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Odradek

Master

Date of registration: Mar 9th 2007

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Occupation: (Un-)Sinnspule

1

Tuesday, June 12th 2007, 6:27pm

Fort Gang

Fort Gang



deine Augen
waren lichter
loh und warm
blütig wie sonnen
blumen im herbst
zeitlos ist nichts:
von dir bleibt
dein rest licht
verstärkt mein denken
können zu mustern im dunkel
blau und schwarz
torf feuer zeichen
glimmen leise
innen aus
und end
gültig



.
Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt.
(Afrikanisches Sprichwort)

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2

Friday, June 15th 2007, 1:17am

Hallo Odradek,

vielleicht liegt es an der Sonnenblume,
aber dein Bild wirkt auf mich
angenehm wärmend denn sterbend.

Die feine Umschreibung der braunen Augen finde gelungen!

Die von Dir aufgezeigten Ebenen sind klar
erkennbar, Rätsel gibt es also nicht zu lösen.

Einzig mit - blau und schwarz -
kann ich nichts anfangen?

Vielleicht magst Du es mir erklären?


Liebe Grüße
Katerchen
Dämmerungskrallen
Versonnen
Im Schilf
die Kätzchen
Eines Nußbaumes

Odradek

Master

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3

Monday, June 18th 2007, 2:17pm

Dank Dir, Katerchen, für Dein Lesen! :)

Quoted

Original von Katerchen
Einzig mit - blau und schwarz -
kann ich nichts anfangen?

Vielleicht magst Du es mir erklären?


Im Sinne des hier vorherrschenden Prinzips der über die Zeilenenden gebrochenen / hinweggezogenen Doppel-Lesbarkeit könnte man das so zusammenstricken:
Das Denken bzw. Denkenkönnen des LyrIch wird durch das Restlicht bzw. die Restlichtverstärkung des LyrDu "verstärkt"/geordnet zu Mustern im Dunkel der Trauer - und dieses it dunkelblau und schwarz (man könnte vllt. an ein Muster denken, das dunkelblau auf Blauschwarz gemalt ist und deshalb eher strukturell zu "erahnen" ist denn als Kontur zu erkennen).
Schließlich zeichnen die Schwarztorffeuer Feuerzeichen, die ausglimmen ...


Gruß,
Odra.
Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt.
(Afrikanisches Sprichwort)

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4

Friday, June 22nd 2007, 7:34pm

hallo Odra,

das ist ein Vers, der sich wie ein Band durch meinen Kopf schlängelt, und dessen ´Ende´ ich doch nicht fassen kann. Es scheint wieder von vorne zu beginnen, wie ein gedankliches Möbiusband.
So erreicht mich dein Gedicht: es fliesst, die Farben gehen ´langsam´ ineinander über, in einer rollenden Bewegung, fast lautlos.
Die konsequente Kleinschreibung macht hier wirklich Sinn. Gegenständliches weicht zurück, die Grenzen zwischen Sein und Tun verschwimmen, wobei sich dieser Eindruck durch die Formatierung (Zeilenumbrüche) noch verstärkt.
Beim Lesen wird der Wunsch danach, dieses ´Muster´, diesen (Lebens-)Verlauf zu durchbrechen spürbar, doch das nur im Hintergrund, leise, flimmernd. Und der Klang dieser Zeilen scheint flüsternd zu sein, und auch tröstend. Schön, in ihrer zurückhaltenden Melodik, die mich an Klänge Erik Satie´s erinnert. Meinen Kopf mag ich gar nicht einschalten, so intensiv kann ich diese Stimmung wahrnehmen. Fühle mich persönlich berührt.

liebe Grüsse

Judith
Tipp für mißachtete Analphabeten: auch hinter einem nicht geschriebenen Satz lässt sich ein Punkt setzen.

Ciproflox

Professional

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5

Friday, June 22nd 2007, 9:42pm

RE: Fort Gang

Quoted

Original von Odradek
Fort Gang



deine Augen
waren lichter
loh und warm
blütig wie sonnen
blumen im herbst
zeitlos ist nichts:
von dir bleibt
dein rest licht
verstärkt mein denken
können zu mustern im dunkel
blau und schwarz
torf feuer zeichen
glimmen leise
innen aus
und end
gültig



.


