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Date of registration: Dec 23rd 2006

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1

Monday, June 4th 2007, 2:06am

Augenlicht

.
Augenlicht

Es kratzt ein Licht an meiner Tür,
das scheint aus Dunkelheit geboren,
hat sich mit sicherem Gespür
in meinen Augen tief verloren,

die aus blanker Freude sind.
Sie waren nie im Schwarz erblindet.
Schau, was nun im weißen Wind
den Glanzpunkt wiederfindet:

Irispaare hinter Lidern
steh’n in neuem, feuchtem Beet;
sie werden jeden Blick erwidern:
Glück ist morgen nie zu spät.



RPK 010607 / F2 040607


.
Sammelsurium: Werkesammlung


Ralph

Intermediate

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Posts: 128 wcf.user.activityPoints: 820

Location: Mosbach (BaWü)

2

Monday, June 4th 2007, 2:51am

RE: Augenlicht

Hallo Anfangende,

wie Dir die Worte um diese Nachtzeit nur so aus der Feder sprudeln? Wahnsinn!

Sehr anspruchsvoll, sehr wortverdichtet und doch flüssig dahergehend.

Ich möchte das Gedicht einfach auf mich wirken lassen und nicht weiter kommentieren, da ich durch das Hervorheben einzelner Lieblingszeilen (und das sind nicht wenige) andere Passagen durch Nichtkommentierung zurück stufen würde, zumal sie doch alle gleich schön wirken.

Vermutlich hat Dir mein Beitrag jetzt nicht viel gebracht, da ich nicht mit konkreten Aussagen Rückmeldung gegeben habe, aber man sollte auch nicht bei einem guten Wein über dessen chemische Zusammensetzung reden, sondern den edlen Tropfen einfach nur genießen.

Gute Nacht,
Ralph

Date of registration: Dec 23rd 2006

Posts: 1,181 wcf.user.activityPoints: 6,805

3

Monday, June 4th 2007, 8:36am

RE: Augenlicht

Hallo Ralph,

So schnell hatte ich mit einem Kommentar nun nicht gerechnet :D

Quoted

wie Dir die Worte um diese Nachtzeit nur so aus der Feder sprudeln? Wahnsinn!
Ich habe diesen Text diese Nacht nur zu einer neuen Fassung überarbeitet, er war drei Tage "alt". Deine Bemerkung trifft eher auf "Regenlied" zu, das ist meine Nacht gewesen.

Quoted

Sehr anspruchsvoll, sehr wortverdichtet und doch flüssig dahergehend.
Danke für dieses tolle Kompliment, hört sich gut an, irgendwie. :]

Quoted

Ich möchte das Gedicht einfach auf mich wirken lassen und nicht weiter kommentieren, da ich durch das Hervorheben einzelner Lieblingszeilen (und das sind nicht wenige) andere Passagen durch Nichtkommentierung zurück stufen würde, zumal sie doch alle gleich schön wirken.
Mhh, hätte mich schon näher interessiert, denn wenn Du Lieblingszeilen hattest, dann haben eben doch nicht alle gleich schön gewirkt, sondern manche eben doch schöner. Verstehe aber, was Du damit ausdrücken wolltest.

Quoted


Vermutlich hat Dir mein Beitrag jetzt nicht viel gebracht,
Naja doch, Du hast ja imerhin einige für Dich den Text typisierende Merkmale benannt.

Quoted

aber man sollte auch nicht bei einem guten Wein über dessen chemische Zusammensetzung reden, sondern den edlen Tropfen einfach nur genießen.
Als bekennender Rotweinmensch stimme ich Dir da zu ;)

Danke für Deine typisch ralphig-schwebenden Worte zu meinem Gedicht und

liebe Grüße
Roland
Sammelsurium: Werkesammlung


Inspira

Unregistered

4

Monday, June 4th 2007, 10:34pm

RE: Augenlicht

Hallo AE,

ein ganz ein schönes Zuversichtsgedicht, dass mir fast auch das Wasser im "Beet" steht, hast Du hier verfasst.
Das Licht aus Dunkelheit geboren ist meine Lieblingsstelle: gute fast philosophische Beschreibung im Sinne des alten Sprichwortes: "Hoffnung ist der Vogel, der singt, wenn die Nacht noch dunkel ist."
Eins ist mir jedoch verborgen geblieben: Was meinst du mit dem weißen Wind? Eine andere Bezeichnung für Licht für etwas Blendendes?

