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Date of registration: Dec 23rd 2006

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1

Saturday, June 2nd 2007, 2:22am

Herencia

Herencia

2000er Feuerwerk aus Rubin
weint starr im Rachen.
Das Glas verklingt
weiter, immer
weiter im
Geist.
Meist
leitet er
Zeit in Bahnen
über Schienen auf Zungen.
Ungeküsst schmeckt er nach Eisen.

RPK 020607
Sammelsurium: Werkesammlung


sanscryt

einfach nur franz

Date of registration: Sep 11th 2005

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2

Monday, June 4th 2007, 12:29pm

Guten Morgen AE,

eben habe ich noch in einem anderen Thread gelesen das du Weintrinker bist, was mich über diesen Text hier ansatzweise schmunzeln lässt...

Ich denke du schreibst über einen Wein - zumindest hat mir der Onkel von Google das geflüstert. Scheint irgendwie griechisch zu sein oder so. Vorausgesetzt ich habe recht gegoogelt ?(
Dein Inhalt kann ich leider nur erahnen würde mich aber sehr freuen wenn du etwas Hilfestellung leisten würdest.
Es kommt mir so vor als möchte dein Wein nicht getrunken werden und auch nicht nicht getrunken werden. In der Flasche als wie im Mund; beides ist ihm nicht recht. Vielleicht 'lebt' er für den Augenblick (im Glas)!?

Naja, mein Interesse hast du auf jeden Fall geweckt!

P.s.: Sizilianer schmecken dann doch besser als die Griechen :D


Gruß, Timo

zephyr - beeblebroxed

einfach nur franz


Date of registration: Dec 23rd 2006

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3

Monday, June 4th 2007, 1:29pm

Hallo Timo,

Quoted

Ich denke du schreibst über einen Wein
eigentlich nicht "über" einen Wein, sondern unter Verwendung eines Weines als Ausdrucksmittel.
Du hast nicht ganz "richtig" gegoogelt, das ist kein Grieche, sondern ein Valencia-Gran Reserva. (Roasted coffee and chocolate from oak frame ripe plum and raisin flavors. Firm tannins give way to spicy notes on the finish.) Er ist durchaus ein Aromafeuerwerk, aber ein bisschen scharf im Abgang, "starr im Rachen" ist also auch doppelt besetzt.
"Herencia" ist daneben spanisch für "Vermächtnis".

Hier steht nicht, wie Du vermutest, der Wein im Vordergrund, sondern das LyrIch, dass den alleine trinkt, darüber grübelnd. Der Genuss stellt sich nicht ein, der scharfe Nachgeschmack aber wird übertragen. Gedanken an das, was so ein Moment eigentlich haben könnte, aber hier vermissen lässt, bestimmen den zweiten Teil des Textes. Diese gegenwärtigen Erinnerungen an bessere Zeiten sind das Vermächtnis, das das lyrIch aus dem bisherigen Leben in diesem Moment spürt.

Es bleibt ein unangenehm blutig-eiserner Nachgeschmack.

Quoted

P.s.: Sizilianer schmecken dann doch besser als die Griechen :D
Ich habe keine Ahnung von Silzilianern. Aber dass sie besser als die Griechen sind, glaube ich sofort ;). Ich schwöre auf spanische Tempranillo-Reservas.

Gruß von Rotweinmensch zu Rotweinmensch
Roland
Sammelsurium: Werkesammlung


Odradek

Master

Date of registration: Mar 9th 2007

Posts: 727 wcf.user.activityPoints: 4,605

Location: reine Fiktion

Occupation: (Un-)Sinnspule

4

Monday, June 4th 2007, 4:26pm

Das Gedicht ist [einmal wieder] ein wunderbarer Beleg dafür, wie souverän und sicher Du mit sprachlichen Mitteln umgehen kannst, um ein Gedicht auf verschiedenen Ebene zu gestalten:
typographisch ist hier ein Weinglas nachgebildet (so ne Art kegelförmiger Römer) ...
Deine Art, mit unaufwändigen und unprätentiösen Mitteln ein so überzeugendes und schlagkräftiges optisches Ergebnis zu erzielen, begeistert mich immer wieder!
Das ist simpel, wirkt mE nie aufgesetzt, sondern natürlich - und das ist eine ganz große Leistung!

Und dann hat der Text eine klangliche Dichte, die mir gleich beim ersten Lesen auffiel - und die ich ebenso goutiere:
Von dem zentral plazierten Wort "Geist" strahlt die ei-Lautung nach oben und nach unten gleichermaßen gut gestrickt:
...
weint ...
...
weiter ...
weiter ...
Geist.
Meist
leitet ...
Zeit ...
...
... Eisen.


Das gibt ein klingendes Strickmuster! :D

Klang und Optik - beides bemerkt, geschätzt, belobigt, genossen =) ... beides Aspekte an der "Außenseite" des Gedichtes.
Wenn ich mich nun in den Inhalt hineinbegebe - dann mundet mir der Trunk nicht mehr ganz so gut. Das ist - subjektiv-persönlich - nicht so ganz mein Fall.
Die Botschaft hör ich wohl ...
Es ist ja so etwas wie Dein "Lacrimae barrique" - - wenn ich mal so sagen darf.

Quoted

Der Genuss stellt sich nicht ein ... Gedanken an das, was so ein Moment eigentlich haben könnte, aber hier vermissen lässt

Heee, das ist trefflich umschrieben! 8o
Ja, das ist es, was ich auch erkannt zu haben glaube (mit etwas Hilfestellung).
Aber für Deinen Aussage-Gedanken ist mir Dein Text ehrlich gesagt ...
... zu ... ... ... kurz. Zu lapidar.
Die letzte Zeile ist natürlich ein echter Knaller.
Das an zentraler Position plazierte "meist" - das gefällt mir letztlich nicht. In seiner Bedeutung ist das Wort ein bißchen zu indifferent, irgendwie zu "weich" ... passt für meinen Geschmack vom "Ton" her (mit dem daranhängenden Satz) nicht so recht in die von mir verstanden geglaubte Aussage.

Was mich sehr versöhnt, ist Dein Titel!
Von der Wortgestalt her hab ich auf Spanien getippt ... und mein Onkel Google sagte mir was von einer Rioja-Unterabteilung.
[Ist das ein Rioja? Oder ist mit "Valencia" eine Lage bei der gleichnamigen Küstenstadt gemeint (das wäre dann natürlich nicht mehr Rioja).]
Deine Erläuterung dazu mit dem "Vermächtnis" macht den Titel zu einer genialen Wahl!!!!!!


Gruß und Prost,
Frank. :P


PS.: Am besten sind die edlen Tropfen aus Burgund!
Aber ich trink im Sommer durchaus auch mal gern nen Retsina ...(apropos Griechen).
Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt.
(Afrikanisches Sprichwort)

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