Ich wage es!
Kompliziertes Gedicht:

deine Augen
waren lichter
loh und warm

loh? wie in Lohe aka Glut?
oder Lohe wie in Bezug stehend zum Gerbprozess, ich nehme ersteres an?

licht, loh und warm

licht ist schwierig: so wie ein lichter Wald, d.h. "weit gestreut", "offen", "durchsehbar", loh und warm ergänzt sich, kein Feuer, aber schlummernde Glut.


blütig wie sonnen
blumen im herbst
zeitlos ist nichts:
von dir bleibt
dein rest licht

Blütig, hah ein schönes Wort, blutig schwingt unweigerlich mit. Die Sonnen verweisen auf die Glut von vorhin; Blumen im Herbst (als Anreihung gedacht, also ein weiterer Vergleich zu den Augen?, wirkt unklar)

zeitlos ist nichts = schwer, zu schwer!

von dir bleibt
dein rest licht

Restlicht? Das Licht wird wieder aufgegriffen, es bleibt licht, das wäre gut, kleingeschrieben hieße es allerdings, es bliebe offen, unklar!

von dir bleibt
dein rest licht
verstärkt mein denken
können zu mustern im dunkel
blau und schwarz
torf feuer zeichen
glimmen leise
innen aus
und end
gültig

die ganze passage fungiert als erklärung des vorherigen:

dein rest licht ist doppelfunktional:
von dir bleibt/dein rest licht
und
dein rest licht/verstärkt mein denken
ja?`wenn dem so ist, sowas mach ich auch gerne :D
können zu mustern im dnkel
blau und schwarz

das können bezieht sich auf ?
ohje jetzt machst du mir die hölle heiß, die ereignisse ueberschlagen sich, kaum fastbar sind die verbindungen_
blau schwarz/torf feuer zeichen/glimmen leise/innen aus/ und end/gültig

das nichtfeuer wird weitergeführt. in diesen augen steht die vergänglichkeit, ein feuer, das nur eines atemstoßen benötigte, um zu brennen. Doch Glimmen bedeutet tendenziell Ausgehen. Und End. Gültig scheint dein Urteil. Ist es wirklich vorbei?

Was ist mit den Sonnenblumen, die sich nach der Sonne wenden?

Verstehe ich rein gar nichts?

Schönes Gedicht. Im Fort Gang möchte ich nicht eingesperrt sein ;)

Liebe Grüße
Cipro
Überblick

Zitat von »King Lear«

Aus nichts kann nichts entstehen: sprich noch einmal

Odradek

Master

Date of registration: Mar 9th 2007

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Location: reine Fiktion

Occupation: (Un-)Sinnspule

6

Wednesday, February 13th 2008, 3:10am

mea culpa ......

Ojeojeojeojeojeoje.... :huh: . :( . ;(

Könnt Ihr mir das je verzeihen???

Dass ich so gedanklich tiefgehende, engagierte Kommentare ... zudem mir wirklich, wirklich wichtige und mir wirklich, wirklich liebe Kommentare zu einem mir wirklich, wirklich wichtigen Text - - so lange unbeantwortet in der Dunkelkammer der Forenabgründe zustauben ließ??!!!!! 8| . 8o . :pinch:

:pinch:

Gerade zu diesem Text sind mir Eure Kommentare - und gerade Eure [!!] - so wertvoll und wichtig und nahegehend.
Und essentiell.


. . . - - . . Nun: Genug gejammert. Ich bin's ja selber schuld ...


--------------------------------


DANKE. Danke, Judith. =)

das ist ein Vers, der sich wie ein Band durch meinen Kopf schlängelt, und dessen ´Ende´ ich doch nicht fassen kann. Es scheint wieder von vorne zu beginnen, wie ein gedankliches Möbiusband.
Ein schönes Bild, das mich reichlich sprachlos zurücklässt ...

