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Occupation: (Un-)Sinnspule




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Ich male mir mit roter Farbe
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ein breites Grinsen ins Gesicht
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und lauf mit viel zu großen Schuhen
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in grünkariertem Jackenrock
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durch meine eigene Manege.
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Für euer Lachen, weine ich.
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Oft sieht man meinen Zirkuswagen
aus buntbemaltem Fichtenholz
holpernd durch die Straßen ziehen.
Zur nächsten großen Clownerie.
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Doch wenn mein letzter Vorhang fällt,
dann nehme ich die Tränen mit.
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Dein reimloses Gedicht hat einen wunderbaren rhythmischen Fluss.
Von zwar reimlosen Gedichten aber in klassischem Metrum, in klassischem Muster und in "klassischer" Sprache ist mir diese eines der angnehemsten und schönsten, rundesten.
![:]](wcf/images/smilies/pleased.gif)
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Dass in den durchweg vierhebigen Zeilen dann im zweiten Texblock bei
"holpernd durch die Straßen ziehen"
der Auftakt wegfällt, stört [mich] überhaupt nicht .. im Gegenteil, kann man dieser Abweichung doch inhaltlich sogar Begründung geben.

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im grünkarierten Jackenrock
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Nimmt LyrIch nur seine Tränen mit (das wäre binsenweisheitlich normal) - oder auch die von anderen?

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"Zirkusleben" hebt sich deutlich von deinem letzten Gedicht "Augenblickzauber" ab.
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Gerade dieses Spöttische ist es, das die Hoffnungslosigkeit des lyrischen Ichs zementiert.
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Ist die Kursivschreibweise beabsichtigt? Liegt darin die Kernaussage?
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1.) Rot gilt allgemein als die Farbe des Lebens. Versucht das von jeglicher Lebensfreude verlassene Lyrische Ich sich das Leben "aufzutragen", sich zu maskieren quasi als Make-up.
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2.) Rot ist aber auch die Farbe der Liebe. Durch das Anmalen könnte auch der Beliebtheitsgrad erschlichen werden.
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ein breites Grinsen ins Gesicht
Die gute Miene zu schlechtem Spiel? Das "breite" überspitzt, verstärkt das Verlangen danach.
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und lauf mit viel zu großen Schuhen
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man will ja mit der "Zeit" Schritt halten
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in grünkariertem Jackenrock
Die Groteskheit deutet hier noch einmal auf das allein auf die Unterhaltung zielende zur Schau stellen. Unterhaltung, nicht die eigene, gelebte Subjektivität ist oberstes Gebot.
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durch meine eigene Manege.
Scheinbar gefällt man sich in dieser Rolle stückweit, wird einem doch Applaus zuteil ...
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Für euer Lachen, weine ich.
... für den man sich aufs aller Erniedrigendste "prostituiert" hat.
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Oft sieht man meinen Zirkuswagen
aus buntbemaltem Fichtenholz
holpernd durch die Straßen ziehen.
Zur nächsten großen Clownerie.
"The show must go on". Ein ewiges Abhetzen von einer Belustigung zur nächsten.
Man "erspielt" sich seine Freunde, seine Verehrer um ein paar Knochen der Anerkennung, die es abzunagen gilt.
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Doch wenn mein letzter Vorhang fällt,
dann nehme ich die Tränen mit.
Wenn der Vorhang fällt, der letzte Lidschlag in der Todesstunde fällt, zerreisst auch der Schleier: kein gestilltes Verlangen, edles Leben flieht.