Mit abendlichen Grüße, Inspira

Date of registration: Dec 23rd 2006

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5

Monday, June 4th 2007, 10:53pm

RE: Augenlicht

Hi Inspira,

ja ein Zuversichtsgedicht. Zu Deiner Frage:

Quoted

Eins ist mir jedoch verborgen geblieben: Was meinst du mit dem weißen Wind? Eine andere Bezeichnung für Licht für etwas Blendendes?
Das steht für den "neuen Wind", weiß = positiv im Kontrast zum Schwarz im Vers davor und in Bezug auf das Licht aus Vers1. Aufbruch, neue Hoffnung, der weiße Wind bläst in die nicht erblindeten Aufen und bringt den Glanz auf die zurück.

Mit abendlichen Grüßen zurück
Roland
Sammelsurium: Werkesammlung


Ralph

Intermediate

Date of registration: Jan 2nd 2007

Posts: 128 wcf.user.activityPoints: 820

Location: Mosbach (BaWü)

6

Wednesday, June 6th 2007, 8:44pm

RE: Augenlicht

Hallo Roland,

Quoted

Es kratzt ein Licht an meiner Tür,
das scheint aus Dunkelheit geboren,
hat sich mit sicherem Gespür
in meinen Augen tief verloren,


Bei aller Kompositionsgabe des Gedichtes fand ich Z2 am schönsten, sie besticht durch Einfachheit bei bedachter Wortwahl und einer kühnen Gedankentiefe.
In Z2 ereilte mich ein ferner Ruf, während ich über dieser Zeile sinnierte, entweder bewusst von Dir inszeniert oder einfach nur -sagen wir mal- "eingegeben" (ja, ich glaube an einen Genius, der uns durchs Leben geleitet) : Aphrodite, die Schaumgeborene, war gleichfalls eine dunkle Geburt aus dem unendlichen Meer.

Ebenso gefällt mir aber auch in Z3+z4 diese beschriebene, zielsichere, nicht beirrbare Suchbewegung.


Quoted

Schau, was nun im weißen Wind
den Glanzpunkt wiederfindet:


Eine bisher noch nicht gelesene Synästhesie.
Während bei Brentano die Winde "golden niederweh'n", sind sie bei Dir weiß, "weiß" (nebst Bündelung aller Spektralfarben) als Zeichen der Reinheit und "Wind" als eine strömende, leicht dahinwiegende Bewegung. Ein durchaus gelungenes Bild.


Quoted


Irispaare hinter Lidern
steh’n in neuem, feuchtem Beet;

... und sind fruchtbar, d.h. empfänglich für neue Eindrücke.

---------

Ein Schreibstil, den es auf jeden Fall lohnt, ihn nachzueifern.
Ich hoffe, ich bin mit dem Hervorkramen und der notwendigen Verarbeitung/Glättung meiner vor 10 Jahren begonnenen Lyrikversuche (die ich in Orpheus' Gesängen "einsargen" möchte) bald fertig, dass ich mich auch auf jene Pfade moderner Lyrik begeben kann.
Es wird aber kein Leichtes sein, aber Mühe, die sich lohnt.
Mit vielen damals geschriebenen Gedichten kann ich mich heute einfach nicht mehr identifizieren, sie wirken so befremdlich, so abgekühlt, dann aber auch wiederum in das Lied meiner momentanen Befindlichkeit einstimmend.

Ich bin momentan noch auf der inneren und äußeren Suche des Ausdrucks, :-) nennen wir es mal seelischen Regungen, und vieles bei mir hat nur experimentiellen Charakter, aber dafür ist ja die Plattform von GF da.

Liebe Grüße,
Ralph

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