Quoted

Die konsequente Kleinschreibung macht hier wirklich Sinn. Gegenständliches weicht zurück, die Grenzen zwischen Sein und Tun verschwimmen
Oh ja. Schön, wenn man sich so verstanden fühlen darf! :]

Quoted

Und der Klang dieser Zeilen scheint flüsternd zu sein, und auch tröstend.
Das "tröstend" weist mich auf eine im Hintergrund stehende Diemnsion hin, die ich selbst zuerst kaum, allenfalls unterschwellig wahrgenmommen habe ... schön, wenn man selbst lernen (und verstehen!) darf!

Quoted

.. zurückhaltende Melodik, die mich an Klänge Erik Satie´s erinnert.
Das ist jetzt nicht wahr!! 8|
Wie kannst Du meine Gedanken zu Saties "Klangbändern" und ihrer Parallelität zu solcher Dichtung aufspüren??? Das ist unglaublich: als würdest Du mit meinen Ohren hören.

Quoted

Meinen Kopf mag ich gar nicht einschalten, so intensiv kann ich diese Stimmung wahrnehmen. Fühle mich persönlich berührt.

Danke. Danke, Judith.


--------------------------------




Und vielen dank Dir, Cipro, für Dein gedankenreiches Bemühen um diesen Text und für Dein tiefsinniges Nachspüren.
Du hast VIEL aufgespürt.
Ganz genau aufgespürt. =)

Im einzelnen:

Quoted

loh? wie in Lohe aka Glut?
oder Lohe wie in Bezug stehend zum Gerbprozess, ich nehme ersteres an?
Ja, ersteres. So dass wir auch ein "lichter/loh" als Wort haben ...


Quoted

licht ist schwierig: so wie ein lichter Wald, d.h. "weit gestreut", "offen", "durchsehbar", loh und warm ergänzt sich, kein Feuer, aber schlummernde Glut.
Sehr treffende Gedanken.


Quoted

blütig wie sonnen
blumen im herbst
zeitlos ist nichts:
von dir bleibt
dein rest licht

Blütig, hah ein schönes Wort, blutig schwingt unweigerlich mit. Die Sonnen verweisen auf die Glut von vorhin; Blumen im Herbst (als Anreihung gedacht, also ein weiterer Vergleich zu den Augen?, wirkt unklar)
Die "blütig/blutig"-Konnotation schön erspürt ... der Vergleich zu den Augen ist auch lesbar als immer noch der gleiche seiend wie zu Beginn: warmblütig wie Sonennblumen.


Quoted

Restlicht? Das Licht wird wieder aufgegriffen, es bleibt licht, das wäre gut, kleingeschrieben hieße es allerdings, es bliebe offen, unklar!
Hmm .. zweimal "unklar": Ja.
Aber nicht im Sinne von diffus, sondern von mehrdeutig - mit voller, essentieller Absicht!
Ich war dabei penibel darauf bedacht, dass alle möglichen Bedeutungen innerhalb der Text-Lesbarkeiten in meinem Dienste stehen.
Es ist also egal, wie man die jeweiligen Zeilen zuerst liest, wie man sie zuerst zusammenzieht - (m)einen Sinn sollte es immer geben; wichtig ist, die Mehrdeutigkeit zu spüren.


Quoted

das können bezieht sich auf ?
Lesbar etwa auch als "Denken/können" ...

Quoted

das nichtfeuer wird weitergeführt. in diesen augen steht die vergänglichkeit, ein feuer, das nur eines atemstoßen benötigte, um zu brennen. Doch Glimmen bedeutet tendenziell Ausgehen. Und End. Gültig scheint dein Urteil. Ist es wirklich vorbei?

Was ist mit den Sonnenblumen, die sich nach der Sonne wenden?
Schöne Fragen!! :]

Quoted

Verstehe ich rein gar nichts?
Wenn Du diese Fragen stellst, hast Du verstanden ... :)

Quoted

Schönes Gedicht.
Danke, Cipro! =)


---------------------------


Und nochmal SORRY Euch beiden für diese ungebührliche Verzögerung (derer ich bestimmt noch mehr aufzuholen habe ... 8o 8o ).

