Ostwind schreibst du im Daktylus, mit gekreuztem Reim – und wechselnden Kadenzen.
Hier sieht und hört man den Soldaten förmlich im Gleichtakt marschieren.

Zuerst muss ich sagen dass der Titel sehr gut gewählt wurde. Schon hier führst du mich auf eine Spur.
Soldaten marschieren- im Gleichtakt- Gehorsam ist angesagt- aber auch der Kampf.
Der Ostwind ist bekannt als kalter, rauer Wind.

Da klettert also ein Soldat ein Kraftwerk hinauf. Das Kraftwerk als ein Symbol, als etwas, dass antreibt.( Die Gesellschaft? Der Wunsch einen gewissen Status zu erreichen? )
Den Soldaten nehme ich hier nicht ganz wörtlich sondern beziehe ihn auf das Dasein, Denken und Handeln des Lyrich.
110 Meter hinauf über eine Stahlsprossenleiter- assoziiere ich mit der Lebensleiter. Ich kann noch tiefer hineindenken und Stahl als etwas kaltes und die Sprossen als nicht ungefährlich ansehen, was mir diesen ( Lebens) Aufstieg noch genauer vor Augen führt.

Vers 2 und 3 verunsichern mich allerdings etwas, weil es hier für mich mehrdeutig wird.
In Vers zwei finde ich das Wort Ruß –(Ruß verbinde ich mit Schmutz-) der nach Westen zieht.
Und ein Lyrich das diesen Ruß fühlen möchte.
Dieser Ruß ist ja demnach die sichtbare Folge der Lebensweise.
Will es hier die Auswirkungen unserer Gesellschaft/ seines Lebens spüren?
Oder bin ich mit der Ruß und Schmutz Sache gänzlich auf dem Holzweg ? Ich frage mich warum er da hineinfühlen möchte.
Es wünscht sich dieser Rauch würde für ihn schneller erkalten – also ist das eine Sache die er nur für sich persönlich wünscht.
Will das Lyrich das eigene Handeln nicht gutheißen? Will er die Auswirkungen aufhalten? Oder möchte es dieses Kraftwerk ( das Gesellschaftsdenken/ handeln, oder sein eigenes Tun im Leben ) nicht als das alleinig Wichtige stehen sehen?
In Vers drei strampelt er sich ab um noch höher zu gelangen. Auf die Plattform die für mich jetzt eher so was wie ein „Ausruhen“ darstellen würde. Das höchste aller Ziele.
Ich frage mich was er da oben will. Soll es den eigenen gesellschaftlichen Status darstellen? Will dieser Soldat ganz hoch hinaus? Oder ist es ihm nur von da oben möglich die Auswirkungen aufzuhalten?

Ich lese dann von einer Art Resignation. Die Wände zu glatt – keine Möglichkeit diese Plattform zu erreichen.

Es beginnt der Abstieg mit einem enttäuschten Unterton.
Ein Loslassen ginge; wäre leichter- steht hier für mich für ein Loslassen von gewissen Gesellschafts/ Denkstrukturen- was mitunter ja sehr erlösend sein kann, aber das würde auch den Abstieg bedeuten.
Das lyrich sieht hinunter und sieht den „ Baustellengrund“ (das worauf die Menschen/ er selber/ ihr Sein aufbauen/ aufbauen wollen) auf der er Tag für Tag mitgearbeitet hat.

Aber er ist ein Soldat-– gibt nicht kampflos auf. Auch wenn er mit seinem Handeln dem eigentlichen Leben entgegen wirkt
Er lebt in einem inneren „Krieg“ gegen sein eigenes Denken und Handeln.
Er hat sich eingefügt, ist mitmarschiert.
Uniformärmel – Tritt für Tritt- stehen hier für mich für dieses Anpassen, ( ein anpassen müssen?) Er weiß das sein Handeln falsch ist, beweint das auch, doch er fügt sich wieder in die "Truppe" ( Gesellschaft) ein und marschiert im Gleichtakt im kalten Ostwind- ( ein Kampf der aussichtslos scheint)


Ich versuche hier meine Gedanken zu deinem Gedicht zu beschreiben und musste mehrmals einen Anlauf nehmen, weil meine ersten Interpretationen nur einem Wirrwarr von Worten glichen.
Ich hoffe dass ich es jetzt verständlich rüberbringen konnte was ich in deinem Stück hier lese.

Auch wenn ich falsch liegen sollte bleibt der Soldat im Ostwind eines meiner Lieblingsstücke. Ein wunderschön in Form und Inhalt geschriebenes Gedicht in dem jedes Wort wohlüberlegt eingesetzt scheint und das in mir jede Menge Bilder ( fast zu viele) wachruft.

L.G.
Alexa
Mit dem Geist ist es wie mit dem Magen: Man kann ihm nur Dinge zumuten, die er verdauen kann.
(Winston Churchill)

Ich hier

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Location: Europa

Occupation: Werkzeugmacher

3

Tuesday, July 3rd 2007, 8:05pm

RE: Soldat im Ostwind

grüß dich Alexa

das Geixe bringt ja doch etwas: in S3Z2 ist mir die Zeile einer Vorversion reingerutscht, springt mir da ins Auge! das ändere ich gleich.

deine Interpretation gefällt mir, obwohl der Soldat hier eindeutig n i c h t marschiert.

die zweite Strophe ist ziemlich verkappt, und schwer zu durchschauen wenn der entsprechende Schlüssel fehlt. ich weiß nicht, ob das überhaupt jemand ergründen kann, aber dazu ist ja solch ein schönes Forum gut, nicht wahr?
aber das da trifft schon mal den Nagel auf den Kopf, soviel sei verraten:

Quoted

Original von Alexa
Er lebt in einem inneren „Krieg“ gegen sein eigenes Denken und Handeln.
Er hat sich eingefügt, ist mitmarschiert.
... ein anpassen müssen


dankeschön
Alcedo

edit:
110m ausgeschrieben

This post has been edited 1 times, last edit by "Alcedo" (Jul 31st 2007, 2:26pm)


machtwort

Unregistered

4

Tuesday, October 30th 2007, 6:55am

Hallo Walter,

da Alexa schon alles zur gelungenen Form Deines Gedichtes geschrieben hat
und ich grad meine allzu umfangreichen Lesezeichen reduziere um nicht mehr
so weit scrollen zu müssen ( ;) ), wage ich eine Interpretation.
Für mich zeigt sich hier ein Wendepunkt im Leben des „lyrischen ichs“, ein Entschluss
dem Leben ein Ende zu setzen, so interpretiere ich die „zu nahe Grenze“,
die nicht bezwungene Plattform und auch die Erwägung des „erlösenden Fluges“.
Eine mögliche Motivation dafür findet sich denn auch am (Baustellen)Grund,
wo sinnlose Plackerei wartet.
Dann folgt der Entschluss weiterzumachen und beim Abstieg wird mit den
trocknenden Tränen klar, daß das erste Viertel des Lebens doch nicht das letzte
gewesen sein soll.
Sehr ergreifendes Gedicht, wie immer ein Vergnügen, es wiederholt laut zu lesen.

Liebe Grüße: Stefan

wcf.user.socialbookmarks.titel