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Date of registration: Dec 23rd 2006

Posts: 1,181 wcf.user.activityPoints: 6,805

1

Monday, June 11th 2007, 3:46pm

Löwenzahn

Löwenzahn

Nach einer bluttrockenen Nacht
salbt Morgentau den Raubtierrachen.
Geronnenes wird speichelnass gelöst
und fließt in Strömen
in die rotgoldene Kehle.
Sonnengelbe Scheinblüte.

Die kalkigen Knochen liegen
gebrochen, gehäuft; das Fleisch,
von reißenden Zähnen gekämmt,
ist abgenagt, nur letzte Fetzen
hängen von Galgen aus Gebeinen.
Kahler Kopfstand.

Zersetzte Fasern binden noch schwach
das Kleid an den vergangenen Leib;
Der gelbe Geist ist ausgefahren,
nur noch hülsenhafte Höhle ist,
was einst den Löwen zähmte.
Pappus im Wind.


RPK 110607
Sammelsurium: Werkesammlung


Date of registration: Jul 31st 2007

Posts: 34 wcf.user.activityPoints: 185

2

Saturday, September 8th 2007, 6:40pm

Hallo Roland,
ein schönes Wortspiel präsentierst du uns hier. Was kann ich dazu schreiben?
Die Idee ist gut, die Umsetzung auch.
Zweideutig beschreibst du den Lebensprozess des Löwenzahns, könnte man gleichzeitig auch das Bild eines Löwens vor Augen führen.Gut finde ich auch die Aufteilung des Werkes, in der du an jedem Strophenende noch mal auf das Stadium des Prozesses verweist. Mir hat es gut gefallen.
Gern gelesen und kommentiert.

Grüße von Fleur

Akineton

Intermediate

Date of registration: Sep 26th 2007

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Location: Gießen

Occupation: Engelflügelmechatroniker

3

Monday, October 1st 2007, 9:40pm

Ein Naturschauspiel voller Dramatik. Der Löwenzahn bzw. dann die Pusteblume oft keines besonderen Blickes würdig, weil so alltäglich, offenbart plötzlich ein Geschehen,das an Dynamik und Veränderung seinesgleichen sucht.
Dieser Text hat für mich schon philosophische Qualität : Alles ist im Fluß. Vergehen und Werden. Der Makrokosmos im Mikrokosmos.

Die Sprache des Gedichtes atmet den Blick eines Pathologen. Das passt und lässt in der Prozesshaftigkeit erschaudern.

Was sind wir anderes als Löwenzahn?

Ein gelungenes Werk.

freundliche Busecker Grüsse nach Gießen.
Meine Ohren lassen die Flügel hängen, weil meine Augen lahmen. Vielleicht erkennt mein Mund einen Weg.

Luna

Professional

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Location: NRW

4

Tuesday, October 2nd 2007, 3:09pm

Hallo aNFANGENDe

Wunderbar dramatishe Schilderung eines Prozesses der Natur.

Tolle Schreibweise..ich dachte auch zuerst an einen Löwen.

Wirklich gern gelesen

Luna
Ich glaube an Wunder

laughing_lupa

nicht einzig

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Location: dazwischen

Occupation: fragmentarier

5

Saturday, October 6th 2007, 9:50pm

ich kann mich den mir zuvor gekommenen kommentatoren nur anschließen. das einzig störende in dem gedicht ist die formulierungen der letzten zeile in S2. da wirkt die alliteration erzwungen und krampfig an die der ersten strophe angepasst. ich glaube, du erreichst mehr ausdruck, indem du dem vers mehr individualität verleihst...
moment... ich habe gerade versucht eine andere formulierung für eben jenen vers zu finden, komme aber nicht von alliterationen weg... :S
vermutlich stört mich mehr der "kopfstand"
wie wäre es mit
"kahle krankheit"
oder
"kahle komik"
letzteres ist mein favorit :evil: :] , weil das auch sehr zur beschriebenen pathologischen kälte passt. :rolleyes:

naja... 8|

bin verwirrt...

lalalupa
in uteri zur winterszeit


Alles prüfe der Mensch, sagen die Himmlischen, daß er, kräftig genährt, danken für Alles lern und verstehe die Freiheit aufzubrechen, wohin er will.

Friedrich Hölderlin

Date of registration: Dec 23rd 2006

Posts: 1,181 wcf.user.activityPoints: 6,805

6

Wednesday, October 10th 2007, 8:56pm

Hi Fleur,

Quoted


Zweideutig beschreibst du den Lebensprozess des Löwenzahns, könnte man gleichzeitig auch das Bild eines Löwens vor Augen führen. Gut finde ich auch die Aufteilung des Werkes, in der du an jedem Strophenende noch mal auf das Stadium des Prozesses verweist.
Könnte und soll. Es läuft parallel, die Übertragung des vom Leben gefressenen Lebenbändigers auf den jeweiligen Status im Verlauf der Vergänglichkeit, und schließlich noch ein Ausblick. Deine Interpretation beschreibt das, was ich beschreiben wollte, gut :) .

Hi Akineton...

Quoted


Ein Naturschauspiel voller Dramatik. Der Löwenzahn bzw. dann die Pusteblume oft keines besonderen Blickes würdig, weil so alltäglich, offenbart plötzlich ein Geschehen,das an Dynamik und Veränderung seinesgleichen sucht.
Kommt immer darauf an, was man für würdig hält, oder für beachtenswert. ;)

Quoted


Dieser Text hat für mich schon philosophische Qualität : Alles ist im Fluß. Vergehen und Werden. Der Makrokosmos im Mikrokosmos.
Ich hatte überlegt, ihn in die Kategorie zu posten, aber weil das Hauptthema Vergänglichkeit ist, hab ich dann doch Tod genommen.

Quoted


Die Sprache des Gedichtes atmet den Blick eines Pathologen. Das passt und lässt in der Prozesshaftigkeit erschaudern.
Ich habe bewusst, besonders in S1 ziemlich widerwärtige und in S2 hart klingende Worte gewählt. Knocherne sozusagen.

Quoted


Was sind wir anderes als Löwenzahn?
Menschen.

Quoted


freundliche Busecker Grüsse nach Gießen.
Ahhhh! Altenbuseck oder Großen-Buseck? *freu*

Hallo Luna.

Quoted


Tolle Schreibweise..ich dachte auch zuerst an einen Löwen.
Ja mach doch! Es ist einer. Kein wirklicher Löwe, aber ein bildlicher Löwe. ;)

Joa la-lu,

Quoted


das einzig störende in dem gedicht ist die formulierungen der letzten zeile in S2. da wirkt die alliteration erzwungen und krampfig an die der ersten strophe angepasst.
Da hatten wir ja schon drüber gesprochen und ich hatte Dir erklärt, dass der "Kopfstand" kein Zufallsalliterationskrampf" ist sondern der tatsächliche Ausdruck für den Gnubbel oben am Löwenzahn, auf dem die Samenfallschirmchen sitzen - und dann eben nicht mehr sitzen, wenn sie weggeflogen und jeder für sich ein "Pappus im Wind" geworden sind...

LG Roland
Sammelsurium: Werkesammlung


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