Zerknirschte, aber glückliche Grüße von
Odra. =)
Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt.
(Afrikanisches Sprichwort)

Luna

Professional

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7

Wednesday, February 13th 2008, 2:54pm

RE: Fort Gang


Quoted

Fort Gang

Fort Gang,.. unter Tod Trauer Schmerz

Quoted

deine Augen
waren lichter
loh und warm
blütig wie sonnen
blumen im herbst


Selten, aber hier fehlen mir die Worte, tut mir leid
ich bin tief ergriffen von deinen Worten.
Ich spüre soviel Schmerz

Quoted

zeitlos ist nichts:
von dir bleibt
dein rest licht

Das gefällt mir sehr gut
Jetzt käme..dein rest licht

Quoted

verstärkt mein denken
können zu mustern im dunkel
blau und schwarz
torf feuer zeichen
glimmen leise
innen aus
und end
gültig


Hallo Odradek
Ich habe die anderen Kommentare noch nicht gelesen, und bin schon
ganz hibbelich, was da so steht.

Mir hat es von Herzen gut gefallen.

Ganz traurig im Moment

Gerne gelesen

Luna
Ich glaube an Wunder

kleiner_goethe

Unregistered

8

Wednesday, February 20th 2008, 7:41pm

WIll nicht anderes Lesen und leite mich nur auf mein Gefühl!!!

Z E I T l O S E R LESERYTHMUS.. diese Wallungen der einzelnen Zeilen, genial genial genial!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

nein ich pbertreibe nicht und überschwenglich leide ich auch nicht.. es gefällt mir einfach, von a bis Z:: ich habe kaum im INhalt geschaut nur mich diesen einzigartigen Lesegefühl hingegeben..

Hutziehen

Gruss Kg

Bilderelse

Intermediate

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9

Thursday, February 21st 2008, 11:03am

Fort Gang

Fort Gang


Guten Morgen,

Dein Gedicht gefällt mir. Es hat eine warme Ausstrahlung, trotz "Fort Gang". Ach, wäre jeder fort Gang so hell...auch für den Fortgehenden. Irgendwann werden wir es vielleicht einen Augenblick lang wissen, hoffentlich noch nicht so bald.

Danke für ein Gedicht mit so viel Leichtigkeit, trotz Schwere des Themas: ernsthaft, schwebend, schön. Sehr gelungen.

lieben Gruß Bilderelse

Odradek

Master

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Occupation: (Un-)Sinnspule

10

Friday, March 7th 2008, 3:45am

RE: Fort Gang

.
Oh ja, sehr schön: Eure Kommentare verdichten sich gemeinsam zusammen zu einem Bild dieses Textes zwischen ergreifender, schmerzvoller Trauer (Danke für Dein schmerzliches Mitempfinden, Luna :) )
und der dennoch offenbar zu empfindenden/entdeckenden Wärme und Helligkeit ... irgendwie (Danke, Else, für Dein feinfühliges Auf- und Nachspüren :) )
- und dann dazu die Bestätigung, dass es auch im reinen (unreflektierten) "Leserausch" funktioniert und etwas hergeben kann (Danke, KleinGoethe, für Deine Hingabe und Begeisterungsfähigkeit :) ).

Es ist mir dies tatsächlich ein sehr wichtiges Gedicht.

Umso mehr erfreut mich die Rückmeldung:
Danke für ein Gedicht mit so viel Leichtigkeit, trotz Schwere des Themas: ernsthaft, schwebend, schön. Sehr gelungen.


Danke Euch! =)
Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt.
(Afrikanisches Sprichwort)

sanscryt

einfach nur franz

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11

Friday, March 7th 2008, 10:19am

jaja, nach dem wohl schon mehr als alles gesagt wurde, bleibt nicht viel mehr übrig als den Hut zu ziehen



Hochachtung - du bist jetzt mein neues Vorbild :D

Danke und Gruß an diesen Text!

zephyr - beeblebroxed

einfach nur franz


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